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Fachtagung der Ziegenhalter überzeugte mit breitem Informationsangebot

Vom 07.-08.11.2013 fand in Boppard, im Mittelrheintal, die Fachtagung des Bundesverbands Deutscher Ziegenzüchter e.V. (BDZ) statt. In interessanten Vorträgen von der Fütterung, über die Ziegengesundheit bis hin zur Vermarktung der selbsterzeugten Produkte wurden einige wichtige Punkte der Ziegenhaltung thematisiert.

Eingerahmt wurde die Veranstaltung von einem großzügigen Buffet mit verschiedener Ziegenspezialitäten und einer Exkursion, die über den Rhein auf einen Ziegenbetrieb führte. Über 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland ließen sich von der Einladung des BDZ locken und wurden nicht enttäuscht.

In einem Eingangsreferat stellte Herr Wulff von der Landwirtschaftskammer (LWK) Rheinland-Pfalz die Situation der Ziegenhalter in seinem Bundesland kurz vor. Gemäß der Tierseuchenkasse beträgt die Zahl der Ziegen in Rheinland-Pfalz rund 11.750 Tiere. Dies entspricht in etwa der Hälfe der in Niedersachsen gehaltenen Ziegen. Im Resümee fasste Herr Wulff zusammen, dass die Nachfrage nach Ziegenprodukten weiter ansteigt und so vor allem Milchziegenbetrieben mit Direktvermarktung eine Zukunftsperspektive bietet.

Die Ziegenhalterin Manuela Holtmann stellte die Ergebnisse eines Arbeitsprojektes vor, welches sie im Rahmen ihrer Meisterausbildung durchgeführt hatte. Es beinhaltete einen Vergleich verschiedener Tränkeverfahren zum Frühabsetzen von Milchziegenlämmern. Insgesamt wurden sieben unterschiedliche Tränkeverfahren auf ihrem Betrieb miteinander verglichen.
Die Fütterung reichte von reiner angesäuerter Ziegenmilch, über limitierte Fütterung von verschiedenen Milchaustauschern bis hin zur ad libitum Tränke, wobei den Lämmern zusätzlich Wasser, Heu und Kraftfutter zur freien Verfügung angeboten wurde. Die Ziegenlämmer wurden mit 12-15 kg von der Milch abgesetzt.
Beim Vergleich der täglichen Zunahmen zwischen den Tränkegruppen ergab sich, dass alle Gruppen mit 7-8 Wochen das gewünschte Absetzgewicht erreichten, eine Gruppe bereits mit 43 Tagen. Letzteres war möglich, da die Zunahmen mit 238 g/Tag (bis zum 100.Tag) in dieser Gruppe am höchsten waren. Es handelte sich hierbei um eine Gruppe, die mit Milchaustauscher (Josera Express) ad libitum am Automaten gefüttert wurde.
Als Ergebnis präsentierte Frau Holtmann mit ihrem Ansatz eine Spannweite der tatsächlichen Kosten bis zum Absetzen von 83-130 € je Lamm je nach Tränkeverfahren. Dies Ergebnis wird sicherlich einige Ziegenhalter zur Prüfung ihrer Tränkeverfahren ermutigen.

Im zweiten Vortrag erläuterte Frau Philipczyk, Ziegenhalterin aus dem Saarland, wie die Futterrationen für Milchziegen ohne Winterpause gestaltet werden kann. Auf ihrem Biobetrieb mit Weißen und Bunten Deutschen Edelziegen wird seit vier Jahren im Winter eine Gruppe der Ziegen jeweils einen Winter durchgemolken. Dies erfolgt in erster Linie, um der Nachfrage nach frischen Ziegenprodukten im Lebensmittelhandel auch im Winter gerecht zu werden. Da die geborenen Lämmer oftmals nicht kostendeckend vermarktet werden können, stellt deren geringere Anzahl pro Jahr ein weiterer Nutzen des Durchmelkens dar.
Die Fütterung setzt sich im Winter aus Heu, Gras- und Kleegrassilage zusammen. Hinzu kommt eine hofeigene Kraftfuttermischung aus Hafer, Triticale, Roggen und Erbsen, welche täglich frisch gemischt und gequetscht wird. Als Basis für die Rationsberechnung dienen Untersuchungen der eingesetzten Futtermittel.
Zusammenfassend riet Frau Philipczyk zu einer Fütterung von hochwertigem Grundfutter, wofür als Basis u.a. eine sorgfältige Silagegewinnung oder Heubergung steht. Ferner sind beim Füttern Futterreste mit einzukalkulieren, da ansonsten insgesamt zu wenig Futter von den Ziegen gefressen wird. Die Futtervorlage sollte dabei über den Tag verteilt erfolgen.
Hinsichtlich des Durchmelkens über den Winter haben Philipczyks gute Erfahrungen auf ihrem Betrieb gemacht und kaum Leistungsunterschiede zu den Ziegen mit jährlicher Ablammung festgestellt.

