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Einstreu in der Geflügelhaltung- Tipps und Anregungen für ein gutes Einstreumanagement

Die Gesetzgebung sowie die gute fachliche Praxis sieht vor, Mastgeflügel aber auch Jung- und Legehennen ständig Zugang zu trockener, lockerer Einstreu zu gewährleisten, die zum Picken, Scharren und Staubbaden geeignet ist. Einer verkrusteten oder feuchten Einstreu ist also durch geeignete Maßnahmen frühzeitig und ständig entgegenzuwirken und damit eine Plattenbildung im Vorfeld zu vermeiden. Feuchte und verkrustete Einstreu schafft häufig Probleme mit der Fußballengesundheit, die als aussagefähiger Indikator für die Beurteilung der Tierhaltung genutzt wird. Oberstes Gebot in Sachen Tierwohl muss es daher sein, das Risiko der Entwicklung von Kontaktdermatiden zu minimieren und damit eine Gesunderhaltung der Fußballen zu erhalten.

Derzeit wird auf Bundesebene daran gearbeitet, Auswirkungen auf Tierverhalten und Tiergesundheit und damit das Tierwohl zu beschreiben. Hierfür sollen geeignete Indikatoren (Anzeiger) entwickelt werden. Diese Tierschutzindikatoren sollen objektive Prüfgrößen darstellen, um die Geflügelhaltung im Hinblick auf Tiergerechtheit besser beurteilen zu können. Was beim Mastgeflügel die Fußballengesundheit ist, dient die Einstreu bei der Jung- und Legehenne dazu, die natürlichen Verhaltensweisen auszuleben und daher ist die Einstreuqualität ein möglicher Tierwohlindikator.

Bisweilen wurde teilweise in der Legehennenhaltung mit Einstreu, zumeist in der Eingewöhnungsphase, sehr sparsam umgegangen, um ein Verlegen der ersten Eier in die Einstreu zu vermeiden. Wenn jedoch der Schnabel ungekürzt bleibt, benötigen die Hühner Beschäftigung, gerade in der Übergangsphase sowie in der Eingewöhnungszeit. Somit ist ein Umdenken beim Betriebsleiter zu erfolgen, denn Einstreu zur Beschäftigung muss den Hennen ab dem ersten Tag gereicht werden. Hier gilt der Grundsatz: Gar nichts – geht nicht, aber weniger ist oftmals mehr!

Einstreu allgemein:

Während in der Hähnchenmast, in der Junghennenaufzucht und in der Legehennenhaltung von einer einstreuarmen Kotmatratze gesprochen wird, liegt in der Puten-, Enten- und Gänsemast eine einstreureiche Matratze vor, die ständig nachgestreut werden muss. Hierzu wird hartes Langstroh verwendet. In der Putenmast wird zum Teil auch gerne mit langem Gerstenstroh nachgestreut. Hier sollte der Hinweis gegeben werden, dass nur qualitativ hochwertiges und schimmelfreies  Stroh verarbeitet werden sollte, insbesondere Puten reagieren oftmals mit einer Aspergillose (Schimmelpilzerkrankung) bei schlechten Strohqualitäten.

In der heutigen Klimatechnik moderner Geflügelställe ist weniger das Wasserbindevermögen der Einstreu hervorzuheben, als vielmehr die Abgabe und die Abluft des vorhandenen Wassers aus der Einstreu. Daher gilt der Grundsatz, dass die Einstreu hart, beweglich nicht festpappend sein soll. In der modernen Hähnchenmast wird derzeit meist mit gekrümeltem und pelletiertem bzw. granuliertem Pellets/Krümel eingestreut. Dabei findet Langstroh immer weniger Verwendung, da Strohhäcksel eine trockenere Einstreu ergeben. Die ausgebrachte Einstreumenge je m² Stallbodenfläche liegt bei durchschnittlich 600 g bis 1000 g je m². Dies gilt grundsätzlich auch für die Jung- und Legehenne. Aus eigener Erfahrung kann die Ersteinstreu im Legehennenstall aus Granulaten unterschiedlichen Ursprungs (z.B. Holz, Dinkel, Stroh) bestehen. Darüber hinaus kann die Ersteinstreu im Innenstall gleich wie im Kaltscharrraum aus einer dünnen Schicht Sand sein. Bei allem Handeln muss in der ersten Phase nach Einstallung berücksichtigt werden, dass hungrige Junghennen dazu neigen können, die Einstreu zu fressen. Daher ist in dieser Phase die ausreichende Futteraufnahme und die Erstaufnahme von Futter! Für die Hennen sicher zu stellen.

