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Nährstoffreduzierte Fütterung von Ebern

Die deutsche Schweineproduktion strebt einen Ausstieg aus der Ferkelkastration bis spätestens 2019 an, und die Ebermast nimmt zunehmend Fahrt auf. Da Eber im Vergleich zu kastrierten Schweinen eine geringere Fettbildung, ein höheres Proteinansatzvermögen und eine niedrigere Futteraufnahme aufweisen, müssen sie anders gefüttert werden. Da gesicherte Versuchsergebnisse noch nicht ausreichend vorhanden waren, hat die DLG im Jahr 2010 vorläufige Versorgungsempfehlungen für Eber herausgegeben.

Das in Niedersachsen weit verbreitete RAM-Futterkonzept zur Nährstoffreduzierung beinhaltet bisher kein spezielles Futter für Eber. Das bedeutet: Betriebe mit Ebermast, die sich in der Vergangenheit verpflichtet haben, RAM-Futter im gesamten Bestand zu füttern, müssen auch bei Ebern das für Sauen und Börge konzipierte Futter einsetzen. Das RAM-Futter schreibt Höchstgehalte für Rohprotein und Phosphor vor, und zwar 17 % Rohprotein und 0,55 % Phosphor in der Anfangsmast bis ca. 60 kg (RAM 2.1) und 14 % bzw. 0,45 % in der Endmast ab ca. 60 kg (RAM 2.2). Ein Versuch der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sollte zeigen, welche Leistungen eine dreiphasige Fütterung nach DLG-Empfehlung im Vergleich zur zweiphasigen und zur neu konzipierten dreiphasigen RAM-Fütterung in der Ebermast erzielt. Zusätzlich wurde geprüft, ob die Fütterung den Ebergeruch beeinflusst.

Versuchsdurchführung in der LPA

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden je 34 Ferkel (PI x db.Naima) nach Gewicht) auf drei Futtergruppen verteilt und in Einzelbuchten gehalten. Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 29 bis 126 kg. Zwischenwägungen wurden bei 40, 65 und 80 kg Lebendgewicht (LG) vorgenommen.

Tabelle 1: Übersicht über die drei Futtergruppen

 

 

Gruppe 1

RAM zweiphasig

34 Eber

Gruppe 2

RAM dreiphasig

34 Eber

Gruppe 3

DLG-Empfehlung

34 Eber

 

 

RAM

RAM

 



Mastabschnitt

 

kg

3.1

28-65

3.3

65-125

3.1

28-40

3.2

40-80

3.3

80-125

VM

28-40

MM

40-65

EM

65-125

Rohprotein

Lysin

Phosphor

ME

%

%

%

MJ/kg

17,0

1,20

0,50

13,4

14,0

0,98

0,45

13,0

17,0

1,20

0,50

13,4

16,0

1,10

0,45

13,4

14,0

0,98

0,45

13,0

18,5

1,20

0,50

13,4

17,5

1,10

0,45

13,4

16,5

0,95

0,45

13,0


Die Fütterung der nach DLG-Empfehlung versorgten Tiere erfolgte dreiphasig mit einem Wechsel bei 40 und 65 kg LG, während die Gruppe 1 (RAM zweiphasig) das RAM 3.1-Futter bis 65 kg und anschließend das Endmastfutter RAM 3.3  erhielt.  Durch die Einführung eines dreiphasigen RAM-Futters wurde die Standard-Bezeichnung der RAM-Typen geändert, und zwar RAM 2.1 in RAM 3.1 und RAM 2.2 in RAM 3.3. In der Gruppe 2 (RAM dreiphasig) wurde RAM 3.1 nur bis 40 kg gefüttert, dann ein RAM 3.2 für die Mittelmast  bis 80 kg zwischengeschaltet und anschließend das RAM 3.3 eingesetzt. Dadurch war die Reduzierung der Proteinversorgung weniger abrupt. Das Futter nach DLG-Empfehlung war für ein Leistungsniveau von 850 g Tageszunahmen konzipiert.

