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Hähnchenfleisch: Niedersächsische Mäster liegen voll im Trend

Die Erzeugung von Hähnchenfleisch ist global auf dem Vormarsch und kann steigende Wachstumsraten aufweisen. In Deutschland wurde 2013 ein Selbstversorgungsgrad von 115 Prozent erreicht. Dieser berücksichtigt aber nicht den wichtigen Außenhandel.

Eine statistische Überversorgung des Bundesgebietes bei einer theoretischen, ausschließlichen Inlandsverwertung zeigt vollkommen verzerrte Gegebenheiten. Im statistischen Durchschnitt konsumierte jeder Bundesbürger im Jahr 2013 knapp 12 Kilogramm Hähnchenfleisch. Der Konsum ist in den letzten Jahren insgesamt angestiegen, obwohl sich zwischenzeitliche Diskussionen um Haltungsformen und Antibiotikaeinsatz kurzfristig dämpfend auf die Nachfrage auswirkten.

Deutsche Verbraucher schätzen vor allen Dingen frisches Brustfleisch. Ganze Schlachtkörper und gefrorene Teilstücke sind auf dem Inlandsmarkt weniger gefragt. Ein beträchtlicher Teil dieser Produkte wird daher auf Märkten außerhalb Deutschlands abgesetzt. Im Gegensatz zum Rind- und Schweinefleisch ist das Hähnchenfleisch nicht oder kaum mit religiösen Tabus belegt, so dass für die Vermarktung potentiell eine Vielzahl von Käuferländern zur Verfügung stehen. Ein lebhafter Handel findet vor allem zwischen Deutschland und den Niederlanden statt. Exportiert wird in verschiedene Länder Osteuropas, u.a. nach Russland, Saudi Arabien sowie zu Partnern in Afrika und Asien. Umgekehrt importiert die Europäische Union Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukte, der größte Lieferant ist Brasilien.

Die Betriebszweigauswertungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen werden in jedem Jahr, einzeln betrachtet, angefertigt. Nicht  jedes  Jahr ist für die Hähnchenmast ein Jahr mit entsprechender Rendite. Das Wirtschaftsjahr 2011/2012 gehörte z.B. dazu.  Diese alleinige Betrachtung des Wirtschaftsjahres würde aber auch hier zu einem verfälschten Bild der Gesamtwirtschaftlichkeit in der Hähnchenmast führen. 2013/2014 ergab sich für sämtliche „Leistungsgruppen“ sprich dem Durschnitt aller Betriebe und dem oberen Viertel und dem unteren Viertel eine vollständige Kostendeckung zuzüglich eines Unternehmergewinns unterschiedlichen Ausmaßes. Insgesamt ist eine Gesamtrentabilität der Hähnchenmast deutlich zu erkennen. Vergleicht man die Auswertungen in der Gesamtrentabilität in der Hähnchenmast über 16 Wirtschaftsjahre, dann hat das obere Viertel mit 42 € direktkostenfreier Leistung je qm Stallfläche und Jahr und der Durchschnitt aller Betriebe mit 33 €  eine Vollkostendeckung zuzüglich eines Unternehmergewinnes erzielt. Das untere Viertel erreicht dieses mit 24 € nicht. Dies zeigt, dass in der oftmals als standardisiert bezeichneten Hähnchenmast  doch die Unternehmerpersönlichkeit gefragt  ist. Seit 2010/2011 (3 zurückliegende Wirtschaftsjahre) haben - ähnlich wie im vergangenen Auswertungszeitraum - alle Leistungsgruppen eine Gesamtwirtschaftlichkeit erreicht. Abschließend ist immer eine einzelbetriebliche Betrachtung von Nöten, denn deutlich gestiegene Stallbaukosten, ein gegenüberliegendes, niedriges Zinsniveau und eine optimierte Futtergrundlage gilt es zu vereinbaren.

Das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2013/2014 zeigt in allen wichtigen Kennzahlen erfreuliche Ergebnisse. Zunächst ist der Markt derzeit sehr aufnahmefähig. Die Ware floss ganzjährlich zügig ab, die Futterpreise sind von einem historischen Hochpreisniveau wieder deutlich abgesunken und die Auszahlungspreise noch weit über dem Durchschnitt der gesamten Wirtschaftsjahre geblieben.

Produktionstechnisch gesehen,  zeigt das letzte Wirtschaftsjahr weiterhin einen deutlichen Trend zum schweren Verkaufsgewicht. Dieses liegt im Durchschnitt bei 2.300g. Üblicherweise erfolgt eine Vorausstallung nach etwa 33-34 Tagen und einem Lebendgewicht von etwa 1.900g. Der sogenannte „Hauptgriff“ geschieht dann mit etwa 40-42 Tagen mit 2.600 bis 2.700g. Es kann somit mit einer durchschnittlichen Mastdauer von 37 Tagen kalkuliert werden. Die Verwertung des Futters zum Aufbau des Lebendgewichts  (Futterverwertung 1:x kg verbrauchtes Futtermittel ist ein wichtiges Indiz zum Aufkommen des größten Kostenblockes in der Geflügelmast. Dieser Wert fiel bei einem Aufwand von 1,61kg Futter zum Aufbau von einem Kilogramm Körpermasse ideal aus. Trotz steigenden Mastendgewichten sinkt diese Kennzahl und zeigt eine annähernd konkurrenzlose Effizienz hinsichtlich der Nährstoffverwertung.

