Webcode: 01032945

Auktionsbericht Wirtschaftsrassen 2017

Die beiden Landesschafzuchtverbände Niedersachsen und Weser-Ems veranstalteten Schafauktionen für Wirtschaftsrassen in Cloppenburg, Mecklenhorst und Rodenkirchen.

Besonders gefragt waren in diesem Jahr Ostfriesische Milchschafe sowie gut bemuskelte Fleischschafböcke. Insgesamt wurden mehr Böcke als im Vorjahr aufgetrieben und es gab mehr Überstand als im Vorjahr. Interesse aus dem Ausland gab es an den Rassen Milchschaf, Suffolk, Berrichon, Texel und Charollais.  Alle Verkaufstiere wurden vorab hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für Scrapie genotypisiert.  Erstmals durften nur Lammböcke mit dem Genotyp ARR/ARR (Genotypklasse 1) aufgetrieben werden. Ab 2018 werden auch keine Jährlinge oder Altböcke mit einem anderen Genotyp zugelassen. Alle Verkaufstiere wurden als Jungbock gewogen so dass die Gewichtsentwicklung am Auktionstag bekannt ist und für die Fleischleistung bei der Zuchtwertschätzung berücksichtigt werden kann. Die beiden oben genannten Schafzuchtverbände unterstützen ihre Züchter beim Aufbau scrapieresistenter Zuchtbestände und gewähren ihnen einen Zuschuss zur Genotypisierung weiblicher Jungschafe. Damit soll erreicht werden, dass möglichst nur noch Jungschafe mit dem gewünschten Genotyp ARR/ARR für die Nachzucht berücksichtigt werden und weitere Betriebe die Anerkennung als scrapieresistenter Zuchttierbestand erreichen können. In den vergangenen Jahren wurden über 50 niedersächsische Zuchtbetriebe von der LWK Niedersachsen als scrapieresistent anerkannt. Die Adressen sind im Bundesanzeiger veröffentlicht. Zuchttiere aus diesen Beständen können in andere EU-Länder verbracht werden ohne dass sie selber genotypisiert werden.

Beginn in Cloppenburg

Die erste große Körung und Schafauktion fand in der Münsterlandhalle in Cloppenburg statt. Schon vorher zeichnete sich ab, dass ausländische Interessenten aus Israel, England, Slowenien, Niederlande und Österreich anreisen und mitbieten wollten.  Michael Gertenbach, Schafzuchtberater der LWK, und der Züchter Dr. Helmut Melbaum standen den Interessenten beratend zur Seite.  Dabei ging es nicht nur um den Kauf, sondern auch um die Erfüllung der veterinärrechtlichen Anforderungen bis hin zur Verladung der Exporttiere. Angemeldet waren 125 Zuchttiere, Milchschafe und Texel und sechs Lammböcke der französischen Fleischschafrasse Charollais. Aufgetrieben wurden nur Tiere aus maedi-unverdächtigen Beständen. Alle Milchschafböcke sowie ausgewählte Texelböcke wurden zudem vorab auf Brucellose Ovis untersucht und mit Exportattesten ausgestattet. Der Aufwand hat sich in diesem Jahr gelohnt, denn es wurden insgesamt 26 Zuchtböcke an ausländische Käufer zugeschlagen und z.T. noch am Auktionstag verladen.

