Webcode: 01025462

Riesen Andrang zum 6. Fachforum Schwein in Cloppenburg

Nur zufriedene Gesichter gab es am vergangenen Dienstag auf dem 6. Fachforum Schwein der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in der Münsterlandhalle Cloppenburg zu sehen. Einen solchen Andrang mit schätzungsweise 2000 Besuchern, die sich im Verlaufe der Veranstaltung durch die beiden Ausstellungshallen und den Vortragsbereich drängten, hatten weder die Veranstalter noch die Aussteller vorher erwartet. Dass neben den zahlreichen Fachbesuchern auch die Medienvertreter von Fachzeitungen, Tagespresse sowie Rundfunk und Fernsehen wieder stark vertreten waren, zeigt, dass sich die Fachtagung als feste Größe in der Region etabliert hat.
 

Schon die offizielle Eröffnung und Begrüßung durch den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Arendt Meyer zu Wehdel, fand vor vollen Rängen und gut gefüllten Gängen in den beiden Ausstellungshallen statt. In seinem Grußwort nahm er die verschiedenen aktuellen Themen, wie die Diskussionen um mehr Tierwohl oder auch Umweltauflagen auf. Er beschrieb in diesem Zusammenhang die Rolle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die auch zukünftig mit ihren Experten jedem als neutraler und fachlich versierter Ansprechpartner zur Verfügung steht. Darüber hinaus mahnte er alle, die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest ernst zu nehmen. Ein Einschleppen dieses Virus in die Veredlungszentren hätte neben den Existenz bedrohenden wirtschaftlichen Schäden für die gesamte Branche auch extreme psychische Belastungen für die Menschen auf den betroffenen Betrieben zur Folge. Deshalb sollten alle bekannten Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen von allen strengstens eingehalten werden, um das Risiko möglichst gering zu halten.

Sehen Sie hier einen kurzen Film der Regio TV zum Fachforum Schwein:


Video abspielen


Der erste Teil des Vortragsprogrammes behandelte das Thema „Initiative Tierwohl“. Wie sehr die Schweinehalter hier auf aktuelle Informationen warten und gerne die nächsten Schritte gehen wollen, zeigt der Umstand, dass neben den vollständig belegten Sitzplätzen auch kaum noch Stehplätze verfügbar waren.

Die beiden Referenten Dr. Karl-Heinz Tölle von der ISN Projekt GmbH und Peter Spandau von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen waren und sind maßgeblich in den Arbeitsgruppen zur Initiative Tierwohl beteiligt und waren damit die idealen Referenten. Beide verstanden es sehr gut, den Zuhörern die Hintergründe, Zielrichtung und den aktuellen Stand der Initiative Tierwohl zu vermitteln. Tölle betonte, dass Landwirtschaft in Zukunft nur noch mit der Gesellschaft möglich sei und dass es praktikabler und effizienter sei, wenn sich die Branche selbst um eine Verbesserung des Tierwohls kümmere anstatt auf eine Verordnung durch die Politik zu warten. Deshalb warb er für die Initiative Tierwohl, die mit vielen kleinen Maßnahmen in der Breite mehr Tiere erreichen könne als jedes noch so strenge Label, das aber nur für wenige Tiere die Bedingungen verändere. In der Umsetzung wird intensiv an den nächsten Schritten, wie z.B. der Gründung einer Trägergesellschaft, gearbeitet.

Die einzelbetrieblichen Auswirkungen der geforderten Kriterien und der geplanten Bonuszahlungen machte Herr Spandau in seinen ökonomischen Kalkulationen deutlich. Damit wurde den Zuhörern vermittelt, wie vorzugehen ist, wenn die einzelbetriebliche Entscheidung ansteht, an dem Programm teilzunehmen. Er wies darauf hin, dass die Initiative Tierwohl jedem Schweinehalter zugänglich ist, der die geforderten Kriterien einhält. Dabei werden die Stufen Ferkelerzeugung, Ferkelaufzucht und Schweinemast für sich betrachtet und können jede für sich an der Initiative teilnehmen. Wesentlicher Unterschied zu anderen Tierwohlprogrammen ist, dass das unter den Kriterien der Initiative Tierwohl erzeugte Schweinefleisch in der Ladentheke nicht besonders gekennzeichnet wird.