Sand bzw. Sandsteinchen werden als Mahlhilfe im Muskelmagen benötigt und ebenfalls gern von der Henne aufgenommen. Manche Herden sind so gierig auf Steinchen, dass sie, wenn diese Tiere in den Auslauf kommen, sich den Kropf mit Sand und Steinchen so massiv füllen, dass die Futteraufnahme leidet. Hier muss dementsprechend Vorsorge getroffen werden. Im Klartext: Junghennen-, Öko- und Freilandhaltung sind vor der Freilandphase an Steinchen zu gewöhnen.

Maissilage:

Aufgrund der Säurewirkung der Maissilage soll die Darmgesundheit und somit Tiergesundheit gefördert werden. Aktuell wird zwar nach wie vor trockene Maissilage aus Biogasanlagen in einigen wenigen Hähnchenställen mit Erfolg eingestreut, allgemein betrachtet konnte sich Maissilage jedoch in der Einstreu bei Masthähnchen nicht durchsetzen. Die Gründe dafür waren, dass einerseits nicht immer trockene Maissilage aus der benachbarten Biogasanlage verfügbar war und andererseits dann feuchte Silage mit einem hohen Energieaufwand im Stall getrocknet werden musste und es dabei vereinzelt zu Schimmelbildung und ein Pappigwerden der Einstreu gekommen ist.

Bei einer Einstreumenge von 600 g bis 800 g getrockneter Maissilage, gutem Einstreumanagement und der Nutzung von Abwärme aus einer Biogasanlage kann mit Maissilage als Einstreu gute Ergebnisse erzielt werden.

In der Legehennenhaltung wird Maissilage zur Beschäftigung genutzt. Einige Legehennenbetriebe geben je Henne und Tag 7 bis 15 g Maissilage, die während der Futterzeiten zusätzlich über eine technische Anlage auf den Stallboden und in der Einstreu verteilt werden. Hierdurch verteilen sich die Hennen im Stall, rangniedrige und hungrige Tiere drängen an den Trog, die anderen wollen Beschäftigung am Boden. Negative Auswirkungen in Bezug auf die Fütterung sind bei dieser Menge an Silage nicht festzustellen. Im Endeffekt trägt Maissilage als Beschäftigungsmaterial bei Legehennen dazu bei, Federpicken und Kannibalismus zu minimieren, fördert die Einstreuqualität und optimiert den Rohfasergehalt der Gesamtration.

Maisspindelgranulat:

Maisspindeln sind die Reste der Körnermaisernte, die in einigen Regionen Österreichs schon lange Zeit Verwendung als Einstreusubstrat im Hähnchenstall finden. In Deutschland landen die Spindeln meist als Abfallprodukt wieder auf dem Acker und werden gehäckselt und untergepflügt.. In einigen Regionen Österreichs finden sie schon lange Zeit Verwendung als Einstreusubstrat im Hähnchenstall. Der Kot wird sofort mit Maisspindelgraniulat umschlossen und verkapselt. Das Einstreumaterial bleibt über die gesamte Dauer der Mast beweglich, so dass mit der Bewegung der harten Einstreu die Luft um die Einstreu zirkulieren und die Einstreu hierdurch abtrocknen kann. Durch die Erfahrungen aus Österreich verarbeiten einige spezialisierte Lohnunternehmer in Deutschland zur Maisernte die Spindel als Einstreumaterial. Auch in der Legehennenhaltung und Putenaufzucht kommt dieses Produkt vereinzelt als Einstreu zum Einsatz. Die Aussagen der Legehennenhalter zu dieser Einstreu sind recht unterschiedlich. Während einige Praxisbetriebe diese harte und bewegliche Einstreu sehr schätzen, machen andere die Erfahrung, dass zu viel von dieser Einstreu von den Legehennen als Ballast gefressen wird. Dabei stellt sich die Frage, warum einige Herden die harte Spindel überhaupt fressen, ist es die Rohfaser oder das Magensteinchen, was die Legehenne über Maissspindelgranulat versucht aufzunehmen. Auf jeden Fall haben diese Herden ein Bedürfnis, das sie Maisspindelgranulat als Ersatzprodukt einsetzen.

