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Lebendhefen in die Milchkuhration?

Für Milchkühe in der Frühlaktation und im Hochleistungsbereich ist eine ausreichende Strukturwirksamkeit der Ration von ganz entscheidender Bedeutung. Gleichzeitig muss aber auch eine möglichst hohe Energieversorgung angestrebt werden, um das Energiedefizit nach der Kalbung so gering wie möglich zu halten und später das Milchleistungspotenzial auszufüttern.

Daraus resultieren dann oft Rationen im jeweiligen Grenzbereich ernährungsphysiologischer Erfordernisse. Dies betrifft das Kraftfutter-Grobfutterverhältnis sowie die Gehalte an Strukturkohlenhydraten. Sind solche  Rationen dann auch mit viel Stärke und Zucker „sehr scharf“ eingestellt, kann es zu acidotischen Störungen im Pansen kommen, wodurch die Aktivität der Mikroorganismen und auch die Futteraufnahme beeinträchtigt werden. Um insbesondere in solchen Situationen das Risiko von Stoffwechselstörungen zu reduzieren, wird häufig der Einsatz von Lebendhefen (Saccharomyces cerevisiae) in Spezial- bzw. Mineralfuttermitteln empfohlen. Verschiedene Stämme und Produkte haben dafür als probiotischer Zusatzstoff eine Zulassung, und folgende Wirkungen im Pansenstoffwechsel sind für diese bekannt.

- Förderung der Laktat verwertenden und cellulolytischen Mikroorganismen
- Förderliche sauerstoffzehrende Wirkung für anaerob lebende Mikroorganismen
- Stabilisierung des Pansen-pH-Wertes bei Zunahme Freier Fettsäuren
- Stimulation des Celluloseabbaus, Verbesserung der Verdaulichkeit 
- Steigerung der mikrobiellen Proteinsynthese im Pansen

Diese Vorteile sollen sich dann in einer Steigerung der Futteraufnahmen sowie in höheren Milchleistungen bei stabilisierten Milchinhaltsstoffen wiederfinden und/oder den Stoffwechsel der Kühe stabilisieren. Aus der Praxis wird häufig von entsprechenden Erfolgen dabei berichtet, insbesondere im Zusammenhang mit der beschriebenen Fütterung im physiologischen Grenzbereich. Auch in verschiedenen Fütterungsversuchen konnten positive Effekte des Einsatzes von Lebendhefen festgestellt werden, in anderen Untersuchungen hingegen nicht. Die variierenden Versuchsergebnisse zeigen auch, dass insbesondere steigernde Effekte auf Futteraufnahme und auf die Leistung ganz wesentlich von den Rahmenbedingungen, insbesondere von der jeweiligen Rationszusammensetzung, abhängig sind. Fest steht dabei aber grundsätzlich, dass der Einsatz von Lebendhefen nicht dazu dienen sollte, gravierende Fütterungs- und Managementfehler zu korrigieren bzw. zu eliminieren. Er könnte jedoch als eine Ergänzung guter fachlicher Fütterungspraxis vorgenommen werden, wenn es sich im konkreten Fall lohnt.

In einem Einzeltierfütterungsversuch der LLFG Sachsen-Anhalt und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde geprüft, wie sich eine Zulage von Lebendhefen auf die Futteraufnahme, die Milchleistung sowie auf ausgewählte Parameter des Stoffwechselstatus von Milchkühen mit hoher Leistung in der Frühlaktation auswirkt. Dabei sollten die Hefen natürlich nicht zur Fehlerkorrektur bei vorsätzlich falscher Rationszusammensetzung dienen. Grund-sätzliche Vorgabe war, die Wirkungen bei möglichst guter Umsetzung der fachlichen Vorgaben für die Fütterungspraxis zu kontrollieren. Die Rationsgestaltung erfolgte nach ak-tuellen Vorgaben der DLG. Diese Empfehlungen sowie die Zusammensetzung und die Ge-haltswerte der im Versuch verfütterten TMR zeigt die Tabelle 1.

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Kontakt:
Andrea Meyer
Fachreferentin Fütterung von Rindern und Schweinen, Futtermittelrecht, Futterberatungsdienst e.V., Versuchswesen Tier
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
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Stand: 17.09.2013