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Proteinversorgung von Mastbullen

Im Gegensatz zur Milchkuhfütterung wird in Deutschland auf dem Gebiet der Bullenfütterung eher wenig geforscht. Aktuelle Zahlen zum Bedarf sind rar, so wurden letztmalig vor nahezu 20 Jahren Versorgungsempfehlungen für Mastbullen veröffentlicht (GfE, 1995). Inzwischen haben sich vor allem die Endgewichte und die Mastleistungen geändert. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft überprüfte deshalb in einem Fütterungsversuch die Rohproteinversorgung von Fleckviehbullen. 

Über eine Mastdauer von 350 Tagen wurden 60 Bullen mit einem mittleren Anfangsgewicht von 216 kg (Ø 148 Tage alt) in fünf Gruppen unterschiedlich gefüttert. Die Rohproteingehalte der TMR (Maissilage, Kraftfutter, Stroh) reichten von 8,3 bis 16,4 % der TM, der ME-Gehalt lag bei 11,5 MJ/kg TM. Die Futteraufnahme der Einzeltiere wurde täglich mit Wiegetrögen erfasst. Die gesamte Mast wurde in die drei Abschnitte 216 bis 350 kg, 350 bis 550 kg und 550 bis 750 kg unterteilt.

Tabelle 1: Leistungen der Fleckviehbullen

 

Rohproteingehalt (TMR)

1

8,3 %

2

10,3 %

3

12,3 %

4

14,4 %

5

16,4 %

Anfangsgewicht              kg

Endgewicht                     kg

TM-Aufnahme                 kg

RP-Aufnahme                 g

Tageszunahmen            g

Schlachtkörpergewicht  kg

EUROP (E=1,P=5)

Fetthandelsklasse (1-5)

216

543

7,1a

587a

941

294a

3,5

1,9

216

674

8,3b

857b

1307

373b

2,8

2,2

216

741

8,9b

1102c

1496

420c

2,6

2,8

216

780

9,6c

1377d

1607

444d

2,4

3,0

216

741

8,9b

1463c

1499

413c

2,7

2,9

a,b: Signifikante Differenzen (p< 0,05)

Ein Effekt der Proteinversorgung auf die Tageszunahmen ist deutlich zu erkennen. Die höchste Trockenmasseaufnahme und die höchsten Tageszunahmen wurden in der Gruppe mit 14,4 % Rohprotein in der TM erzielt. Eine weitere Steigerung des RP-Gehaltes auf 16,4 % führte z.T. sogar zu geringeren Leistungen. Die beiden Gruppen mit den niedrigeren Eiweiß­gehalten wiesen eine geringere Verfettung auf.

Anhand der Zuwachsleistung wurden folgende Rohprotein-Bedarfswerte für die einzelnen Mast­abschnitte geschätzt:

13,7 % RP (200 bis 350 kg LG), 12,8 % (350 bis 550 kg LG) und 10,7 % RP in der TM (550 bis 750 kg LG).

Diese Werte liegen deutlich unter den GfE-Empfehlungen, die sich jeweils auf den Energiegehalt beziehen: 13,5 g RP/MJ ME für 200 bis 360 kg LG, 11,5 g für 360 bis 470 kg und 10,7 g für 470 bis 620 kg. Nach den aktuellen Ergebnissen dieses Versuches würde sich bei maximaler Tageszunahme ein geringerer Bedarf von 1,6 g (200 bis 350 kg), 1,0 g (350 bis 550 kg) und 1,3 g RP/MJ ME (550 bis 750 kg) ergeben. Zu berücksichtigen ist, dass die Bullen im Versuch über die gesamte Mast mit einem konstanten Proteingehalt versorgt wurden. Die Versuchsansteller empfehlen weitere Unter­suchungen, da zu erwarten ist, dass der Bedarf an Rohprotein in der Mittel- und Endmast von der Proteinversorgung in der Anfangsmast beeinflusst wird. Es lässt sich schlussfolgern, dass hohe Wachstumsleistungen auch mit weniger Protein als bisher empfohlen zu realisie­ren sind.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
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Stand: 23.04.2014