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Schweine mit Sonnenblumenschrot mästen

Verzicht auf Sojaimporte aus Südamerika und GVO-freie Fütterung werden zunehmend von der Gesellschaft und insbesondere vom Lebensmittelhandel gefordert. Auf der anderen Seite ist die Auswahl und Verfügbarkeit anderer Eiweißfuttermittel beschränkt. Fakt ist, dass Sojaschrot immer noch die Hauptproteinquelle in der Schweinefütterung darstellt und Rapsschrot und Körnerleguminosen allein den Eiweißbedarf der Nutztiere in Deutschland nicht decken können. Als mögliche Proteinkomponente könnte auch Sonnenblumenextraktions-schrot aus geschälter Saat mit etwa 46 % Rohprotein in Betracht kommen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat überprüft, wie sich der Einsatz dieses in der Schweinemast bisher nicht sehr verbreiteten Extraktionsschrotes auf die Leistung von Mastschweinen auswirkt.

Versuchsdurchführung in der LPA Quakenbrück

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden insgesamt 78 Ferkel (Pi x Danzucht) nach Gewicht auf zwei Futtergruppen verteilt, in Einzelbuchten gehalten und ad libitum gefüttert. Die Kontrollgruppe erhielt das Anfangsmastfutter RAM 2.1 bis 65 kg LG und danach das Endmastfutter RAM 2.2. Diese Futter enthielten als Eiweißkomponenten Soja (HP)- und Rapsextraktionsschrot. In der Versuchsgruppe wurde RAM-Futter mit Sonnenblumen-extraktionsschrot aus geschälter Saat (ca. 46 % Rohprotein und 8 % Rohfaser) sowie Rapsschrot eingesetzt, und zwar 12,0 % Sonnenblumenschrot und 7,5 % Rapsschrot im RAM 2.1 und 5 % Sonnenblumenschrot und 4,4 % Rapsschrot im RAM 2.2.  

Tabelle 1: RAM-Futter in beiden Gruppen

Mastabschnitt

 

kg

RAM 2.1

28-65

RAM 2.2

65-122

Rohprotein

Lysin

ME

%

%

MJ/kg

17,0

1,10

13,4

14,0

0,90

13,0

Während das RAM 2.1 der Versuchsgruppe mit Lysin, Threonin und Tryptophan ergänzt wurde, erhielten die anderen drei Mischfutter eine Supplementierung mit Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan.

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

Kontrolle

RAM 2.1

Kontrolle

RAM 2.2

Sonnenbl.schrot

RAM 2.1

Sonnenbl.schrot

RAM 2.2

Rohprotein

Lysin

Methionin + Cystin

Threonin

ME

Lysin/ME   

Phosphor

%

%

%

%

MJ/kg

g/MJ

%

16,5

1,09

0,59

0,71

13,3

0,82

0,46

14,0

0,93

0,54

0,61

13,1

0,71

0,41

16,3

1,11

0,61

0,71

13,4

0,83

0,48

13,7

0,89

0,53

0,59

13,0

0,69

0,44

Ohne Soja klappt es auch

Die Schweine erzielten mittlere Tageszunahmen von 976 g, der Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,62 kg. Die Kontrollgruppe erzielte 988 g und die Versuchsgruppe mit Sonnenblumenschrot 963 g Tageszunahmen, der Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,59 bzw. 2,65 kg. Die Tiere fraßen täglich 2,55 kg. Die Unterschiede in der Mastleistung waren statistisch nicht abzusichern. Die Tiere der Kontrollgruppe wiesen in der Endmast ab 65 kg Tageszunahmen von 1051 g und einen Futteraufwand von 2,94 je kg Zuwachs auf. Die Tiere der Versuchsgruppe nahmen in dieser Zeit 1033 g je Tag zu und benötigten 3,02 kg Futter je kg Zuwachs.

Die Schweine wurden im Vion-Schlachthof in Emstek geschlachtet, die Klassifizierung der Schlachtkörper erfolgte nach AutoFOM. Im Mittel wurden 0,989 Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht erzielt. Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Schlachtkörperbewertung, auch wenn die Indexpunkte/kg Schlachtkörpergewicht der Tiere der Versuchsgruppe unter denen der Kontrollgruppe lagen.

Tabelle 3: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

 

Kontrollgruppe

 

Versuchsgruppe

Sonnenblumenschrot

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

 

kg

kg

g

kg

kg

39

26,5

122,1

988

2,59

2,55

39

26,6

122,3

963

2,65

2,54

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Indexpunkte/kg SG

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

 

95,5

78,2

18,2

7,1

8,9

13,8

56,1

0,997

95,5

78,1

18,0

7,1

8,8

13,8

55,2

0,981

Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruht auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe bei 62,84 € und in der Versuchsgruppe bei 65,35 €. Die höheren Kosten wurden überwiegend durch den höheren Preis des Sonnenblumenextraktionsschrotes verursacht.

Fazit

In einem Mastversuch wurde überprüft, welche Leistungen mit Sonnenblumenextraktionsschrot aus geschälter Saat im Vergleich zu einer üblichen RAM-Fütterung mit Sojaschrot zu erzielen sind. Mit im Durchschnitt 976 g Tageszunahmen und einem Futteraufwand von 2,62 kg je kg Zuwachs wurde ein hohes Leistungsniveau erreicht. Die Indexpunkte/kg Schlachtkörpergewicht lagen im Mittel bei 0,989. Es traten keine signifikanten Leistungsunterschiede auf. In der Versuchsgruppe lagen die Futterkosten je 100 kg Zuwachs um 2,50 € höher. Es bleibt festzuhalten, dass Rationen mit den Eiweißkomponenten Sonnenblumen- und Rapsextraktionsschrot hohe Leistungen erzielen können, aber auch die Futterkosten erhöhen.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:
Wolfgang Vogt
Leiter LPA Quakenbrück, Koordination Versuche Schwein
Telefon: 05431 90309-12
Telefax: 05431 90309-16
E-Mail:


Stand: 02.05.2017