Webcode: 01015849

Energiepflanzenfeldtage: Es muss nicht immer Mais sein

Über 380 Besucher informierten sich anlässlich der drei Energiepflanzenfeldtage auf den Versuchsfeldern an den Standorten Rockstedt (LK Rotenburg, BP 34), im emsländischen Werlte (BP 40) sowie auf dem Bördestandort Poppenburg (LK Hildesheim; BP 85) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Rahmen des Projektes „Regionale Bioenergieberatung und Öffentlichkeitsarbeit Energiepflanzenanbau“ über Energiepflanzen.

 

In Niedersachsen wurden 2009 auf gut 12 % der Ackerfläche - rund 230 000 Hektar –Energiepflanzen angebaut. Davon sind alleine 180 000 ha zur Erzeugung von Biogassubstraten für rund 904 Biogasanlagen mit einer inst. elektrischen Leistung von 467 MW.

Präsentiert wurden umfangreiche Versuche mit Mais, Zuckerhirse, Sonnenblumen, Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS), sowie Zuckerrüben. Aber auch einzelne neue und mehrjährige Kulturen, wie z.B. die Durchwachsene Silphie wurden vorgestellt. Ebenso wurden auch Blühstreifenmischungen vorgestellt, die aus ökologischer Sicht, aber auch aus Gründen der Akzeptanz gegenüber dem Energiepflanzenanbau positive Effekte versprechen.

Bild: Julia Becker von der Landwirtschaftskammer informierte über das Projekt „Regionale Bioenergieberatung und Öffentlichkeitsarbeit Energiepflanzenanbau“ und stellte ausreichend Informationsmaterial aus.

 

 

                       

 

Der Bedeutung von Mais als Energiepflanze für die Biogasproduktion entsprechend, nehmen die Versuche zu dieser Kultur breiten Raum ein. Auf allen Standorten werden neben den  Landessortenversuchen mit den unterschiedlich abreifenden Silomaissorten auch  anbautechnische Versuche mit Mais demonstriert.
Angestellt wurden verschiedene Vergleiche zur organischen und mineralischen Unterfußdüngung bei Mais. Durch die Rückführung der Gärreste werden erhebliche Nährstoffe dem Boden wieder zur Verfügung gestellt. Um die Gärreste möglichst effizient zu nutzen und möglicherweise auf mineralischen Dünger einzusparen, wurden entsprechende Varianten mit Gärrest und Gülle als Unterfußdünger geprüft. Das geht bodenschonend und verlustarm, wenn die Maisdrille beispielsweise direkt an dem Güllefass angebaut wird. Die Ausbringkosten sollen dann unter zwei Euro je Kubikmeter liegen. Ein genereller Verzicht der Unterfußdüngung wird nicht empfohlen, da dadurch mit Mindererträgen zu rechnen ist.
Anschaulich waren auch die Vergleiche unterschiedlicher Reihenweiten auf die Bestandsentwicklung beim Mais; der Vergleich beim Mais von Drillsaat mit  15 cm Reihenabstand,  zur Einzelkornsaat, einmal mit 75 cm Reihenabstand bzw. mit 37,5 cm. Die Engsaat mit einer Reihenweite von 37,5 cm verspricht durch die bessere Standraumverteilung einen höheren Ertrag. Anzustreben sind auf besseren Böden mindestens 10 Pflanzen je Quadratmeter. Der mit einer pneumatischen Getreidedrillmaschine ausgesäte Mais weist jedoch eine sehr ungleichmäßige Standraumverteilung auf.
Im Bereich Pflanzenschutz zu den Themen Unkrautbekämpfung und Schädlingsbekampfung wurde ebenfalls Stellung genommen; z.B. der Maiszünsler wurde in Poppenburg auf Praxis- und Versuchsflächen vorgefunden, daher wurde speziell auf entsprechende präventive Maßnahmen zur Vermeidung der Ausbreitung hingewiesen.

