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Ergebnisse der Kartoffelvirustestung in der Saison 2013/2014

Ein spannendes Kartoffeljahr geht zu Ende. Die in dieser Saison erzielten Ergebnisse werden uns lange, positiv in Erinnerung bleiben. Noch nie wurden derart gute Virustestergebnisse erzielt wie in der Saison 2013/2014. Nahezu 100% der Z-Proben haben die Virusnorm gehalten, dies ist ein phänomenales Ergebnis.

Grund für dieses gute Ergebnis ist unter anderem die Entwicklung der Blattläuse. Die sehr kalte Witterung im Winter/Frühjahr 2012/2013  führte bei den Blattläusen zu einer holozyklischen Überwinterung, d.h. die Blattläuse überwintern im Eistadium und müssen sich nach dem Schlupf im Frühjahr erst wieder neu mit Viren beladen. Gleichzeitig traten die ersten Larven sehr spät, um den 8.4. auf, da wir bis in den April eine ausgeprägte Kaltphase hatten. Im Vergleich dazu waren im Jahr 2012 die ersten Tiere bereits Anfang März zu finden. Bedenken wir hierbei, dass die Nützlinge immer ca. 14 Tage nach den Schädlingen folgen, war dies im Jahr 2013 nicht der Fall.  Es kam durch den späten Schlupf zu einem fast zeitgleichen Auftreten beider Gruppen und somit konnte sich keine größere Blattlauspopulation aufbauen.  Sowohl der Frühjahrsflug als auch der Sommerflug der Tiere war nur unterdurchschnittlich. Dies traf sowohl auf die typischen Kartoffelläuse als auch auf die PVY-übertragenden, aber nicht auf Kartoffel siedelnden Läuse zu.

So gut uns das Wetter bei den Läusen geholfen hat, so hinderlich war es beim Legen der Kartoffeln. Lange Zeit war dies aufgrund der Kälte nicht möglich. Auswirkungen hatte dieser Umstand dann auch auf den Ernteverlauf. Die Kartoffelproben wurden ca. 14 – 20 Tage später angeliefert als in den Jahren zuvor, so dass wir aufgrund nicht vorhandener Proben erst Ende August und nur sehr zögerlich die Gewächshäuser füllen konnten. Das Wachstum der Kartoffeln entschädigte uns dann allerdings für die späte Anlieferung. Die Stecklinge wiesen kaum Fäulen auf und auch die in anderen Jahren oftmals beobachteten Blattveränderungen durch Wuchsstoff haltige Pflanzenschutzmittel waren sehr selten zu beobachten. Was uns allerdings zunehmend Probleme bei der Erzeugung der Augenstecklinge macht, ist die immer ausgeprägtere Keimruhe der neueren Kartoffelsorten. Hier müssen wir, um die Kartoffelprobe zu stecken bis zu 6 Wochen warten, sie in dieser Zeit immer wieder umlagern von kalt nach warm und umgekehrt und zusätzlich noch eine Keimruhebrechung durchführen. Stecken wir die Kegel zu früh, so keimen sie nicht oder kaum, da sie keine Wurzeln am Keimling bilden. Der  Kartoffelkegel verfault und wir müssen eine Ersatzprobe anfordern.

 

