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Fachforum Schwein 2011 - ein voller Erfolg

Rund 1.000 Besucher des Cloppenburger Fachforums diskutieren mit Fachleuten.



Bild: Fachforum Schwein 2011

Um die Themen „Vermarktung von Schlachtschweinen“ und „Einsatz von Fremdarbeitskräften“ ging es auf dem Fachforum Schwein, das heute (2. Februar) in der Münsterlandhalle in Cloppenburg stattfand. Der Veranstalter, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, konnte dazu rund 1.000 Schweinehalter aus ganz Nordwestdeutschland begrüßen.

Die anstehende Veränderung der Wertermittlung von Schlachtschweinen nahm breiten Raum in den Fachvorträgen und Diskussionen ein. Die Einteilung in Handelsklassen geschieht heute zunehmend mittels Ultraschallverfahren (Auto-FOM), mit dem der Muskelfleischanteil und die Teilstückgewichte von Schlachtkörpern gemessen werden. Behilflich sind dabei Schätzformeln, die 1997 und damit zu einer Zeit errechnet wurden, als das Auto-FOM-Verfahren noch unbekannt war.

Prof. Dr. Wolfgang Branscheid vom Max-Rubner-Institut, Kulmbach, berichtete in diesem Zusammenhang von einer in den Jahren 2009 und 2010 durchgeführten Studie, die den heute noch gültigen Schätzformeln Ungenauigkeiten attestiert. Als Ergebnis werden noch in diesem Jahr neue Formeln für die Wertermittlung eingeführt. In Kombination mit der Messtechnik ließen sich damit Ausreißer in der Bewertung deutlich verringern, so der Wissenschaftler. Ungenauigkeiten in der Klassifizierung und in der Handelswertbestimmung seien deshalb aber noch nicht gänzlich ausgeschlossen. Sie könnten zum Beispiel auftreten, wenn Schweine geschlachtet und bewertet würden, die in ihrer Körperzusammensetzung extrem von den zugrunde liegenden Zuchtlinien abweichen.

Auch deshalb sei die optimale Maststrategie weiterhin, genetisch einheitliche Ferkel zu beziehen. Das verhindere „ein Auseinanderwachsen“ der Tiergruppe in der Endmast, so Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Auch er sieht die Klassifizierung von Schlachtkörpern durch die neuen Schätzformeln deutlich verbessert. Als Reaktion empfiehlt er den Landwirten, ihre Produktionstechnik anzupassen. Der Trend zu höheren Mastendgewichten sei falsch, so der Marktexperte. Das durchschnittliche Schlachtgewicht müsse von derzeit 98 Kilogramm auf 95 Kilogramm reduziert werden.

Da die neuen Schätzformeln zunächst mit verschiedenen Klassifizierungssystemen eingesetzt würden, sei Markttransparenz wichtig, um die unterschiedlichen Ergebnisse vergleichen zu können. Das Informationsportal www.schlachtdaten-online.de helfe Schweinemästern schnell und effektiv, den Vermarktungserlös zu optimieren. Hortmann-Scholten empfahl den Zuhörern, die von den Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erarbeiteten Hilfestellungen in der IQ-Agrarservice GmbH zu nutzen.

Beim Thema „Einsatz von Fremdarbeitskräften“ ist es nach Auffassung von Hermann Brengelmann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, unverzichtbar, vor Einstellung eines Mitarbeiters den Betrieb genau zu analysieren. Betriebsorganisation, Produktions- und Arbeitsabläufe sowie Zeitmanagement gehörten auf den Prüfstand und seien zu optimieren. Nur so ließe sich ein aussagekräftiges Stellenprofil und darauf aufbauend ein Mitarbeiterprofil zeichnen.

Diesen Prozess hat Landwirtschaftsmeister Stefan Teepker, Schweinehalter aus Handrup, mehrfach erfolgreich durchlaufen. Er berichtete aus Sicht eines Arbeitgebers über seine Erfahrungen im Umgang mit Fremdarbeitskräften. Für die Gestaltung effektiver Arbeitsabläufe sei eine klare, nachvollziehbare Arbeitsplanung wichtig. Verantwortlichkeiten, zum Beispiel die Pflicht zur Dokumentation, seien eindeutig zu benennen. Wichtig für die Motivation der Arbeitnehmer seien ein gutes Arbeitsklima und ein attraktiver Arbeitsplatz. Dazu gehöre auch, Mitarbeiter nach ihren Interessen und Stärken einzusetzen und sie nach Möglichkeit in betriebliche Entscheidungen einzubinden.

Das bestätigte auch Anne Budde, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung angestellt ist. Für sie als Arbeitnehmerin ist die Wertschätzung für die geleistete Arbeit ebenso wichtig, wie die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Chef und Mitarbeiter sowie die Verlässlichkeit von beiden Seiten. Auch die Fähigkeit, Kritik zu äußern, aber auch annehmen zu können, sei ein wichtiger Faktor für ein gutes Miteinander. Besonders in diesem Punkt komme es auf den richtigen Ton und Fingerspitzengefühl an.


Kontakt:
Dr. Heiko Janssen
Fachreferent Schweinezucht, Schweinehaltung
Telefon: 0441 801-637
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 11.03.2016