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Mykotoxinbelastung in 2016

In Deutschland, insbesondere im Süden, ist derzeit vermehrt von  einer erhöhten Belastung des Getreides mit den Fusariumtoxinen DON (Deoxynivalenol) und ZEA (Zearalenon) die Rede. Da die Witterung während der Blüte einen großen Einfluss auf das Pilzwachstum hat und die Wetterbedingungen  im Norden in diesem Jahr anders als im Süden waren, stellt sich die Frage, wie hoch die Toxinbelastung in unserer Region ist.

Die LUFA Nord-West hat Getreide der diesjährigen Ernte auf Fusariumtoxine untersucht. Das Probenkontingent umfasst sowohl Monitoring-, Verdachts- und Versuchsproben.

DON-Gehalte der Ernte 2016 (LUFA Nord-West) (siehe anliegende Datei).

Die DON-Belastung von Roggen und Gerste ist wie in den anderen Jahren geringer als die von Weizen und Triticale, insgesamt ist der Anteil belasteter Proben eher als gering einzustufen. Beim Zearalenon liegt der Anteil der unauffälligen Proben mit mehr als 90 % noch deutlich höher. Zu berücksichtigen ist, dass bei diesem Toxin die Gehalte in μg angegeben sind (1000 μg = 1 mg).

ZEA-Gehalte der Ernte 2016 (LUFA Nord-West) (siehe anliegende Datei).

Die Leittoxine DON und ZEA gelten als Gradmesser für eine mögliche Belastung. Höhere DON-Werte führen beim Schwein zu verringerter Futteraufnahme bis hin zur Futterverweigerung und zu Störungen im Immunsystem. Nachgewiesen ist, dass sich Schweine an höhere DON-Konzentrationen gewöhnen können und die absolute Futterverweigerung deshalb nicht lange anhält. ZEA wird den Stoffen mit östrogener Wirkung zugeord­net. Bei erhöhten ZEA-Gehalten werden in erster Linie Gesäugeschwellungen, eine geschwollene Scham und Fruchtbarkeitsstörungen beobachtet. Weib­liche Schweine vor der Geschlechtsreife reagieren sehr empfindlich. Da Tiere selten nur ein einziges Toxin aufnehmen, ist das Schadensbild häufig unterschiedlich ausgeprägt.

Bisher nur Orientierungswerte
Für Futtermittel existieren gegenwärtig nur Orientierungswerte für die beiden Fusa­riumtoxine. Wenn die Mykotoxine in die Liste der unerwünschten Stoffe aufgenommen werden, gilt auch hier das Ver­schneidungsverbot. Das heißt, dass Futtermittel mit überhöhten Gehalten an Myko­toxinen nicht mehr zur Verdünnung mit unbelasteten Partien verschnitten werden dürfen. Die derzeit empfohlenen Orientierungswerte (nur für Aflatoxin gibt es einen Grenzwert) gelten nicht für das einzelne Futtermittel, sondern immer für die kom­plette Futtermischung.

Orientierungswerte für DON- und ZEA-Konzentrationen im Futter, bei deren Unter­schreitung die Gesundheit und Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt werden (BML, 2000)

 

DON
mg/kg

ZEA
mg/kg

präpubertäre weibliche Zuchtschweine
Mastschweine und Zuchtsauen

1,0
1,0

0,05
0,25

noch nicht wiederkäuende Tiere
weibliches Aufzuchtrind/Milchkuh
Mastrind

2,0
5,0
5,0

0,25
0,5
- 1)

Legehühner, Masthühner

5,0

- 1)

1) nach derzeitigem Wissensstand keine Orientierungswerte erforderlich

Bei Verdacht untersuchen lassen
Auch wenn derzeit nicht davon auszugehen ist, dass die diesjährige Toxinbelastung flächendeckend zu einem ernsten Problem wird, so sind doch regional höhere Gehalte festzustellen. Da wir Toxine weder sehen noch riechen noch schmecken und vom Vorhandensein rötlicher Körper nicht grundsätzlich auf eine Toxinbelastung schließen können, ist bei Verdacht folglich eine Futteranalyse erforderlich. Dabei sollten positive Befunde, die mittels ELISA-Screening-Verfahren ermittelt wurden, durch andere Methoden (z. B. HPLC) abge­sichert werden. Die ELISA-Bestimmung kostet netto 30 € je Toxin, die als sehr genau geltende HPLC-Untersuchung immerhin 93 € je Toxin. Ganz entscheidend ist eine sachgerechte Probenahme, da die Pilze in Nestern auftreten können. Denn ist die Probenahme nicht repräsentativ, ist der Analysenbefund für die Katz. Die DLG-Arbeitsgruppe „Mykotoxine“ empfiehlt je nach Partiegröße zwischen 7 bis 40 Einzelproben, aus denen 1 bis 4 Sammelproben (mind. 4 kg/Probe) erstellt werden.

Toxinbelastung reduzieren, aber wie?
Belastungen mit Fusariumtoxinen lassen sich reduzieren, aber nie ganz vermeiden. Über Vorbeugemaßnahmen, die in erster Linie den Pflanzenbau betreffen, wurde hinreichend berichtet. Zu den erfolgreichsten Maßnahmen, Pilzwachstum nach der Ernte zu verhindern, zählen eine ausreichende Trocknung und die chemische Kon­servierung, z. B. mit Propionsäure. Bereits vorhandene Toxinbelastungen können dadurch allerdings nicht verringert werden. Physikalische, chemische und biologische Methoden bringen häufig nicht die gewünschte Reduzierung der Toxingehalte bzw. scheiden aus Kostengründen oder aus Gründen der Praktikabilität für die Praxis aus. Da viele Toxine sehr hitzestabil sind, kommt das Erhitzen von Futtermitteln nicht in Frage. Über positive Wirkungen von Mykotoxinbindern wird in der Praxis berichtet, die Erfahrungen sind bisher aber unterschiedlich.

Eine weitere Möglichkeit, die Toxinbelastung zu senken, besteht direkt nach der Ernte in der intensiven Reinigung des Getreides, da die Fusariumkörner leichter als gesunde Körner sind. Außerdem bietet es sich derzeit noch an, kontaminierte Fut­termittel mit unbelasteten Partien zu verschneiden. Verdächtige Chargen sollten aber nicht an Sauen und Ferkel verfüttert werden.

Bei Fusariumtoxinen sollte aber nicht nur an Getreide als Quelle gedacht werden. So ist ZEA ein weit verbreitetes Gift, das z. B. in Sojaschrot, Mais und Weizenkleie vor­kommen kann. Neben den von Feldpilzen gebildeten Fusariumtoxinen sollten auch Lagerpilze (z. B. Penicillien) nicht unberücksichtigt bleiben. Neben der sachgemäßen Lagerung gehört natürlich auch eine vorherige gründliche Reinigung  der Lagerstätte(Milben­bekämpfung nicht vergessen) zu den qualitätssichernden Maßnahmen.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:


Stand: 27.10.2016