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Fachforum Pferd

Am Mittwoch, dem 17. Februar 2010 trafen sich Pferdehalter aus ganz Niedersachsen zum Fachforum Pferd im Hotel Daub in Bremervörde. Dies war die zweite Veranstaltung des Fachforums Pferd, das bereits im Februar 2009 in Sage erfolgreich seinen Auftakt hatte.

Nach 2009 fand nun das Fachforum Pferd zum zweiten Mal statt, diesmal in Bremervörde. Mehr als hundert Pferdehalter kamen zusammen, um sich die Fachbeiträge renommierter Referenten anzuhören und diese im Anschluss zu diskutieren.
Veranstaltet wurde das Fachforum durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, als Mitveranstalter konnten neben der Land & Forst auch das Futtermittelunternehmen DEUKA begrüßt werden. Verschiedene Organisationen und Firmen aus der Pferdebranche unterstützten die Tagung und standen den Besuchern für Fragen zur Verfügung.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Arendt Meyer zu Wehdel, begrüßte die Pferdezüchter und -halter. Er betonte, wie positiv sich der Pferdesektor als Sympathieträger in der Landwirtschaft bemerkbar mache und damit auch die anderen Sektoren unterstütze. Gerade in Bauvorhaben hätten Pferdehalter durch den Sympathiebonus der Gesellschaft für ihre vierbeinigen Schützlinge gewisse Vorteile, der anderen Bereichen der Landwirtschaft  in dieser Form nicht zu teil wird und somit auf jeden Fall aufrecht zu erhalten sei.

Als Moderator führte Dr. Ludwig Diekmann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen durch das Programm und übergab das Wort für den ersten Vortrag dieser Veranstaltung an die Fachreferentin für Pferdezucht- und haltung von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Ulrike Struck. In ihrem Vortag „Ich will bauen- was ist zu tun?“ stellte sie den Weg zur Baugenehmigung dar. Laut Ulrike Struck verzeichnet die Pferdebranche nach wie vor ein stetiges Wachstum. Jedoch muss jeder bei seinen Planungen wissen, welche Bereiche der Landwirtschaft bzw. dem Gewerbe zuzuordnen sind. Gerade im Bezug auf den Erhalt einer Baugenehmigung im Außenbereich ist diese Entscheidung von grundlegender Bedeutung. Landwirtschaftliche Vorhaben benötigen eine mögliche Futtergewinnung auf betriebseigenen oder gepachteten Flächen und eine Gewinnerzielungsabsicht. Das Vorhaben muss auf Langfristigkeit ausgelegt sein und der Betriebsführer muss Sachkunde nachweisen. Ohne Privilegierung (§ 35 (1) BauGB) wird das Bauvorhaben im Außenbereich nicht genehmigt. Alle Baumassnahmen, ob nun im Außenbereich oder nicht, müssen vom Landkreis genehmigt werden. Vor dem Bauantrag ist eine formlose Bauvoranfrage sinnvoll, um die Chancen für eine Genehmigung schon im Vorfeld ohne hohe Kosten auszuloten.
In Ihrem Vortrag machte Ulrike Struck deutlich, dass andere Faktoren wie Ansprüche des Klientels, Standort, Auslastungsmöglichkeiten und vor allem die Kosten in der Pensionspferdehaltung bei der Planung eines solchen Vorhabens Berücksichtigung finden müssen. Eigene Planungsrechnungen für das Bauvorhaben sind unerlässlich. Um Ärger zu vermeiden, sollten vorab die angrenzenden Nachbarn rechtzeitig mit einbezogen werden.


 

Der zweite Vortag zum Thema „Bauliche Anlagen in der Pferdehaltung“ durch Bauberater Holger Janssen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Bezirksstelle Uelzen, zeigte im Detail auf, welche Möglichkeiten und Maßnahmen getroffen werden können, um baulichen Anlagen zu errichten. Holger Janssen beschäftigte sich im Kern mit der Standortfindung und vor allem der präzisen Planung einer Anlage, ob nun Stall, Paddock oder Reithalle. Mit viel Bildmaterial machte er deutlich, worauf es bei der Planung aus praktischen sowie mensch- und tiergerechten Aspekten ankommt.
Durch diese beiden sehr ansprechenden und praxisnahen Themen wurde viel Gesprächsstoff in der anschließenden Diskussion freigesetzt.
In der anschließenden Pause konnten die Besucher mit den ausstellenden Firmen Detailfragen in Sachen Fütterung sowie Bauvorhaben klären.

