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Nährstoffanfall in der Milchviehhaltung

Die bundesweit geltenden Richtwerte für den Anfall von Gülle bzw. organischen Nährstoffen in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung stehen ständig in der Diskussion. Da bereits in Untersuchungen für andere Tierarten festgestellt wurde, dass diese teilweise einer Korrektur bedürfen, wurde die Feldversuchsstation damit beauftragt, den Nährstoffanfall in Milchviehhaltungen stichprobenartig zu überprüfen.

Material und Methode
Bei der Betriebsauswahl wurde auf die Erfüllung bestimmter Grundvoraussetzungen hinsichtlich der baulichen Ausführung des Stalles und der Stallbewirtschaftung geachtet:

  • Räumlich klar definierte Güllelager (-keller), die ausschließlich für die Kuhherde genutzt werden
  • Güllestandsmessung mit Peilstab durchführbar
  • Gülle jederzeit homogenisierbar und repräsentativ zu beproben
  • Kein Zulauf von stallfremder Gülle, Oberflächenentwässerung oder Regen- bzw. Waschwasser
  • Messung des Prozess- bzw. des Reinigungswasser des Melkstandes, des Milchtanks und des Tränkewassers mittels Wasseruhren
  • Tägliche Erfassung der Tierzahl, der produzierten Milchmenge und des Futterverbrauchs

Um erste Erfahrungen und Ergebnisse zu erhalten, wurde die Studie zunächst in einem Praxisbetrieb begonnen. Dieser verfügt über einen neuen Boxenlaufstall für 120 Kühe mit zwei Melkrobotern. In dem Stall werden ausschließlich melkende HF-Kühe gehalten. Laut Definition der Düngeverordnung hält der Betrieb „Ackerfutterkühe“ mit einer Milchleistung von 10 000 kg je Kuh und Jahr. Die Datenerhebung erstreckte sich von Juli bis Dezember 2011. Die Kuhzahl, die produzierte Milchmenge wie auch die verzehrten Milchleistungsfuttermengen wurden über die Melkroboter täglich ausgewertet. Die verbrauchten Grob-, Ausgleichs- und Mineralfuttergaben wurden vom Betriebsleiter täglich dokumentiert. Für die Ermittlung der Prozesswasser- und der Tränkwassermengen wurden Wasseruhren installiert und einmal wöchentlich abgelesen.

Die  Güllestände wurden wöchentlich mit einem Peilstab gemessen und zusätzlich zur Düngung entnommene Güllemengen dokumentiert. Aus den gesammelten Daten wurde dann der mengenmäßige Gülleanfall in m³ je Stallplatz und Jahr errechnet. Um die Nährstoffgehalte und letztendlich den Anfall an ausgewählten Nährstoffen (Stickstoff (N), Phosphat (P2O5) und Kalium (K2O)) je Platz und Jahr ermitteln zu können, wurden im 14-tägigen Rhythmus Gülleproben entnommen und analysiert.

Zur Plausibilitätskontrolle des Ergebnisses wurde eine so genannte „Stallbilanzierung“ durchgeführt, in der die Nährstoffzufuhren aus den Futtermitteln den Nährstoffabfuhren mit der Milch gegenübergestellt wurden. Hierzu wurden auch die Nährstoffgehalte aller eingesetzten Grund-, Kraft- und Mineralfutter von der LUFA Nord-West untersucht. Angaben zu den Milchinhaltsstoffen wurden der monatlichen MLP sowie den Milchqualitätsmitteilungen der Molkerei entnommen. Entwicklungen bei den Tiergewichten blieben unberücksichtigt.

Ergebnisse
1. Güllemenge:
Abgeleitet aus einem Zeitraum von 122 Tagen lässt sich ein mengenmäßiger Gülleanfall von 26,48 m3 je Platz und Jahr inklusive Prozesswasser errechnen. Der Spülwasseranteil belief sich bei diesem automatischen Melksystem auf 4 m3 je Platz und Jahr. Im Unterschied dazu sind in der Anlage 5 der Düngeverordnung für eine vergleichbare 10 000 kg ECM „Ackerfutterkuh“ eine Dunganfallmenge von 21 m3 je Jahr, inklusive Tränke und Reinigungswasser, als Richtwert veröffentlicht.

