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Reserven nutzen - Nährstoffeffizienz erhöhen

Drastisch erhöhte Futterkosten und Veränderungen im Rohstoffangebot, hervorgerufen durch eine gestiegene Nachfrage nach Getreide für die wachsende Bevölkerung und für Energiezwecke oder auch durch den zunehmenden Sojaimport der Chinesen, stellen große Herausforderungen für die Schweinehalter dar. Gleichzeitig sind die Reduzierung der Stickstoff- und Phosphorausscheidungen und die Verbesserung der CO2-Bilanz insbesondere in den Veredlungsregionen zunehmend Gegenstand öffentlicher Debatten.

Futterkosten senken und die Umwelt weniger belasten – dazu gibt es viele Möglichkeiten, die aber häufig noch nicht von allen Betrieben hinreichend ausgeschöpft werden. Ziel muss sein, mit weniger Nährstoffen mehr Lebendmasse zu erzeugen.

Maßnahme Nr. 1: Rohproteinversorgung anpassen
Eine an den jeweiligen Bedarf der Schweine angepasste Phasenfütterung sollte selbstverständlich sein. Phasenfütterung allein bedeutet noch nicht, dass alle Register der Eiweißminimierung gezogen sind. Eine Fütterung mit Vor- und Endmastfutter und einem Futterwechsel bei 50 kg LG kann zwar auch als eine Zweiphasenfütterung aufgefasst werden, erfüllt aber im Grunde nicht den Anspruch einer wirklich bedarfsgerechten Fütterung. Bei einem Eiweißgehalt des Endmastfutters von z. B. 16 % werden bei einem Futteraufwand von 3,0 kg je kg Zuwachs im Abschnitt von 50 bis 120 kg LG rund 3,6 kg N ausgeschieden. Würde ein Mittelmastfutter mit 15 % RP bis z. B. 80 kg zwischengeschaltet und dann ein Endmastfutter mit 14 % RP eingesetzt, resultiert bei einem Futteraufwand von 2,6 bzw. 3,3 kg ein N-Anfall von 3,0 kg. Das sind 16 % Stickstoff weniger gegenüber der zweiphasigen Mast! Und das Einsparpotenzial ist damit noch nicht ausgeschöpft. So lässt sich die Proteinversorgung zum Mastende noch weiter senken, denn Schweine – letztendlich haben sie keinen Bedarf an Rohprotein, sondern an Aminosäuren – können mit noch weniger Aminosäuren auskommen, ohne Leistung einzubüßen. Ideal ist eine Multiphasenfütterung. Auch in der Sauenhaltung gibt es Reserven – so können Laktationsfutter mit weniger als 16 % und Trächtigkeitsfutter mit 12 % RP erfolgreich eingesetzt werden. Bei abgesetzten Ferkeln fördert eine angepasste Proteinabsenkung u. a. die Darmgesundheit.

Reduzierung des Rohproteingehaltes bedeutet Ergänzung mit essenziellen Aminosäuren. Diese Maßnahme hat sich seit langem in der Praxis bewährt, wird aber noch nicht überall konsequent genug genutzt. Ziel ist die bedarfsgerechte Zufuhr der vier erst limitierenden Aminosäuren Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan. Letztere kann z. B. bei sehr maisbetonten Rationen in den Mangel geraten. In proteinreduzierten Mischungen können außerdem Valin und Isoleucin die nächstlimitierenden Aminosäuren sein. beide sind seit einiger Zeit in der EU zugelassen und stehen zur Supplementierung zur Verfügung. Steigende Kosten der Proteinquellen, insbesondere Sojaschrot, machen die Ergänzung mit Aminosäuren zunehmend interessanter. Die Grenzen der Rohproteinreduzierung werden von der Aminosäure bestimmt, die das Wachstum limitiert. Dabei sollte die Kalkulation auf Basis der ileal (Dünndarm) verdaulichen Aminosäuren erfolgen. Für Mastscheine wird folgende AS-Relation empfohlen: Lysin : Methionin + Cystin : Threonin : Tryptophan = 100 : 55 : 65 : 18, für Sauen 100 : 60 : 65 : 19 und für Ferkel 100 : 53 : 63 : 18.

Phosphor und Co.
Durch die an den Bedarf angepasste Fütterung werden auch die Phosphorausscheidungen gesenkt. Zudem lässt sich durch den Zusatz von mikrobiellen Phytase der Phosphoranfall weiter reduzieren. Dieses Enzym ist seit langem Standard, und es gibt mittlerweile eine Vielzahl zugelassener Phytasen am Markt, allerdings finden sich auch in Niedersachsen noch Futter, die höher als nötig Phosphor enthalten. Ein anderes Beispiel: Phytase ist zwar zugesetzt, die P-Gehalte sind aber nicht entsprechend gesenkt. In der Endmast kann auch bei hohem Leistungsniveau auf die Ergänzung mit mineralischem Phosphor verzichtet werden, was teure Phosphorquellen einspart. In einem jüngeren  Versuch der LWK ohne jeglichen Zusatz von mineralischem Phosphor in der gesamten Mast wurden keine Leistungseinbußen festgestellt. Auch in den DLG-Empfehlungen für Mastschweine (2010) werden mittlerweile Brutto-P-Gehalte von 0,40 % ab 70 kg LG als ausreichend angesehen.

Auch bei der Kupfer- und Zinkversorgung kann noch gespart werden kann. Auf der einen Seite sind es die häufig weit über dem Bedarf liegenden, aber noch rechtlich zulässigen Ausstattungen im Ferkelfutter (170 mg Kupfer und 150 mg Zink/kg), andererseits die Reserven, die in der Senkung der Gehalte und Ergänzung mit organisch gebundenen Spurenelementen liegen. Es ist davon auszugehen, dass seitens des Bodenschutzes die Diskussion um die Reduzierung der Schwermetallgehalte in der Gülle nicht abebben, sondern eher noch zunehmen wird.

Nicht nur die Eiweiß-, sondern auch die Energiekomponenten haben das Schweinefutter verteuert. Neben dem insbesondere im letzten Jahr lukrativen Austausch von Weizen durch Roggen lassen sich Kosten durch den Einsatz von Enzymen sparen. Sogenannte NSP-Enzyme spalten Nicht-Stärke-Polysaccharide, z. B. Pentosane, Glukane. Diese Kohlenhydrate schließen Nährstoffe ein (Käfigeffekt), so dass diese schlechter verdaut werden können. Da Schweine nicht über diese Enzyme (z. B. Glukanasen, Xylanasen) verfügen, müssen sie mit dem Futter zugeführt werden. Sie werden insbesondere im Jungtier-, aber auch im Mastfutter eingesetzt. Durch die bessere Verdaulichkeit kann die Energiekonzentration reduziert werden. So belegen neuere Mastversuche, dass die Senkung des ME-Gehaltes um bis zu 0,4 MJ/kg bei gleichzeitigem Einsatz von NSP-spaltenden Enzymen keine Leistungseinbußen verursacht. Je teurer die Energiekomponente, desto höher die Kostenersparnis durch Enzyme.

Neben diesen aufgeführten Maßnahmen zur Verbesserung der Nährstoffeffizienz in der Schweinefütterung spielen auch die Futter- und Fütterungshygiene sowie die Fütterungstechnik (Verluste) eine entscheidende Rolle.
 


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
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Stand: 11.03.2016