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Versuchsbericht: Prüfung der Effekte des Einsatzes von Lebendhefen in Rationen für Kühe mit hoher Milchleistung

Kühe mit hoher Milchleistung weisen einen hohen Energiebedarf auf und müssen gleichzeitig als Wiederkäuer mit Rationen ausreichender Strukturwirksamkeit versorgt werden. Eine Versorgung deutlich unterhalb des jeweiligen Bedarfs führt zu Stoffwechselstörungen, die oft im subklinischen Bereich ausgeprägt sind. Insbesondere für Hochleistungskühe in der Frühlaktation mit noch eingeschränktem Futteraufnahmevermögen und/oder im Hochleistungsbereich ergibt sich der Anspruch, Rationen zu gestalten, welche eine ausreichende Strukturwirksamkeit mit der dann maximal möglichen Energieversorgung verbinden. 

Diesen beiden Zielstellungen werden in der Praxis sehr häufig mit der Verfütterung von Rationen im Grenzbereich der jeweiligen physiologischen Erfordernisse begegnet (Kraftfutter-Grobfutterverhältnis, Gehalte an Stärke/Zucker, NFC sowie ADF, NDF, strukturwirksamer Rohfaser). Wenn es dabei zu (sub)acidotischen Störungen im Pansen kommt, wird die Akti-vität der cellulolytischen Mikroorganismen gehemmt, und die Futteraufnahme geht zurück.

In einer umfassenden Literaturauswertung setzen sich Scheidemann und Steingaß (2004) mit den Wirkweisen von Lebendhefen im Pansenstoffwechsel und mit möglichen Effekten der Verfütterung von Lebendhefen an Milchkühe auseinander:

Effektive Lebendhefen werden als probiotischer Futterzusatzstoff in der Tierernährung eingesetzt (Saccharomyces, zugelassen Sc 1026, Sc 1077, Sc 1047). Ihnen werden im Pansenstoffwechsel folgende mögliche Wirkungen zugeschrieben:

  • Förderung der laktatverwertenden und/oder der cellulolytischen Mikroorganismen (unter bestimmten pansen- und ernährungsphysiologischen Bedingungen)
  • Quelle von Wachstumsfaktoren für Pansenmikroben
  • Förderliche sauerstoffzehrende Wirkung für anaerob lebende Mikroorganismen
  • Stabilisierung des Pansen-pH-Wertes durch reduzierte Laktatkonzentration trotz zunehmender Produktion von Freien Fettsäuren und/oder Verschiebung des Fettsäurenmusters
  • Stimulation des Celluloseabbaus, Verbesserung der Verdaulichkeit 
  • Steigerung der Bakterienzahl und des Proteingehaltes mit z. T. verminderter Ammoniakkonzentration und erhöhtem mikrobiellen Proteinfluss zum Duodenum
  • Steigerung der Futteraufnahme (um 0,5 bis 1 kg TM/Kuh/Tag), z. T. verbunden mit einer Steigerung der Milchleistung bei stabilisierten Milchinhaltsstoffen und/oder verbesserter Versorgungslage (abnehmende Ausprägung der Negativen Energiebilanz in der Frühlaktation, nachfolgend Verbesserung von Stoffwechselstatus und Tiergesundheit), reduziertes Ketose- und Acidoserisiko, insbesondere bei Hochleistungstieren und Rationen im Grenzbereich der Wiederkäuergerechtheit

Positive Effekte des Einsatzes von Lebendhefen in Fütterungsversuchen wurden häufiger beschrieben, aber nicht durchgängig erreicht. Stark variierende Versuchergebnisse  zeigen, dass insbesondere steigernde Effekte auf Futteraufnahme und auf die Leistung stark von den Rahmenbedingungen (Futtermittelauswahl, Rationszusammensetzung, Nährstoffgehalte, Pansenmilieu) abhängig sind. Zu beachten ist unbedingt, dass der Einsatz von Lebendhefen nicht dazu dient, gravierende Fütterungs- und Managementfehler zu korrigieren bzw. zu eliminieren. Er kann als eine Ergänzung guter fachlicher Fütterungspraxis vorgenommen werden, wenn damit die vorher beschriebenen Effekte erreicht werden.
Der Einsatz von Lebendhefen in der Milchkuhfütterung wird insbesondere für die Anfütterung vor der Kalbung und/oder in der Frühlaktation und Hochleistungsphase empfohlen. Die angestrebte Adaptions- bzw. Anfütterungszeit bis zum Eintritt der beschriebenen möglichen Effekte wird mit zwei bis drei Wochen angegeben.      

In einem Fütterungsversuch der LLFG Sachsen-Anhalt und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am ZTT Iden sollte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) geprüft werden, welche Effekte sich durch die Zulage von Lebendhefen auf die Futteraufnahme, die Milchleistung sowie auf ausgewählte Parameter des Stoffwechselstatus von Milchkühen mit hoher Leistung in der Frühlaktation und in der Hochleistungsphase unter den konkreten Fütterungsbedingungen der Versuchsanstellung auftreten. Diese Untersuchung wurde als  Einzeltierfütterungsversuch unter praxisnahen Bedingungen der Versorgung von Hochleistungskühen bei Umsetzung guter fachlicher Fütterungspraxis mit einer vergleichsweise knappen Proteinversorgung im Bereich der Vorgaben angelegt.

Den gesamten Versuchsbereicht entnehmen Sie bitte der unten angehängten Datei.
 


Kontakt:
Andrea Meyer
Fachreferentin Fütterung von Rindern und Schweinen, Futtermittelrecht, Futterberatungsdienst e.V., Versuchswesen Tier
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
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Stand: 18.09.2013