2. Nährstoffanfall:
Nach Gewichtung der angefallenen Gülle mit den Mittelwerten der Gülleanalysen ergibt sich folgender Anfall je Stallplatz und Jahr: N = 113,12 kg, P2O5 = 56,14 kg und K2O = 106,13 kg. Wieder im Unterschied dazu die Richtwerte der Düngeverordnung, abgeleitet aus den Arbeiten der DLG, dargestellt als Anfall / Stallplatz und Jahr: N = 138 kg, P2O5 = 46 kg,
K2O = 153 kg.

3. Stallbilanz:
Um den theoretischen Nährstoffanfall zu kalkulieren, wurde die Differenz zwischen Nährstoffzufuhr aus Futtermitteln und der Nährstoffabfuhr mit Milch gebildet. Im Ergebnis errechnet sich folgende Stallbilanz 1 in Anfall / Tierplatz / Jahr: N =139,8 kg, P2O5 = 42,09 kg und K2O = 118,85 kg. Hierbei wurden zunächst für die Kraftfutterzufuhr Nährstoffgehalte laut Deklaration verwendet. Werden die tatsächlich analysierten Nährstoffgehalte des Kraftfutters verwendet, korrigiert sich die Stallbilanz 2 auf: N: 143,33 kg, P2O5 auf 47,60 kg und K2O auf 116,72 kg.

Tabelle 1: Vergleich der Nährstoffanfälle je Stallplatz und Jahr für eine 10 000 kg "Ackerfutterkuh" (AF)

 

N

P2O5

K2O

Richtwerte nach DLG
(Ackerfutterkuh, 10 000 l)

kg je Stallplatz /Jahr

138,00

46,00

153,00

Nährstoffanfall gewichtet aus Güllemenge und Gülleanalysen

113,12

56,14

106,13

Stallbilanz 1
(Futterinhaltsstoffe laut Deklaration)

139,80

42,09

118,85

Stallbilanz 2
(Futterinhaltsstoffe
analysiert)

143,33

47,60

116,72

Erstes Fazit
Wie diese ersten Ergebnisse eines Betriebes andeuten, kann der Gülleanfall einer 10 000 Liter „Ackerfutterkuh“ in der Praxis über den Richtwerten von 21 m³ je Jahr liegen. Dies hat Auswirkungen auf den Lagerraumbedarf, den Gesamtwert und den Einsatz des betriebseigenen Düngers und die Nährstoffbilanz. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Tieren ausschließlich um melkende Kühe handelte. Die Trockenstehphase, in der die Tiere weniger Futter aufnehmen, aber auch keine Nährstoffe über die Milch abgeben, ist nicht berücksichtigt. Um dieses weiter zu verifizieren, werden Güllemengen und Nährstoffkonzentrationen der Gülle in weiteren Betrieben erhoben.

Der Unterschied zwischen dem Richtwert für den Stickstoffanfall und dem tatsächlich gemessenen Anfall ist aufgrund der Stall- und Lagerverluste von 15 bis 20 % plausibel. Der N-Überschuss laut Stallbilanz befindet sich ebenfalls in einer Schwankungsbreite, die aufgrund der Methode erwartet werden konnte. Anders verhält es sich bei den Phosphat- und Kaliausscheidungen. Hier zeigen die ermittelten Werte sowie die Stallbilanzdaten deutliche Unterschiede zu den DLG-Richtwerten. Der erhobene mittlere Phosphatwert liegt 10 kg P2O5 je Kuh und Jahr über dem Richtwert. Beim Kalium weichen die Werte über 35 kg K2O je Platz und Jahr voneinander ab. Hier spiegelt sich die Erfahrung der Praxis und früherer Untersuchungen wider, dass die Richtwerte zum Teil deutlich über den tatsächlich feststellbaren Kaliumgehalten liegen. Diese Ergebnisse untermauern die Empfehlung, dass betriebseigene Gülle nicht nur aus Gründen der Düngeplanung untersucht werden sollte.


Kontakt:
Dirk Albers
Leiter Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung
Telefon: 04401 82956-12
Telefax: 04401 82956-11
E-Mail:
Meike Backes
Beraterin Pflanzenbau
Telefon: 04761 9942-177
Telefax: 04761 9942-169
E-Mail:


Stand: 24.07.2012