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Was leisten Eber bei proteinreduzierter Fütterung?

Können Eber auch mit weniger Protein gemästet werden? Hierzu hat die Landwirtschaftskammer bereits drei Versuche erfolgreich durchgeführt. Allerdings wurden die Eber (Pi x BHZP db Viktoria bzw. Naima) in Einzelbuchten gehalten. Ein vierter Versuch  sollte weitere Erkenntnisse zur proteinreduzierten Fütterung von Ebern in Gruppenhaltung liefern.

Versuchsdurchführung in der LPA

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden je 40 Ferkel (PIC Pi 408 x Danzucht) nach Gewicht auf drei Futtergruppen verteilt und in Zehnerbuchten mit Futter-Abrufstationen    (Insentec) gehalten. Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 29 bis 123 kg. Zwischenwägungen wurden bei 40, 65, 70, und 90 kg Lebendgewicht (LG) vorgenommen. 

Tabelle 1: Übersicht über die drei Futtergruppen

 

 

Gruppe 1

RAM zweiphasig

40 Eber

Gruppe 2

RAM dreiphasig

40 Eber

Gruppe 3

DLG-Empfehlung

40 Eber

 

 

RAM

RAM

DLG

Mast-abschnitt

 

kg

3.1

28-65

3.3

65-123

3.1

28-40

3.2

40-90

3.3

90-123

VM

28-40

MM

40-70

EM

70-123

Rohprotein

Lysin

Phosphor

ME

%

%

%

MJ/kg

17,0

1,20

0,50

13,4

14,0

1,10

0,45

13,0

17,0

1,20

0,50

13,4

16,0

1,10

0,45

13,4

14,0

1,10

0,45

13,0

18,0

1,20

0,50

13,4

17,5

1,10

0,45

13,4

16,5

0,95

0,45

13,0

Die Fütterung der nach DLG-Empfehlung versorgten Tiere erfolgte dreiphasig mit einem Wechsel bei 40 und 70 kg LG, während die Gruppe 1 (RAM zweiphasig) das RAM 3.1-Futter bis 65 kg und anschließend das Endmastfutter RAM 3.3  erhielt.  Durch die Einführung eines dreiphasigen RAM-Futters wurde die Standard-Bezeichnung der RAM-Typen geändert, und zwar RAM 2.1 in RAM 3.1 und RAM 2.2 in RAM 3.3. Die Gruppe 2 (RAM dreiphasig) erhielt das RAM 3.1 nur bis 40 kg, danach wurde ein RAM 3.2 für die Mittelmast  bis 90 kg zwischengeschaltet und anschließend das RAM 3.3 eingesetzt. Dadurch war die Reduzierung der Proteinversorgung weniger abrupt. Das Aminosäurenverhältnis (Lysin: Methionin+Cystin: Threonin: Tryptophan: Valin) wurde auf 1: 0,55:0,65:0,18:0,65  eingestellt. Unter Berücksichtigung des Analysenspielraums wurden die Sollwerte mit einer Ausnahme (Rohproteingehalt des DLG-Vormastfutters) erreicht. 

