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Fahrsilos sorgfältig planen: Seminare in Osnabrück

Bei vielen Rindviehhaltern stehen in den nächsten Jahren Investitionen bei der Silagelagerung an. Auslöser dafür sind entweder der erhöhte Bedarf an Silage nach einer Aufstockung des Tierbestandes, die gestiegenen wasserrechtlichen Anforderungen an die Silolagerung oder auch die Einschränkungen bei der Anlage von Feldmieten. Entsprechend groß war das Interesse an einem Seminar der Bezirksstelle Osnabrück, das neben den rechtlichen Aspekten vor allem auch die Planungsgrundlagen und gute bauliche Lösungen in den Mittelpunkt stellte.

Die Plätze für Siloanlagen sind in jedem Fall wasserundurchlässig anzulegen. Genehmigungsfähig sind heute ausschließlich Asphalt- und Betonausführungen. Aufkantungen, Rinnen bzw. leichtes Gefälle sorgen dafür, dass Gär- und Sickersäfte, Reinigungswasser sowie verschmutztes Regenwasser sicher abgeleitet, aufgefangen und dann sachgerecht entsorgt werden können.

Zwei-Strang-Entwässerungen, bei denen das anfallende Niederschlagswasser aus leeren Silos getrennt zur Versickerung abgeleitet werden kann, sind bei Neuanlagen nicht mehr zulässig. Bei bestehenden Lagerstätten ist dieses Trennsystem weiter im Einsatz, allerdings mit regelmäßiger Überwachung durch den Landkreis. Um ein Genehmigungsverfahren für eine neue Anlage möglichst reibungslos über die Bühne zu bekommen, empfiehlt es sich, mit allen Beteiligten vorab eine „Antragskonferenz“ durchzuführen

Besonders bei Milchviehbetrieben mit mehreren Silos im Anschnitt beobachtet Alfons Fübbeker von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen häufig einen zu geringen Vorschub bei der Entnahme. Um die geforderten zwei Meter pro Woche (Winter 1,50 m, Sommer 2,50 m) zu erreichen, sind bei ganzjähriger Fütterung überschlägig insgesamt 100 m Silolänge für Mais- und 100 m für die Grassilage anzusetzen. Höhe und Breite des Futterstapels ergeben sich aus der Tierzahl. Ein Beispiel ist in Übersicht 1 dargestellt.

Kammern mit Seitenwänden haben klare Vorteile gegenüber Platten ohne Wände durch weniger Flächenbedarf, eine bessere Verdichtung im Randbereich, weniger Futterverluste und ein sicheres Arbeiten. Bezogen auf die Nutzungsdauer sind die Mehrkosten eher von zweitrangiger Bedeutung. Für die Mittelwände zwischen den Silokammern bieten sich U-Elemente an, außen stehen meist L-Elemente, teilweise auch mit Anfüllung durch einen Erdwall. Alle Fugen sind durch eine Fachfirma wasserundurchlässig auszuführen. Die jährliche Sichtkontrolle auf undichte Stellen ist Aufgabe des Landwirts.

Die Betonwände – heute ganz überwiegend als Fertigelemente geliefert - sind vor dem Angriff der Gärsäuren zu schützen. Dies kann durch eine schützende Wandfolie oder durch einen Anstrich (haftet besser ab dem 2. Jahr) erreicht werden. Schräge Wandelemente werden nur noch bei niedrigen Höhen eingesetzt. Probleme gibt es mit Undichtigkeiten dieser Silos durch Schäden an den Platten bei unzureichender Hinterfüllung und in der Bodenfuge der Platten. Außerdem wird die Siloentnahme durch die Schräge erschwert. Betonblocksteine nach dem „Lego-Prinzip“ haben keine Zulassung für die Silolagerung.

Aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen im Baugrund und unterschiedlicher Bauausführungen sind die Investitionskosten einer Siloanlage nur überschlägig abzuschätzen (Übersicht 2). Bezogen auf eine Siloanlage für Milchvieh (Betriebsgröße 80 bis 200 Kühe, incl. Nachzucht) ist je Kuh von 2000 bis 2500 Euro auszugehen. Daraus ergeben sich Jahreskosten von 1,5 bis 2 Cent je kg Milch.

Viele praktische Tipps für die Planung und Ausführung einer Siloanlage kann man sich bei Berufskollegen abholen, so die Erkenntnis bei den Betriebsbesichtigungen im Rahmen des Seminars. Auf genügend Platz für die großen Transportfahrzeuge beim Silieren sollte genauso geachtet werden wie auf ausreichend Rangierraum beim Entnehmen und Mischen der Silage. Das Umsetzen des Mischwagens zwischen verschiedenen Beladungsplätzen ist ein täglicher „Zeiträuber“, ebenso wie zu lange Fahrstrecken mit der Entnahmetechnik am Schlepper bzw. Radlader. Für die tägliche Bewirtschaftung der Silos werden U-Elemente als Wände und auch Erdwälle an den Außenwänden von Praktikern als sehr hilfreich und sicher bewertet. Beim Walzen schützt man die Wände mit der vorgehängten Wandfolie (und den Schlepper) am besten dadurch, dass zu den Wänden hin etwas mehr Siliergut eingebracht wird als in der Silomitte. Die Silokammern sollten zum Abschluss an den Seiten bis zur Wandhöhe gefüllt sein. Zur Mitte hin ist dann eine Überhöhung in einem Winkel bis zu 30 Grad aufzubringen.

Nicht sparen sollte man an der Anzahl der Abläufe in der Siloanlage. „Silowasser“ greift den Bodenbelag an, egal ob Asphalt oder Beton, und sollte deshalb mit stetigem Gefälle rasch von der Fläche zu den „Gullys“ abgeleitet werden, um eine möglichst lange Haltbarkeit der Anlage zu erreichen. Einig waren sich die Landwirte, dass in den neuen Fahrsilos mit den Wänden die Einlagerung und Verdichtung des Futters deutlich besser geworden ist. Auch die Arbeitsqualität und – sicherheit wird als Vorteil gegenüber den bisherigen Platten angesehen.

Fazit:
Für die Planung einer neuen Siloanlage sollte der Landwirt sich mit seinem Berater ausreichend Zeit nehmen. Hier können bereits die wichtigsten Anforderungen (s. Übersicht 3) abgearbeitet werden. Bei einer „Antragskonferenz“ mit der Genehmigungsbehörde kann dann der rechtliche Rahmen geprüft werden. Die Baumaßnahme selbst wird häufig an einen Generalunternehmer vergeben. Trotzdem sollte der Landwirt mit wachem Auge die Ausführung im Blick haben. Durch eine regelmäßige Kontrolle, Pflege und Reinigung kann die Lebensdauer der (teuren) Anlage verbessert werden.


Kontakt:
Dr. Georg Teepker
Leiter Fachgruppe Betrieb / Tier
Telefon: 0541 56008-134
Telefax: 0541 56008-150
E-Mail:


Stand: 23.06.2017