Webcode: 01027795

Gute Ergebnisse in der Hähnchenmast

Für die Mast konventioneller Hähnchen war das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2013/2014 ein gutes Jahr.  Die monetären Ergebnisse konnten um 44% zum Vorjahr gesteigert werden. 

Der Hähnchenfleischverbrauch stieg 2013 sogar auf 11,7 kg / Kopf. Während 2012 (11,1 kg/Kopf) der Verbrauch stagnierte, stieg er jetzt wieder an. Das durchschnittliche jährliche Wachstum von 300-400 g  mehr an Fleischverbrauch/Kopf  ist wieder gegeben.

Mastverfahren
Für das Wirtschaftsjahr (WJ) 2013/2014  konnten die Betriebsergebnisse von 65 Hähnchenmastbetrieben mit 471 Mastdurchgängen ausgewertet werden. Es wurden eine ökonomische Bewertung aller Mastverfahren und verarbeitenden Integrationen in Niedersachsen ausgewertet.
Die Auswertungen der letzten Jahre ergaben, dass die in Niedersächsischen Hähnchenmastmäster  eher zur Mittellangmast und zur Schwermast tendieren. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass dies nicht für alle Betriebe die passende Haltungsform ist. Für einige Betriebe kann es wirtschaftlich sinnvoller sein, in der Kurzmast zu verbleiben. Daher ist es ganz wichtig, sich vorher über das anfallende Arbeitszeitaufkommen und das Wissen über das Tier und der Umgang mit ihm zu informieren. Hier gilt: Die Herdenführung und das Management haben oberste Priorität.

Mit unternehmerischen Geschick zum Erfolg
Wie die Grafik (Abb. 1) zeigt, wurden im Laufe der vergangenen 9 Jahre die Kosten (Futter, Küken, Einstreu, Gesundheitskosten, Versicherungen usw.) durch die Leistungen (Erlöse) in den durchschnittlich wirtschaftenden Hähnchenmastbetrieben gedeckt. Dennoch sind in den einzelnen Wirtschaftsjahren unterschiedliche Unternehmergewinne erzielt worden. Während die Entwicklung im Lohn- und Festkostenbereich eher moderat verlief, erfolgte in den letzten Jahren ein überdurchschnittlicher Anstieg der Direktkosten. Mit ansteigenden Kosten, sowohl in den Direktkosten als auch in den Lohn- und Festkosten, glichen sich auch die Auszahlungspreise bzw. Leistungen an. Während die direkten Kosten je Kilogramm Lebendgewicht zwischen den 25% besser und den 25% schlechter wirtschaftenden  Betrieben um 4,5 Cent schwanken, wirkt sich dies bei der Direktkostenfreien Leistungen je Quadratmeter über das Wirtschaftsjahr 2013/2014 mit Unterschieden von über 25 Euro aus. Dies entspricht auf einen 2000 m² Stall gerechnet einen riesengroßen Unterschied. Der größte Kostenpunkt ist hierbei im Futter zu sehen. Dieser macht ca. 70 % aus.

 
Während im Wirtschaftsjahr 2012/2013 der Durchschnitt aller Betriebe kostendeckend gearbeitet hat, konnte im Wirtschaftsjahre 2013/2014 auch das untere Viertel leichte Gewinne erzielen. Vergleicht man dies mit den Ergebnissen der vorangegangenen Wirtschaftsjahre, war dies  zuletzt 2010/2011 der Fall. Es ist aber auch ersichtlich, dass die besten Betriebe nicht nur vollkostendeckend gewirtschaftet haben, sondern auch Unternehmergewinne erzielen konnten.
Vergleicht man die einzelnen Kostenpositionen, so entfallen lediglich knapp 12 % der Kosten auf die Lohn- und Festkosten (WJ 2013/2014). Fast 90 % aller Kosten sind die Direktkosten worauf der Betriebsleiter direkt durch ein optimiertes Management Einfluss nehmen kann.

Die Auswertung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen basiert überwiegend auf Ergebnissen aus integralen Vermarktungswegen. Frei nach dem Motto „leben und leben lassen“ haben auch in schwierigen Jahren die durchschnittlichen und sehr guten Betriebe die Vollkosten gedeckt, jedoch hielten sich die Unternehmergewinne im Durchschnitt aller Betriebe in Grenzen. Hier ist ein starker Vermarktungspartner und gutes Verhandlungsgeschick nicht zu unterschätzen. Größere Anstrengungen müssen dagegen Betriebe mit Ergebnissen im unteren Viertel vornehmen. Hier ist es besonders wichtig, dass die Betriebe Ihre Leistung- und Kostenstrukturen definieren können. Ein bewährtes Mittel zur Stärken- und Schwächenanalyse ist die Betriebszweigauswertung bzw. die Vollkostenrechnung. Zudem sollten sich Betriebsleiter mit Kostenverläufe, Absatzwege und Marktentwicklungen auseinander setzen. Nicht zuletzt sollten auch entsprechende Beratungs- und Weiterbildungsangebote wahrgenommen werden. Möglichkeiten zur Verbesserung des eigenen betrieblichen Managements sind sowohl in Weiterbildungsangeboten als auch im Austausch mit Berufskollegen, z. B. in Arbeitskreisen und Weiterbildungsseminaren,  zu finden.