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

RAM 3.1

RAM 3.2

RAM 3.3

DLG

VM

DLG MM

DLG EM

Rohprotein

ME

Phosphor

Lysin

Methionin + Cystin

Threonin

Lysin/ME                             

%

MJ/kg

%

%

%

%

g/MJ

16,1

13,2

0,47

1,22

0,65

0,67

0,92

15,4

13,5

0,41

1,11

0,66

0,68

0,82

14,0

13,0

0,43

1,03

0,62

0,63

0,79

16,8

13,0

0,46

1,23

0,66

0,70

0,95

17,1

13,2

0,43

1,16

0,68

0,73

0,88

16,3

13,3

0,44

0,96

0,59

0,61

0,72

Tageszunahmen von 1000 g

Während in den ersten drei Versuchen in Einzelhaltung keine bzw. einmal nur knapp   2 % Verluste auftraten, schieden in diesem Versuch vermehrt  Eber aus folgenden Gründen vorzeitig aus: 3 x Fundamentprobleme und je 1 x Lungenentzündung, Darmverdrehung, Wachstumsstörung und Kannibalismus. In diesem Versuch erreichten die Jungeber durchschnittliche Tageszunahmen von 999 g,  der  Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,23 kg. Die Gruppe 1 (RAM zweiphasig) erzielte 998 g, die Gruppe 2 (RAM dreiphasig) 999 g und die Gruppe 3 (DLG) 1001 g Tageszunahmen, der Futteraufwand je kg Zuwachs  lag bei 2,23, 2,21 bzw. 2,25 kg. Die Tiere fraßen im Mittel 2,22 kg je Tag. Alle Unterschiede in der Mastleistung waren statistisch nicht signifikant. Die Gruppe 1, die ab 65 kg das Futter RAM 3.3 mit 14 % Rohprotein erhielt, wies in der Endmast Tageszunahmen von 1079 g und einen Futteraufwand von 2,47 je kg Zuwachs auf. Die Tiere der Gruppe 2 (RAM dreiphasig) mit Einsatz des RAM 3.3 ab 90 kg nahmen in der Endmast 1097 g zu und benötigten 2,64 kg Futter je kg Zuwachs. Die Tageszunahmen der Eber, die nach DLG-Empfehlung versorgt wurden, lagen in der Endmast ab 70 kg bei 1125 g, der Futteraufwand betrug 2,50 kg.

Die Eber wurden im Vion-Schlachthof in Emstek geschlachtet, die Klassifizierung der Schlachtkörper erfolgte nach AutoFOM. Im Mittel wurden 1,033Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht erzielt. Insgesamt waren die Unterschiede der Schlachtkörperbewertung zwischen den Versuchsgruppen so gering, dass keine Signifikanzen auftraten.

Tabelle 3: Mastleistung, Schlachtkörperbewertung und Fleischbeschaffenheit

 

 

Gruppe 1

RAM zweiphasig

Gruppe 2

RAM

dreiphasig

Gruppe 3

DLG-Empfehlung

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

 

kg

kg

g

kg

kg

36

29,1

123,0

998

2,23

2,22

40

28,9

122,4

999

2,21

2,20

37

28,7

123,1

1001

2,25

2,25

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

Bauchfleischanteil

Indexpunkte/kg

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

94,7

76,9

19,2

7,7

9,2

12,9

61,2

1,03

94,3

77,0

19,2

7,6

9,1

13,0

60,6

1,04

94,5

76,8

19,2

7,6

9,2

13,0

60,8

1,03

LF1K

mS

5,3

5,1

5,0

Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruht auf den Nettopreisen des Versuchszeitraums. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs liegen in der Gruppe 2 (RAM dreiphasig) bei 62,28 €, in der Gruppe 1 (RAM zweiphasig) bei 63,76 € und in der DLG-Gruppe bei 64,44 €.

Nährstoffausscheidungen

Je Eber wurden folgende Stickstoff- und Phosphat-Ausscheidungen ermittelt:

Gruppe 1(RAM zweiphasig): 2,63 kg N und 1,14 kg P205

Gruppe 2 (RAM dreiphasig): 2,66 kg N und 1,06 kg P205

Gruppe 3 (DLG):                     3,30 kg N und 1,11 kg P205

Somit scheiden die Eber der beiden RAM-Gruppen 20 % weniger N als die DLG-Tiere aus. Hinsichtlich des Phosphatanfalls produzieren die Tiere der Gruppe 1 (RAM zweiphasig) knapp 3 % mehr im Vergleich zur DLG-Gruppe, was vorrangig an der vergleichsweise späten P-Reduzierung (ab 65 kg) in der Gruppe 1 liegt. Die Eber der Gruppe „RAM dreiphasig“ scheiden 4 % weniger aus.

Fazit

In einem vierten Ebermastversuch wurde die Fütterung nach den vorläufigen DLG-Empfehlungen für Jungeber mit der üblichen zweiphasigen RAM-Fütterung für Mastschweine und einer neu konzipierten dreiphasigen RAM-Fütterung verglichen. Dieser Versuch war gegenüber dem dritten Versuch nur dahingehend  geändert, dass die Eber in Gruppen und nicht in Einzelbuchten gehalten wurden. Mit im Mittel 1000 g Tageszunahmen und einem Futterverbrauch von 2,23 kg je kg Zuwachs wurden ähnliche Leistungen wie in der Einzelhaltung erreicht. Gesicherte Unterschiede in der Mastleistung und Schlachtkörperbewertung gab es nicht. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs betrugen in den RAM-Gruppen 62,28 € (RAM dreiphasig) bzw. 63,76 € (RAM zweiphasig) und in der DLG-Gruppe 64,44 €. Die Stickstoffausscheidungen waren in den RAM-Gruppen um etwa 20 % reduziert, der P205-Anfall lag geringfügig über bzw. unter dem der DLG-Gruppe. Der Versuch bestätigt, dass auch in der Gruppenhaltung mit RAM-Futter gleiche Leistungen wie mit Futtern nach DLG-Empfehlung erzielt werden können.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:


Stand: 15.09.2017