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Zuchtwertschätzung April 2020

Die neuen Zuchtwerte für Deutsche Holstein Schwarzbunt und Rotbunt sind Anfang April veröffentlicht worden. Die töchtergeprüfte Topliste wird von drei neuen schwarzbunten Besamungsbullen angeführt. Auch bei den Genomischen gibt es zahleiche neue Vererber, die die Liste aufmischen.

Neuerungen in Zuchtwertschätzung

  • Neue Datenselektion

Mit dem aktuellen Zuchtwertschätztermin werden bedeutende Änderungen in der Datenselektion wirksam, die eine höhere Genauigkeit im Zuchtwertschätzsystem zur Folge haben. Es werden nur noch Tiere mit ihrer Leistung in der Zuchtwertschätzung berücksichtigt, wenn bestimmte Abstammungsinformationen vorliegen. Durch die schärfere Datenselektion verlieren die Besamungsbullen - mit regionalen Unterschieden - durchschnittlich etwa 5 % der Töchter durch einen unbekannten Muttersvater. Auswirkungen sind vor allem für Milchleistungs- und Kalbemerkmale zu beobachten.

  • Jährliche Basisanpassung für alle Merkmale

Durch die bekannte jährliche Basisanpassung der Zuchtwerte hat sich entsprechend des Zuchtfortschritts in den letzten 12 Monaten das Niveau der Zuchtwerte verändert. Die Basis für alle Merkmale bilden 4-6 Jahre alte Kühe der jeweiligen Rasse mit Eigenleistung. Diese repräsentieren die aktuell lebende Kuhpopulation. Die aktuelle Basis bilden daher Kühe der Geburtsjahrgänge 2014 - 2016 mit Eigenleistung im jeweiligen Merkmal (vorher Kühe geb. 2013-2015).

Die Auswirkungen der beschriebenen Reduzierung der berücksichtigten Leistungs-Tiere sowie der jährlichen Basisanpassung lassen sich nicht trennen. Beide Neuerungen haben zum Teil unterschiedliche Auswirkungen auf die Zuchtwerte der Bullen. Eine allgemeine, mittlere Zuchtwertabschreibung ist nicht sinnvoll interpretierbar, so dass an dieser Stelle hierauf verzichtet wird.

 

Besamungsbullen mit töchtergeprüftem Zuchtwert

Die ersten Plätze der Top-Liste der töchtergeprüften Vererber wird von Newcomern dominiert. Allein unter den Top-5 befinden sich vier neue Namen, die bezogen auf ihren Gesamtzuchtwert dicht beieinanderliegen. Angeführt wird die Liste von Medon, ein Missouri aus Galaxy aus dem Zuchtverband Berlin-Brandenburg mit einem RZG von 151. Medon ist ein Leistungsvererber, der eine hohe Milchmenge bei gleichzeitig hervorragenden Eutern und guter Eutergesundheit vererbt. Seine Töchter sind etwas knapper im Körper mit ansteigenden Becken, die Melkbarkeit mit RZD 89 sollte beachtet werden. Es folgt Melview auf Rang 2. Dieser Missouri-Sohn aus Snowman übersteigt ebenso wie der Listenführer Medon deutlich seine Vorausschätzung und debütiert mit einem RZG von 150. Melview ist ein ausgesprochener Leistungsvererber mit + 2.954 kg Milch bei knapperen Inhaltsstoffen. Die Melkbarkeit mit RZD 92 sollte Beachtung finden. Singer rangiert gleichauf mit einem RZG von 150 auf dem dritten Platz. Der Supershot aus Maximum zeigt sich mit einem soliden Vererbungsprofil mit hoher Milchleistung und Nutzungsdauer. Baldur ist der höchste töchtergeprüfte Vererber der Masterrind, der sich in dieser Zuchtwertschätzung deutlich verbessern und mit einem RZG von 149 auf den vierten Rang vorschieben kann. Baldur vererbt eine gute Milchleistung mit ausgewogenem Fett-Eiweiß-Verhältnis und guten Gesundheitsmerkmalen. Bei der Anpaarung sind die Beckenlage sowie die Qualität der Fundamente zu beachten. Die Top-5 wird komplettiert durch Sinus, ein neuer Silver-Sohn aus Bedford, der mit einem ersten RZG von 149 aufwartet. Dieser Vererber der OHG kombiniert eine hohe Fettmenge (+ 82 kg) mit guter Eutervererbung von 128. Er überzeugt im Fitnessbereich mit sehr guten Robotereigenschaften und guten Gesundheitswerten.

