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Einsatz von Harnstoff in der Rinderfütterung

Normalerweise wird eher bei hohen Sojaschrotpreisen gefragt, ob Harnstoff in der Rinderfütterung eingesetzt werden sollte. Aber da die Milchpreise im Keller sind, versuchen Landwirte auch in Zeiten gesunkener Kosten für Eiweißfutter, noch weiter Geld in der Fütterung zu sparen. Eine Möglichkeit ist die Verwendung von Harnstoff, der über das Kraftfutter oder direkt bei der Silierung von Mais eingesetzt werden kann.

In proteinarmen Rationen wird Futterharnstoff als Stickstoffquelle zum Ausgleich der negativen RNB verwendet. 100 g Harnstoff enthalten  46 g N, was einer RNB von 46 g und einem Rohproteingehalt von 287,5 g entspricht. Diese RNB trägt dazu bei, einen N-Mangel der Bakterien in den Vormägen bis zu einem begrenzten Umfang zu beheben (Einsatz sinnvoll ab einer RNB von ca. -50 g/Kuh und Tag). Die Mikroben bauen Harnstoff zu Ammoniak ab, das sie dann – eine ausreichende Energieversorgung vorausgesetzt – zur Bildung von Bakterieneiweiß nutzen. Der Harnstoff-N wird außerordentlich schnell freigesetzt, so dass er nur vorübergehend eine N-Quelle für Bakterien darstellt. Die Ammoniakgehalte im Pansen steigen kurz nach der Verfütterung rasch an. Wichtig sind eine langsame Gewöhnung an Harnstoff (ein bis zwei Wochen) sowie ausreichende Mengen leicht löslicher Kohlenhydrate zur Unterstützung der Pansenmikroben. Da Harnstoff weder Energie noch nXP enthält, ausschließlich Stickstoff und direkt kein Durchflussprotein liefert,  ist  ein vollständiger RNB-Ausgleich durch Harnstoff nicht ratsam.

Einsatzmengen
Harnstoff wird vorwiegend in der Milchkuhfütterung mit sehr maisbetonten Rationen sowie in der Jungviehaufzucht und Bullenmast ab etwa 250 kg LG eingesetzt. Praxisübliche Einsatzmengen liegen bei bis zu 5 g/kgTM bzw. 15 g/100 kg LG. Der Einsatz bei Milchkühen ist abhängig von der Milchmenge und dem UDP-Gehalt des Futters. Ausgleichsfutter sollte max. 3 bis 4 % enthalten. Für MLF ist Harnstoff weniger geeignet, da dann gerade die Kühe mit den höchsten Leistungen sehr viel Harnstoff aufnehmen. Er kommt eher bei Kühen mit geringeren Milchleistungen und bei Endmastbullen in Frage. Bei mehr als 100 g/Tag wurde ein Rückgang in der Futteraufnahme beobachtet. Durch ungenügende Vermischung, zu große Mengen oder fehlende Anpassungszeit kann Harnstoff auch toxisch wirken (NH3-Vergiftung). Optimal ist das Einmischen in die TMR, in die Grundration oder ins Kraftfutter.

Harnstoff im Silomais
Futterharnstoff wird dem Silomais zudosiert, um die N-Versorgung der Pansenbakterien zu verbessern und gleichzeitig die Lagerstabilität der Maissilage zu erhöhen. Untersuchungen in Haus Riswick mit 2,5 kg Harnstoff je t Silomais zeigten, dass ein Teil des Harnstoffs bei der Silierung verlorengeht. Eine Verbesserung der Stabilität  war nicht festzustellen, auch die behandelte Silage erwärmte sich etwas.

Rechtliche Vorgaben
Beim Harnstoffeinsatz sind nicht nur ernährungsphysiologische Aspekte, sondern auch rechtliche Bestimmungen zu beachten. Futterharnstoff ist kein Einzelfuttermittel, sondern zählt zu den ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen und darf ausschließlich an Wiederkäuer mit voll entwickeltem Pansen verabreicht werden. Rechtlich dürfen max. 8,8 g Harnstoff/kg Alleinfutter (88 % TS) bzw. 10 g/kg TS verabreicht werden. Höchstens 30 % des Gesamtstickstoffs der Tagesration sollen aus Harnstoff-N stammen. Dies bedeutet, dass die Proteinbegrenzung, d. h. 30 % des N der Tagesration, bei Rationen mit max. 9,5 % Rohprotein greift (was eher selten ist) und bei Rationen >9,5 % RP die Harnstoffmenge durch die Höchstgrenze von 10 g/kg TM definiert ist. Beim Kauf von Harnstoff muss der N-Gehalt deklariert sein. Bei harnstoffhaltigen Mischfuttermitteln muss die Menge der enthaltenen NPN-Verbindungen, ausgedrückt in Rohprotein, die beim Verfüttern je Tier und Tag oder je 100 kg Lebendgewicht nicht überschritten werden darf, angegeben werden.

Landwirte als Futtermittelprimärproduzenten im Sinne der Futtermittelhygiene-Verordnung müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, wenn sie Zusatzstoffe (ausgenommen Silierzusatzstoffe) in ihrem Betrieb verwenden wollen. Allerdings können sie ohne Einschränkung Einzel- oder Mischfuttermittel mit Harnstoff verwenden. Wird Harnstoff als Reinsubstanz eingesetzt, sind Landwirte verpflichtet, ausschließlich von zugelassenen Herstellern oder Händlern zu kaufen. Außerdem müssen Landwirte ein HACCP-Konzept (einzelbetriebliche Gefahrenanalyse) erstellen sowie Anforderungen an Lagerung und Mischtechnik einhalten. Diese Tätigkeiten sind zu kontrollieren und zu dokumentieren. Im anliegenden Merkblatt sind die Details nachzulesen. Dort steht auch, dass der Betrieb über Rationsberechnungen und Mischanweisungen verfügen muss, aus denen die Harnstoffmengen und das Einhalten der Höchstgehalte erkennbar sind. Die Mischgenauigkeit ist nachzuweisen, z. B. über Rohproteinanalysen. Ein Protokoll zur Dokumentation des Harnstoffeinsatzes ist dem Merkblatt beigefügt. Wichtig ist der Hinweis, dass Harnstoff weder als Konservierungs- noch als Silierzusatzstoff zugelassen ist, auch wenn er Feuchtgetreide konservieren oder die aerobe Stabilität von Maissilagen erhöhen kann.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:


Stand: 08.09.2015



PDF: 23930 - 276.103515625 KB   Merkblatt Harnstoff 2013   - 276 KB