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Pferden schmeckt es im Grünen

Seit Urzeiten ist das Pferd auf Bewegung, Licht und Luft angewiesen. Die Pferde nutzen die Weiden zur Nahrungsaufnahme, werden Umweltreizen (Sonneneinstrahlung, Wind, Temperaturunterschiede etc.) ausgesetzt und haben den großen Vorteil der Bewegungsmöglichkeit. Während eine Kuh sich nur ca. 2 km pro Tag auf einer Weide bewegt, sind die Pferde ca. 20 km pro Tag unterwegs. Grünland gehört nach wie vor zu den Hauptfutterquellen, besonders für Aufzucht- und Zuchtpferde. Aber auch Reitpferde genießen den Platz und die Möglichkeit der selektiven Futteraufnahme.
 

Was ist nun gut, was schadet dem Pferd? Die Meinungen sind vielfältig. Die Weiden weisen unterschiedliche Qualitäten auf. Bei mangelnder Pflege vermehren sich Geilstellen, die nicht von den Pferden gefressen werden, aber auch die Zusammensetzung der Grasnarbe ändert sich u. a. durch den tiefen Verbiss der Pferde. Gräserbestand und Düngung unterscheiden sich vom Grünland für Milchvieh. Die Nährstoffgehalte auf Milchviehweiden sind zumeist höher als bei Pferdeweiden. Dennoch ist auch für den „Pferdegrünlandspezialisten“ die ständige Beobachtung der Wiesen und Weiden im Vegetationsrhythmus unerlässlich, um den Pferden das passende Futter anzubieten. Wie in der Tabelle 1 zu sehen, unterscheiden sich die Energiegehalte in den Frischgrasproben unwesentlich, während die Werte des verdaulichen Rohproteins und der Rohfaser durchaus unterschiedlich sind. Für Jungpferde und Zuchtstuten ist das Weidegras im Sommer oft die alleinige Futtergrundlage. Dazu passt auch das Verhältnis von verdaulichem Rohprotein zu verdaulicher Energie. In der Tabelle 2 erkennt man, welches Verhältnis für die verschiedenen Pferdegruppen optimal ist.

Der Gehalt an Mineralstoffen im Gras ist u. a. abhängig von der Zusammensetzung der Grasnarbe, der Bodengüte, der Düngung und der Nutzungsintensität. Die unterschiedlichen Gehalte sind in der Tabelle 1 vermerkt. Sinnvoll ist der Einsatz eines Mineralfutters, allerdings aufgrund der praktischen Voraussetzungen nicht immer möglich. Zumindest sollte ein Salzleckstein oder Mineralleckstein zur Verfügung stehen. Mit einem Kunststoffbottich, Größe ca. 60 cm Durchmesser („Maurerbütt“), können z. B. hochtragende Stuten auf der Weide zugefüttert werden. Bei ausreichender Anzahl der „Futterstationen“ kann so ein Mischfutter mit entsprechender Mineralergänzung die Versorgung der Stuten sicherstellen.

Das Verdauungssystem der Pferde ist aufgrund des kleinen Magens auf die Aufnahme vieler kleiner Futterportionen angewiesen. Die Weidefütterung kommt dieser Forderung entgegen. Für Robustrassen kann eine gut geführte Weide bereits zu viel an verdaulichem Rohprotein bzw. verdaulicher Energie aufweisen. Fruktane, leicht verdauliche Zucker, können in Verbindung mit geringen Rohfasergehalten gerade bei diesen Pferdegruppen z. B. Hufrehe verursachen.

