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Gülleanfall von Schweinen

Wie viel Gülle produziert ein Schwein tatsächlich? Diese Frage wird insbesondere wegen der hohen Kosten für Flächenpacht bzw. Gülleabfuhr zunehmend häufiger gestellt und ist nur selten zufriedenstellend zu beantworten. Produktionstechnische Unterschiede, z. B. Trocken-, Brei- oder  Flüssigfütterung, können zu erheblichen Differenzen im Gülleanfall führen. Schon allein die Wasserversorgung kann eine Ursache dafür sein, dass der Gülleanfall von Betrieb zu Betrieb stark schwanken kann.

Die Durchflussraten der Tränken können erheblich variieren, so wurden z.B. in einer Feldstudie der Tierärztlichen Hochschule Hannover Flussraten von < 500 bis > 3000 ml/min in Mastbuchten gemessen. Tränken sind falsch positioniert oder werden zwischenzeitlich abgestellt, die Wasseraufnahme ist durch schlechte Wasserqualität reduziert - all das kann letztendlich zu mehr oder weniger Wasser im Güllekanal führen. Wie wirkt sich eine eiweißreduzierte Fütterung auf den Gülleanfall aus? Wesentliche Einflussgrößen sind also die Fütterung und die Art der Wasserversorgung.

In den meisten Fällen geht es deshalb nicht ausschließlich um die reine Güllemenge, sondern um den Anfall von Gülle, Tränke- und Reinigungswasser (Waschwasser). Wie gründlich erfolgt die Reinigung? Ist eine Einweichanlage vorhanden? Pauschalwerte sind auch hier nicht besonders geeignet. Bei Bezug auf Mastplatz und Jahr spielt außerdem die Zahl der Umtriebe eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Festlegung des Gülleanfalls.

Diese wenigen Punkte zeigen, dass es schwierig ist, mit einer einzigen Faustzahl allen Betrieben gerecht zu werden. Genaue Bilanzierungen sind nicht nur extrem schwierig, sondern auch sehr zeitaufwändig, und exakte Untersuchungen zum Gülleanfall in Schweineställen wurden bisher nicht sehr häufig durchgeführt. Seit einigen Jahren gibt es ein KTBL-Heft, in dem Methoden zur genauen Ermittlung der Güllemengen beschrieben sind.

Die Düngeverordnung fordert je Mastplatz und Jahr einen Lagerraum von 1,5 m³ inkl. Tränke- und Reinigungswasser. Die LWK Niedersachsen geht in der Schweinemast im Mittel auch von 1,5 m³ aus und berechnet für die Brei- und Sensorfütterung 1,2 m³ und für die Flüssigfütterung 1,8 m³/ Stallplatz und Jahr. Dabei liegt ein durchschnittlicher TS-Gehalt von 6 % zugrunde (7 % bei Trocken- und 5 % bei Flüssigfütterung).

In der Ferkelerzeugung gelten folgende Güllemengen je Stallplatz und Jahr:

Sau mit Ferkeln bis 28 kg: 6 m³

Sau mit Ferkeln bis 8 kg: 4 m³

Für die Ferkelaufzucht werden 0,6 m³/Jahr kalkuliert.

Ermittlung des Gülleanfalls

Mehrjährige Untersuchungen der LWK in Nordrhein-Westfalen aus den 80er Jahren ergaben einen Gülleanfall (ohne Reinigungswasser) von ca. 0,3 bis 0,4 m³/Mastschwein je nach Fütterungsverfahren. Damals lag das Endgewicht allerdings knapp unter 100 kg. Je kg Zuwachs fielen bei Trockenfutter etwa 4 l und bei Flüssigfutter 5 l Gülle an.

Aktuelle Zahlen der LfL Bayern zeigen, dass im Mittel aus elf Durchgängen 0,45 m³ Gülle/Mastschwein anfallen. Hierin ist das Reinigungswasser noch nicht enthalten (Die LfL Bayern geht in der Praxis von 10 bis 15 % Reinigungswasser aus). Der Gülleanfall bezieht sich auf einen standardisierten TS-Gehalt von 5 %, die Messwerte schwankten von 4,0 bis 6,2 %. Die jeweiligen Zahlen aus den verschiedenen Fütterungsversuchen schwankten, so wurden z. B. 0,49 m³/Tier bei  4,1 % TS und 0,46 m³/Tier bei 5,7 % ermittelt, was bei einem TS-Gehalt von 5 % einer Menge von 0,40 bis 0,52 m3 entspricht. Auch zwischen Sommer und Winter gab es große Unterschiede in der Güllemengen, so fielen im Sommer etwa 20 % mehr an.

Das KTBL beziffert den Gülleanfall mit durchschnittlich 1,5 m³/Mastplatz und Jahr. Dabei sind 2,83 Umtriebe und 7,5 % TS unterstellt. Je Mastschwein ergeben sich daraus 0,53 m3 bzw. bei 5 % TS 0,80 m³, das ist deutlich mehr als in den bayerischen Messungen.

Um verlässliche Zahlen zu bekommen, sind weitere Messreihen dringend erforderlich.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
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Stand: 11.03.2016