Bei der Bonitur der Stecklinge hatten wir Besuch im Gewächshaus

In der Saison 2013/14 wurden im Pflanzenschutzamt Hannover bis zum 5.2.2014 insgesamt 2.595 Proben in der amtlichen Virustestung für das Anerkennungsgebiet der Landwirtschaftskammer Niedersachsen untersucht. Davon entfielen 1.223 Proben auf den Bereich der Vorstufen- und Basispartien und 1.372 auf dem Bereich der Z-Partien. Es zeigte sich, dass die Testergebnisse die Werte des Vorjahres erheblich übertroffen haben und erfreulich hoch lagen. So hielten im Bereich der Vorstufen- und Basispartien 97,1% der Partien die Virusnorm, 2,9% lagen zwischen 2% und 8% Virusinfektion. Es gab keine Partien, die mehr als 8% Gesamtvirus aufwiesen (siehe Tabelle 1). Im Vergleich zum Vorjahr 2012/13, in dem 91,7% anerkannt, 6,6% abgestuft und 1,7% aberkannt wurden, sind die Werte erheblich besser. Ähnlich sieht es im Bereich des Z-Pflanzgutes aus. Es konnten 99,3% die Z-Norm halten und nur 0,7% überschritten die Virusnorm von 8%. Solche Werte hatten wir noch nie! In der Saison 2012/13 konnten 95,3% die Z-Norm halten und 4,7% wurden aberkannt. Dies waren schon sehr gute Werte, aber bei weitem nicht so gut wie 2013/2014

Die oben dargestellten Werte können nun auch auf die Bereiche der einzelnen Bezirksstellen aufgeteilt werden.  In diesem Jahr wies der Bereich Weser-Ems bei den Vorstufen- und Basispartien eine 99,1%ige Erfolgsquote auf,  gefolgt von der Bezirksstelle Bremervörde mit 97,6% und der Bezirksstelle Uelzen mit 96,4%. Im Bereich der Z-Partien haben wir erstmals mit dem Bereich Weser-Ems ein Gebiet, in dem keine einzige Partie über der Virusnorm von 8%  lag. Die Bezirksstelle Uelzen (99,7%) sowie die Bezirksstelle Bremervörde (98,6%) folgen kurz dahinter.

Die weiteren Ergebnisse im Einzelnen können aus der Tabelle 1 abgelesen werden.

 

Tabelle 1 Ergebnisse der amtl. Virustestung von Pflanzkartoffeln 2013/2014 für das Gebiet der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Stand 5.2.2014 (in Klammern: Ergebnisse von 2012)

 

 

Anteil mit schwerem Virus befallene Pflanzen

Basisnorm gehalten

Abgestuft zu Z

Basisnorm nicht gehalten

Z-Norm gehalten

Z-Norm nicht gehalten


VB-Pflanzgut
(1223 Proben)


97,1%
(91,7%)


2,9%
(6,6 %)


0%
(1,7%)

 

 


Z-Pflanzgut
(1372Proben)

 

 

 


99,3%
(95,3%)


0,7%
(4,7%)


Bremervörde


97,6%


2,4%


0%


98,6%


1,4%


Uelzen


96,4%


3,6%


0%


99,7%


0,3%


Braunschweig


93,7%


6,3%


0%


98,7%


1,3%


Weser-Ems


99,1%


0,9%


0%


100%


0%


Privat

 


91,5%


8,5% 

   

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die bis zum 5.2.2014 von den Landwirten eingesandten Kartoffeln zur privaten Virustestung. Wie in den Vorjahren zeigt sich auch in diesem sehr gesunden Jahr doch ein erhebliches Gefälle zu den amtlichen Proben. Von den 328 bisher untersuchten Proben wiesen nur 91,5% eine Infektionsrate auf, die kleiner als 8% Gesamtvirus war. Insgesamt 8,5% zeigten Infektionen von über 8% bis teilweise 100%. Werden Partien mit derart hohem Virusbesatz ausgepflanzt, so kann es bei der Ernte zu sehr unliebsamen Überraschungen kommen.

Betrachtet man nun die Testergebnisse in Bezug auf die jeweiligen Kartoffelsorten, so fällt auf, dass bei dem insgesamt sehr guten Ergebnis doch einige Ausreißer zu finden waren. Wie in Tabelle 2 dargestellt, waren Sorten unterschiedlichster Reifegruppen betroffen. Im Vorstufen- und Basisbereich wiesen die Sorten ´Alexandra´, ´Amanda´, ´Antonia´ und ´Cilena´ etwas über dem Durchschnitt liegende Virusinfektionsraten auf. Auch im Z-Bereich zeigten speziell ‚Alexandra‘ ´Allure´, ´Danuta´ und ´Granola´ eine weit über dem Durchschnitt liegende Virusinfektion.