Tabelle 1: Untersuchungen von Frischgrasproben, LUFA Nord-West

 Leistung

Min TS

Max TS

Mittelwert TS

Einheit

 Trockensubstanz (TS)

 

 

 

%

 Rohprotein

7,4

30

17,47

%

 Rohfaser

15,2

32,7

22,4

%

 Rohasche

4,5

15,6

9,21

%

 Calcium

0,33

1,22

0,56

%

 Phosphor

0,22

0,56

0,35

%

 Kalium

1,19

4,85

2,88

%

 Natrium

0,01

0,44

0,1

%

 Magnesium

0,12

0,39

0,21

%

 Kupfer

6,2

16,4

10,47

mg/kg

 Zink

25

60

39,75

mg/kg

 verdl. Energie Pferde

9,4

11

10,26

MJ/kg

 verdl. Rohprotein Pferde

105

234

150

g

Ausreichend Fläche muss den Pferden immer präsentiert werden, damit sie selektieren können und die Weide nicht zu tief verbissen wird. „Als Ampfer würde ich auf eine Pferdeweide ziehen. Dort gibt es Platz, Licht und keine Konkurrenz, da die Pferde die Gräser verbeißen“, so äußerte sich vor Jahren schon Dr. Jürgen Müller, Universität Rostock.
Optimal wäre, den Pferden während der gesamten Vegetationszeit ein ähnlich zusammengesetztes Futter anzubieten. Durch den unterschiedlichen Grasaufwuchs sollte die Besatzdichte der Weidefläche angepasst sein, z. B. über eine Umtriebsweide. Hier bleiben die Pferde einige Wochen auf einer Fläche (ggf. einem Teilstück), bis sie dann auf einer frischen Fläche grasen können. Kurze Fress- und lange Ruhezeiten fördern die Langlebigkeit der Grasnarbe. Regelmäßiges Nachmähen sowie eine kontrollierte Nachsaat helfen, die Verunkrautung zu begrenzen und die Qualität der Grasnarbe zu erhalten bzw. die Verbreitung unerwünschter Pflanzen zu verringern. Die Standweide ist ebenfalls gebräuchlich, dort verbleiben die Pferde über den gesamten Sommer.

Tabelle 2:  Bedarf an verdaulichem Rohprotein (verdl. RP) und verdaulicher Energie (verdl. E)

 

verdauliches Rohprotein g

verdauliche Energie MJ

Verhältnis
verdl. RP : verdl. E

Fohlen

680

73

ca. 9 : 1

Jährling

560

77

ca. 7 : 1

Hochtragende Stute 600
kg Lebendgewicht.

640

101

ca. 6 : 1

Laktierende Stute, 600 kg  Lebendgewicht

1185

142

ca. 8 : 1

Reitpferd, 600 kg Lebendgewicht, leichte Arbeit

365 - 455

73 . 91

ca. 5 : 1

Frischgras i. d. Frischmasse

27

2,07

ca. 13 : 1

Frischgras extensiv i. d. Frischmasse

17

2,04

ca. 8,3 : 1

Das Austreiben auf die Weiden kann im Frühjahr erfolgen, sobald etwas zu fressen vorhanden ist. Der Wechsel von der Stall- auf die Weidefütterung sollte möglichst nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen, da der Magen-Darm-Trakt sich von der rel. trockenen, rohfaserreichen und stärkehaltigen Fütterung mit Heu, Silage und Kraftfutter erst auf die doch recht feuchte und rohfaserarme Fütterung mit dem frischen Gras umstellen muss. Man darf nicht vergessen, dass ein Kilo Weidegras ca. 780 bis 850 g Wasser enthält. Die vor allem im Dickdarm lebenden Bakterien sind gewöhnt an rohfaserreiche Nahrung. Bei Weidegras müssen auch sie sich umstellen. Allerdings ist ein zuerst stundenweises Anweiden nicht immer möglich. Dann bietet es sich an, auf der Weide noch rohfaserreiches Heu oder Stroh zuzufüttern.

 


Kontakt:
Ulrike Struck
Fachreferentin Pferdezucht und -haltung
Telefon: 0581 8073-300
Telefax: 0581 8073-160
E-Mail:


Stand: 29.06.2011