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Erbsen in der Schweinemast

Der Anbau und die Verfütterung von Körnerleguminosen soll in Deutschland ausgeweitet werden. Zwar spielt der Einsatz heimischer Hülsenfrüchte in der Schweinemast bisher mit Ausnahme im ökologischen Landbau nur eine unbedeutende Rolle, aber durch die Greening-Verpflichtungen, Ackerfuchsschwanzprobleme im Ackerbau, GVO-Freiheit etc. erfahren die Körnerleguminosen derzeit eine Renaissance. Gegenüber Soja- und Rapsextraktionsschrot weisen Ackerbohnen und Erbsen einen geringeren Rohproteingehalt auf, so enthalten Ackerbohnen etwa 25 bis 26 % und Erbsen 20 bis 22 %. Sie enthalten aber deutlich wenig Methionin. Da kaum aktuelle Ergebnisse aus Fütterungsversuchen vorliegen und das Sortenspektrum sich geändert hat, führte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Nachgang zum Ackerbohnenversuch einen weiteren Versuch durch, um zu prüfen, welche Leistungen Mastschweine heutiger Genetik mit Futtererbsen als Eiweißfuttermittel erzielen können.

 Versuchsdurchführung in der LPA Quakenbrück

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden je 60 Ferkel (Pi x Danzucht) nach Gewicht und Geschlecht auf zwei Futtergruppen verteilt und in Einzelbuchten gehalten. Während das Futter der Versuchsgruppe in der Anfangsmast 15 %, in der Mittelmast 20 % und in der Endmast 25 % Erbsen enthielt, stellten Soja- und Rapsextraktionsschrot sowie Getreideschlempefutter die einzigen Eiweißkomponenten in der Kontrollgruppe dar. Das Futter der  Erbsen-Gruppe enthielt gegenüber der Kontrollgruppe in der Anfangsmast 3 % Sojaschrot  und 0,7 % Rapsschrot weniger, in der Mittelmast wurde der Sojaschrotanteil um 4,7 % reduziert, und im Endmastfutter der Erbsen-Gruppe war kein Sojaschrot mehr enthalten, der Rapsschrotanteil war um 3,3 % verringert.

Tabelle 1: Übersicht über die zwei Futtergruppen

 

 

Kontrollgruppe

Erbsen-Gruppe

 

 

 

Erbsenanteil

 

Mastabschnitt

 

kg

 

30-60

 

 

60-90

 

90 - 123

15 %

30-60

20 %

60-90

25 %

90-123

Rohprotein

Lysin

ME

%

%

MJ/kg

17,0

1,10

13,4

16,0

0,95

13,0

14,0

0,90

13,0

17,0

1,10

13,4

15,5

0,95

13,0

13,5

0,90

13,0

                 

Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 30 bis 123 kg. Zwischenwägungen wurden bei jedem Futterwechsel vorgenommen.

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

Kontrolle

VM

Kontrolle

MM

Kontrolle

EM

Erbsen

VM

Erbsen

MM

Erbsen

EM

Rohprotein

ME

Lysin                          

Methionin+Cystin

Threonin

Phosphor

%

MJ/kg

%

%

%

%

16,1

13,3

1,04

0,59

0,61

0,50

15,3

12,8

0,96

0,57

0,56

0,50

14,0

13,0

0,91

0,56

0,53

0,50

15,4

13,2

0,98

0,56

0,57

0,49

15,9

12,7

0,98

0,58

0,61

0,44

14,0

12,8

0,96

0,52

0,51

0,42

Tageszunahmen von  1000 g

In diesem Versuch schieden zwei Tiere wegen Entwicklungsstörungen bzw. Transporttod aus. Die Schweine der Erbsengruppe waren am Mastende 1,1 kg schwerer als die Kontrollgruppe, diese Differenz war abzusichern. Die Tiere erreichten durchschnittliche Tageszunahmen von 1007 g, der Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,68 kg. Die Mastleistungen der beiden Gruppen unterschieden sich in der Mittel- und Endmast signifikant. So erzielten die mit Erbsen gefütterten Tiere in der Mittelmast 60 g höhere Tageszunahmen und benötigten nur 2,41 kg Futter je kg Zuwachs (Kontrollgruppe 2,52 kg). Da auch in der Endmast weniger Futter benötigt wurde, resultierte in der Erbsengruppe mit 2,63 kg ein um 100 g geringerer Futteraufwand/kg Zuwachs in der gesamten Mastperiode.

Tabelle 3: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

 

Erbsen

Kontrolle

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

 

kg

kg

60

30,4

124,6a

58

30,3

123,5b

Mastleistung 30 - 60 kg

 

 

 

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

g

kg

kg

899

2,16

1,94

918

2,14

1,95

Mastleistung 60 - 90 kg

 

 

 

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

g

kg

kg

1149a

2,41a

2,76

1088b

2,52b

2,73

Mastleistung 90 - 123 kg

 

 

 

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

g

kg

kg

1045

3,24a

3,36

1004

3,45b

3,45

Mastleistung gesamt

 

 

 

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

g

kg

kg

1017

2,63a

2,68

996

2,73b

2,71

 

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Indexpunkte/kg

 

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

 

 

96,4

77,3

18,4

7,3

8,7

14,1

55,0

0,995

 

95,7

77,7

18,6

7,4

8,8

13,9

56,1

1,005

a, b: Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede (p < 0,05).

Die Schweine wurden im Vion-Schlachthof in Emstek geschlachtet, die Klassifizierung der Schlachtkörper erfolgte nach AutoFOM. Im Mittel wurden 1,000Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht erzielt. Gesicherte Unterschiede in der Schlachtkörperbewertung  gab es nicht.

Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs betrugen 62,60 € in der Kontrollgruppe und 62,19 € in der Erbsengruppe.

Fazit

In diesem Mastversuch wurde überprüft, welche Leistungen in der Schweinemast auf Basis heutiger Genetik mit Erbsenrationen erzielt werden können. Die Erbsenanteile erhöhten sich von anfangs 15 % auf 25 % in der Endmast, das Kontrollfutter enthielt als Eiweißkomponenten Extraktionsschrote und Getreideschlempefutter. Die Tiere der Erbsen-Gruppe erzielten 1017 g Tageszunahmen und benötigten 2,63 kg Futter je kg Zuwachs, während die Tiere der Kontrollgruppe 996 g zunahmen und mit 2,73 kg signifikant mehr Futter benötigten. In den Merkmalen der Schlachtkörperbewertung traten keine gesicherten Unterschiede auf. Durch die Verfütterung von Erbsen ließen sich rund 7,3 kg Soja- und 4,5 kg Rapsextraktionsschrot je Mastschwein einsparen.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:


Stand: 11.03.2016