Mechanische Bearbeitung der Einstreu:

Im Stall sollte bei Kontrollgängen immer auch ein Blick auf die Einstreubeschaffenheit geworfen werden. Denn eine „Eigenkontrolle“ durch eine stichprobenhafte Kontrolle der Fußballengesundheit und dessen Dokumentation ist gesetzlich gefordert. Falls alle angesprochenen Managementmaßnahmen keinen positiven Erfolg haben, sind Plattenbildungen durch eine mechanische Bearbeitungen zu lockern und zu beseitigen. Hierfür werden im Handel Einstreuharken, Vertikutierer oder ähnliches angeboten.

Bei Legehennen hat sich ein Kotschieber im Stall und unter dem Volierensystem bewährt. Überschüssige Einstreu wird abgefahren, kann von den Legehennen besser bewegt und die vom Kotschieber frei gelegten Fläche von den Hennen wieder zugescharrt werden, dies schafft Beschäftigung für die Tiere, weniger verlegte Eier in der Einstreu und eine verbesserte Stallluft.

Einstreu anreichern:

Was kann der Betriebsleiter tun, um vorhandene Einstreu zusätzlich zu optimieren und für die Tiere ideal scharrfähig zu halten? Zu dieser Frage hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sich mit dem Einsatz spezieller Pflanzenkohle als Einstreuzusatz in der Hähnchenmast beschäftigt. Schon lange testet man mit teilweise gutem Erfolg an Einstreuzusätzen. Unter anderem den Einsatz von Magnesiumkalk als Einstreuzusatz in der Hähnchen- und Putenmast und gelöschtem Kalk aus der Liegebox von Kühen für Hähnchenställe. Auch Tonminerale, wie Bentonite bzw. Klinoptilolithe werden verwendet; vieles davon sind ursprünglich Produkte aus der alten Hausapotheke oder aus alter Überlieferung. Zudem erscheinen neue Produkte wie flüssige Einstreuzusätze auf Säurebasis oder Multimikrobenpräparate zunehmend auf dem Markt. In der Literatur stößt man sehr bald auf aktivierte Pflanzenkohle als Einstreuzusatz, Güllezusatz oder Futterzusatzstoff in der Tierhaltung.

Das Besondere an der Pflanzenkohle ist die enorme Oberfläche des Kohlenstoffgerüstes mit Hohlräumen und Poren, in denen Wasser und auch Nährstoffe (zum Beispiel auch N-Verbindungen, die an der Luft Ammoniak freisetzen) gespeichert werden können. So kann Pflanzenkohle das Fünffache ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Mit einer speziellen Verfahrenstechnik wird Pflanzenkohle über ein besonderes Gewinnungsverfahren hergestellt, bei der reine Pflanzenkohle ohne organische Anhaftungen wie Dioxine und PCB-ähnliche Stoffe (PAK) gewonnen wird Den Rohstoff der Pflanzenkohle bildet Holz aus unbelasteten Laubwäldern. Die in unseren Praxisversuchen eingesetzte Pflanzenkohle wurde in den Laboren eines akkreditierten Institutes auf Schadstoffbelastung überprüft und wies tadellose Werte in allen Bereichen auf. Mittlerweile sind auch Pflanzenkohlen im Handel, die GMP+ und somit QS zertifiziert und als Einzelfuttermittel zugelassen sind.

Besonders interessant wird die Pflanzenkohle durch die Anfeuchtung (Aktivierung) mit einer Säure (z.B. org. Säuren, Brottrunk, Sauerkrautsaft, einem Multimikrobenpräparat oder effektiven Mikroorganismen), um die Affinität der Kohle nochmals zu erhöhen und sie erdfeucht zu machen. Hierzu wurden Erprobungen auf Praxisbetrieben durchgeführt.

