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Der Eichenprozessionsspinner

Besonders in warm-trockenen Regionen ist der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea,) verbreitet. Die Raupen dieses heimischen Falters fressen an den verschiedenen Eichenarten (Quercus spec.), die im Wald, im öffentlichen Grün und in Privatgärten gepflanzt sind. Neben dem pflanzenschädigenden Blattfraß geht von den Raupen auch eine Gesundheitsgefahr für den Menschen aus.

Biologie
Mit dem Laubaustrieb der Eichen schlüpfen die jungen gelblich-braunen Raupen aus und befressen das Eichenlaub. Die Raupen durchlaufen sechs Larvenstadien bis zur Verpuppung im Juni/Juli. Die Raupen können bis zu 5 cm Länge erreichen und nehmen mit der Zeit eine dunklere Färbung (grau-blau bis schwarz) an. Ab dem dritten Larvenstadium werden „Brennhaare“ (s.u.) entwickelt. Ab Mitte Juni (5. Larvenstadium) werden typische Nester gebildet, in denen die nachtaktiven Raupen den Tag geschützt verbringen und sich dort auch häuten.

 

Vorsicht, Abstand halten! Die Haare des Eichenprozessionsspinners können bei direktem Kontakt heftige allergische Reaktionen hervorrufen.  Hier sollte professionelle Hilfe gerufen werden.

Da die Raupen gesellig fressen, kann bei massivem Befall Kahlfraß auftreten. Namensgebend sind die zuweilen beeindruckend großen Prozessionen – Gruppen wandernder  Raupen, die mehrere hundert Tiere umfassen können.
Nach der Puppenruhe schlüpft der unscheinbare graue Falter mit etwa 25 bis 30 mm Spannweite aus. Die Schwärmflüge erfolgen in den Nachtstunden von Ende Juli bis Anfang September. Begattete Weibchen legen bis zu 150 Eier an Zweige im oberen Bereich (Zuwachs der letzten beiden Jahre) in Form  eines Eispiegels ab. Dabei bevorzugt der Falter zur Eiablage lichte Eichenwälder, Bestandsränder und besonnte Einzelbäume. Die Überwinterung erfolgt als Eiraupe im Gelege.
Verwechslungsgefahr: An Eichen kommen verschiedene Raupen vor, die zur gleichen Zeit wie der Eichenprozessionsspinner fressen und ebenfalls zu Kahlfraß führen können („Eichenfraßgesellschaft“). Insbesondere der Frostspanner (Operophthera brumata) tritt regelmäßig auf. Anhand der Raupen lassen sich die Tiere aber klar unterscheiden.
Die Brennhaare enthalten einen Eiweißstoff (Thaumetopoein), der eine pseudoallergische Reaktion (Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems) auslöst. Nach Hautberührung mit den Brennhaaren – auch bereits abgestoßene Haare und abgetreifte Häute in den Nestern! – tritt heftiger Juckreiz bis zur Nesselsucht auf. Augen und Schleimhäute (Atemwege) sind besonders empfindlich. Weitere Allergiesymptome bis zum anaphylaktischen Schock sind möglich. 

Verbreitung
In den letzten Jahren erweitert die Art ihr Verbreitungsgebiet und es kommt zu Massenvermehrungen.
Eine Verbreitungskarte für Deutschland ist unter http://www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_GF/FG_EPS/Karte%20Verbreitung%20EPS%20D%20April2013.pdf
abrufbar (Stand: April 2013).
Regionen in unmittelbarer Nachbarschaft bekannter Vorkommen sind potenziell Gebiete für das Auftreten des Eichenprozessionsspinners. Weiträumige Verbreitung und plötzliches Auftreten an weit von bekanntermaßen besiedelten Gebieten ist unwahrscheinlich. 