Interessante Vererber aus Niedersachsen

Der Missouri-Sohn Milton verbessert sich auf einen RZG von 147 und schiebt sich Platz 8 vor. Milton kombiniert eine hohe Milchleistung bei gleichzeitig sehr guter Fundament- und Eutervererbung, er ist allerdings nur begrenzt verfügbar. Neu eingestiegen ist Alamo, ein AltaSpring aus Fanatic ebenfalls aus dem Osnabrücker Zuchtgebiet, der mit einem kompletten Vererbungsprofil auf Platz 13 (RZG 145) rangiert. Alamo kombiniert eine gute Milchleistung bei leicht positiven Prozenten und guten Gesundheits- und Kalbemerkmalen. Seine Töchter sind eher kleiner mit knapperem Körper und guter Fundament- und Eutervererbung. Höchster Vererber aus Ostfriesland ist Malta, der sich in dieser Zuchtwertschätzung um 3 RZG-Punkte auf 141 (Platz 33) verbessern kann und als kompletter Vererber mit ausgezeichneten Fundamenten und insgesamt gutem Exterieur und sehr guten Kalbeeigenschaften überzeugen kann. Gleichauf mit einem RZG von 141 verbessert sich Big Power von der Masterrind. Der Big Point-Sohn überzeugt mit sehr guter Euterqualität, hoher Nutzungsdauer sowie guter Töchterfruchtbarkeit. Neu eingestiegen ist Gloryday von der Masterrind mit einem ersten RZG von 140 auf Platz 45. Der Genestar aus Supersire präsentiert sich mit einem insgesamt soliden Vererbungsprofil. Er vererbt deutlich positive Inhaltsstoffe und verbessert die Gesundheitsmerkmale. Gleichauf liegt Missan, ebenfalls von der Masterrind, der sich auf einen RZG von 140 verbessert und besonders durch die Kombination von Milchleistung, Exterieur und Gesundheit zu überzeugen weiß. Seine sehr großen Töchter glänzen mit hervorragender Euterqualität und zeigen gute Gesundheitswerte. Gleichauf mit einem RZG von 140 liegt BG Niels aus dem Osnabrücker Zuchtgebiet. Der Supershot aus der Mabelle-Kuhfamilie verspricht ein solides Vererbungsprofil mit besonderem Augenmerk auf Milchleistung sowie Nutzungsdauer.

Monarch, der bisherige Listenführer, verliert 9 RZG-Punkte und rutscht auf einen RZG von 139. Der Vererber aus Ostfriesland zeigt sich mit einem soliden Vererbungsprofil mit besonderem Augenmerk auf der Verbesserung von Euter- und Körpermerkmalen sowie der Milchleistung mit positiven Prozenten. Gleichauf liegt sein Stallgefährte Bartoli, der weitere Töchter hinzubekommen hat. Bartoli verbessert besonders die Nutzungsdauer und Euterqualität sowie Töchterfruchtbarkeit und Eutergesundheit bei jedoch etwas langsamerer Melkbarkeit.

Rotbunte töchtergeprüfte Besamungsbullen

Bei den Rotbuntvererbern gibt es in der Spitze keine Veränderungen. Step-Red bleibt seit Monaten unangefochten die Nummer 1. Trotz leichter Verluste ist er mit einem RZG von 148 der mit Abstand höchste Vererber mit Töchtern. Der Vererber der Masterrind bekommt weitere Töchter hinzu und verspricht eine sehr hohe Milchmenge bei knapperen Inhaltsstoffen und sehr guter Nutzungsdauer und Eutergesundheit. Es folgt Apoll P, der leicht auf einem RZG von 145 nachgibt. Apoll P ist der höchste hornlos-Vererber. Auf Platz 3 folgt Fireman, der sich auf einen RZG von 144 verbessert. Der Fageno-Sohn vererbt eine sehr hohe Milchleistung, zeigt in der Fundamentvererbung sowie in der Töchterfruchtbarkeit jedoch Schwächen.

