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Sojaschrot: Was ist zu deklarieren?

In der Land & Forst waren die Preise für Sojaschrot 44/7 im März mit etwa 30,50 €/dt und für Brasilschrot mit 33 €/dt notiert. Die gesunkenen Preise reduzieren zwar etwas die Futterkosten, was angesichts der niedrigen Milch- und Schweinepreise ein kleiner Lichtblick ist. Neben den Kosten sollte aber die Qualität des wichtigsten Eiweißfuttermittels nicht aus den Augen verloren werden.

Beim Sojaschrot 44/7 findet sich häufig der Zusatz „mind. 42 % Rohprotein, ca. 2 % Fett, max. 7 % Rohfaser“, beim Brasilschrot steht „mind. 46 % Rohprotein, ca. 2 % Fett, max. 7 % Rohfaser“. Diese Angaben sind futtermittelrechtlich und ernährungsphysiologisch nicht in Ordnung, denn das Addieren von 42 % Rohprotein + 2 % Fett ergibt nicht 44 % Rohprotein. Auch die Deklaration „Sojaschrot 43/44 % Rohprotein“ ist nicht korrekt. Eine eindeutige Proteinangabe ist erforderlich.

Was muss deklariert werden?
Hier ist zwischen Sojaschrot und Sojaschrot aus geschälter Saat („HP-Sojaschrot“) zu unterscheiden. Grundsätzlich muss der Rohproteingehalt angegeben sein.

Übersicht 1: Was muss deklariert werden?

 

Sojaschrot

HP-Sojaschrot

Rohprotein

Rohfaser

Wasser

ja

ja, wenn > 8 % in der TM

ja, wenn > 14 %

ja

nein

ja, wenn > 14 %

Ist der Wassergehalt nicht angegeben (Normalfall), darf er höchstens 14 % betragen. Um eine ausreichende Lagerfähigkeit zu gewährleisten, sollten 13 % nicht überschritten werden. Erhöhte Rohfasergehalte deuten auf hohe Schalenanteile hin. Sojaschalen enthalten etwa 33 bis 35 % Rohfaser.

Die Qualität von Sojaschrot wird eher selten hinterfragt. So wurde jetzt der Sojauntersuchungsdienst der LUFA Nord-West nach vielen Jahren wegen zu geringer Nachfrage eingestellt.  Landwirte sollten nicht nur die Anforderungen an diesen Proteinträger kennen, sondern auch die Qualität. Diese lässt sich anhand von Futteranalysen beurteilen. Einige große Betriebe beproben jede Lieferung, denn die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen. Sollen z.B. nur Rohprotein und Rohfaser untersucht werden, kostet die Analyse bei der LUFA 45 € netto.

Lieferung beanstanden?
Ob Sie eine Lieferung beanstanden können, hängt davon ab, wie stark die Analysenwerte von der Deklaration abweichen. Hierbei sind die gesetzlichen Toleranzen zu berücksichtigen.

Übersicht 2: Gesetzliche Toleranzen für Sojaschrot

Rohprotein

Rohfaser
<10% deklariert

3 Einheiten (= 3% absolut)

1,7 Einheiten (= 1,7 % absolut)

Wäre ein Wassergehalt von 12,5 % und mehr deklariert, würde die Toleranz 8 % relativ   betragen.

Wann liegt eine Beanstandung vor? Hierzu drei Beispiele:

  1. Sie haben Sojaschrot mit 44 % Rohprotein gekauft, 41,4 % Rohprotein werden analysiert. Nach Abzug der Toleranz von 3 % ergeben sich 41,0 %. Eine Beanstandung ist nicht möglich, da der Analysenwert noch oberhalb von 41 % liegt.
     
  2. Das Sojaschrot beginnt zu schimmeln. Die Untersuchung ergibt einen Wassergehalt von 15,2 %. Sojaschrot darf max. 14 % Wasser enthalten, es sei denn, der Wassergehalt ist angegeben. 14,0 % + 1,12 % Toleranz (8 % von 14,0) = 15,12 %. Der Laborbefund von 15,2 % liegt über dem noch zulässigen Wert, folglich können Sie die Partie beanstanden.
     