 Bild: In Rockstedt wurde eine selbstfahrende Pflanzenschutzspritze zum möglichen Einsatz von Fungizid und Insektizid in ausgewachsenen Maisbeständen vorgeführt.

                                                                     

 

Vorgestellt wurden auch Erntezeitversuche mit Wintergetreide-GPS. So erreichte die Gerste in Poppenburg deutlich früher den optimalen Erntezeitpunkt bei einem TS-Gehalt von 35 Prozent, was mehr Zeit für den Anbau einer Zweitkultur lässt. Das ist besonders dann wichtig, wenn die Flächen für die Biomasseproduktion knapp sind. Im Vergleich zur Gerste sind Roggen und Triticale jedoch ertraglich interessanter. In diesem Jahr lag gerade auch der Roggen im Ertrag vorn. Als zunehmend problematisch für den Zweitfruchtanbau erweist sich die mittlerweile häufiger auftretende Vorsommertrockenheit. Darüber nachdenken sollten aber Landwirte, die über eine Beregnungsmöglichkeit verfügen. „Die erste Euphorie ist gewichen“ sagte Carsten Rieckmann zum Thema Zweitfruchtanbau. Gut entwickelt hat sich in diesem Jahr die wärmeliebende Hirse, die neben Mais und Sonnenblumen als Zweitfrucht gesät wurde. Der Regen im August hat das Wachstum deutlich gefördert. Wenn also Wärme und Wasser ausreichend vorhanden sind, kann der Zweitfruchtanbau durchaus gelingen. Allerdings müssen auch die Auflaufbedingungen während der Aussaat stimmen. Ein ausgetrockneter Boden führte beispielsweise in Poppenburg zu sehr ungleichmäßig entwickelten Beständen.
Für den Grünroggenanbau zur Vornutzung Anfang Mai vor der Bestellung der Hauptkultur empfiehlt die Landwirtschaftskammer spezielle Grünroggensorten. Versuche mit unterschiedlichen Aussaat- und Erntepunktversuchen zeigen 2010, dass diese Sorten in den entscheidenden Wachstumsphasen im Herbst und Frühjahr in der Summe um durchschnittlich zehn Tage schneller in der Entwicklung sind und entsprechende Mehrerträge liefern.

Bild: Auch Thomas Hey von der Bezirksstelle Bremervörde konnte neben dem Mais auch andere interessante Energiepflanzen zeigen.

 

 

                                                                 

 

Zu sehen waren in Poppenburg auch unterschiedliche Reihenweiten (45 und 75 cm) und Bestandesdichten (25, 35, 45 Pflanzen/m²) bei Zuckerhirse. Zur Optimierung des Stickstoffbedarfs werden unterschiedliche Düngestufen (80, 120, 160 ,200 kg n) verglichen.