Von 43 angebotenen Milchschaflammböcken wurden 42 zu einem Durchschnittspreis von 652 Euro verkauft (Vorjahr: 36 Böcke für 432 Euro). Insgesamt fünf Böcke kosteten mehr als 1000 Euro, drei davon gingen an eine große Milchschaffarm nach England. Den Höchstpreis von 1.700 Euro bot ein hiesiger Züchter für den Klassensieger der jüngeren Böcke, einem harmonischen und korrekten Tier aus der nicht sehr verbreiteten E-Linie von Beckmann-Ihnen, Emden. Weitere Klassensieger stellten die Züchter Lindeburg, Großefehn (2) und Meyer-Behrends, Wittmund. Siegerbock wurde das etwas edlere und leichtere Tier von Meyer-Behrends, der für den züchterischen Erfolg mit der silbernen Plakette des Landwirtschaftsministeriums und einem Pokal der Stadt Cloppenburg ausgezeichnet wurde. Lindeburg stelte zwei Ia-Böcke und erhielt die goldene Preismünze der LWK. Auch die sechs Jährlingsböcke konnten für durchschnittlich 550 Euro verkauft werden. Hier stellte R. Winterhalter den Klassensieger. Der gescheckte Milchschafbock von der Zuchtgemeinschaft Friedrichshof, Grimmersum, konnte sich gegen drei schwarze Lammböcke aus der Zucht von Ahrends, Eggelingen durchsetzen. Auch diese vier Böcke fanden in Cloppenburg neue Besitzer. Einige Züchter hatten auch gut bewertete weibliche Jungschafe zum Verkauf gemeldet. 15 Mutterlämmer konnten für durchschnittlich 310 Euro abgesetzt werden. Das Siegerlamm kam aus dem bekannten Stall von Ahrends, Eggelingen. Den Höchstpreis von  500 Euro bot ein Züchter aus Ostfriesland für ein anderes, gut bewertetes Tier, um damit seine eigene Zucht zu verbessern.

Neben den Milchschafen wurden 44 Texelböcke und 6 Charollaisböcke zum Verkauf angeboten. Der Auftrieb wurde in den letzten Jahren stark erweitert und das große Angebot lockte Interessenten aus zahlreichen Bundesländern und dem benachbarten Ausland. Alle Jungböcke waren im Alter von 80 – 120 Lebenstagen im Rahmen einer Feldprüfung gewogen und selektiert worden. Dabei wurden per Ultraschall auch die Muskeldicke und die Fettauflage gemessen. Die gemessenen Werte fließen in eine bundesweite Zuchtwertschätzung für derzeit 25 Schafrassen ein. Kaufinteressenten konnten also gezielt züchterisch wertvolle Tiere auswählen. Die Texeljährlinge und die 33 verkauften Lammböcke kosteten durchschnittlich 550 Euro (Vorjahr: 470 Euro). Lediglich 6 jüngere Lammböcke fanden keinen neuen Besitzer.  Die Lammböcke wurden in fünf Altersklassen eingeteilt und rangiert. Klassensieger stellten die Züchter Zießow, Delmenhorst (drei) und Fettköter, Westerwalsede (2). Zum Siegerbock erklärte der Preisrichter Fischer, Schleswig-Holstein, einen sehr harmonischen und extrem gut bemuskelten Bock von Zießow. Der Verkaufspreis von 2100 Euro für den Siegerbock trug sicherlich auch zum guten Durchschnittspreis bei den Texeln bei.  Der Züchter Zießow hatte auch den besten Lammbock der Rasse Charollais und erhielt als Auszeichnung die silberne Plakette des Landwirtschaftsministeriums und eine Plakette des Bundesverbandes. Fettköter freute sich über die silberne Preismünze und eine Ehrenurkunde der LWK.  Die sechs aufgetriebenen Chrollais-Lammböcke kosteten durchschnittlich 558 Euro. Auch die beiden von Warnke, Bassen, vorgestellten Texel-Jungschafe waren begehrt und fanden einen neuen Besitzer. Neben den auswärtigen Kaufinteressenten waren zahlreiche Deichschäfer und Herdenschäfer zur Auktion gekommen und ersteigerten fleischbetonte Zuchtböcke zur Erzeugung von guten Mastlämmern. Kriterien wie Wollnote, Pigmentflecken und Zuchtwertklasse sind bei dieser Käuferschaft eher zweitrangig. Sie berücksichtigen bei der Kaufentscheidung vor allem das Gewicht, die Zunahmen als Jungbock, die Bemuskelungsnote und die bei der Ultraschallmessung festgestellten Werte zur Rückenmuskeldicke und Verfettung. Erst allmählich werden auch die für die einzelnen Merkmale errechneten Zuchtwerte, die neben den eigenen auch sämtliche Verwandteninformationen berücksichtigen, stärker beachtet.

