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6. Fachforum Geflügelmast zieht gemischte Bilanz

Zum diesjährigen Fachforum in der Cloppenburger Münsterlandhalle mit den Themen Aktuelles aus dem Versuchswesen, Hygiene, Biosicherheit und das Spannungsfeld in der Geflügelmast kann eine gemischte Bilanz gezogen werden.

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„Dem Verbraucher muss bewusst werden, dass die Verbesserung des Tierwohls – wo immer sie machbar ist – mit höheren Kosten verbunden ist.“ Mit diesem Appell eröffnete Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen das 6. Fachforum Geflügelmast.

Die Besucher diskutierten dort über bessere Haltungsbedingungen für die Tiere und über die wirtschaftliche Situation der Branche. Auf der begleitenden Messe mit mehr als 60 national und international anerkannten Ausstellern informierte sich das Fachpublikum über neueste Entwicklungen in der Hähnchen- und Putenmast.

Im ersten Vortragsblock konnten zwei grundlegende Dinge realisiert werden. Zunächst stellten drei neue Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer ihre Versuche und innovativen Projekte zum Thema Tierwohl in der Hähnchen- und Putenmast vor.

Drei Erprobungen im Versuchswesen Tier wurden vorgestellt. – kurz und bündig- aber effektiv. Dies ist auch das Konzept des Versuchswesens der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit relativ einfachen praxisnahen Mitteln Neuerungen, Ideen und Innovationen, aber auch Stimmungen und Eindrücke aus der Praxis heraus, zu versuchen und umzusetzen.

Somit startete Jule Schättler mit einer Erhebung zur Verfütterung von Pflanzenkohle in einem bäuerlichen Hähnchenmastbetrieb, der nur durch die einfache mittige Stallteilung erkenntnisreich war. Einzigartig auch nur der Focus: Einstreuqualität und Fußballengesundheit. Alles andere an biologischen Leistungen wurden ausgeblendet und werden in den folgenden Durchgängen dann veröffentlicht.

Zwar kann behauptet werden, dass Fußballengesundheit viel zu oft gehört worden ist, er gehört aber zu den dominierenden Tierschutzindikatoren und wird in Zukunft den Begriff Tierwohl prägen und definieren.

Mathias Klahsen stellt in seinem zweiten Vortrag einen möglichen Kompromissweg zur verschärfenden Düngeverordnung und zur Erneuerung der TA-Luft vor. Diese Erhebungen in einem landwirtschaftlichen Betrieb sind Testläufe und Ausschnitte aus dem EIP-Carbofeet-Projekt zur Verfütterung von Pflanzenkohle, indem letztendlich die Idee oder die Innovation darin besteht, mit der Verfütterung von Pflanzenkohle das N-Bindevermögen ggf. so auszunutzen, dass gleiche Leistungen mit weniger Futtereiweiß erzielt werden können. Auch wenn in diesem Fall die biologischen Leistungen dieses Durchganges durchweg geringer als bei Standardfütterung sind, zeigt die Erhebung einen machbaren Weg. Und wenn dann die Leistungen mit der Rohproteinabsenkung von 1,5 % mit der Dualhuhnmast und der Bruderhahnmast bzw. mit „Kip van Morgen“ vergleicht werden, zeigen die Ergebnisse durchaus eine sinnvolle Vergleichbarkeit.

Die dritte Vortragende war Carla Brüning, die einen Ausschnitt aus der EIP-Agri Projekt „PoultryActivityFarming“ vorstellt. Die Mast und damit die Beschäftigung von Puten mit intaktem Schnabel stellen Niedersachsen vor großen Herausforderungen. Die politischen Ziele sind nach wie vor groß, auch bei Puten das Amputationsverbot durchzusetzen. Die Landwirtschaftskammer und sein Kooperationspartner die Tierärztliche Hochschule Hannover haben sich dieser Herausforderung gestellt und setzen in Praxisbetrieben die hochgesteckten Ziele mit der technisierten Beschäftigung in Putenställen um.

Im zweiten Vortragsblock berichten zwei Praktiker und Hähnchenmäster Teepker und Freese ihre hygienischen Erfahrungen in Punkto Wasser und Biosicherheit im eigenen Betrieb. Wiebke Wohler, Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtete aus aktuellem Anlass über Ertragsschadensversicherungen aufgrund der vergangenen Influenza-Problematik.

Das Eingangsreferat von Dr. Vinzenz Bauer führte zum Spannungsfeld Geflügelmast im Bereich Markt, Gesellschaft und Politik. Die politischen Vertreter konnten am Austausch mit der Praxis leider nicht teilnehmen

In Vertretung des NGW Vorsitzenden Otto Friedrich Ripke hielt Hermann Albers selbst Hähnchenmäster und NGW Vorstandsmitglied die abschließenden Worte und bedankte sich bei den Veranstaltern, Ausstellern und Besuchern

Das Fachforum Geflügelmast war in diesem Jahr relativ mäßig besucht. Gründe dafür waren zum Teil die Wetterprognosen, die Starkregen und hohe Temperaturen vorausgesagt haben. Andere Gründe waren Feldarbeiten wegen der herannahenden Niederschläge. Es wurden jedoch auch einige Stimmen laut, die Angst hatten nach Cloppenburg zu fahren, da der Ausbruch des letzten aviären Influenzafalls zum Zeitpunkt der Tagung erst rund 4 Wochen zurücklag.

Ein Eindruck der Veranstaltung kann über die Anlagen und den Film erfahren werden.

Die EIP-Projekte sind ein Bestandteil der Umsetzung der Europäischen Innovationspartnerschaft „Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft" in Niedersachsen. Die vorgestellten Projekte, die mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITTN), werden von der Praxis und für die Praxis durchgeführt. Die Finanzierung wird aus Landes-und EU-Mitteln sichergestellt.


Kontakt:
Dr. Peter Hiller
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-696
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Stefan Sagkob
Leiter Sachgebiet Versuchs- und Projektwesen Tier, Agrarsystemtechnik
Telefon: 0441 801-609
Telefax: 0441 801-634
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Stand: 24.05.2017