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Aktuelle Endstufeneber im Leistungsvergleich

Auf Initiative der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Zentrum für Tierhaltung und Technik des Landes Sachsen-Anhalt (LLFG) in Iden ein kombinierter Aufzucht- und Mastversuch von Mastendprodukten verschiedener Endstufeneber durchgeführt.

Auf dem Foto ist ein Eber der Rasse Pietrain abgebildet
Die dramatischen Veränderungen im Zuchtschweinebereich haben neben den züchterischen Anpassungen hinsichtlich der Sauenfruchtbarkeit zunehmend auch die Diskussion auf Alternativen bei den Endstufenebern gelenkt. Bis vor kurzem galt die Rasse Pietrain auf der Eberseite als Standard in Deutschland. Vor allem die züchterisch sehr erfolgreiche Stresssanierung hat in erheblichem Maße zu einer deutlich verbesserten Vitalität und Wüchsigkeit bei den Mastendprodukten beigetragen. Die deutsche Pietrainzucht wurde hierdurch weltweit führend.

Durch die Kostensteigerungen der letzten Jahre, vor allem bei Futter, 

Auf dem Foto ist ein Duroc Eber von der Seite abgebildet
Energie und im Stallbau, aber auch aufgrund der vielfach unbefriedigenden Gesundheitslage werden von Ferkelerzeugern zunehmend Duroc-Endstufeneber nachgefragt. Wüchsigkeit, Vitalität und Merkmale der Fleischqualität sprechen für den Einsatz der Rasse Duroc in Reinzucht und Kreuzung als Endstufeneber. Doch reichen die Vorteile aus, um die bekannten Nachteile beim Schlachtkörper auszugleichen?

Um diesen Sachverhalt für die Praxis zu klären, wurde auf Initiative der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Zentrum für Tierhaltung und Technik des Landes Sachsen-Anhalt (LLFG) in Iden ein kombinierter Aufzucht- und Mastversuch von Mastendprodukten der vorgenannten Endstufeneber durchgeführt.
Ziel der Untersuchung war es, Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der getesteten Herkünfte im Säuge-, Aufzucht-, Mast- und Schlachtbereich unter standardisierten praxisnahen Bedingungen zu ermitteln, um daraus Beratungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten.

Stationsübergreifender Leistungstest
Getestet wurden Endstufeneber der Züchtungszentrale Deutsches Hybridschwein GmbH (BHZP) in der „Standard-Variante“( keine TOP-Genetik): db.08 (Duroc) und db.86 (Duroc x Pietrain NN) im Vergleich zum db.77 (Pietrain NN). Alle vorgenannten Endstufeneber wurden an eine einheitliche Sauengrundlage (Hermitage) angepaart. Im Herkunftsbetrieb der Prignitzer Landschwein GmbH in Neudorf (LK Perleberg), in dem 1400 Sauen im Vierwochen-Rhythmus mit teilweise angeschlossener Mast gehalten werden, wurden die Versuchstiere produziert und durchliefen neben der Säugephase auch die Aufzucht im Flatdeck, ehe sie anschließend in den Stationen in Iden und Rohrsen zur weiteren Mast aufgestallt wurden.

Auf dem Foto ist ein Eber von der Seite abgebildet
Bild: Eber Pietrain x Duroc

  • Den kompletten Versuchsbericht mit allen Tabellen finden Sie im angehängten pdf.Dokument.

Auszug der Ergebnisse:

Tabelle 8: Monetäre Bewertung der Versuchsergebnisse

Endstufeneber

 

db.08

db.86

db.77

Futterkosten

(€/kg Zuwachs)

Rohrsen

 

Iden

0,69

 

0,82

0,68

 

0,80

0,67

 

0,79

Erlösdifferenz (€)

 zu db 77

Rohrsen1)

 

 

Iden 2)

134,02

-         14,14

 

148,25

- 4,67

142,50

-         5,66

 

151,37

-1,55

148,16

 

 

152,92

1) Basis AutoFOM: 1,60 € / Pkt.

2) MFA Porkitron   1,60 € / kg SG

Welche Beratungsempfehlungen für die Praxis lassen sich aus dem Versuch ableiten?

• Die Versuchsergebnisse verdeutlichen, dass ein wüchsiger, stressstabiler und damit robuster Pietrain für die meisten Mastbetriebe unter den gegenwärtigen Produktions- und Marktbedingungen im nordwestdeutschen Raum nach wie vor der passende Endstufeneber ist.

• Zwar weisen Duroc-Eber in Reinzucht oder Kreuzung Vorteile im Wuchs auf, doch muss diese Leistungsüberlegenheit immer im Hinblick zur Wüchsigkeit der jeweiligen Pietrain-Linie beurteilt werden. Generell kann angenommen werden, dass bei einer wüchsigen und robusten Pietrain-Linie, wie im Falle des db.77, geringere Unterschiede im Wuchs zu erwarten sind, als bei Pietrain-Linien, die stärker auf Fleischanteil selektiert sind.

• Ebenso sind die positiven Effekte des Duroc im Hinblick auf Wüchsigkeit und Vitalität sowohl im Säuge-, Aufzucht- und Mastbereich immer vor dem einzelbetrieblichen Hintergrund zu beurteilen. Auch hierbei ist anzunehmen, dass diese Vorteile eher bei weniger optimalen Haltungsbedingungen zum Tragen kommen.

• Duroc-blütige Mastherkünfte besitzen eine etwas höhere Futteraufnahmekapazität als Mastendprodukte von reinen Pietrain-Ebern. Dieser Effekt scheint vor allem bei weiblichen Mastschweinen ausgeprägter zu sein. Daher ist auch in den meisten Fällen mit einer Verschlechterung in der Futterverwertung zu rechnen Um diesem Risiko in Verbindung mit einer stärkeren Verfettung des Schlachtkörpers entgegenzuwirken, empfiehlt sich eine Rationierung ab etwa 80 kg Lebendgewicht für Börge und weibliche Mastschweine. Die Eignung dieser Mastendprodukte für Ställe mit Breiautomaten und Sensorfütterung in Verbindung mit Kurztrog ist daher nur sehr bedingt gegeben.

• Im Hinblick auf die Fleischbeschaffenheit zeigen sich Mastendprodukte aus reinen Duroc-Ebern nur beim intramuskulären Fettgehalt überlegen. Bei allen übrigen Merkmalen zeigt der Einsatz von Duroc-Ebern keine Vorteile. Bemerkenswert ist hierbei die deutliche Überlegenheit des db.77 bezüglich der Tropfsaftverluste.

• Zwar können durch Rationierung Futterkostennachteile weitgehend ausgeglichen werden, die kürzere Mastdauer und leicht verbesserte Wüchsigkeit wiegen jedoch den Erlösvorteil von Mastendprodukten von Pietrain-Endstufenebern am Schlachtkörper nicht auf.

• Tendenziell scheint allerdings eine Vermarktung über FOM vorteilhaft für duroc-blütige Mastendprodukte zu sein.


Kontakt:
Dr. Uwe Clar
Berater Beratung/Versuchswesen Schweinehaltung, Zuchtleitung, Stammbuch Kaltblutpferde Niedersachsen
Telefon: 0581 8073-126
Telefax: 0581 8073-160
E-Mail:
Prof. Dr. Wilfried Brade
Leiter Fachbereich Versuchswesen Tier
Telefon: 0511 3665-1501
Telefax: 0511 3665-1521
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Stand: 13.02.2009