 

Einen Tag später fand die Absatzveranstaltung vom Landesschafzuchtverband Niedersachsen für Lamm- und Jährlingsböcke der Rassen Schwarzkopf, Leineschaf, Suffolk und Merinofleischschaf in Mecklenhorst statt. Hier kann der Schafzuchtverband seit vielen Jahren eine Maschinenhalle des Friedrich-Löffler-Instituts für die Unterbringung der Tiere und den Aufbau des Auktionsringes nutzen. Da in Mecklenhorst umfangreiche Bautätigkeiten anstehen, ist derzeit ungewiss, ob die Halle auch künftig zur Verfügung steht. Von 70 gekörten und zur Auktion aufgetriebenen Böcken konnten an dem Tag 56 (Vorjahr:58) verkauft werden. Bei den Leineschafen war das Angebot begrenzt und von 18 angebotenen Tieren konnten 16 zu guten Durchschnittspreisen verkauft werden. Den Tageshöchstpreis von 1.000 Euro bekam der Züchter Brzezniak, Freden, für einen mit dem If-Preis ausgezeichneten Jährlingsbock. Aus dem gleichen Züchterstall kam auch der Klassensieger, der für 900 Euro zugeschlagen wurde. Brzezniak wurde mit der bronzenen Preismünze der LWK ausgezeichnet. Die gleiche Auszeichnung bekam die Zuchtgemeinschaft Erb und Dibbern aus Tosterglope für den Klassensieger bei den Lammböcken. Die beiden Merinofleischschafböcke von Rehse, Bad Bevensen, konnten für knapp 500 Euro verkauft werden. Deutlich größer als in den Vorjahren war der Auftrieb bei den Suffolk. Insgesamt 12 Tiere wechselten in andere Züchterställe. Besonders erfolgreich war der Züchter Tuma aus Lemförde. Er hatte die beiden besten Lammböcke und wurde mit der silbernen Plakette des Ministeriums geehrt. Genau die Hälfte aller Verkaufstiere waren Böcke der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf. Vier Jährlingsböcke wurden für durchschnittlich 650 Euro umgesetzt. Das Ia-Tier kam aus dem Züchterstall Brockmann, Bötersheim und erlöste 850 Euro. Die 25 in Werklasse I gekörten Lammböcke wurden in drei Altersklassen eingeteilt. Die beiden Preisrichter Jahnke, Eimke und Rose, Grethem, bestimmten drei Klassensieger. Sieger wurde das Ia-Tier der mittleren Klasse aus der bekannten Zucht von Pferdmenges, Hilprechtshausen. Der Ende Dezember geborene Lammbock brachte am Auktionstag bereits 100 kg auf die Waage (tägl. Zunahme: 581 Gramm). Die Preisrichter stellten bei ihrer Begründung aber auch den Rahmen, die korrekte Beinstellung, die gerade Oberlinie und die ansprechende Qualität der Wolle heraus. Der Pferdmenges GbR wurde bei der Siegerehrung die silberne Plakette des Landwirtschaftsministers überreicht. Wetere Klassensieger stellten die Züchter Brune, Hessisch Oldendorf und Lange, Garbsen. 22 verkaufte Lammböcke erzielten einen Verkaufspreis von durchschnittlich 374 Euro. Die Veranstaltung in Mecklenhorst wurde auch in diesem Jahr durch zahlreiche Aussteller bereichert. Bereits Tradition hat die Teilnahme der Firma Rittmeier aus Rosdorf. Sie war mit mehreren Fahrzeugen vor Ort und nahm die von vielen Schafhalter mitgebrachte Schweißwolle an. Die Wolle wurde gewogen, verladen und gleich bezahlt. Leider war der erzielte Wollpreis etwas niedriger als im Vorjahr. Auch in Rodenkirchen konnte Schafhalter ihre Wolle mitbringen und an den Wollhändler abgeben.

 

 

Überstand in Rodenkirchen

Der Landes-Schafzuchtverband Weser-Ems und der Stader Schafzuchtverband sind mit dem Auktionsverlauf in Rodenkirchen im Gegensatz zum Vorjahr nicht zufrieden. Insgesamt wurden 139 Zuchttiere angeboten und 93 Tiere verkauft. Gegenüber dem Vorjahr konnten 30 Tiere weniger abgesetzt werden. Die Ausstellung der prächtigen Zuchtböcke, die nordwestdeutsche Spinnmeisterschaft und das vielfältige Rahmenprogramm rund ums Schaf lockten zwar viele Besucher an, aber das Wetter verschlechterte sich im Laufe des Tages und trübte die Stimmung. Den Spinnwettbewerb gewann zum wiederholten Mal Aukea Lindeburg aus Großefehn. Sie schaffte es, in 15 Minuten aus 10 Gramm Wolle einen Faden mit einer Länge von insgesamt 66,25 Meter zu spinnen und konnte den Wanderpokal erneut mit nach Hause nehmen.