Arino Red kann sich auf einen RZG von 136 stabilisieren. Er zeigt sich als Allrounder mit hervorragendem Exterieur und guter Milchleistung. Ein interessanter Newcomer ist Nemo Red vom VOSt, der mit einem ersten RZG von 131 auf Platz 20 rangiert. Bei knapperer Milchleistung überzeugt er durch ein sehr ausgewogenes Vererbungsprofil mit besonderem Augenmerk auf Gesundheitsmerkmale und solider Exterieurbeschreibung. Aufgrund von erst wenigen Töchtern insbesondere im Exterieur bleibt seine Entwicklung abzuwarten.

Besamungsbullen mit genomischem Zuchtwert

In der genomischen Topliste gibt es zahlreiche neue Bullen. Die Liste wird nach wie vor angeführt von Best Benz, der seinen ersten gRZG nicht ganz halten kann und auf gRZG 165 abrutscht. Trotz alledem ist er weiter die unangefochtene Nummer 1. Best Benz ist der höchste genomische Vererber für Nutzungsdauer und überzeugt mit sehr hoher Milchleistung bei sehr guten Gesundheitswerten. Mit einem ersten gRZG von 163 kann sich der noch sehr junge Vererber Gendry von der Masterrind ganz weit oben platzieren. Er überzeugt in den Einzelmerkmalen mit besonderem Augenmerk auf Verbesserung der Fundamente, Eutergesundheit und Kalbemerkmale. Wermutstropfen bleiben die Melkbarkeit sowie die ansteigende Beckenlage. Den dritten Rang nimmt SputnikRDC ein, der ebenfalls neu eingestiegen ist und mit seinem ersten gRZG von 161 zu überzeugen weiß. Auf den Plätzen 4 und 5 rangieren mit Bachelor P und Simon P zwei hornlos-Vererber jeweils mit einem gRZG von 160, die jeweils hohe Milchleistung, Eutergesundheit und Nutzungsdauer vereinen, jedoch in der Melkbarkeit unterdurchschnittlich bewertet sind.

Interessante Vererber aus Niedersachsen

Der Neueinsteiger der vergangenen Schätzung Lightway gibt leicht auf einen gRZG von 160 nach. Er ist nach Best Benz einer der höchsten Vererber für Nutzungsdauer mit einem gRZN von 134. Er verbessert darüber hinaus besonders die Töchterfruchtbarkeit sowie Melkbarkeit bei positiven Gesundheitsmerkmalen. Gleichauf liegt der Neueinsteiger Promotion, ein Prosperous-Sohn aus Kerrigan, der mit einem ersten gRZG von 160 und einem gRZM von 155 zu den höchsten genomischen Milchleistungsvererbern zählt. Sein Vererbungsbild ist sehr komplett mit besonderem Augenmerk auf den Gesundheitsmerkmalen und einem guten Exterieurbild. Das Trio von der Masterrind wird komplettiert von Rafinha, der im Dezember vergangenen Jahres neu eingestiegen war. Er rutscht leicht auf einen gRZG von ebenfalls 160 (# 8). Die Stärken dieses Rio-Sohnes liegen in Nutzungsdauer und Gesundheitsmerkmalen, sehr guter Euter- und Fundamentvererbung bei hoher Milchleistung.

Der höchste genomische Vererber aus dem Osnabrücker Zuchtgebiet ist Lindy, ein Lightstar-Sohn aus interessanter Kuhfamilie mit einem gRZG von 159 (#15). Lindy überzeugt mit guter Milchmenge bei positiven Inhaltsstoffen (jeweils + 0,13 %) sowie einem ausbalancierten Exterieur-Profil und guten Fitness- und Gesundheitszuchtwerten. Wermutstropfen ist die Melkbarkeit (gRZD 95). Sein Stallgefährte Suprem büßt etwas ein und rangiert mit einem gRZG von 158 auf Platz 22. Der Superhero-Sohn ist ein ausgesprochener Leistungsvererber mit + 2.335 kg Milch, damit gehört er zu den höchsten Leistungsvererbern der Topliste. Gleichauf liegt Calvin, der das genomische Trio der OHG komplettiert, mit einem gRZG von 158 auf Platz 24. Der junge Casino-Sohn überzeugt erwartungsgemäß mit einer sehr hohen Milchleistung bei nahezu neutralen Prozenten, hoher Nutzungsdauer und guten Kalbeeigenschaften. Sein Exterieurprofil ist ausbalanciert und ohne Schwächen, Calvin kann besonders für Roboterbetriebe sowie auch für Färsenbesamungen empfohlen werden.