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

RAM

3.1

RAM

3.2

RAM

3.3

DLG

VM

DLG

MM

DLG

EM

Rohprotein

ME

Phosphor

Lysin

Methionin + Cystin

Threonin

%

MJ/kg

%

%

%

%

17,2

13,5

0,49

1,19

0,66

0,75

15,9

13,4

0,47

1,11

0,60

0,66

14,4

13,1

0,43

0,93

0,56

0,59

18,3

13,4

0,50

1,15

0,67

0,73

16,7

13,2

0,45

1,12

0,59

0,64

17,1

12,8

0,45

1,00

0,60

0,61


Unter Berücksichtigung des Analysenspielraums wurden die Sollwerte erreicht.

Tageszunahmen von fast 1000 g
Zwei Tiere schieden vorzeitig aus, die Ursachen waren nicht fütterungsbedingt. In diesem Versuch erreichten die Jungeber mit durchschnittlichen Tageszunahmen von  984 g ähnliche Zunahmen wie Mastschweine in vorhergehenden Versuchen. Allerdings lag der  Futterverbrauch von 2,34 kg je kg Zuwachs deutlich niedriger. Die Gruppe 1 (RAM zweiphasig) erzielte 995 g, die Gruppe 2 (RAM dreiphasig) 987 g und die Gruppe 3 (DLG) 970 g Tageszunahmen, der Futterverbrauch je kg Zuwachs lag bei 2,33, 2,34 bzw. 2,36 kg.  Die Tiere fraßen im Mittel 2,30 kg täglich. Alle Unterschiede in der Mastleistung waren nicht signifikant. Die Gruppe 1, die schon ab 65 kg das Futter RAM 3.3 mit 14 % Rohprotein erhielt, wies in der Endmast  mit Tageszunahmen von 1 052 g und einem Futterverbrauch von 2,65  je kg Zuwachs nahezu gleiche Leistungen wie die DLG-Gruppe auf (1 059 g/2,63 kg). Die dreiphasig mit RAM gefütterten Tiere erhielten erst ab 80 kg das Endmastfutter RAM 3.3, sie nahmen im letzten Abschnitt 1 065 g/Tag zu und benötigten 2,75 kg Futter  je kg Zuwachs.

Wie sah es bei der Schlachtkörperbewertung aus?
Die Klassifizierung der Schlachtkörper erfolgte nach AutoFOM. Zusätzlich wurden weitere Daten nach LPA-Standard ermittelt. Die DLG-Gruppe war den beiden RAM-Gruppen im Schinkengewicht und im Bauchfleischanteil (AutoFOM) signifikant überlegen. Mit 1,008 Indexpunkten je kg Schlachtkörpergewicht erzielten die nach DLG-Empfehlung gefütterten Eber gesichert höhere Werte als die zweiphasig gefütterten Tiere mit 0,978. „RAM dreiphasig“ lag mit 0,985 dazwischen. Während es bei der Fettfläche nach LPA-Standard keine gesicherten Differenzen gab, unterschieden sich die Fleischfläche und das Fleisch:Fett-Verhältnis der „RAM zweiphasig“-Gruppe signifikant von den beiden anderen. Beim Fleischbeschaffenheitsmerkmal Leitfähigkeit und beim Tropfsaftverlust gab es keine Unterschiede.

Tabelle 3: Mastleistung, Schlachtkörperbewertung und Fleischbeschaffenheit

 

 

Gruppe 1

RAM zweiphasig

Gruppe 2

RAM dreiphasig

Gruppe 3

DLG-Empfehlung

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

 

kg

kg

34

26,7

126,4

33

27,1

125,9

33

26,9

125,7

Mastleistung gesamt:

Tageszunahmen

Futteraufnahme/Tag

Futterverbrauch/kg Zuwachs

 

g

kg

kg

 

995

2,31

2,33

 

987

2,29

2,34

 

970

2,28

2,36

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

Bauchfleischanteil

Indexpunkte/kg SG

Fettfläche

Fleischfläche

Fleisch:Fett-Verhältnis

Tropfsaftverluste

LF1

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

 

cm²

cm²

1:

%

 

96,0

76,0

18,1a

7,0

9,0

13,7

56,3a

0,978a

16,9

49,4a

0,35a

4,9

4,9

96,1

76,4

18,3a

7,1

9,0

13,8

57,0a

0,985ab

16,7

51,8b

0,33ab

5,2

4,8

96,6

76,8

18,9b

7,3

9,2

13,7

58,9b

1,008b

16,1

53,0b

0,31b

5,1

5,1

a, b:Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede (p < 0,05)

Untersuchungen auf Ebergeruch
Ob es im Schlachtkörper Unterschiede im unerwünschten Geschlechtsgeruch gibt, wurde im Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn analysiert. Von jedem Eber wurde eine Nackenspeckprobe auf Androstenon, Skatol und Indol untersucht. Diese drei Substanzen sind hauptverantwortlich für den Ebergeruch. Während das Steroid Androstenon im Hoden produziert wird, entstehen Skatol und Indol durch den mikrobiellen Abbau von Tryptophan im Dickdarm. Letztere werden auch von Sauen und Börgen gebildet und können durch die Fütterung beeinflusst werden.

Tabelle 4: Gehalte an Androstenon, Skatol und Indol (ng/g Fett)

 

Gruppe 1

RAM zweiphasig

Gruppe 2

RAM dreiphasig

Gruppe 3

DLG-Empfehlung

Androstenon

Mittelwert

Min. - Max.

Standardabweichung

Median

 

2 119

551-4800

1200

1902

 

1 884

331-4927

1014

1831

 

2 031

375-7719

1765

1405

Skatol

Mittelwert

Min. - Max.

Standardabweichung

Median

 

292

22-994

242

247

 

231

22-1738

330

134

 

385

57-2028

430

210

Indol

Mittelwert

Min. - Max.

Standardabweichung

Median

 

207a

13-615

190

143

 

142ab

6-728

145

103

 

109b

13-484

112

65

a, b:Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede (p < 0,05).

Die Mittelwerte, die Schwankungsbreiten und die Standardabweichungen der drei Substanzen sind insgesamt hoch. Es treten jedoch nur beim Indol signifikante Unterschiede auf. So liegt der Mittelwert der Gruppe 1 fast doppelt so hoch wie der der DLG-Gruppe. Wegen der großen Abweichungen in den jeweiligen Merkmalen ist zusätzlich der Medianwert ausgewiesen, der diejenige Zahl darstellt, unter der 50 % aller Werte liegen. Gegenüber dem Mittelwert hat der Median den Vorteil, dass Extremwerte einen weniger großen Einfluss auf die Höhe dieses Parameters haben. Das Niveau der Geruchswerte sinkt zwar bei Betrachtung des Medians, bleibt aber dennoch recht hoch. Die Rangierung der DLG-Gruppe innerhalb der drei Gruppen wird bei Betrachtung des Medians verbessert. Bisher gibt es keine offiziellen Grenzwerte für die drei Leitsubstanzen. Als allgemein tolerierbar gelten 1 000 ng Androstenon, 200 ng Skatol und 200 ng Indol je g Fett. Hiernach überschreiten bei Androstenon und Skatol alle Mittelwerte die Toleranzgrenze, unter Berücksichtigung des Medians liegt nur die Gruppe 2 (RAM dreiphasig) beim Skatol darunter. Beim Indol überschreitet nur der Mittelwert der Gruppe 1 (RAM zweiphasig) den Toleranzwert knapp. Beim Androstenon liegen 77 % aller Eber, beim Skatol 46 % und beim Indol 26 % über den Toleranzwerten. Ein Einfluss der Väter auf die Geruchsabweichungen ist nicht nachzuweisen. Die Eber waren zwischen 158 und 187 Tage alt. Eine Auflistung der drei Leitsubstanzen nach Schlachtdatum zeigt keinen engen Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und Konzentration der untersuchten Geruchsstoffe, ein zunehmender Mittelwert ist im Verlauf der Mast aber zu erkennen, wenn die Daten der 4. Schlachtwoche unberücksichtigt bleiben.

