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Dänemarks Spitzenbetriebe: Kompakt-TMR und Sandboxen

Laut Schätzung von Niels Bastian Kristensen, der vormals im landwirtschaftlichen Beratungszentrum in Arhus tätig war und jetzt Professor für Tierernährung an der Universität Kopenhagen ist, setzen mittlerweile fast die Hälfte der dänischen Milcherzeuger auf eine sogenannte Kompakt-TMR. Diese Fütterungsstrategie stellte Kristensen jetzt einer Gruppe von ca. 30 niedersächsischen Landwirten, Tierärzten und Beratern in Dänemark in Theorie und Praxis vor.

An Futterproben von mitgebrachten Mischrationen verdeutlichte Kristensen anschaulich, wie einfach es für die Kühe ist, aus den Mischungen die Kraftfutteranteile oder auch die Grobfutterkomponenten auszusortieren.  Dieses Selektionsverhalten ist in sehr vielen Herden zu beobachten und führt zu einer weiten Variation der aufgenommenen Nährstoffe bei den Kühen. Die gefressene Ration hat mit der berechneten Ration wenig Übereinstimmung, die Leistung ist nicht optimal, der Ernährungszustand und der Kot in der Herde sehr ungleichmäßig.

Mit einer Kompakt-TMR, die unter erheblichem Zusatz von Wasser und intensiven, langen Mischzeiten entsteht, könne eine Futterselektion nachhaltig verhindert werden, wenn fachgerecht und mit geeigneter Technik gearbeitet werde. „Spart nicht beim Wasser und habt keine Angst, länger zu mixen“ riet der Experte den Landwirten. Doch es gilt auch hier die Verfahrensanweisungen möglichst gut einzuhalten, um zu einem sicheren und guten Ergebnis zu kommen.

Die Technik wird durch die höhere Lagerungsdichte der Kompakt-TMR und die längeren Mixzeiten zwar deutlich stärker beansprucht. Doch für die gesunde Ernährung der Hochleistungskühe gibt es nichts Besseres als eine Kompakt-TMR, ist sich Kristensen sicher. Die Kühe fressen zügig ihre Futtermenge, sparen sich die Zeit für das Ausselektieren von Futter und legen sich deshalb alsbald wieder in ihre bequeme Liegebox.  Über eine schnellere Passagerate im Pansen erreichen die Kühe mit der intensiv bearbeiteten Kompakt-TMR eine höhere Futteraufnahme. Diese verbesserte Versorgung wird für die höhere Milcherzeugung und eine bessere Kondition genutzt, so Kristensen.  Der Verlust der physikalischen Struktur („Piekseffekt“) durch die Aufbereitung als Kompakt-TMR ist für Kristensen bedeutungslos, weil die Kühe bei seiner Fütterungsstrategie sehr stabile und ausreichend hohe Pansen-pH- Werte, eine gute Gesundheit und Nutzungsdauer aufweisen.

Dänemarks enormer Leistungsanstieg in den letzten 5 Jahren mit einer Herdendurchschnittsleistung von jetzt über 11.000 kg Milch beruht auf zwei Faktoren: Kompakt-TMR und Sandboxen. Das war auch die wesentliche Aussage der drei besuchten Milcherzeuger mit jeweils rund 400 Kühen im Bestand und einem Herdenmittel von über 13.000 kg bzw. aktuell in der Spitzenherde von 44 kg Tagesleistung. Besonders beeindruckend für die norddeutschen Besucher war die enorm starke Körperkondition der hochleistenden Milchkühe. Die vorgelegten Rationen waren in ihrer Struktur sicher unterschiedlich, je nach eingesetzten Futtermitteln. Doch die Kompakt-TMR wurde in allen Betrieben von den Kühen von „oben herab“ gefressen ohne nennenswert zu Selektieren oder Futter zu schieben. Die Klauengesundheit und das Bewegungsverhalten der Kühe war vorbildlich.

Die eindringlichste Botschaft, die sicher alle Teilnehmer mit nach Hause nahmen: Schaut euch das Fress- und Selektierverhalten der Kühe genauer an. Die Kompakt-TMR kann eine passende Antwort sein, wenn die Umsetzung konsequent erfolgt und eine geeignete Technik im Einsatz ist. Und bei der Liegeboxengestaltung ist auch noch Luft nach oben.

Im November bietet der Landwirt und Milcherzeuger Hergen Wissmann aus Ostercappeln im Landkreis Osnabrück erneut eine Lehrfahrt nach Dänemark an, um die Strategie der Kompaktfütterung zu demonstrieren. Informationen unter der Rufnummer 05476-262.


Kontakt:
Dr. Georg Teepker
Leiter Fachgruppe Betrieb / Tier
Telefon: 0541 56008-134
Telefax: 0541 56008-150
E-Mail:


Stand: 23.06.2017