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Mit Brunnenwassser im Folienteich Forellen halten

Die Entwicklung und Förderung der Aquakultur zur Fischerzeugung ist ein häufig formuliertes öffentliches Ziel. Die Umsetzung in die Praxis ist jedoch in Deutschland nach wie vor sehr schwierig. Besonders die sehr begrenzten wassergebundenen Standortvoraussetzungen, sowie die erforderlichen Genehmigungsvoraussetzungen und der globale Preiswettbewerb bremsen hierzulande die Entwicklung der Fischerzeugung stark. Für Einsteiger und auch Fortgeschrittene besonders problematisch sind hohe Investitionskosten in Technik, Energie und Zeit sowie hohe Risikofaktoren für den im schwierigen Umweltmedium Wasser zu produzierenden Fisch.



Bild: Folienteiche

Jedoch bietet manchmal auch Fischhaltung „im Kleinen“ einen Ansatz um Erfahrungen zu sammeln und  Maßnahmen zur weiteren Entwicklung vorzubereiten, ohne hierbei allzu hohe finanzielle Risiken und zeitliche Aufwendungen einzugehen.

Vor diesem Hintergrund folgend einige wesentliche Rahmenbedingungen für die Haltung der beim  Verbraucher allgemein beliebten Forellen mit Brunnenwasser in geringer Intensität in Folienteichen:

Der Folienteich
Mit Teichfolie lassen sich besonders gut in Böden ohne scharfkantige Steine (etc.) Fischteichbauten vornehmen. Ein wesentlicher Vorteil von Folienteichen zu fest geformten Beckenanlagen liegt in den erheblich geringeren Gestehungskosten. Im Vergleich zu Naturteichen haben Folienteiche auch den Vorteil der guten Wasserhaltung, Dammsicherheit und Säuberungsmöglichkeit (Hygiene). Handelsübliche Qualitätsteichfolie (z.B. 1 mm stark) ist richtig verbaut viele Jahre ggf. sogar mehrere Jahrzehnte lang haltbar. Für eine beabsichtigte Forellenhaltung sollte darauf geachtet werden, dass der Teich ausreichend groß und tief erstellt wird, damit der Wasserkörper nicht zu schnell Temperaturschwankungen (Erwärmung im Sommer / Abkühlung und Ausfrierung im Winter) ausgesetzt ist. Weiter sollte mit eingeplant werden, dass an der tiefsten Stelle mit ausreichenden Gefälle ein abpumpbarer oder besser noch ablassbarer Absetzbereich / Ablasssumpf gleich im Teich mit installiert wird. Aus dem Schwimmteich- und Aquakulturbedarf gibt es hierzu geeignete Folienrohrmuffen, Durchlässe, Siebe und Pumpen zu erwerben. Hiermit sollte ermöglicht werden, dass die bei der Forellenfütterung entstehenden Kotsedimente regelmäßig dem Wasserkörper entnommen werden können. Bei der Teichform ist weiter darauf hinzuweisen, dass die Forellenhaltung im Gegensatz zum Karpfenteich ein Durchflusssystem darstellen soll, bei dem prinzipiell lang gestreckte Forellenteiche in der Regel eine Fläche von 50m² bis 300m² haben.

Wasserversorgung aus dem Brunnen
Das Management des Wassers hat für eine erfolgreiche Forellenerzeugung eine grundlegende Bedeutung. Brunnenanlagen mit geeigneter Wasserqualität und Menge stellen eine gute Basis zur Forellenerzeugung (siehe Tabelle Wasserparameter). Auch kann zusätzlich die Möglichkeit der Wasserklärung (z.B. handelsübliche Teichfilteranlagen, Wurzelbeetklärbecken) und somit eine Teilwasserkreislaufführung positiv mit in die Planung des Wassermanagements integriert werden. So bevorzugen Forellen sommerkühle und sauerstoffreiche Gewässer, welche im Vergleich zum Wärme liebenden Karpfen eine Zuführung von kaltem Brunnenwasser besonders im Sommer unumgänglich macht.

Bei der Versorgung von Teichen mit reinem Brunnenwasser ist darauf hinzuweisen, dass Brunnenwasser natürlicherweise häufig einen hohen Kohlensäuregehalt besitzt und in der Regel keinen Sauerstoff beinhaltet. Dieses ist so der Fischhaltung abträglich. Jedoch kann der Kohlensäuregehalt des Brunnenwasser an der Oberfläche recht einfach durch ein Verrieselungsverfahren („Entgasung“) z.B. über ein Prallbrett oder besser noch über eine oberflächengroße Kaskade reduziert werden. Sauerstoff  sollte ebenfalls durch Belüftung hinzugefügt werden (weiteres zur Belüftung im nächsten Absatz).

Auch muss darauf hingewiesen werden, dass Brunnenwasser häufig einen sehr hohen Eisenanteil besitz, welcher ebenfalls einer Fischhaltung sehr abträglich sein kann (siehe Tabelle). Zur Reduzierung des Eisengehaltes im Zuleitungswasser gibt es jedoch auch zahlreiche Möglichkeiten. Zum einen gibt es verschiedenste handelsübliche Eisenfilter, zum anderen gibt es Eigenbaufiltermethoden (z.B. Sand- und Kiesfilterbecken mit Gegenspühleinrichtung / vorgeschaltet Teiche mit Belüftung zum Ausflocken des Eisens), welche jeweils im standortbezogenen Einzelfall zu betrachten sind. Auch sind weitere Wasserparameter des Brunnenwassers vorab zu prüfen. Verschiedenste Umweltlabors bieten hierzu spezielle Fischwasseruntersuchungen an.