Am späten Nachmittag ging es mit dem Themenblock Öffentlichkeitsarbeit weiter. Hier zeigte Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein den Gästen, dass sie als Landwirte ein extrem hohes Vertrauen in der Bevölkerung genießen. Laut einer Statistik stünden die Landwirte dabei auf dem 7. Platz, unter anderem hinter Feuerwehrleuten, Ärzten und Polizisten. Alle Menschen, die mit „Leben“ arbeiten, genießen laut Hauschild erst einmal ein gutes Ansehen und hohes Vertrauen. Bis sie es brechen – das wiederum nehmen die Verbraucher persönlich. Der Holsteiner empfahl den Besuchern, in die Öffentlichkeit zu gehen, die echte Landwirtschaft zu zeigen und dabei auch Kritiker mitzunehmen.

Davon konnte Christian Henne berichten: Der Landwirt hatte seinen Schweinestall dem Magazin „Der Spiegel“ geöffnet und sagte: „Ich würde es wieder tun.“ Obwohl die Berichterstattung sehr kritisch und nicht immer ganz fehlerfrei gewesen sei, betonte auch er den offensiven Schritt nach draußen.

Nach draußen gehen auch Staub, Geruch und Ammoniak. Dies griff Sebastian Bönsch, Fachberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, im dritten Vortragsblock zum Thema Emissionsschutz durch Abluftreinigung auf. Er stellte in seinem Vortrag die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Abluftreinigung vor und mahnte die Landwirte, genau zu prüfen und nachzurechnen, was die Hersteller ihnen anböten. Die Technik sei da, allerdings sei nicht jedes System für jede Abluftreinigung zu verwenden.

Dies bestätigte auch der Landwirt Clemens Ideler. Er betreibt auf seinem Betrieb einen Schweinemaststall mit einer Abluftreinigungsanlage und berichtete den Anwesenden, aus welchen Gründen er sich entschloss eine Abluftreinigungsanlage zu installieren. Hochinteressant waren seine Erfahrungen mit dem bisherigen Betrieb der Anlage, die er eindrucksvoll mit eigenen Zahlen belegte. Diese deckten sich mit den zuvor schon von Sebastian Bönsch gemachten Angaben und untermauerten die Aussage, dass neben den reinen Investitionskosten eben auch besonders auf die nicht zu vernachlässigenden Betriebskosten zu achten ist. Diese bewegen sich durchaus in Größenordnungen von bis zu 5,60 € je Mastschwein und beeinflussen die Gesamtwirtschaftlichkeit der Schweinemast damit entscheidend.

Auch nach der abschließenden Diskussion der Beiträge wurden noch viele Gespräche auf den Ständen der Aussteller geführt. Als die Veranstaltung um 21 Uhr offiziell beendet wurde, waren sich alle zumindest in einem einig: Das Konzept des Fachforum Schwein, eine Vortragstagung mit einer Fachmesse zu verbinden, bietet sehr konzentriert eine Vielzahl von aktuellen Informationen sowie eine Plattform für intensive Gespräche und wird beim 7. Fachforum Schwein 2016 wiederholt!

In der Anlage finden Sie einige Fotos der Veranstaltung und die Kurzfassung der Vorträge.

Hier gelangen Sie zu der Pressemitteilung der Veranstaltung.


Kontakt:
Dr. Heiko Janssen
Fachreferent Schweinezucht, Schweinehaltung
Telefon: 0441 801-637
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 13.01.2017



PDF: 20003 - 9783.63476562 KB   Fotoalbum Fachforum Schwein 2014   - 9784 KB  
PDF: 19999 - 19377.8691406 KB   Vortrag von Sebastian Bönsch   - 19378 KB  
PDF: 20000 - 1874.95800781 KB   Vortrag von Sönke Hauschild   - 1875 KB  
PDF: 20004 - 2853.64160156 KB   Vortrag von Peter Spandau   - 2854 KB