Der Schwermast wurden steigende Verlustzahlen prophezeit. Genau das Gegenteil trat ein. Bei lediglich 2,5% Verlusten im Stall ist der bisher niedrigste Wert erreicht worden.

Nicht zu vernachlässigen ist die Arbeitszeit, die ein Mäster für die Arbeit im Stall benötigt. Veranschlagt werden 900-1100 Stunden für einen Stall mit rund 39.000 Stallplätzen. Arbeiten, wie z.B. das Fangen der Tiere, ausmisten, reinigen und desinfizieren werden häufig ausgelagert. Einen Teil der eingesparten Zeit investiert der Mäster wieder in die Tierkontrolle. Gutes Management im Stall ist elementar für gute Leistungen. Das zeigt sich immer wieder in den Auswertungen und in den Beratungen vor Ort im Betrieb.

Die Hähnchenmast in Niedersachsen hat einen Effizienzgrad erreicht, der aufgrund klimatischer oder infrastruktureller Bedingungen an vielen Orten der Welt nicht erzielt werden kann. Der Welthandel trägt dazu bei, dass ressourceneffizient erzeugtes Fleisch auch dort kostengünstig verfügbar ist. Global gesehen ist eindeutig ein Trend hin zu einer nachfragebedingt steigenden Hähnchenfleischerzeugung erkennbar. Entsprechend dürfte es in den nächsten Jahren, dort wo Flächen und Infrastruktur zur Verfügung stehen und die gesellschaftliche Akzeptanz gegeben ist, einen Zuwachs von Hähnchenställen geben. Vor allem im westlichen Teil Niedersachsens dürfte allerdings wegen des großen Drucks auf die Flächen vorerst nur ein qualitatives Wachstum der Hähnchenmastbetriebe möglich sein.

Auf der Erlösseite entwickelten sich hierzulande die erzielbaren Schlachttierpreise seit Beginn des Jahres 2014 im Wesentlichen seitwärts. Während der ersten heißen Sommertage konnten auch leichte Preisaufschläge realisiert werden.

Da die Aufwendungen für Futter einen wesentlichen Teil der Gesamtkosten in der Hähnchenmast ausmachen, wird in der Zukunft viel davon abhängen, in welche Richtung sich die Preise für Getreide, Einzelkomponenten und Mischfutter entwickeln. Vor allem im Bereich der Eiweißträger dürfte weltweit die langfristige Nachfrage kaum geringer werden und entsprechend wenig Raum bleibt für dauerhafte Kostenreduzierungen. Gentechnikfrei erzeugtes Sojaschrot ist hierzulande bereits nicht mehr in nennenswerten Mengen verfügbar. Während der Jahre 2012 und 2013 schrieben viele Hähnchenerzeuger aufgrund der relativ hohen Futterpreise finanzielle Verluste. Seit einigen Wochen kündigt sich allerdings sowohl auf den Getreide- als auch auf den Ölsaatenmärkten eine in diesem Jahr insgesamt zufriedenstellende bis gute Ernte an, so dass mittelfristig wohl mit etwas niedrigeren Futterkosten zu rechnen ist.

Die Geflügelbranche hat große Anstrengungen unternommen das „Tierwohl“ weiter zu verbessern. Mit den nachgelagerten Gliedern der Wertschöpfungskette wurden Preismodelle vereinbart, welche die nötig werdenden Investitionen kompensieren. Ab dem nächsten Jahr wird es für QS evtl. neue Anforderungen geben, die mit einer verringerten Besatzdichte und zusätzlichem Beschäftigungsmaterial im Stall einhergehen. Hier müssen sich der Handel und die Erzeuger noch einig werden. Für das im Inland abgesetzte Hähnchenfleisch kann die Initiative hoffentlich neue Impulse bringen, d.h. das stagnierende Preisniveau für frisches Muskelfleisch nachhaltig erhöhen. Die klassischen Exportartikel konkurrieren allerdings auf dem Weltmarkt mit Ware, die unter geringeren Tierschutzstandards erzeugt wurde. Dort wird im Absatz nur schwer eine Qualitätsprämie zu erzielen sein. Der Erfolg der Initiative Tierwohl muss entsprechend so groß sein, dass dieser Nachteil für die Konkurrenzfähigkeit unserer Hähnchenerzeugung ausgeglichen werden kann. Verbraucher und Lebensmitteleinzelhandel sind in der Pflicht, bei der weiteren Verbesserung des Tierwohls in Deutschland mitzuhelfen. Nur so kann dieVerbesserung unserer im weltweiten Vergleich ohnehin schon hohenQualitätsstandards und deren Überprüfung langfristig gelingen.

 

Dr. Vinzenz Bauer

Henning Pieper (Berater Tierhaltung Geflügel und Schweine, Bezirksstelle Hannover, Telefon: 05151 9843-13)

Silke Schierhold

Landwirtschaftskammer Niedersachsen


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Dr. Vinzenz Bauer
Fachreferent Markt
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Silke Schierhold
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Stand: 17.07.2014