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Schädlinge in Möhren bekämpfen - aber richtig!

Gierschblattlaus, Möhrenfliege, Möhrenminierfliege, beißende Insekten - wie kann man sie bekämpfen?

Damit Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung in Möhren erfolgreich durchgeführt werden können, muss man sich vorab mit der Biologie der Schädlinge auseinandersetzen. Nur wenn die Behandlung den Schädling auch trifft kann sie wirksam sein. Daher sind regelmäßige Bestandeskontrollen als Grundlage für die Entscheidung unumgänglich.

Läuse sind vor allem für junge Möhren gefährlich

In Möhren tritt hauptsächlich die Gierschblattlaus auf. Sie überwintert an Weiden und fliegt im Frühjahr zu ihren Sommerwirten aus der Familie der Doldenblütler. Neben den Saugschäden an den jungen Blättern können auch Viren durch die Läuse übertragen werden. Die Tiere sind mit 1-3 mm sehr klein, treten in Kolonien auf und sind durch ihre grüne Farbe im Bestand gut getarnt. Optisch sichtbar werden zuerst die weißen Häutungsreste rund um die Pflanzen. Für die Bestandeskontrollen hat es sich bewährt, ein weißes Blatt Papier neben die Pflanzen zu legen und seitlich gegen das Laub zu schlagen. Die Tiere lassen sich fallen und sind dann auf dem Papier gut zu erkennen.

Der wichtigste Schädling ist die Möhrenfliege

Möhrenfliegen treten in Niedersachsen im Normalfall mit zwei Generationen pro Jahr auf. Die erste Generation fliegt etwa ab Anfang Mai bis Anfang Juli, die zweite ab etwa Anfang August bis Ende September. Regional und zwischen den Jahren kann es aber deutliche Unterschiede geben. Die Tiere legen ihre Eier am Wurzelhals bzw. am Möhrenkopf ab. Die Larven wandern in den Boden und fressen zuerst an den Feinwurzeln. Erst das dritte Larvenstadium frisst sich in den Rübenkörper hinein und verursacht dort die typischen Fraßgänge. Daher befinden sich die Fraßgänge der Möhrenfliege meist im mittleren bis unteren Bereich des Rübenkörpers (siehe Foto 2). Die Tiere verpuppen sich im Boden und überwintern dort auch als Puppe. Im nächsten Frühjahr schlüpfen die Fliegen auf den Vorjahresflächen der Möhren. Die Tiere sind keine großen Flieger und haben nur etwa einen Radius von 1 km um ihren Schlupfort herum, in dem sie die neuen Möhrenflächen aufsuchen. Eine wichtige vorbeugende Maßnahme zur Vermeidung von Schäden ist daher die Standortwahl der Möhrenflächen mit möglichst weitem Abstand zu Vorjahresflächen. Außerdem halten die Fliegen sich gerne am Feldrand im Gebüsch auf und fliegen erst spät am Tag in die Bestände zur Eiablage. Windoffene Standorte sind für den Möhrenanbau daher günstig.

Fliegenlarven sind sehr schwer zu bekämpfen und die meisten Insektizide erfassen sie nicht. Sie sind daher in der Tabelle der Pflanzenschutzmittel als Schaderreger extra aufgelistet. Außerdem ist bei der Bekämpfung der richtige Zeitpunkt während der Flugzeiträume der Tiere wichtig. Diese kann man nur durch Monitoringsmaßnahmen vor Ort (gelb-orange Leimtafeln) oder mindestens über einen Warndienst ermitteln. Bekämpfungsmaßnahmen nach Kalender ohne Wissen über den tatsächlichen Flug sind meist sinnlos.

 

 

 

 

Den vollständigen Artikel mit einer Tabelle zugelassener Insektizide im Möhrenanbau (Stand April 2017) finden Sie als PDF-Datei im Anhang.


Kontakt:
Ulrike Weier
Pflanzenschutz im Gemüse- und Obstbau
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Stand: 04.05.2017