Tabelle 5: Auswertung der Gehalte an Androstenon, Skatol und Indol nach Alter (ng/g Fett, Mittelwert und Schwankungsbereich, Medianwert in Klammern)

Schlachtwoche

Anzahl Tiere

Androstenon

Skatol

Indol

1

12

1182 (868)

331 - 2459

214 (208)

53 - 567

151 (90)

6 – 728

2

32

1706 (1 367)

619 - 4800

227 (145)

22 - 994

157 (55)

13 – 615

3

22

2494 (2 311)

483 - 6567

425 (198)

28 - 2028

167 (116)

20 – 595

4

22

1819 (1617)

375 - 3524

232 (166)

41 - 534

128 (75)

13 – 572

5

12

3131 (2231)

960 - 7719

501 (433)

22 - 1709

167 (114)

43 - 484


Futterkosten
Die Berechnung der Futterkosten beruhte auf den Nettopreisen des Versuchszeitraums. Da keine signifikanten Unterschiede in der Mastleistung festgestellt wurden, werden gleicher Futterverbrauch und Zuwachs unterstellt. Die Futterkosten liegen in der DLG-Gruppe bei 0,781 und in den beiden RAM-Gruppen bei 0,777 €/kg Zuwachs.

Nährstoffausscheidungen
Je Eber wurden folgende Stickstoff- und Phosphat-Ausscheidungen ermittelt:

Gruppe 1 (RAM zweiphasig): 2,97 kg N und 1,30 kg P205
Gruppe 2 (RAM dreiphasig):  3,00 kg N und 1,24 kg P205
Gruppe 3 (DLG):                    3,79 kg N und 1,28 kg P205

Fazit
In einem Ebermastversuch wurde die Fütterung nach den vorläufigen DLG-Empfehlungen für Jungeber mit der üblichen zweiphasigen RAM-Fütterung für Mastschweine und einer neu konzipierten dreiphasigen RAM-Fütterung verglichen. Mit im Mittel 984 g Tageszunahmen und einem Futterverbrauch von 2,34 kg je kg Zuwachs wurde ein hohes Leistungsniveau erreicht. Es gab keine gesicherten Unterschiede in der Mastleistung. Die DLG-Gruppe war den beiden RAM-Gruppen im Schinkengewicht und im Bauchfleischanteil nach AutoFOM signifikant überlegen. Die zweiphasig gefütterten Tiere erzielten im Vergleich zur DLG-Gruppe signifikant niedrigere Indexpunkte/kg Schlachtkörpergewicht (0,978/1,008). Bei der Leitfähigkeit und beim Tropfsaftverlust gab es keine Unterschiede. Die Futterkosten je kg Zuwachs betrugen in der DLG-Gruppe 0,781 € und in den RAM-Gruppen 0,777 €. Die Gehalte an Androstenon, Skatol und Indol lagen auf einem hohen Niveau, eine gesicherte Differenz zwischen den Futtergruppen wurde nur beim Indol festgestellt. Die Stickstoffausscheidungen waren in den RAM-Gruppen um etwa 20 % reduziert, der P205-Anfallder DLG-Gruppe lag zwischen den RAM-Gruppen. Die beiden RAM-Futter-Konzepte haben in diesem Versuch zwar nicht zu geringeren Mastleistungen von Ebern geführt, aber die z.T. schlechtere Schlachtkörperbewertung erfordert weitere Versuche zur Optimierung der Aminosäurenversorgung. Deutliche Vorteile sind in den geringeren N-Ausscheidungen zu sehen.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fachreferentin Fütterung von Rindern und Schweinen, Futtermittelrecht, Futterberatungsdienst e.V., Versuchswesen Tier
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:
Wolfgang Vogt
Versuchswesen
Telefon: 05431 90309-12
Telefax: 05431 90309-16
E-Mail:


Stand: 15.09.2017