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P-Überschüsse auch in Milchkuhbetrieben?

Die am 31.März verabschiedete neue Düngeverordnung enthält aktualisierte Werte zur Nährstoffausscheidung von Milchkühen. Im Vergleich zu den bisher gültigen Werten hat sich nicht viel geändert.

Tabelle 1: Nährstoffausscheidungen von Milchkühen (kg/Kuh und Jahr, Beispiele)

Milchleistung

(kg/Jahr)

bisher

neu

N

P2O5

N

P2O5

Grünlandbetrieb mit Weidegang
  8.000
10.000


132
149


42
47


129
143


43
47

Ackerbaubetrieb ohne Weidegang
  8.000
10.000


115
135


39
46


115
133


42
47

Allerdings kann das neue Düngerecht erhebliche Folgen auch für Milchkuhbetriebe haben, da der zulässige Phosphatüberschuss von derzeit 20 kg auf 10 kg/ha im sechsjährigen Durchschnitt des Betriebes reduziert wird. Und dann kommt noch die Stoffstrombilanz, die für folgende Betriebe verbindlich ist:

Ab 2018:  Betriebe > 2,5 GV/ha und > 30 ha LN
                Betriebe > 50 GV
Ab 2023:  Betriebe > 20 ha LN

Außerdem müssen alle Betriebe mit Wirtschaftsdüngeraufnahme ab 2018 eine Stoffstrom­bilanz vorlegen.

In dieser Bilanz werden Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr eines Betriebes gegenübergestellt. Für die Fütterung ist wichtig, die Phosphorgehalte der Futtermittel zu kennen, um die Ergänzung mit Phosphor kalkulieren zu können. Auch für die Düngung müssen die P-Gehalte bekannt sein, um den P-Entzug über das Erntegut berechnen zu können. Für Rinderbetriebe heißt das, dass auch die Silagen auf Phosphor zu untersuchen sind und keine Tabellenwerte genutzt werden sollten. Im letzten Jahr wurden weniger als 28 % der Grassilagen und weniger als 14 % der Maissilagen auf Phosphor untersucht. In den Grassilagen variieren die P-Gehalte stärker als in Maissilagen (Tabelle 2).

Tabelle 2: Phosphorgehalte von Gras- und Maissilagen (g/kg TS, LUFA Nord-West)

 

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

Ø

Grassilage
1. Schnitt
alle Schnitte


3,4
3,5


3,5
3,5


3,8
3,7


3,5
3,5


3,7
3,6


3,1
3,3


3,4
3,4


3,5
3,5


3,5
3,5

Maissilage

2,4

2,3

2,2

2,2

2,2

2,3

2,2

2,2

2,2

In 2016 variierte der Phosphorgehalt im 1. Schnitt von 1,4 bis 6,2 und in der Maissilage von 1,3 bis 3,3 g/kg TM. Für die Berechnung des Nährstoffanfalls in der Düngeverordnung wurden für die Maissilage 2,2 g und für die Grassilage 3,3 g P/kg TM unterstellt.

Auch im Getreide schwanken die Phosphorgehalte. Vielfach werden die alten Tabellenwerte nicht erreicht. Im Jahr 2011 hat der Futterberatungsdienst Niedersachsen e.V. 100 Getreide­proben aus Landessortenversuchen und in 2013 62 Proben aus niedersächsischen Veredlungsregionen (überwiegend Böden der Versorgungsstufen D und E) untersucht.

Tabelle 3: Phosphorgehalte im Getreide der Ernte 2011 (LSV-Proben, 88 % TS, g/kg)

 

n

Mittelwert

min. – max.

Gerste
Roggen
Triticale
Weizen

25
25
25
25

2,9
2,7
2,7
2,2

2,2 – 3,6
2,1 – 3,1
1,8 – 3,4
1,6 – 3

Tabelle 4:  Phosphorgehalte im Getreide in Veredlungsregionen der Ernte 2013
                   (
Futterberatungsdienst Niedersachsen e. V., Angaben in 88 % TS)

 

Gerste
23 Proben

Roggen
21 Proben

Weizen
18 Proben

Phosphor g/kg
min - max

3,4
2,7 – 3,8

3,0
2,6 – 3,4

3,2
2,6 – 3,4

Für Weizen ergibt sich aus den 194 LUFA-Analysen der Jahre 2004 bis 2013 ein Phosphorgehalt von 2,8 g/kg.

Die DLG-Tabelle (2014) weist folgende Gehalte auf:

Tabelle 5: Phosphorgehalte im Getreide (g/kg, 87 % TS, DLG, 2014)

Gerste

Roggen

Triticale

Weizen

3,5

3,0

3,2

3,3

Für den Nährstoffvergleich im Rahmen der Düngeverordnung wurden bisher 3,5 g/kg für alle Getreidearten unterstellt. Die Ergebnisse zeigen, dass aktuelle P-Analysen für eine bedarfs­gerechte Versorgung von Tieren und Pflanzen unabdingbar sind.

P-Überschüsse senken

Laktierende Kühe benötigen 1,43 g P je kg Milch und 1,43 g P je kg TM-Aufnahme, folglich hat eine Kuh mit einer Leistung von 30 kg Milch/Tag einen Bedarf von etwa 3,6 g Phosphor je kg Gesamt-TM. Aktuelle Auswertungen des Vereins Futtermitteltest zeigen, dass der deklarierte      P-Gehalt von mehr als 1200 Milchleistungsfuttern im Mittel 6,5 g/kg beträgt. Ergibt sich in den Rationsberechnungen ein P-Überschuss, so kann dieser reduziert werden, indem z.B. ein       P-freies oder P-armes Mineralfutter oder P-ärmeres Milch­leistungsfutter eingesetzt wird. Mit dem zugekauften Futter gelangt mehr Phosphor in die Betriebe als mit Milch und Fleisch abgeführt wird.

Wird ein Mineralfutter mit 3 % statt mit 6 % P eingesetzt, resultiert daraus bei einem Jahresverbrauch von 45 kg eine Einsparung von 1,35 kg Phosphor je Kuh. Oder: Bei einem Verbrauch von 22 dt Milchleistungsfutter ergibt sich bei einer Senkung von 6,5 g auf 5,0 g P/kg eine geringere Zufuhr von 3,3 kg Phosphor bzw. 7,6 kg P2O5 je Kuh und Jahr, was eine beträchtliche Einsparung bedeutet (vgl. Tabelle 1). Einsparpotenziale sind also gegeben. Das hat auch ein Fütterungsversuch der LWK Niedersachsen und des ZTT Iden gezeigt. Durch den Einsatz eines P-freien Mineralfutters wurde der P-Gehalt der TMR auf 4,0 g/kg TM gesenkt, was nicht zu Minderleistungen führte. Bei der Rationsgestaltung ist zu beachten, dass durch den verbreiteten Einsatz von Rapsschrot mehr Phosphor in den Trog gelangt. Abschließend bleibt festzuhalten, dass es noch Reserven in der Phosphorversorgung der Milchkühe gibt und die Betriebe sich auf die geplante Stoffstrombilanz einstellen sollten.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:


Stand: 05.04.2017