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Informationsveranstaltung zur "Initiative Tierwohl"

Am Montag, den 19. Januar 2015, informierte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zusammen mit der Oldenburger Schweinezuchtgesellschaft (OSG) über die Möglichkeiten und den konkreten Ablauf der Initiative Tierwohl.
 

Das freiwillige Aktionsbündnis setzt sich aus verschiedensten Partnern der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. Die Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wollen gemeinsam eine Weiterentwicklung der Tierwohlstandards, der Tierhaltung und der Tiergesundheit bewirken. Die Initiative stellt ein klares Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit und Verantwortung in der Fleischproduktion.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Heiko Janssen (Fachreferent Schweinezucht und Schweinehaltung, LWK Niedersachsen) gab Tobias Horn (iq-agrar) einen Überblick über die Strukturen der Initiative Tierwohl.

Bei der Initiative Tierwohl handelt es sich um einen vom Marktpreis entkoppeltem Fond, der durch die teilnehmenden Mitglieder des LEHs finanziert wird. Seit dem 01. Januar 2015 zahlt der LEH bereits 4 Cent pro verkauftem Kilogramm Schweinefleisch -egal ob frisch oder verarbeitet- in diesen Fond ein, der von der sogenannten Clearingstelle verwaltet wird. Der Tierhalter erhält für jedes umgesetzte Kriterium einen Zuschuss aus diesem Fond, der seinen Mehraufwand entlohnen soll. Insgesamt bedient sich die Initiative Tierwohl der Infrastruktur von QS, wobei diese ansonsten in Gänze voneinander entkoppelt sind. Zu beachten ist, dass die Zulassung bzw. Teilnahme an der Initiative eine klare Ja/Nein-Entscheidung ist. Alle ausgewählten Kriterien müssen in Gänze erfüllt sein, wodurch die Sorgfalt der Kriterienauswahl noch einmal betont wird. Verstöße gegen nur ein eigens ausgewähltes Kriterium bedingen einen sofortigen Ausschluss und können Sanktionen bis zu einer Höhe von 100.000 € zur Folge haben. Verantwortlich dafür ist die Clearingstelle.

Höchstwahrscheinlich kann die Anmeldung (vgl. Abbildung 1) der Tierhalter ab dem 01.04.2015 erfolgen. In den ersten 4 Wochen werden alle Anmeldungen gesammelt und anschließend eine Liquiditätsprüfung der Clearingstelle durchgeführt. Entscheidend für die Reihenfolge der Teilnahme an der Initiative ist das Datum, an dem die ausgewählten Kriterien vom angemeldeten Betrieb umgesetzt werden. Details und die erforderlichen Angaben für die Anmeldung können auf der offiziellen Homepage der Initiative Tierwohl eingesehen werden (www.initiative-tierwohl.de).

Für die endgültige Zulassung und den Zahlungsanspruch für die folgenden drei Jahre werden in einem sogenannten Erstaudit die Grundvoraussetzungen sowie die ordnungsgemäße Umsetzung der Kriterien überprüft. In jährlich unangekündigten Folgeaudits wird dann stichprobenartig überwacht, ob die Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.

Wie die im Kriterienkatalog inzwischen veröffentlichten Möglichkeiten aussehen und entlohnt werden, wurde im zweiten Tagesordnungspunkt detailliert ausgeführt. Anska Brötje (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) legte die verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten und -verbindlichkeiten dar, die für eine Teilnahme an der Initiative Tierwohl erforderlich sind.

Jede Produktionsart stellt gewisse Grundanforderungen an den Betrieb, die sich zwischen der Sauenhaltung, Ferkelaufzucht und Mast nur geringfügig unterscheiden. Hierfür erhält der teilnehmende Betrieb einen Pauschalbetrag von 500 Euro. Unter anderem ist vor dem Erstaudit ein Klima- und Tränkewassercheck für den Betrieb erforderlich. Des Weiteren stehen verschiedene Wahlpflicht- und Wahlkriterien zur Verfügung. Der pauschale Grundbeitrag und die kriterienabhängige Vergütung ergeben zusammen den Tierwohlzuschuss für den Betrieb. Zu beachten gilt: Ein Betrieb ist definiert als eine Produktionsart, die unter einer VVVO-Nr. läuft. Innerhalb dieses Betriebes müssen in allen Stallungen die angegebenen Kriterien erfüllt sein. Die offiziellen Kriterienkataloge können ebenfalls unter www.initiative-tierwohl.de eingesehen werden.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die kritische Betrachtung der ökonomischen Aspekte. Hierbei stellte Gerd Hermeling (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) anhand von Praxisbeispielen die betriebsindividuelle Betrachtungsweise in den Vordergrund. Eine Teilnahme an der Initiative Tierwohl muss immer für den Einzelbetrieb entschieden werden. Die sorgfältige Auswahl der Kriterien ist zum einen eine Frage der baulichen Gegebenheiten, zum anderen sollte aber auch die gesamtbetriebliche Betrachtung insbesondere unter wirtschaftlichen Aspekten nicht außer Acht gelassen werden. Mehr Platzangebot pro Tier bedeutet zum Beispiel eine geringere Produktion an Tieren und somit einen geringeren Umsatz. Jedoch ist eventuell die Zupacht von weniger Fläche erforderlich bzw. die Gülleabgabe kann gesenkt werden. Diese Faktoren müssen bei der Vollkostenanalyse mit berücksichtigt werden.

Alle Hintergründe, die Kriterienkataloge, offiziellen Formulare und weitere Informationen rund um die Initiative Tierwohl finden Sie auf der Homepage: www.initiative-tierwohl.de. Für die Beratung in der Schweinehaltung stehen an den verschiedenen Standorten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen qualifizierte Fachberater zur Verfügung (vgl. Abbildung 2).


Kontakt:
Dr. Heiko Janssen
Fachreferent Schweinezucht, Schweinehaltung
Telefon: 0441 801-637
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Carla Brüning
Beraterin Koordination Versuche Schwein, VST Wehnen, EIP Projekt PoultryActivityFarm (PAF)
Telefon: 0441 801-280
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 05.04.2017