  3. Der Rohfasergehalt ist mit 7 % angegeben, im Labor werden 8,8 % festgestellt. Die Lieferung können Sie beanstanden, da der Rohfasergehalt über der Deklaration liegt: 7 % + 1,7% Toleranz =8,7 %.

Eine gelbe oder braune Färbung des Schrotes lässt keinen Rückschluss auf die Proteinqualität, sondern nur auf die Herkunft zu. Sehr fein vermahlenes Sojaschrot lässt häufig einen hohen Schalenanteil vermuten.

Sojaextraktionsschrot und Sojaextraktionsschrotfutter
Seit 2013 wird Sojaextraktionsschrot entsprechend seiner Herstellung und Zusammensetzung in drei Typen differenziert: Sojaextraktionsschrot, Sojaextraktionsschrotfutter und Sojaextraktionsschrotfutter mit (Soap)stock. Aufgrund futtermittelrechtlicher Änderungen war eine Neufassung nicht nur von Soja-, sondern auch von den anderen Extraktionsschroten erforderlich. In der Positivliste für Einzelfuttermittel sind die Sojaschrote folgendermaßen aufgeführt:

Bezeichnung

Beschreibung

Angaben zur Kennzeichnung

Soja(bohnen)-extraktionsschrot, dampferhitzt

Nebenerzeugnis, das bei der Ölgewinnung durch Extraktion aus Sojabohnen anfällt und einer geeigneter Wärmebehandlung unterworfen wurde

Rohprotein
Rohfaser, wenn
>8 % in der TM
Sofern Soja(bohnen)-extraktionsschrot, dampferhitzt im Herstellungsprozess anfallende Bleicherden und Filterhilfsstoffe bis zu 1 % sowie Rohlecithine enthalten kann, ist es als
Soja(bohnen)-extraktionsschrotfutter, dampferhitzt zu bezeichnen. Kann es darüber hinaus im Prozess anfallenden Soapstock enthalten, ist es als Soja(bohnen)-extraktionsschrotfutter, dampferhitzt, mit (Soap)stock zu bezeichnen.

Soja(bohnen)-
extraktionsschrot aus geschälter Saat, dampferhitzt

Nebenerzeugnis, das bei der Ölgewinnung durch Extraktion aus geschälten  Sojabohnen anfällt und einer geeigneten Wärmebehandlung unterworfen wurde

Rohprotein
Sofern Soja(bohnen)-extraktionsschrot aus geschälter Saat, dampferhitzt, im Herstellungsprozess anfallende Bleicherden und Filterhilfsstoffe bis zu 1 % sowie Rohlecithine enthalten kann, ist es als
Soja(bohnen)-extraktionsschrotfutter aus geschälter Saat, dampferhitzt zu bezeichnen. Kann es darüber hinaus im Prozess anfallenden Soapstock enthalten, ist es als  Soja(bohnen)-extraktionsschrotfutter aus geschälter Saat, dampferhitzt, mit (Soap)stock zu bezeichnen.

Das Sojaextraktionsschrotfutter entspricht dem derzeit verwendeten Sojaextraktionsschrot. Soapstock fällt bei der Herstellung von pflanzlichen Ölen und Fetten an und enthält Salze freier Fettsäuren, Öle oder Fette und weitere Bestandteile wie Mono- und Diglyceride, Lecithin und Fasern.

Fazit
Die Qualität von Sojaschrot wird bisher zu selten hinterfragt. Der Rohproteingehalt muss immer angegeben werden. Fordern Sie eine korrekte Deklaration Ihrer Ware und überprüfen Sie die Qualität stichprobenartig. Bei großen Partien macht sich die Proteinuntersuchung jeder Lieferung immer bezahlt.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:


Stand: 26.04.2016