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Auktionsbericht Wirtschaftsrassen

Mehr Böcke verkauft

Die beiden Landesschafzuchtverbände Niedersachsen und Weser-Ems veranstalteten Schafauktionen für Wirtschaftsrassen in Cloppenburg, Mecklenhorst und Rodenkirchen.

Besonders gefragt waren in diesem Jahr gut bemuskelte Fleischschafböcke. Insgesamt konnten deutlich mehr Böcke als im Vorjahr verkauft werden. Das gilt vor allem für die Rassen Suffolk und Texel. Alle Verkaufstiere wurden vorab hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für Scrapie genotypisiert worden. 93 Prozent der Verkaufstiere bei den Wirtschaftsrassen hatten den Genotyp ARR/ARR (Genotypklasse 1) und gelten somit als scrapieresistent. Böcke mit dem unerwünschten VRQ-Allel wurden nicht aufgetrieben und dürfen auch nicht In der Herdbuchzucht eingesetzt werden.  Etwa 20 Böcke der Rassen Leineschaf, Schwarzkopf und Weißkopf sind der Genotypklasse 2 zugeordnet. Sie dürfen zwar zur Herdbuchzucht eingesetzt werden, aber trotzdem sollte überlegt werden, die Auftriebsbedingungen anzupassen und künftig  nur noch scrapieresistente Zuchtböcke zu den Schafauktionen der Wirtschaftsrassen zuzulassen. Die beiden oben genannten Schafzuchtverbände unterstützen ihre Züchter beim Aufbau scrapieresistenter Zuchtbestände und gewähren ihnen einen Zuschuss zur Genotypisierung weiblicher Jungschafe. Damit soll erreicht werden, dass  möglichst nur noch Jungschafe mit dem gewünschten Genotyp ARR/ARR für die Nachzucht berücksichtigt werden und weitere Betriebe die Anerkennung als scrapieresistenter Zuchttierbestand erreichen können. In den vergangenen Jahren wurden 43 niedersächsische Zuchtbetriebe von der LWK Niedersachsen als scrapieresistent anerkannt. Die Adressen sind im Bundesanzeiger veröffentlicht. Zuchttiere aus diesen Beständen können in andere EU-Länder verbracht werden ohne dass sie selber genotypisiert werden.

Beginn in Cloppenburg

Die erste große Körung und Schafauktion fand in der Münsterlandhalle in Cloppenburg statt. Die Aufgabe des Auktionators hatte in diesem Jahr erstmals Dieter Brockhoff übernommen. Michael Gertenbach, der Schafzuchtberater der LWK hatte somit mehr Zeit, sich um die auswärtigen Kaufinteressenten und um die Erstellung der erforderlichen Veterinärpapiere zu kümmern. Angemeldet waren 120 Zuchttiere, Milchschafe und Texel und drei Lammböcke der französischen Fleischschafrasse Charollais. Alle Tier kamen aus maedi-unverdächtigen Beständen. Die Milchschafböcke wurden zudem vorab auf Brucellose Ovis untersucht und mit Exportattesten ausgestattet. Der Aufwand hat sich in diesem Jahr nicht so sehr gelohnt wie in den Vorjahren, aber immerhin 4 Böcke konnten nach Luxemburg und in die Niederlande verkauft werden. Von 50 angebotenen Milchschaflammböcken wurden 36 zu einem Durchschnittspreis von 432 Euro verkauft (Vorjahr: 42 Böcke für  525 Euro). Den Höchstpreis von 800 Euro erzielte erstmals ein schwarzer Milchschafbock. Bei der Rangierung der sieben in Klasse I gekörten, schwarzen Böcke hatte das Tier den Ic – Preis bekommen. Interessant war das Tier der Zuchtgemeinschaft Friedrichshof, Grimmersum,   wegen der seltenen Blutführung und der guten Milchleistung der weiblichen Vorfahren. Der Ia Bock bei den schwarzen Böcken kam aus der Zucht von Dettmann, Malchow. Der Bock fand allerdings keinen neuen Besitzer. Offensichtlich genügte die ausgewiesene Milchleistung nicht den Ansprüchen der Käufer, denn ansonsten konnten alle schwarzen Böcke abgesetzt werden. Die weißen Lammböcke wurden in vier Klassen rangiert. Je eine Klassensieger stellten die Züchter Schröder, Moordorf, Rüdebusch, Augustgroden, Winterhalter, Großefehn und Meyer-Behrends, Wittmund. Der 81 kg schwere und aus einer Drillingsgeburt stammende  Bock von Rüdebusch wurde Sieger vor dem Tier von Winterhalter. Die Züchter wurden mit der silbernen Plakette des Ministeriums bzw. der goldenen Plakette der Landwirtschaftskammer geehrt.  Neben den beiden Lammböcken standen auch zwei Jährlingsböcke zum Verkauf. Sie erzielten jeweils 600 Euro. Da bereits 240 weibliche Tiere für einen Export nach Russland ausgesucht worden waren, wurde in diesem Jahr nur ein Jungschaf zur Auktion angemeldet. Der Züchter Schröder, Moordorf freute sich über das große Interesse an seinem gut bewerteten Schaf und den  Zuschlagspreis von 500 Euro.

