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Fütterung: Getreide untersuchen lassen

Nach der Ernte lassen viele Landwirte ihr Getreide untersuchen, um den Futterwert richtig einschätzen zu können. Denn die alljährlichen Auswertungen der Getreideanalysen zeigen, wie stark insbesondere der Rohprotein-, aber auch der Stärkegehalt der Getreidearten je nach Düngung, Sorte, Standort etc. schwanken kann.

Allerdings sind eigene Getreideuntersuchungen noch nicht für jeden Betrieb eine Selbstverständlichkeit, und Rationen werden nicht selten mit Tabellenwerten berechnet. Auf den ersten Blick spart der Landwirt natürlich Geld, wenn er nichts untersuchen lässt. Aber schon eine kleine Fehleinschätzung der Getreidequalität kann zu wirtschaftlichen Einbußen führen.

Hohes hl-Gewicht – viel Energie?
Vom Hektolitergewicht auf den Energiegehalt des Getreides schließen zu wollen, ist nicht sinnvoll, auch wenn bei der Getreidepreisermittlung niedrige hl-Gewichte immer noch mit einem geringeren Energiegehalt in Verbindung gebracht und entsprechend Preisabzüge vorgenommen werden. Eine Untersuchung der Landwirtschaftskammer zeigt, dass das hl-Gewicht von Weizen keinen zuverlässigen Hinweis auf den Energiegehalt gibt.

Preiswerte und schnelle Untersuchung
Die LUFA Nord-West bietet seit vielen Jahren eine kostengünstige Untersuchungsmethode an: Mit NIRS (Nahinfrarot-Spektroskopie) werden Rohprotein, Stärke, Rohfaser und Rohfett  bestimmt. Neben dem berechneten Energiegehalt erhalten die Landwirte auch die Gehalte der wertbestimmenden Aminosäuren Lysin, Methionin + Cystin, Threonin und Tryptophan, die aus dem Rohproteingehalt mit einer Schätzformel ermittelt werden. Zusätzlich werden die für die Rinderfütterung wichtigen Parameter nutzbares Rohprotein (nXP) und ruminale N-Bilanz (RNB) berechnet. Mit dieser Vielzahl von Angaben ist es möglich, eine bedarfsgerechte Ration zu berechnen. Der Preis einer NIRS-Untersuchung beträgt wie im Vorjahr 26 € zzgl. MwSt. Für eine repräsentative Probe sollte eine Getreidepartie an mehreren Stellen beprobt und anschließend aus den Einzelproben eine Mischprobe von etwa 300 g erstellt werden. Der Plastikbeutel muss gut leserlich und dauerhaft gekennzeichnet sein. Der „Untersuchungsauftrag für wirtschaftseigene Futtermittel“ (siehe Anhang) kann auch unter www.lufa-nord-west.de, Rubrik Futtermittel, herunter geladen werden. Der Probentransport zur LUFA ist per Post oder per Kurierdienst möglich.

Untersuchung auf DON und ZEA
Bei ungünstiger Witterung zur Zeit der Getreideblüte nimmt das Risiko des Befalls mit Fusarienpilzen zu. Diese Feldpilze können u. a. die beiden Leittoxine DON (Desoxynivalenol) und ZEA (Zearalenon) bilden. Mehrjährige Untersuchungen belegen, dass Weizen und Triticale deutlich stärker belastet sind als Gerste und Roggen. Während DON insbesondere zu einer Reduzierung der Futteraufnahme und damit verbunden zu geringerem Wachstum führen kann, verursacht ZEA in erster Linie Schäden in der Ferkelerzeugung, wie z. B. erhöhte Umrauschquoten, Eierstockzysten, eine geschwollene Scham oder Aborte. Grenzwerte für Futtergetreide gibt es bisher nicht, sondern nur Orientierungswerte. Werden diese unterschritten, ist bei gesunden Tieren keine Beeinträchtigung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erwarten. Für Schweine als die auf diese Mykotoxine sehr empfindlich reagierenden Nutztiere wurden je kg Futtermischung 1,0 mg DON und 0,25 mg Zearalemon bzw. 0,05 mg Zearalenon für Ferkel und Jungsauen festgelegt, für Milchkühe liegt der DON-Gehalt bei max. 5,0 mg/kg.

Da wir Toxine nicht sehen, schmecken oder riechen und vom Vorhandensein rötlicher Körner nicht grundsätzlich auf eine Toxinbelastung schließen können, ist bei Verdacht eine Futteranalyse angebracht. Dabei sollten positive Befunde, die mittels Elisa-Schnelltest ermittelt wurden, durch andere Methoden (z. B. HPLC) abgesichert werden. Eine Elisa-Untersuchung kostet 29 € je Toxin und die sehr genaue HPLC-Methode immerhin 93 €. Ganz wichtig ist eine sachgerechte Probenahme, denn die Pilze treten häufig in Nestern auf. Experten empfehlen je nach Partiegröße zwischen 7 bis 40 Einzelproben, aus denen 1 bis 4 Sammelproben (mind. 4 kg/Probe) erstellt werden.
Eine gute Möglichkeit, die Toxinbelastung zu senken, besteht direkt nach der Ernte in der intensiven Reinigung des Getreides, da die Fusarienkörner leichter als gesunde Körner sind. Bayerische Untersuchungen belegen, dass eine zweite Reinigung vor dem Verfüttern die Futteraufnahme und die Zunahmen von Ferkeln erhöht. Solange es noch keine Grenzwerte für Fusarientoxine in Futtergetreide gibt, ist es möglich, kontaminierte Futtermittel mit unbelasteten Partien zu verschneiden. Grundsätzlich gilt, verdächtige Partien nicht in der Ferkelerzeugung einzusetzen.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fachreferentin Fütterung von Rindern und Schweinen, Futtermittelrecht, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-1479
Telefax: 0511 3665-1521
E-Mail:


Stand: 27.07.2010