Dabei wurde die Einsatzmenge von 100 g aktivierter Pflanzenkohle je 1000 g Strohgranulat und 1 m² Stallboden in einem Hähnchenstall verwendet. Nach anfänglicher Skepsis wurde ein beeindruckendes Ergebnis deutlich: Die dunkele Einstreu blieb scharrfähiger und trockener und die Fußballen sind im Gegensatz zu den zeitgleichen Kontrolldurchgängen objektiv besser durch den Schlachthof bewertet worden. Die Versuchsteilnehmer berichteten, dass die Stallluft angenehmer ,die Tiere vitaler und die Kotkonsistenz fester war. Dabei scheint die aktivierte Pflanzenkohle nicht nur in der Hähnchenmast und als Einstreuzusatz gut anzukommen. In Niedersachsen betreibt ein größerer Putenbetrieb eine Pyreg-Anlage zur Herstellung von Pflanzenkohle. Mit dieser Pflanzenkohle werden die Puten nicht nur eingestreut, die Pflanzenkohle wird sogar ständig mit einem Anteil von 20 g jekg dem Futter zugemischt. Auch im Legehennenbereich wird aktivierte Pflanzenkohle sowohl als Einstreuzusatz als auch als Futterzusatzstoff verwendet.

In einem größeren EIP Projekt soll in Niedersachsen die Verfütterung der aktivierten Pflanzenkohle breitflächig in der Praxis getestet werden. Erhoffte Ziele sind  positive Auswirkungen auf die Darmstabilität, eine Antibiotikaminimierung, fittere Tiere und weniger Pododermatitiden bei verbesserter Leistung. Die Voraussetzung ist ein definiertes Kohleprodukt, welches nah an medizinische Aktivkohle herankommt und absolut PCBs/PAKs frei und nicht mit Schwermetallen belastet ist.

Holzhackschnitzel:

Holzhackschnitzel werden von den Tieren sehr gut angenommen und die Einstreu bleibt trocken und locker, nicht zuletzt durch eine aktive Beschäftigung der Tiere mit diesem Material. Schreddergut wird oftmals in der Legehennenhaltung vor dem Kaltscharrraum im Stallnahbereich benutzt, um einer Verschlammung  vorzubeugen. Auch im Hähnchenstall sind Versuche mit gutem Ergebnisse erzielt worden. Der Kot trocknet optimal in den Zwischenräumen der Holzhackschnitzel ab und der Hähnchenkot bekommt eine torfartige Konsistenz.

Ausblick:

Der Tierschutzindikator Fußballengesundheit wird in Zukunft beim Geflügel eine bedeutende Rolle spielen. Fußballen werden durch feuchte Einstreu und eine vermehrte Entstehung von Ammoniak negativ beeinflusst. Bevor eine mechanische Bearbeitung der Einstreu eine sinnvolle Maßnahme ist, sollte das eigene Management überprüft werden. Futter und Wasser sind dabei effektive Einflussfaktoren und können verändert werden. Nach der Devise „Viel hilft viel - und oftmals ist weniger mehr“ sind im Hinblick auf Fußballenläsionen bestehende Futterkonzepte zu prüfen und anzupassen. Falls die Anpassung des betriebseigenen Managements nicht greift, könnte der Einsatz geeigneter Pflanzenkohle als Einstreuzusatz oder über die Fütterung sinnvoll werden. Nicht nur, um Fußballengesundheit zu erhalten, sondern evtl. auch um der Debatte des Antibiotikaeinsatzes in der Geflügelmast durch eine geeignete Alternative entgegen zu wirken.

Jung- und Legehennen müssen intensiv beschäftigt werden. Zu einem gut durchdachten Legehennenstall gehört ein Kotschieber, der überschüssige Einstreu abmistet. Darüber hinaus hat die Einstreuart und die Einstreumenge eine wichtige Bedeutung. Grundsätzlich gilt, dass die Einstreu in jedem Fall scharrfähig, krümelig und locker sein sollte, damit Legehennen in der Einstreu Sandbaden und scharren können.


Kontakt:
Dr. Peter Hiller
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-696
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Mathias Klahsen
Landwirtschaftsreferendar
Telefon: 0441 801-0
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 15.07.2016