Neben den Milchschafen wurden 51 Texelböcke zum Verkauf angeboten. Der Auftrieb wurde in den letzten Jahren fast verdoppelt und das große Angebot lockte Interessenten aus zahlreichen Bundesländern. Alle Jungböcke waren im Alter von 80 – 120 Lebenstagen im Rahmen einer Feldprüfung gewogen und selektiert worden. Dabei wurden per Ultraschall auch die Muskeldicke und die Fettauflage gemessen. Kaufinteressenten konnten also gezielt züchterisch wertvolle Tiere auswählen. Die Jährlinge kosteten durchschnittlich 467 und die 40 verkauften Lammböcke 470 Euro (Vorjahr: 27 Tiere für 471 Euro). Neun Jungböcke fanden keinen neuen Besitzer. Den Klassensieger bei den Jährlingen stellte Wacker, Wehrbleck.  Die Lammböcke wurden in fünf Altersklassen eingeteilt und rangiert. Klassensieger stellten die Züchter Zießow, Delmenhorst (zwei), Fettköter, Westerwalsede, Ulrich, Edesheim und Stromeyer, Delmenhorst. Zum Siegerbock erklärte der Preisrichter Fischer, Schleswig-Holstein, einen sehr harmonischen und gut bemuskelten Bock von Zießow. Der Züchter hatte auch den besten Lammbock der Rasse Charollais und erhielt als Auszeichnung die silberne Plakette des Landwirtschaftsministeriums und einen Ehrenpreis der Stadt Cloppenburg. Die drei aufgetriebenen Chrollais-Lammböcke kosteten durchschnittlich 800 Euro. Auch die drei von Warnke, Bassen, vorgestellten Texel-Jungschafe waren begehrt und fanden einen neuen Besitzer. Neben zahlreichen auswärtigen Kaufinteressenten waren zahlreiche Deichschäfer und Herdenschäfer zur Auktion gekommen und ersteigerten fleischbetonte Zuchtböcke zur Erzeugung von guten Mastlämmern. Kriterien wie Wollnote, Pigmentflecken und Zuchtwertklasse sind bei dieser Käuferschaft eher zweitrangig. Sie berücksichtigen bei der Kaufentscheidung vor allem das Gewicht, die Zunahmen als Jungbock, die Bemuskelungsnote und die bei der Ultraschallmessung festgestellten Werte zur Rückenmuskeldicke und Verfettung.

Einen Tag später fand die Absatzveranstaltung vom Landesschafzuchtverband Niedersachsen für Lamm- und Jährlingsböcke der Rassen Schwarzkopf, Leineschaf, Suffolk,  Texel und Weißkopf in Mecklenhorst statt. Von 69 (Vorjahr: 68) gekörten und zur Auktion aufgetriebenen Böcken konnten an dem Tag 58 (Vorjahr:52) verkauft werden, s. Bericht in der Ausgabe 33.

Gute Verkaufspreise in Rodenkirchen

Der Landes-Schafzuchtverband Weser-Ems und der Stader Schafzuchtverband sind mit dem Auktionsverlauf in Rodenkirchen mehr als zufrieden. Insgesamt wurden 134 Zuchttiere angeboten und 123 Tiere verkauft.  Gegenüber dem Vorjahr konnten 27 Tiere mehr abgesetzt werden. Die Ausstellung der prächtigen Zuchtböcke, die nordwestdeutsche Spinnmeisterschaft und das vielfältige Rahmenprogramm rund ums Schaf lockten nicht nur Fachbesucher an. Leider wurde der Spinnwettbewerb annulliert und soll im nächsten Jahr wiederholt werden.  Mit 615 Euro erzielten die Suffolk  -Lammböcke den höchsten Durchschnittspreis der diesjährigen Auktionen wobei der Siegerbock von Fass, Wilhelmshaven, zum Höchstpreis von 1600 Euro zugeschlagen wurde. Der Züchter stellte auch den Reservesieger und erhielt die bronzene Preismünze der Landwirtschaftskammer.  Dreher, Halsbek, und Rüdebusch, Augustgroden hatten die vier Klassensieger bei den Jährlingsböcken. Zum Siegerbock wurde ein mittelrahmiger, schicker Bock mit besten Zuchtwerten aus der Zucht von Dreher bestimmt. Der Züchter wurde mit einer silbernen Plakette des Landwirtschaftsministers geehrt.  Die 36 verkauften Jährlingsböcke erzielten einen hervorragenden Durchschnittspreis von 491 Euro. Alle fünf Berrichonböcke konnten versteigert werden. Der Ia-Bock von Dorstmann, Moormerland, wurde zum Höchstpreis von 850 Euro verkauft.

