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Geringes Hektolitergewicht = geringerer Energiegehalt?

Für die Getreidepreisermittlung ist u. a. das Hektorlitergewicht seit jeher ausschlaggebend. Preisabzüge für geringe hl-Gewichte sind üblich, aber nicht immer zu begründen. Während die Mühlen eine abnehmende Mehlausbeute als Begründung angeben, werden die Preisabschläge für Futtergetreide mit niedrigem hl-Gewicht mit einem geringeren Energiegehalt in Verbindung gebracht.

Die physikalische Messgröße hl-Gewicht wird aber nicht nur vom Schmachtkornanteil, sondern u. a. von der Feuchte und der Kornoberfläche beeinflusst. Ob das hl-Gewicht tatsächlich einen zuverlässigen Hinweis auf den Energiegehalt gibt, untersuchte die Landwirtschaftskammer bereits im Jahr 2004 an 81 Weizenproben und im Jahr 2011 an 39 Weizenproben. Ein Zusammenhang konnte in beiden Untersuchungen nicht festgestellt werden. Da in dieser Ernte z.T. von geringeren hl-Gewichten von Gerste gesprochen wird, ist nachfolgend die Untersuchung aus 2011 noch einmal dargestellt, auch wenn sie nur Weizen beinhaltet.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ermittelte die hl-Gewichte sowie die Nährstoff- und Energiegehalte von 39 Winterweizenproben aus Landessortenversuchen (16 Sorten von zehn Standorten). Die Proben wurden nach hl-Gewicht auf zwei Gruppen (< 75 und > 84 kg hl-Gewicht) verteilt.

Die Proben mit dem geringen hl-Gewicht von im Mittel 71,4 kg weisen einen nahezu identischen Energiegehalt (Schwein) wie die Proben mit dem hohen hl-Gewicht von 86,4 kg auf. Keine Unterschiede gibt es im NEL-Gehalt. Auch die Stärkegehalte differieren nicht. Mit steigendem hl-Gewicht nimmt lediglich der Rohproteingehalt leicht zu. Die statistische Berechnung weist hier aber nur eine minimale Korrelation  aus. Genauso wichtig wie die absoluten Werte sind die Schwankungen in den einzelnen Merkmalen, die in der Gruppe > 86 kg hl-Gewicht etwas größer sind. Gerade für die Bezahlung kann dies von Bedeutung sein, denn im Einzelfall kann ein Weizen mit einem hl-Gewicht von 86 kg weniger Energie enthalten als einer mit 71 kg. Das heißt, dass Preisberechnungen auf dieser Grundlage völlig falsch sein können.

Nährstoff- und Energiegehalte von Weizen mit unterschiedlichen Hektolitergewichten (39 Proben)1)

 

Hektorlitergewicht (kg)

 

71,4

(68,3 – 74,8)

19 Proben

86,4

(84,1 – 87,5)

20 Proben

Trockensubstanz

%

85,0

(83,5 – 87,8)

87,3

(84,5 - 89,1)

Rohprotein

%

11,6

(10,6 – 13,0)

12,4

(9,9 – 13,5)

Stärke

%

59,2

(58,1 – 60,5)

59,4

(57,8 - 60,6)

ME Schwein

MJ/kg

13,94

(13,9 – 14,1)

14,00

(13,8 - 14,2)

NEL

MJ/kg

7,5

(7,5-7,5)

7,5

(7,5- 7,6)

1) NIRS-Untersuchung der LUFA Nord-West, Werte bezogen auf 88 % TS

Diese Ergebnisse bestätigen. dass das Hektolitergewicht keinen zuverlässigen Hinweis auf den Energiegehalt gibt, Preisabzüge für niedrige hl-Gewichte lassen sich nicht mit einem geringeren Futterwert begründen.

 

 

 


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
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Stand: 18.07.2016