Ab wann erntefrisches Getreide verfüttern?
Die Gerstenernte ist größtenteils beendet, und die Frage stellt sich insbesondere bei leeren Futtersilos, ab wann frischerntiges Getreide verfüttert werden kann.
Aufgrund negativer Erfahrungen mit der Verfütterung von frischem Getreide an Schweine wird seit vielen Jahren ein Einsatz erst nach einer Lagerung von vier Wochen empfohlen, Denn es ist bekannt, dass Getreide nach der Ernte noch einen gewissen Nachreifungsprozess durchläuft und einen hohen Oberflächenkeimbesatz aufweist. Es findet eine Umlagerung von Wasser innerhalb des Getreidekornes statt, das Getreide „schwitzt“. Stärke und Eiweiß durchlaufen einen „Alterungsprozess“. Dadurch wird die Abbaubarkeit dieser Inhaltsstoffe verlangsamt, was sich günstig auf deren Verdauung im Tier auswirkt.
Zur Mindestlagerdauer von frischerntigem Getreide gibt es keine eindeutigen Hinweise. Ein Fütterungsversuch aus den 70er Jahren mit frischerntiger Gerste führte bei Mastschweinen nicht zu Problemen. In einem aktuellen Ferkelversuch der LfL Bayern wurden frische, trocken geerntete Gerste- und Weizenpartien verfüttert. Leistungseinbußen oder gesundheitliche Probleme wurden nicht festgestellt. Da aber die Gruppe mit ausschließlich Frischgetreide in den ersten drei Aufzuchtwochen Startschwierigkeiten hatte, wird eine Mischung mit reinem Frischgetreide direkt nach dem Absetzen nicht empfohlen. Aus Sicherheitsgründen sollte der Anteil an erntefrischem Getreide (Gerste und Weizen) laut Versuchsansteller maximal 50 % betragen (je jünger die Ferkel, umso weniger). Dies gilt unter der Voraussetzung, dass die Futterhygiene ständig kontrolliert wird. Generell gilt die Feststellung, dass bei ordnungsgemäßer Trockenlagerung (max. 14 % Feuchte, ausreichender Belüftung und Reinigung des Erntegutes) oder Säurekonservierung die möglichen Risiken bei direkter Verfütterung deutlich geringer sind. Enzymaktivitäten bzw. Stoffwechselaktivitäten von Bakterien und Pilzen auf dem Korn bzw. im Mahlgut werden beispielsweise durch Säureeinwirkung sehr rasch inaktiviert, so dass eine unmittelbare Verfütterung ohne Probleme möglich wäre.
Die vielfach in der Praxis festgestellten Verdauungsprobleme beruhen zumeist auf unsachgemäßer Lagerung und Konservierung des Erntegutes, bei der beispielsweise in Folge einer Nacherwärmung (Schwitzprozess) mikrobielle Stoffwechselaktivitäten in Gang gesetzt werden, die zu den vorgenannten Problemen führen. Will der Landwirt mögliche Risiken ausschließen, sollte er trocken gelagertes Getreide erst nach etwa vier Wochen verfüttern. Säurekonserviertes Getreide kann bereits nach wenigen Tagen eingesetzt werden. Mögliche Beeinträchtigungen der Futteraufnahme infolge der Säureausgasung sind hierbei nicht mehr zu befürchten.