Vorsichtsmaßnahmen
Bei Aufenthalt in bekanntermaßen befallenen Gebieten, besonders bei Arbeiten in der Nähe befallener Eichen ist lange, möglichst dicht schließende Kleidung zu tragen. Die Kleidung sollte unmittelbar danach gewaschen werden. 

  • Berührung der Nester und Raupen ist unbedingt zu unterlassen.
  • Bei gesundheitlichen Probleme ist ein Arzt aufzusuchen.

Gegenmaßnahmen
Hinsichtlich der Bekämpfungsmaßnahmen sind physikalische und chemische Verfahren zu unterscheiden.

Physikalisch: Bei der Beseitigung der Nester mitsamt der darin enthaltenen Brennhaaren müssen unbedingt die erforderlichen Schutzmaßnahmen eingehalten werden, um unnötige Risiken für den Ausführenden und in der Nähe befindliche Personen zu vermeiden. Die Ausführung der Arbeit unmittelbar an den Nestern sollte Spezialfirmen (Schädlingsbekämpfer) überlassen bleiben.

  • Absaugen: Mit Hilfe spezieller Absauggeräte.
  • Abflammen: Die Maßnahme ist nicht zu empfehlen, da hierdurch Brennhaare mit dem aufsteigenden Luftstrom verbreitet werden können und die Bäume Schaden nehmen.

Chemisch: Der Einsatz von Insektiziden unterliegt strengen rechtlichen Regelungen. Im Falle der Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung können zwei unterschiedliche Rechtsrahmen gelten:

Ist der Zweck der Behandlung tatsächlich  der Schutz der Pflanze (Erhalt der Vitalität und Funktion des Baumes) gelten die Regelungen des Pflanzenschutzgesetzes und damit die Indikationszulassung von Pflanzenschutzmitteln. Beratung für das öffentliche Grün und den Privatbereich gibt das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Kontaktdaten unten). Handelt es sich um Waldflächen, ist die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsstation in Göttingen zuständig (http://www.nw-fva.de/).

Weit häufiger ist im öffentlichen Grün und auf Privatflächen davon auszugehen, dass der Schutz der menschlichen Gesundheit im Vordergrund steht. Somit ist die Biozidrichtlinie bindend und nur registrierte Biozide (http://www.jki.bund.de/?id=2194) dürfen zum Einsatz kommen. Für Beratung und ggf. notwendige Genehmigungen sind die Landkreise oder Städte/Gemeinden zuständig.

Die sachgerechte Ausbringung ist aufwändig und erfordert Spezialgerät. Daher ist der Insektizideinsatz von Spezialfirmen durchzuführen, um unnötige Risiken bei der Ausbringung zu vermeiden. Der beste Zeitraum zur erfolgreichen Bekämpfung ist ab dem Laubaustrieb bis etwa Mitte Mai gegeben, so lange keine Brennhaare entwickelt sind. Zudem sind jüngere Raupen empfindlicher als ältere Stadien. 

Weiterführende Links:

http://www.jki.bund.de/de/startseite/institute/pflanzenschutz-gartenbau-und-forst/fg-prozessionsspinner-fakten-folgen-strategien.html

http://www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_veroeff/faltblaetter/Eichenprozessionsspinner.pdf

http://www.berlin.de/imperia/md/content/basteglitzzehlendorf/abteilungen/bau/nga/eichenprozessionsspinner.pdf?start&ts=1312377429&file=eichenprozessionsspinner.pdf

http://www.lwf.bayern.de/waldbewirtschaftung/waldschutz/schaedlinge-und-baumkrankheiten/verzeichnis/eichenprozessionsspinner/35271/

Den vollständigen Artikel mit 5 Abbildungen können Sie sich mit der beiliegenden PDF-Datei herunterladen und/oder ausdrucken.


Kontakt:
Dr. Thomas Brand
Fachreferent Baumschulen, Zierpflanzenbau, öffentliches Grün
Telefon: 0441 801-760
Telefax: 0441 801-777
E-Mail:


Stand: 23.05.2013



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