 

Tabelle 2    Ergebnisaufteilung nach einzelnen Sorten, Saison 2013/2014, Stand: 5.2.2014

 


Sorte

Z-Norm gehalten
%

Z-Norm
nicht gehalten
%

 


Sorte

Z-Norm gehalten
%

Z-Norm
nicht gehalten
%

Alexandra

84,6

15,4

Milva

100

0

Allians

100

0

Mungo

100

0

Allure

71,4

28,6

Novano

100

0

Anuschka

100

0

Princess

100

0

Axion

94,7

5,3

Rumba

100

0

Bellinda

100

0

Saturna

100

0

Cilena

100

0

Seresta

100

0

Danuta

75,0

25,0

Soraya

100

0

Euroflora

100

0

Tomensa

100

0

Eurostarch

100

0

Toscana

100

0

Granola

87,5

12,5

Verdi

100

0

Jelly

100

0

Vineta

100

0

Kuras

100

0

Zuzanna

100

 

Es war in diesem Jahr eine Freude, im Gewächshaus zu bonitieren. Jede gefundene, infizierte Pflanze konnte mit Handschlag begrüßt werden, so wenige waren es. Für die infizierten Pflanzen waren insbesondere die Viren PVY und PVS verantwortlich.  Das früher gefürchtete Blattrollvirus (PLRV) hat seinen Schrecken mittlerweile verloren und tritt nur noch sehr vereinzelt auf. Die oben geschilderte Reihenfolge der Virusinfektionen liegt zum größten Teil in den Übertragungsmechanismen der Erreger begründet. Die Viren PVY und PVS werden nichtpersistent durch Vektoren, in unserem Falle hauptsächlich Blattläuse übertragen. Dies bedeutet, dass die Laus das Virus innerhalb von wenigen Sekunden bis Minuten aus einer infizierten Pflanze aufnimmt. Dabei wir das Virus am Mundstachel mitgetragen. Die Infektion einer gesunden Pflanze geschieht auch wieder durch eine Probestich der infizierten Laus. Dabei genügen Saugzeiten von wenigen Sekunden. Eine Bekämpfung der Vektoren müsste darin bestehen, die Läuse im Anflug auf die Pflanze abzutöten oder die Stauden mit einem Stoff zu behandeln, der die Laus abschreckt. Sobald der erste Probestich gesetzt wurde, ist das Virus meist schon übertragen. Ganz anders sieht es beim Blattrollvirus aus. Hier muss die Laus den Erreger über längere Zeit (12 - 24 Std.) aufnehmen. Das Virus wandert in den Körper der Laus und wird über den Speichel bei längeren Saugzeiten wieder abgegeben. Die heute den Landwirten zur Verfügung stehenden Insektizide sind meist so wirksam, dass die Laus vor einer Infektion der Pflanze mit dem Blattrollvirus schon durch das Pflanzenschutzmittel abgetötet wird. Was wir leider auch beobachten ist eine stärkere Zunahme des PVM-Virus bei bestimmten, anfälligen Sorten und dies nicht nur in Niedersachsen. Woran dies liegt, können wir noch nicht sagen, aber hier müssen wir ein wachsames Auge darauf haben.

Insgesamt gibt es an den Testergebnissen nichts auszusetzen. Die Saison 2013/2014 kann als überaus erfolgreich angesehen werden. Für die Saison 2014/2015 wünschen wir eine Fortsetzung dieses Trends.

 

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Kontakt:
Dr. Volker Zahn
Leiter Sachgebiet Virologie, Bakteriologie, stellv. Leiter Pflanzenschutzamt
Telefon: 0511 4005-2172
Telefax: 0511 4005-2125
E-Mail:


Stand: 21.02.2014