Zum Themengebiet Vermarktung von Ziegenprodukten referierte Frau Dr. Seemer der LWK Rheinland-Pfalz über das Landmarkt-Projekt von REWE. Das aus Hessen stammende Projekt wurde 2011 in Rheinland-Pfalz eingeführt und bis heute nehmen hier 14 Märkte daran teil.
Die Besonderheit beim Landmarkt-Projekt liegt darin, dass die teilnehmenden Erzeuger ihre regionalen Produkte in einem gesonderten Verkaufsbereich im Lebensmittelhandel anbieten und so nicht unmittelbar in Konkurrenz zu vergleichbaren Produkten stehen. Ferner bleiben die Produkte mit den Etiketten der Produzenten versehen, sodass ein Wiedererkennungswert für den Verbraucher da ist und eine Werbewirksamkeit für den jeweiligen Betrieb besteht. Bevor sich Betriebe an diesem Konzept beteiligen können, bedarf es einer Zertifizierung und einer Mitgliedschaft im Verein der Direktvermarkter. Letztere nimmt u.a. die Auswahl der Lieferanten für das Projekt vor.

In Niedersachsen wurde das Landmarkt-Projekt bislang noch nicht umgesetzt. Wer Interesse an einer gemeinsamen Vermarktung von Produkten hat, kann sich an Frau Elke Sandvoss von der LWK Niedersachsen wenden, die die Vereinigung der Norddeutschen Direktvermarkter betreut.

Prof. Holtz von der Universität Göttingen ging in seinem Vortrag intensiv auf die Rasse der Burenziegen ein. Zunächst berichtete er, dass die weltweite Population der Ziegen über alle Rassen in den letzten 20 Jahren um fast die Hälfte auf rund 900 Mio. Ziegen zugenommen hat. Davon leben ca. 60 % der Tiere in Asien, 34 % in Afrika und nur 2 % in Europa. Innerhalb Europas wird ca. die Hälfte der Ziegen in Griechenland gehalten. Weltweit wird die Ziege auch als „poor woman´s cow“ bezeichnet, da sie erschwinglich, anspruchslos, handlich sowie vielseitig einsetzbar ist.
Obwohl die Ziegen weltweit zumeist für die Fleischerzeugung gehalten werden, stellt die südafrikanische Burenziege („Bauernziege“) laut Prof. Holtz die einzige Rasse dar, die auf Mast- und Schlachtleistung selektiert wurde. In den 70er Jahren gelangten die ersten Burenziegen nach Deutschland, in den 80er Jahren folgte der Import von Gefriersperma aus Namibia und eine Verbreitung im ganzen Bundesgebiet.
In Deutschland macht diese Rasse nunmehr fast 25% des Ziegenbestandes aus. Neben der guten Mastleistung ist sie auch zur Landschaftspflege gut eignet. Ferner braucht sie nicht gemolken zu werden, wie die entsprechenden auf Milchleistung gezüchteten Ziegenrassen und erfreut sich auch daher bei Hobbyhaltern einer großen Beliebtheit.

Am zweiten Veranstaltungstag stellte Herr Dr. Wagner von der Universität Gießen seine Erkenntnisse zum Thema Pseudotuberkulose vor. Die Pseudotuberkulose ist eine Erkrankung der Lymphknoten, die durch Bakterien verursacht wird. Die Abszesse können dabei gut sichtbar an den äußeren Lymphknoten auftreten und seltener auch an den inneren Lymphknoten. Aber nicht immer tauchen sofort klinische Symptome auf. Eine hohe Ansteckungsgefahr bergen die oberflächlichen Eiterbeulen. Wenn diese Aufbrechen gelangt das sehr überlebensfähige Bakterium in die Umwelt und es droht die Ansteckung anderer Tiere der Herde. Die Erkrankung ist nicht heilbar und erkrankte Ziegen sollten beim ersten Verdacht von der Herde separiert werden.
Als Maßnahmen gegen die Pseudotuberkulose und deren Vorbeuge sieht Dr. Wagner die Ausarbeitung eines Hygienekonzeptes sowie die Untersuchung aller Tiere des Bestandes durch den Tierarzt an. Die Untersuchung kann einerseits durch Abtasten der Ziegen und andererseits serologisch durch Blutproben erfolgen. Letzteres muss häufiger durchgeführt werden, da die Aussagekraft des Bluttests nicht immer zufriedenstellend ist.
Eindeutig erkrankte Ziegen sind möglichst zu merzen. Darüber hinaus sollten die Bestände möglichst geschlossen bleiben und grundsätzlich nur von einigen wenigen Betrieben Ziegen zugekauft werden. Zugekaufte Tiere sollten generell nur nach einer Quarantäne in die Herde eingegliedert werden. In erkrankten Betrieben hat eine mutterlose Aufzucht der Lämmer gute Erfolge gebracht.

