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BLUP-Zuchtwertschätzung - Seit diesem Jahr auch für Schafe

Während bei Rindern, Schweinen und Pferden die sog. BLUP-Zuchtwertschätzung (BLUP-ZWS) schon seit vielen Jahren durchgeführt wird, wurde bei den Schafen bislang noch immer nur der Zuchtindex berechnet. Im Auftrag der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) hat das Rechenzentrum in Verden (VIT) in den letzten Jahren das neue Schätzverfahren (BLUP = Best Linear Umbrased Prediction) entwickelt und programmiert.

Der Datenschnitt erfolgte am 20. Juni und alle bis dahin erfassten Leistungsdaten wurden berücksichtigt. Am 8. Juli startete die erste offizielle BLUP-ZWS beim Schaf.
Beteiligt haben sich alle bundesdeutschen Schafzuchtverbände mit Ausnahme von Schleswig-Holstein (nicht beteiligt an der bundesweiten Herdbuchdatenbank serv.it OVICAP) sowie die Landesverbände Sachsen-Anhalt und Berlin-Brandenburg. Die neuen Zuchtwerte sind für jeden Schafzüchter in serv.it OVICAP verfügbar. Weit über 1.000 Schafzüchter haben online Zugang zu dieser Datenbank und nutzen sie auch für Geburtsmeldungen, Abgangsmeldungen und für die Anpaarungsplanung.

Für folgende Merkmale werden Relativzuchtwerte geschätzt:
RZ R   = Reproduktion (Anzahl geborene Lämmer pro Mutterschaf)
RZ WOL = Wollqualität
RZ BEM = Bemuskelung
RZ AE  = Äußere Erscheinung
RZ F   = Fleischleistung (setzt sich vorerst nur aus der täglichen
Zunahme      zusammen) 
RZ TZU  = Tägliche Zunahme im Feld
RZ USF  = Ultraschall Fettdicke im Feld
RZ USM = Ultraschall Muskeldicke im Feld
RZ 42 T  = Mütterlichkeit bzw. Säugeleistung anhand des 42-
Tagegewichts der Lämmer (wird nur bei ausgewählten Rassen in Bayern erhoben)

Die veröffentlichten Zuchtwerte werden in den Druckdokumenten (Zuchtbescheinigung, Arbeitsblatt und Katalogen) wie folgt dargestellt:
Beispiel: Merinolandschafbock RL 1420
Z R 112 E 133/110/118  F 110/102/100 M –
Z: Relativzuchtwerte
R: Reproduktion
E: Exterieur mit Wollqualität, Bemuskelung, Äußere Erscheinung
F: Fleischleistung (Feld) mit Zunahme, Fett- und Muskeldicke
M: Mütterlichkeit bzw. Säugeleistung

Jeder Züchter kann bei den unten aufgeführten Rassen die Zuchtwerte RZ (Relativzuchtwerte) seiner einzelnen Zuchttiere abrufen. Hierbei erhält er eine Übersicht über folgende Merkmale:
EigenL = Zuchtwert des Tieres selber
Vater = Zuchtwert Vater
Mutter = Zuchtwert Mutter
Sich. = Sicherheit des Zuchtwerts vom Tier selber
AnzEL = Anzahl Eigenleistungen
AnzNachk = Anzahl Nachkommen im Herdbuch
AnzNachKL = Anzahl Nachkommenleistungen (z. B. Ablammungen der
  Töchter)
Veröff = Veröffentlichung der Zuchtwerte (ja/nein)

Es handelt sich bei den Angaben um Relativ-Zuchtwerte, weil diese Werte auf einen Durchschnitt von 100 umgerechnet werden. Positive Werte liegen über und negative Werte unter 100. Eine Standardabweichung wird auf 20 Punkte umgerechnet. Innerhalb einer Standardabweichung (Zuchtwerte von 80 bis 120) liegen 68,3 % aller Tiere, bei zwei Standardabweichungen sind es 95,4 % und drei Standardabweichungen 99,7 % der Tiere. Veröffentlicht werden Zuchtwerte, wenn eine Eigenleistung in dem Merkmal vorliegt oder eine entsprechende Mindestsicherheit in dem Merkmal (0.10 bis 0.35 je nach Erblichkeitsgrad) ermittelt wurde.

Einige Besonderheiten sind dabei zu beachten: Die Ergebnisse aus der Mast- und Schlachtleistungsprüfung auf Station werden erst im Laufe des nächsten Jahres integriert. Hierfür wird eine eigene Zuchtwertschätzung gemeinsam vom vit und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft entwickelt. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Berechnung der Merkmale anhand eines Mehrmerkmals-Modell erfolgt. Daher können bei Vorliegen der Zuchtwerte für tägliche Zunahme auch die genetisch in enger Beziehung stehenden Werte für die Muskel- und Fettdicke geschätzt werden, allerdings mit geringerer Genauigkeit.

Für 23 Rassen wird zurzeit ein Zuchtwert geschätzt. Die Zuchtwerte können nur innerhalb Rasse verglichen werden. Weitere Rassen werden in die Berechnung eingebunden, sobald genügend Informationen vorliegen. Einen Überblick über das Volumen der Zuchtwertschätzung gibt folgende Übersicht, in der die Anzahl der Tiere, für die Zuchtwerte ermittelt wurden, nach Rassen dargestellt sind:

Alpines Steinschaf 1498
Bentheimer Landschaf 8824
Braunes Bergschaf 4808
Brillenschaf 2528
Coburger Fuchsschaf 17466
Graue Gehörnte Heidschnucke  18725
Krainer Steinschafe 1632
Leineschaf 8349
Merinofleischschaf 34323
Merinolandschaf 77408
Merinolangwollschaf 25419
Ostfriesisches Milchschaf 20417
Rauhwolliges Pom. Landschaf 13611
Rhönschaf 19965
Schwarzköpfiges Fleischschaf 65029
Skudde 9459
Suffolk 26967
Texel 20270
Waldschaf 3636
Weiße Gehörnte Heidschnucke 3477
Weiße Hornlose Heidschnucke 14354
Weißes Bergschaf 6981
Weißköpfiges Fleischschaf  5801
Insgesamt 410.947

Noch müssen alle Beteiligten sich an die vielen zusätzlichen Zahlen und Informationen gewöhnen. Außerdem gilt es, aufgetretene Fehler und Lücken zu erkennen und zu korrigieren. Aber grundsätzlich ist mit dem Start in die ZWS ein großer Schritt in eine auch zukünftig wettbewerbsfähige Schafzucht gemacht worden.
 


Kontakt:
Klaus Gerdes
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-611
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 11.03.2016