Mit 525 Euro erzielten die Weikopf-Jährlingsböcke den höchsten Durchschnittspreis der Auktion Rodenkirchen. Beide Klassensieger kamen aus der Zucht von Schmidt, Berne und konnten für 900 bzw. 630 Euro versteigert werden. Bei den Lammböcken stellten die Züchter Martens, Jade und Warnke, Butjadingen (2) die Klassensieger. Siegerbock wurde schließlich das älteste Tier aus der Zucht von Martens. Der Züchter wurde mit einer silbernen Plakette der Landwirtschaftskammer geehrt.  Von den 18 angebotenen Lammböcken konnten im Ring leider nur 10 verkauft werden. Die vier weiblichen Jungschafe dagegen waren gefragt    und erlösten im Schnitt 225 Euro. Ein Highlight in Rodenkirchen war wieder die amerikanische Versteigerung eines Jungschafes. In diesem Jahr hatte der Züchter Schmidt aus Berne ein Weißkopfschaf gestiftet. Es wurde für 455 Euro zugunsten der von der Züchterin Avramut-Lampe initiierten Nachwuchsarbeit versteigert. Mit dem Geld werden Jungzüchter geschult, Vorführwettbewerbe unterstützt, Pokale und Ehrenpreise für die Teilnehmer angeschafft usw. In diesem Jahr wurde mit dem Geld die Teilnahme der Jungzüchter des Landes-Schafzuchtverbandes Weser-Ems an der Deutschen Jungzüchtermeisterschaft in Bayern unterstützt.

Alle angebotenen Blaukopf und Charollaisböcke konnten abgesetzt werden. Die aufgetriebenen Berrichoneböcke waren in diesem Jahr etwas zu leicht. Auch sollte künftig ein einheitlicher Schurtermin festgelegt werden. Die drei von Dorstmann, Moormerland gezüchteten Lammböcke hatten interessante Pedigrees und wurden von einem Käufer aus Österreich ersteigert.   

43 Böcke der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf (Vorjahr: 35) waren zur Auktion in Rodenkirchen gemeldet und nur die Hälfte der Tiere konnte verkauft werden. Schiefner, Ritterhude, und Wuttge, Krummhörn stellten die Klassensieger bei den Jährlingen. Aufgrund der großen Konkurrenz wurde die züchterische Leistung von Schiefner mit der silbernen Plakette des Landwirtschaftsministers belohnt. Bei den Lammböcken war es umgekehrt. Hier siegte ein gut entwickelter, schicker Jungbock von Wuttge vor dem Klassensieger von Schiefner.  Weibliche Schwarzköpfe waren in diesem Jahr leider nicht im Angebot. Deutlich besser lief der Absatz bei den Suffolböcken. Dazu trug auch eine Käuferdelegation aus Bulgarien bei, die am Auktionstag 10 und später noch zwei weitere Jährlingsböcke zur Einkreuzung in heimische bulgarische Rassen ersteigerte. Die Jungböcke mussten zunächst in den Züchterstall zurück und konnten dann nach Durchführung der erforderlichen Untersuchungen vom Käufer abgeholt werden. Die Züchterin Dreyer, Jade stellte zwei Ia-Jährlinge, darunter auch den Siegerbock und erhielt die silberne Plakette des Landwirtschaftsministeriums. Der Siegerbock wurde für den Höchstpreis von 1.000 Euro einer Schäferei in Schleswig-Holstein zugeschlagen. Wie im Vorjahr präsentierte Fass aus Wilhelmshaven die beiden Klassensieger bei den Lammböcken. Sie erzielten hier mit jeweils 500 Euro auch die Höchstpreise. Fass erhielt als Auszeichnung eine Preismünze der LWK und eine Plakette des Bundesverbandes.

Der Absatz von Böcken unserer Fleischschafrassen war in diesem Jahr nicht so gut wie im Vorjahr und einige gute, gekörte und leistungsgeprüfte Jungböcke stehen auch jetzt noch zum Verkauf.


Kontakt:
Klaus Gerdes
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-611
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 26.10.2017