Weitere Informationen zu dem Thema bietet Ihnen der Artikel Pseudotuberkulose bei Schafen und Ziegen.

Zum Thema Magen-Darm-Strongyliden (Würmer) stellte Frau Dr. Moors vom niedersächsischen LAVES die Ergebnisse einer Fragebogenauswertung der Universität Göttingen vor. Abgefragt wurde die Vorgehensweise von Praxisbetrieben zum Einsatz und zur Wirkung von Anthelminthika (Wurmmittel) bei der Ziege. Die teilnehmenden 132 Betriebe gaben an, dass zu 98 % regelmäßig Medikamente gegen Parasitenbefall oder zur Vorbeugung eingesetzt werden.
Des Weiteren wurde in 17 Ziegenbetrieben die Wirksamkeit unterschiedlicher Wurmmittel verglichen. Hieraus resultierte, dass die Wirksamkeit des Wirkstoffes Albendazol nicht immer ausreichend war, was auf eine Resistenz hinweist. Der Einsatz von Moxidectin und Levamisol war in dieser Untersuchung voll zufriedenstellend, wobei es Unterschiede zwischen den Betrieben gab.
Grundsätzlich riet Frau Dr. Moors den Betrieben, vor und nach der Entwurmung Kotproben zu ziehen, um die Wirksamkeit auf seinem eigenen Betrieb zu prüfen. Ferner ist es ratsam, selektiv zu behandeln und eine gewisse Wurmpopulation in der Herde zu akzeptieren. So kann eine Behandlung von 17 % der Ziegen einer Herde den Infektionsdruck um die Hälfte reduzieren.
Außerdem wird geraten, die oben genannten Wirkstoffgruppen regelmäßig zu wechseln und nicht nur die Wurmmittel, da diese teilweise die identischen Wirkstoffe beinhalten können. Da viele Wurmmittel keine Zulassung für Ziegen haben, muss der Tierarzt eine entsprechende Umwidmung vornehmen.
Bei der Dosierung empfiehlt Frau Dr. Moors die 1,5- 2 fache Dosis für Schafe bei Ziegen anzusetzen, da sie einen erhöhten Stoffwechsel haben.

Zum Ende der Fachtagung gab es eine Exkursion auf dem Rhein, von wo aus man einen guten Blick auf die Steilhänge des Hunsrücks hatte. Diese werden im Rahmen von Landschaftspflegeprojekten vom Ziegenhalter Bernd Merscher mit seinen Burenziegen gepflegt. Hierdurch wird die Kulturlandschaft mithilfe der Verbisswirkung der Ziegen von Sträuchern und Büschen offen gehalten. Daneben wird auch mit Freischneidern oder ferngesteuerten Mährobotern an sehr steilen Hängen gearbeitet.
Erst seitdem die landwirtschaftliche Nutzung durch den Menschen in den 60er Jahren an den Steilhängen endete, sind diese Hänge nach und nach verbuscht und bewaldet. Diese Entwicklung soll in Teilen durch die Landschaftspflegeprojekte unterbunden werden, sodass wieder offene Elemente entstehen und Bestand haben. Gleiches gilt für die typischen Trockenmauern, welche für eine treppenartige Struktur an den Hängen sorgen.
Herr Dr. Sound vom zuständigen Ministerium bot ergänzend hierzu einen Überblick über die Entstehung des Landschaftsschutzprojektes. Insbesondere wies er auf die Notwendigkeit hin, die Bevölkerung über die Projekte zu informieren, um deren Akzeptanz zu erhöhen. Auch die Einbeziehung von Entscheidungsträgern und Multiplikatoren bei öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und Vermarktungsprojekten regionaler Produkte hielt er für äußerst notwendig.

Die Exkursion führte zum Abschluss auf den Holzfelder Ziegenhof der Familie von Hilchen. Die Thüringer Waldziegenzüchter mit 58 Ziegen sind 2009 in die hofeigene Käseproduktion eingestiegen. Der Betrieb liegt idyllisch an einem Wanderweg, der ihnen so manchen Kunden beschert. Neben der Vermarktung der Ziegenkäsevariationen über den Hofladen (65%) wird 25 % über Märkte und 10 % an die Gastronomie abgesetzt.


Kontakt:
Linda Bauer
Tierzucht, Tierhaltung, Ziegen
Telefon: 0441 801-639
Telefax: 0441 801-634
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Stand: 11.03.2016