Verteilung der Direktkosten in der Hähnchenmast
Die Verteilung der Direktkosten, Küken-, Futter-, Energiekosten u.a. haben sich bis auf die Futterkosten prozentual auf das kg produziertes Hähnchenfleisch nicht sehr stark verändert (Abb. 2). Die Futterpreise sind abhängig vom Ernteergebnis und diese fielen in den vergangenen Jahren nicht immer zur Zufriedenheit der Landwirte aus.
Machten im Wirtschaftsjahr (WJ) 2005/ 2006 die Futterkosten nur 61% der Gesamtkosten aus, stiegen diese bis zum WJ 2012/2013 sogar bis 72% an. Im letzten WJ (2013/2014) gab es dann eine leichte Entspannung, wobei hier die Kosten immer noch einen Anteil von 70% ausmachten. Im laufenden WJ kann es zu einer weiteren Entspannung kommen.
Der Trend der steigenden Futtermittelpreise zog sich 2013/2014  nicht weiter fort. Knapp 5 € pro 100 kg Futtermittel waren zum Ende des WJ weniger  auszugeben als zu Beginn. Im Vorjahr waren es 9 € mehr.
Die genauen Kosten für  das Futter schlagen im WJ 2013/2014 mit einem Anteil von  0,614 €/ kg LG oder 1,46 €/Tier zu buche. Um die Kosten zu verringern, veredeln viele Hähnchenmastbetriebe ihr eigenes oder günstig zugekauftes Getreide über die Tiere. Im Durchschnitt aller Betriebe werden ca. 14% Getreide zusätzlich, in der Regel als ganzes Korn,  verfüttert. Im nördlichen Niedersachsen wird der Weizen bis zu 10 % on Top gegeben zu einem Alleinfutter. Im südlichen Niedersachsen dagegen wird mit Ergänzerfuttermittel gefüttert. Hier können 30-60 % Weizen dazu gegeben werden. Die Futterverwertung (FVW) verschlechtert sich damit zwar geringfügig, rechnet sich aber für den guten Mäster.
Die FVW der Hähnchen lag im WJ 2013/2014 durchschnittlich bei 1:1,61 und damit leicht verbessert zu den vorherigen Jahren. 2005/2006 haben wir eine FVW von 1:1,76 ermittelt. Der Zuchtfortschritt und die Optimierung des Mastfutters machen sich hier  stark bemerkbar. Eine verbesserte FVW bedeutet daher auch Ressourcenschonung.
Die Kostenpunkte wie Energie, Fremdlöhne und Gesundheitskosten haben sich prozentual gesehen nicht verändert. Sie pendeln sich immer zwischen 3-4% der Gesamtkosten ein. Im letzten Wirtschaftsjahr war sogar eine leichte Senkung der Gesundheitskosten ersichtlich.

Ausblick
Die Diskussionen um den Tierschutz in der konventionellen Mast geben ihren Anteil in der Öffentlichkeit dazu. Wir müssen dringend wieder dazu kommen, dass die sach- und fachgerechte Arbeit der Geflügelmäster zu einer breiten Akzeptanz führt und damit das Vertrauen in die Landwirtschaft wieder gestärkt wird.
Wichtig für den Hähnchenmäster ist ein Austausch von Fachinformationen untereinander. Dieser findet vorwiegend in den Arbeitskreisen statt. Die Landwirtschaftskammer und die Beratungsringe bieten außerdem zahlreiche Weiterbildungsangebote in Form von Seminaren und Gruppenberatungen an. Die Erweiterung des Wissens spielt ein große Rolle im Management und um damit seinen Betrieb weiter nach vorne zu bringen.
Die „Initiative Tierwohl“ soll im nächsten Jahr anlaufen. Mit den nachgelagerten Gliedern der Wertschöpfungskette wurden Preismodelle vereinbart, welche die nötig werdenden Investitionen für den Tierschutz kompensieren sollen. Es werden neue Anforderungen bzgl. einer verringerten Besatzdichte und zusätzlichem Beschäftigungsmaterial im Stall geben. Hier müssen sich Handel und Erzeuger noch endgültig einig werden. Für das im Inland abgesetzte Hähnchenfleisch wird dies hoffentlich neue Impulse bringen. Die klassischen Exportartikel konkurrieren allerdings auf dem Weltmarkt mit Ware, die unter geringeren Tierschutzstandards erzeugt wurde. Verbraucher und Lebensmitteleinzelhandel sind in Zukunft noch mehr in der Pflicht deutsches Hähnchenfleisch zu bevorzugen, welches unter hohen Standards produziert wurde.


Silke Schierhold
Manfred Schöttmer
Annika Jansen
Henning Pieper


Kontakt:
Silke Schierhold
Beraterin Geflügel
Telefon: 0441 801-695
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Henning Pieper
Berater Tierhaltung Geflügel und Schweine
Telefon: 05151 9843-13
Telefax: 05151 9843-16
E-Mail:


Stand: 11.03.2016



PDF: 22370 - 177.221679688 KB   BZA Hähnchenmast WJ 2013/2014   - 177 KB