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Pilzbelastetes Stroh an Schweine verfüttern?

Stroh ist in diesem Jahr nicht nur teuer, sondern weist zudem häufig erhebliche Qualitätsmängel auf. Stroh wird in der Ferkelerzeugung als Futter und Einstreu eingesetzt und kann durchaus eine Mykotoxinquelle darstellen. In einem bundesweiten Screening wurden deshalb 201 Strohproben der Erntejahre 2007 und 2008 auf Mykotoxine untersucht sowie die Bioverfügbarkeit von Deoxynivalenol (DON) aus Weizenstroh im Vergleich zu den Weizenkörnern beim Schwein bestimmt.

Die DON-Gehalte der Proben (83 % positive Proben) variierten zwischen 0,016 und 23,27 mg/kg, wobei die mittlere Konzentration 1,23 mg/kg betrug. Zearalenon (ZEA) war in 46% der 201 Proben nachweisbar, wobei eine mittlere Konzentration von 0,089 mg/kg bei einem Schwankungsbereich von 0,007 bis 0,767 mg/kg gemessen wurde. Ochratoxin (OTA) wurde nur in einer Probe im Spurenbereich von 0,0015 mg/kg festgestellt. Die Strohproben enthielten im Mittel drei Toxine; allerdings wurde auch das gleichzeitige Vorkommen von bis zu zehn Toxinen festgestellt.

Unterschiedliche Gehalte und Vorkommen der einzelnen Mykotoxine sind insbesondere durch Strohart, Erntejahr, Anbauregion, Vorfrucht und Bodenbearbeitung bedingt. Unterschiede in der  Bioverfügbarkeit von DON aus Weizenstroh und aus Weizenkörnern wurden nicht festgestellt. Daher kann angenommen werden, dass der Anteil des Strohs an der DON-Exposition von Schweinen allein vom DON-Gehalt im Stroh sowie der tatsächlichen Menge an aufgenommenem Stroh abhängt. Wird für eine Risikoabschätzung eine mittlerer DON-Gehalt von 1,23 mg/kg Stroh sowie unter Berücksichtigung, dass Stroh von den Schweinen auch als Beschäftigungsmaterial genutzt wird, eine maximale Strohaufnahme von 14 % der Tagesration unterstellt, so ergibt sich durch den Anteil des Strohverzehrs ein DON-Gehalt von 0,17 mg/kg an der Tagesration. Auf Basis des maximal ermittelten DON-Gehaltes von 23,27 mg/kg errechnet sich eine DON-Konzentration von 3,28 mg/kg. Daher würde im Extremfall der EU-Richtwert von 0,9 mg/kg im Schweinefutter einzig durch die Aufnahme von Stroh überschritten, wobei zu berücksichtigen ist, dass im Mittel deutlich weniger Stroh von Schweinen freiwillig gefressen wird. Zu beachten ist, dass der EU-Richtwert für Stroh als Einzelfuttermittel 8 mg/kg beträgt.

Die ZEA-Gehalte überschreiten bei mittleren Gehalten von 0,089 mg/kg und der maximalen Strohaufnahme die Richtwerte von 0,1 mg/kg für Jungsauen bzw. von 0,25 mg/kg für Zuchtsauen und Mastschweine nicht. Unter Berücksichtigung der maximal ermittelten ZEA-Gehalte von 0,767 mg/kg Stroh werden 0,11 mg/kg Futter erreicht; damit würde der Richtwert für Jungsauen allein durch den Strohanteil überschritten.

Die Arbeitsgruppe „Carry over unerwünschter Stoffe in Futtermitteln“ beim BMELV schlussfolgert daraus, dass Stroh im Vergleich zu anderen Futtermitteln aus Getreide nicht als eine besonders prädisponierte Quelle für die untersuchten Mykotoxine anzusehen ist. Das potenzielle Risiko für landwirtschaftliche Nutztiere, insbesondere für das Schwein, hängt neben den Gehalten im Stroh auch von der tatsächlichen Strohaufnahme aus der Ration bzw. aus der Einstreu ab.
Andere Mykotoxine, wie Toxine aus Schwärzepilzen (z.B. Alternaria), sind in diesem Zusammenhang noch weiter zu untersuchen.

Da bisher kaum aktuelle Ergebnisse von Strohuntersuchungen aus dieser Ernte vorliegen, ist es sehr schwierig, konkrete Aussagen über die Strohqualität  zu machen. Wer mehr über die Strohqualität wissen möchte, kann sein Stroh untersuchen lassen. Die LUFA Nord-West bietet z.B. die Bestimmung der Pilzkeimzahl (Schimmelpilze, Hefen, Mucoraceen) zum Preis von 32  € an. Hier werden produkttypische und verderbanzeigende Erreger ermittelt. Anhand der VDLUFA-Orientierungswerte zur mikrobiologischen Qualitätsbeurteilung kann die Strohqualität in verschiedene Qualitätsstufen eingeordnet werden.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fachreferentin Fütterung von Rindern und Schweinen, Futtermittelrecht, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
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Stand: 11.03.2016