 

Im Anschluss an die Pause referierte Dr. Matthias Niederhofer von der Tierklinik Telgte und Mannschaftstierarzt des DOKR, über das Thema Entwicklung und Einteilung von Röntgenaufnahmen. Durch diesen außerordentlich aufklärenden Vortrag konnte Dr. Niederhofer bei den Zuhörern mehr Licht in das Dunkel über die Einteilung von Röntgenaufnahmen in Röntgenklassen bringen. Er stellte die Inhalte des Röntgenleitfadens vor, welcher die Vorgaben für die Einteilung in bestimmte Röntgenklassen liefert und erläuterte diese einzelnen Klassen. Er wies dabei mehrfach darauf hin, dass bei der gefürchteten Röntgenklasse II-III die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer klinischen Erkrankung bei lediglich 3-5% läge und es dringend der Aufklärung bedarf, dass es sich bei der Klassifizierung nicht um eine Benotung gleich der des Schulsystems handele, sondern um den Versuch einer Einteilung bezüglich der Risikoabschätzung von Befunden.
Zudem, so sagte er deutlich, bezieht sich die Beurteilung lediglich auf die Röntgenbilder und lässt die klinische Beurteilung gänzlich unberücksichtigt. Die Marktentwicklung sei bei Pferden mit Befunden ab Klasse II-III leider immer noch sehr unerfreulich, da diese Pferde i. d. R. nur mit Zugeständnissen zu verkaufen sind, so Dr. Matthias Niederhofer. Diese Problematik ist seit dem Inkrafttreten des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes von 2002 nach wie vor ein sehr aktuelles und brisantes Thema, über das im Anschluss sehr intensiv diskutiert wurde.

Den Abschlussvortrag der Veranstaltung hielt Norbert Bramlage, selbst Landwirtschafts- und Pferdewirtschaftsmeister sowie seit über 20 Jahren Vorsitzender des Vereins Hannoveraner Privathengsthalter aus Bünne bei Dinklage über das Thema „Grünlandmanagement und Pferde, was sagt der Praktiker?“. Norbert Bramlage zeigte anhand seines Betriebes wie Grünlandnutzung und Pflege aussehen kann und seiner Meinung nach auch muss. Er wiederholte mehrmals, dass die Weide der „Teller“ des Pferdes ist und die Weide auch so behandelt werden müsse. Die Weide darf nicht nur als Auslauf oder Bewegungsplatz gesehen werden, sondern sie stellt vor allem eine enorm wichtige Futterquelle für das Pferd dar. Nur durch eine optimale Pflege der Weide sowie einem ständigen Angebot von frischem und jungem Gras ist es möglich, den Pferden eine für sie sehr wohlschmeckende Futtergrundlage zu bieten. Norbert Bramlage zeigte anhand von Fotos und Bespielen auf, welche Möglichkeiten Pferdehaltern in Sachen Grünlandpflege, Düngung sowie Aussaat zur Verfügung stehen, um eine optimal Pferdeweide zu erhalten und zu behalten. Durch praktische Tipps brachte er den Zuhörern das Grünlandmanagement näher.

 

Bilder der Veranstaltung sind hier hinterlegt.


Kontakt:
Ulrike Struck
Fachreferentin Pferdezucht und -haltung
Telefon: 0581 8073-300
Telefax: 0581 8073-160
E-Mail:
Sebastian Bönsch, Ines Tober


Stand: 19.02.2010



PDF: 228/E079640D-237D-EEBF-5EDB8275B7607C6F.pdf - 172.362304688 KB   Vortrag Ulrike Struck   - 172 KB  
PDF: 228/E07A5BE2-237D-EEBF-5E234E526F409F5C.pdf - 614.73046875 KB   Vortrag Holger Janßen   - 615 KB  
PDF: 228/E0739A0D-237D-EEBF-5E8B654D6DEC0449.pdf - 10.1376953125 KB   Vortrag Norbert Bramlage   - 10 KB