Sortenversuche werden auch bei Sonnenblumen durchgeführt, die aber eigentlich nur eine Nischenkultur für die Verwendung als Biogassubstrat sind. Das liegt vor allem an der Anfälligkeit für Sklerotinia und dem zunehmenden Lagerdruck bei nassem und windigem Wetter. Durch den hohen Fettgehalt der Körner können Methangehalte von 57 Prozent im Biogas erreicht werden. Die Gasausbeuten je Kilogramm TM liegen wegen der niedrigen Erträge unter denen von Mais, weshalb der Anbau in der Praxis seit einigen Jahren rückläufig ist.
Nicht nur in den traditionellen Rübenanbaugebieten in der Hildesheimer Börde, sondern auch im westlichen und nördlichen Niedersachsen wird die Zuckerrübe als Biogassubstrat zunehmend interessanter. Weil die Rüben mit einer Verweilzeit von 10 bis 15 Tagen deutlich schneller vergären als der Mais, wird der Durchsatz im Fermenter erhöht und die Methanausbeute gesteigert. Sortenwahl und Produktionstechnik unterscheiden sich bislang nicht vom Rübenanbau für die Zuckerproduktion. Entscheidend ist, die Rüben möglichst schmutz- und steinfrei zu ernten. Ein gemeinsames Silieren mit LKS oder CCM ist möglich. Durch den späteren Erntezeitpunkt profitiert die Rübe von einer längeren Wachstumszeit. Eine Herausforderung ist das Konservieren der Rüben, um sie über einen längeren Zeitraum für die Biogasproduktion zur Verfügung zu stellen. In der Praxis werden hier unterschiedliche Ansätze verfolgt: Hugo Schleupen, Betriebsleiter der Gutsgemeinschaft Lenthe bei Hannover, lagerte die gewaschenen Rüben als Ganzes im Traunsteiner Silo unter Folie. Norbert Gröblinghoff aus Anröchte bei Soest dagegen lagert die fein geschnitzelten Rüben in einem offenen Erdbecken. Unter einer 5 bis 8 cm dicken Deckschicht befindet sich ein pumpfähiger Rübenbrei. Der Vorteil dieses Verfahrens: Die Rüben können auch nach und nach einsiliert werden. „Die Landwirtschaftskammer will die Rübe versuchsmäßig mit begleiten“, kündigte Carsten Rieckmann auf dem Feldtag an. So kann die Rübe auch in den Regionen als Biogassubstrat eingeführt werden, in denen sie bislang noch nicht heimisch ist, wie beispielsweise im Emsland. Untersucht werden soll auch, wie sich Silierverluste vermeiden lassen.

Bild: Johann Högemann von der Bezirksstelle Meppen informierte Schüler der einjährigen Fachschule für Landwirtschaft in Meppen über den Zweitfruchtanbau.

 

                                  

 

Auch an Hand eines Fruchtfolgeversuches in Poppenburg wurde gezeigt, dass in Regionen mit hohem Markfruchtanteil, wie der Hildesheimer Börde, der Mais gut miteingebunden werden kann und hohe Erträge liefert.

Auf großes Interesse der Praktiker stieß mit der Durchwachsenen Silphie eine neue Kultur. Als nachwachsender Rohstoff ist die mehrjährige Pflanze für die Biogasproduktion sehr interessant. Die attraktive, gelb blühende Pflanze erreicht Wuchshöhen von bis zu drei Metern und lässt vergleichbare Trockenmasseerträge wie die des Mais erwarten. An der Optimierung des Anbauverfahrens wird derzeit gearbeitet. Bislang müssen vorkultivierte Jungpflanzen ausgepflanzt werden. Erste Praxisflächen sind jetzt auch in Niedersachsen angelegt worden. Wer sich für den Anbau der Durchwachsenen Silphie interessiert, sollte sich an die Landwirtschaftskammer Niedersachsen wenden.

 

Bild: Auf großes Interesse stieß die Durchwachsene Silphie, die jetzt im September auf den Versuchsflächen das erste Mal geerntet wird.

                                                                                                                                             

Die Energiepflanzenfeldtage der Landwirtschaftskammer Niedersachsen machten deutlich, dass seitens der Landwirtschaftskammer für Energiewirte ein umfangreiches Versuchsprogramm unterhalten wird, um zum reinen Maisanbau Alternativen zu finden. Das Ziel ist letztlich, eine möglichst maximale Biomasseproduktion je Hektar in der Praxis umzusetzen, und das nachhaltig.

Bild: Die Zuckerrübe wird an allen drei Standorten als Biogaspflanze getestet.

 

 

 

 

Bild: Karl-Gerd Harms informierte über Unterfußdüngungsversuche beim Mais.


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Grünland, Futterbau
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4500
E-Mail:
Julia Becker
Grünlandbewirtschaftung, Naturschutzprogramme, Projektarbeit
Telefon: 0511 3665-4385
Telefax: 0511 3665-4500
E-Mail:


Stand: 29.09.2010