35 Böcke der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf waren zur Auktion in Rodenkirchen gemeldet und fast alle Tiere konnten verkauft werden. Wuttge, Krummhörn und Barth, Twistringen stellten die Klassensieger bei den Jährlingen und wurden mit Plaketten der LWK und des Bundesverbandes ausgezeichnet. Der Züchter Fick aus Drochtersen hatte wie im Vorjahr den Siegerbock bei den Lammböcken. Der Reservesieger und das beste Jungschaf kamen aus dem Stall von Voigt, Berne. Mit den erzielten Verkaufserlösen von mehr als 480 Euro für die Jährlingsböcke und 390 Euro für die Lammböcke waren die Züchter zufrieden. Mehrere Zuchtböcke wechselten auch in andere Züchterställe und bleiben der Herdbuchzucht erhalten.  Erstmalig waren in Rodenkirchen auch einige Böcke der Rassen Meinolandschaf und Charollais vertreten. Die Tiere konnten ebenfalls verkauft werden. Im Gegensatz dazu war das Interesse  an Blaukopfböcken gering. Von den drei züchterisch durchaus interessanten Jährlingsböcken aus dem bekannten Zuchtbetrieb Barth, Twistringen konnte im Auktionsring nur ein Tier verkauft werden.  

Großer Auftrieb an Weißköpfen

Etwa 40 der in Rodenkirchen angebotenen Tiere gehörten der Rasse Weißköpfiges Fleischschaf an. 17 Lammböcke konkurrierten um den Titel des Siegerbockes. Die Preisrichter Wefer, Tossens und Gerdes, Oldenburg bestimmten ein Tier von  Martens, Jade zum Siegerbock. Der bereits Ende September geborene Jungbock brachte 94 kg auf die Waage und war mit den Höchstnoten 9/8/8 für die Merkmals Wolle, Bemuskelung und Exterieur gekört worden. Die Züchterin wurde mit der silbernen Plakette des Landwirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Bei der Versteigerung wurde der Bock zum Höchstpreis von 750 Euro einem hiesigen Züchter zugeschlagen. Warnke aus Butjadingen stellte bei den Weißkopflammböcken sowohl den zweiten Klassensieger als auch das beste Jungschaf. Alle acht angebotenen Jungschafe konnten für durchschnittlich knapp 280 Euro abgesetzt werden. Groß war auch die Konkurrenz bei den Jährlingsböcken. Der Zuchtbetrieb Schmidt, Berne präsentierte beide Klassensieger und erhielt eine bronzene Plakette der Landwirtschaftskammer. Fast alle Weißkopfböcke konnten verkauft werden.  Auch nach der Auktion gab es noch Interessenten für gekörte und geprüfte Zuchtböcke und konnten über die Geschäftsstellen der Verbände vermittelt werden.

Ein Highlight in Rodenkirchen war wieder die amerikanische Versteigerung eines Jungschafes. In diesem Jahr hatte der Züchter Rüdebusch, Augustgroden, ein Suffolkschaf gestiftet. Es wurde für 548,5 Euro zugunsten der von der Züchterin Avramut-Lampe initiierten Nachwuchsarbeit versteigert. Mit dem Geld werden Jungzüchter geschult, Vorführwettbewerbe unterstützt, Pokale und Ehrenpreise für die Teilnehmer angeschafft usw. Ein Teil des Geldes konnte direkt für den Vorführwettbewerb im Rahmen der Messe Landtage Nord in Wüsting eingesetzt werden.

 Auch wenn der Absatz von Böcken unserer Milchschaf – und Fleischschafrassen in diesem Jahr recht gut war und viele Böcke auf den Auktionen verkauft wurden, stehen auch jetzt noch  einige gute, gekörte und leistungsgeprüfte Jungböcke zum Verkauf.

Den Preisspiegel entnehmen Sie bitte aus dem Anhang.


Kontakt:
Gerdes, Klaus
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-611
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 18.10.2016



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