Belüftung, Wasserfilter und Energieeinsatz
Die zu Hilfenahme weiterer technischer Maßnahmen wie Wasserbelüftung und Wasserfilter ist zusätzlich zur Brunnenwasserversorgung von grundsätzlicher Bedeutung. So benötigen Forellen sauerstoffreiches Wasser, das Wasser direkt aus der Brunnenanlage ist i.d.R. jedoch nahezu sauerstofffrei. Eine Belüftung des Teichwassers oder des Wasserzulaufs ist somit von existenzieller Bedeutung für den   empfindlichen Forellenbesatz. Geeignete Teichbelüfter werden im Aquakulturbedarf in den verschiedensten Formen und Größen gehandelt. Weiter kann die Intensität der Belüftung je nach Fischbesatz   zum Beispiel über eine Zeitschaltuhr geregelt werden, so dass ein Belüfter nicht immer rund um die Uhr laufen muss. Auch können als Wasser verbessernde im Teilwasserkreislauf gebräuchliche Gartenteichfilteranlagen mit eingesetzt werden.

Ganz wichtig ist bei dem notwendigen Technikeinsatz stets den Energiebedarf kritisch mit zu betrachten. Niedrige Förderhöhen, gute Brunnenwasserausgangswerte sowie besonders ein witterungs- sowie Bestands- angepasstes Haltungs- und Technikmanagement können gut organisiert die Energiekosten in einem verträglichen Maß halten. Auch eine Beschattungsmöglichkeit im Sommer (z.B. Schattennetz aus dem Gartenbau) kann sich hierfür positiv auswirken und reduziert weiter ein ungewolltes Algenwachstum im Sommer.

Besondere Anforderungen zur Forellenhaltung
Für die physikalischen Lebensraumansprüche von Regenbogenforellen in Speisefischgröße kann auf folgende Wasserparameter (Erfahrungswerte / Tabelle aus Ordnungsgemäße Fischhaltung der LWK Niedersachsen 2007) hingewiesen werden:

 

Tabelle

Parameter

Geeigneter
Produktionsbereich

Kritischer
Unterer Bereich

Kritischer
Oberer Bereich

Temperatur °C

4 - 20

0,2

25

Sauerstoff mg/l

5 - 35

3,0

40

PH- Wert

6 – 8,5

5,0

9

Ammoniak mg/l

bis 0,01

 

0,03

Eisen (II) mg / l

bis 0,2

 

1,0

Unter der Annahme der entsprechenden Standortvoraussetzungen (Wasserzuführung, Wasserfilterung und Wasserbelüftung) sind Haltungsdichten von 10 – 20 kg Speiseforellen je m³ Wasservolumen möglich. Weiter kann zum Verhältnis der Fischproduktion zum Wasseraustausch als Faustzahl dargestellt werden, dass je Liter pro Sekunde frisch zufließendem Wasser 50 bis 100 kg  Forellen im Jahr erzeugt werden können. Mit der zur Hilfenahme der bereits beschriebenen technischen Hilfsmitteln wie Sauerstoffzufuhr und Wasserfilterung (Teilwasserkreislauf) ist es möglich je Liter/Sekunde qualitativ guter Frischwasserzuführung die Forellenjahresproduktion auf 500 bis 1000 kg zu erhöhen. Zur Forellenfütterung verwendet man eigens dafür hergestellte vollwertige Forellenmischfutter mit hohen Protein- und geringen Kohlenhydratgehalten. Für eine erfolgreiche Forellenhaltung ist es weiter grundsätzlich wichtig, dass nur gesunde und gut konditionierte Besatzfische aus versierten Fischzuchtanlagen verwendet werden.

Weitere Informationen
Für ein derartiges technisches Fischhaltungsvorhaben ist darauf hinzuweisen, dass verschiedenste Wechselwirkungen und ggf. auch Technikausfälle mit einem nicht unerheblichen Restrisiko mit eingeplant werden müssen. Auch kann eine derartige geringe Haltungsintensität betriebswirtschaftlich sich nicht mit professionellen Produktionsanlagen und einer guten natürlichen Wasserversorgung messen. Es kann jedoch für Interessierte unter Risikogesichtspunkten den maßvollen Einstieg in das Thema Aquakultur bedeuten und zum Beispiel in Verbindung mit   einer kleinen Direktvermarktung und Räucherei ggf. auch interessante Perspektiven eröffnen!

Zu beachten sind weiter verschiedenste Tierschutz-, Bau- und Wasserrechtliche Grundlagen. Der Fachbereich Fischerei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bittet für diesen komplexen Themenbereich weiterführende Beratung und Hinweise zu Fachliteratur an.

Auch führen die Fischereifachleute der Landwirtschaftkammer Niedersachsen Sachkundelehrgänge für Fischhalter und die, die es werden möchten, durch.


Kontakt:
Steffen Goeckemeyer
Fischerei
Telefon: 0511 3665-4498
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 19.12.2011