Höchster genomischer Besamungsbulle des VOSt ist Casino, der sich mit einer besonderen Konstanz bereits seit zwei Jahren stabil in der Top-Liste hält. Er feierte sein Debüt im April 2018 mit einem gRZG von 159 und ist aktuell mit einen gRZG von 156 geschätzt. Er lässt eine sehr hohe Milchleistung bei deutlich positiver Bewertung aller Einzelmerkmalen erwarten. Besonders überzeugt er durch gutes Exterieur und sehr guten Gesundheits- und Fitnesswerten. Aus dem gleichen Stall stammt der Cidre-Sohn Colani, der leicht auf einen gRZG von 155 nachgibt. Colani punktet mit Nutzungsdauer, Eutergesundheit und gutem Exterieur bei sehr guten Gesundheits- und Robotereigenschaften. Das Trio des VOSt wird komplettiert durch Paddy, der nach seinem Debüt bei dem letzten Schätztermin nun etwas auf einen gRZG von 154 nachgibt. Paddy überzeugt mit einem kompletten Exterieurprofil und sehr guten Bewertungen für Fruchtbarkeit, Nutzungsdauer und Kalbeeigenschaften.

Rotbunte Genomics

Bei den Rotbunten genomischen Vererbern muss Solitair P die Listenführung abgeben. Neuer Listenführer ist Grando Red von der Masterrind mit einem ersten gRZG von 165. Der Gywer RDC-Sohn aus Mission P vererbt sehr viel Milch mit viel Eiweiß (+ 80 kg) bei gleichzeitig sehr guter Eutergesundheit, langer Nutzungsdauer sowie einem sehr guten Exterieur mit leichten Schwächen in den Körpermerkmalen. Zusammen mit Solitair P, der sich mit einem gRZG von 163 auf dem zweiten Rang wiederfindet, markieren diese beiden jungen Rotbuntvererber deutlich die Spitze.

Auf Rang 3 ist Sportsman neu eingestiegen mit einem ersten gRZG von 156 mit besonderem Augenmerk auf Milchleistung bei gleichzeitig sehr gutem Exterieur. Es folgt mit Mannish ein besonderer Exterieurvererber, der hervorragende Werte für Euter und Gesundheitsmerkmale aufweist. Komplettiert wird die TOP-5 durch Speedy Red von der Masterrind. Er ist einer der zahlreichen neuen Spark Red-Söhne, die durch sehr gute genomische Werte auf sich aufmerksam machen. Speedy Red lässt eine sehr hohe Milchleistung und hervorragendes Exterieur mit gRZE 130 mit besonderem Augenmerk auf die Fundamente erwarten. Beachtung finden sollte die Melkbarkeit.

Erwähnung finden sollte auch Percey-Red von der OHG, der mit einem gRZG von 154 auf Rang 7 rutscht. Er vererbt sehr viel Milch kombiniert mit langer Nutzungsdauer und sehr guter Eutervererbung. Palace, ein Pace Red-Sohn aus Board, der mit hoher Nutzungsdauer, solidem Exterieurprofil und durchweg positiver Bewertung aller Gesundheitsmerkmale überzeugt, ist der höchste genomische Rotbuntvererber mit gRZG von 151 vom VOSt (im Gemeinschaftsbesitz mit der RUW).

Die vollständigen Listen der mit allen verfügbaren Einzelzuchtwerten können in der Bullendatenbank des vit unter www.vit.de abgerufen werden. Hier sind die Zuchtwerte aller geprüften Besamungsbullen, von denen Sperma abgegeben wird, verfügbar. Die Listen sind unterteilt in genomische Bullen, die keine Töchter bzw. Töchter in weniger als 10 Herden für Milch oder Exterieur haben, aktiv vermarktete töchtergeprüfte Bullen sowie sicher geprüfte Vererber mit mindestens 500 Töchtern für Milchleistung.

Weitere Informationen über die Zuchtwerte erhalten Sie bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie über die Internetdatenbank des VIT und seitens der Rinderzuchtverbände. Die nächste Zuchtwertschätzung ist für den 11. August 2020 geplant.


Kontakt:
Dr. Ludwig Diekmann
Leiter Fachbereich Tierzucht, Tierhaltung, Versuchswesen Tier, Tiergesundheitsdienste
Telefon: 0441 801-635
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Yvonne Konersmann
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0541 56008-127
Telefax: 0541 56008-150
E-Mail:


Stand: 07.05.2020