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Aufstallungspflicht in der Mobilstallhaltung

„Die hochansteckende Geflügelpest hat Niedersachsen erreicht“. 

Mittlerweile haben eine Vielzahl von Landkreisen eine Aufstallungspflicht für Geflügel verhangen. Generell werden alle Geflügelhalter seitens des Ministerium Niedersachsen zur Wachsamkeit aufgerufen. Betriebe werden aufgefordert ihre Bestände zu schützen, entsprechende Sicherheitsmaßnahmen konsequent umzusetzen. Die Gefahr eines Ausbruchs in geflügelhaltenden Betrieben ist groß. Der letzte größere Ausbruch war 2016/2017. Regional unterschiedlich und zum Teil mit verheerenden Folgen. Aktuell besteht wieder eine erhöhte Gefahr eines erneuten Ausbruchs, da zur Zeit Zugvögel unterwegs sind. So können z.B. Wildenten und –Gänse das Virus über weite Strecken verschleppen, erkranken aber selber nicht daran. Sie sind lediglich Virusträger. Bei Kontakt mit solchen Tieren kann unser Nutzgeflügel erkranken.

Eine Aufstallungspflicht stellt die Hobby- und Mobilstallhalter vor besonderen Herausforderungen.

Die Mobilställe dürfen während der Aufstallungspflicht nicht mehr verzogen werden. Je nach Risikolage ist es empfehlenswert die Mobilställe frühzeitig auf den Winterstellplatz zu schaffen oder sie im Fall der Aufstallungspflicht an den Hof zu holen. Vom Winterstellplatz aus ist die Versorgung der Tiere in der Regel einfacher zu gewährleisten, die Versorgungswege werden kurzgehalten und die Gefahr der Einschleppung reduziert. Auch in der Mobilstallhaltung müssen besondere Schutzvorkehrungen getroffen und konsequent umgesetzt werden. Auch wenn eine Reihe von gesetzlich angeordneten Maßnahmen erst ab einer Bestandgröße von 1000 Tieren gelten, sollten sich auch kleiner Bestände an diese Maßnahmen halten – schließlich dienen diese dem Schutz der eigenen Tiere. Zu diesen Schutzvorkehrungen zählen:

  • Der Kontakt zu Wildvögeln muss vermieden werden. Auch Einstreu, Futter, Beschäftigungsmaterialien müssen so aufbewahrt werden, dass sie nicht mit Wildvögeln in Kontakt kommen.
  • Jeder Stall muss vor unbefugtem Zutritt gesichert werden. Auf unnötige Stallbesuche sollte verzichtet werden. Nach Möglichkeit sollten nur noch der Tierhalter/betreuer den Stall betreten.
  • Der Tierhalter/betreuer sollte den Besuch anderer Geflügelbestände vermeiden und keinen Besuch aus anderen Geflügelbeständen empfangen.
  • Die Durchführung und Einhaltung von Hygienemaßnahmen zur Minimierung der Einschleppungsgefahr ist unabdingbar. Dazu zählt das Reinigen und Desinfizieren von Händen und Schuhen vor Betreten des Stalles, sowie das Tragen von geeigneter Schutzkleidung.
  • Die Stallungen sollten auf bauliche Mängel kontrolliert werden. Schlupflöcher, welche selbst für kleine Wildvögel geeignet sind, müssen dichtgemacht werden.
  • Eierkartons dürfen nur einmal verwendet werden. Kunststofflagen, sind nach Gebrauch zu reinigen und desinfizieren, bevor sie zurück in den Stall gebracht werden. 

Legehennen in der Mobilstallhaltung nutzen ihren Auslauf in einer besonderen Intensität. Je nach Mobilstallgröße nutzen bis zu 100% der Legehennen den Auslauf. Die Frequentierung des Auslaufs in der klassischen Legehennen-Freilandhaltung liegt in der Regel weit unter diesem Maß. Eine Aufstallung trifft die mobilen Legehennen entsprechend besonders hart. Die Mobilställe sind zudem nicht für eine reine Stallhaltung ausgelegt.

Ein großes Problem während der Aufstallungspflicht in der Mobilstallhaltung kann die Luftqualität werden. Das Luftvolumen je Tier in einem Mobilstall ist verhältnismäßig klein im Vergleich zu Festställen. Bei einem zusätzlich geringen Luftaustausch kommt es zu einem erhöhten Feuchtegehalt der Luft. Der anfallende Kot trocknet zunehmend schlechter ab, infolge dessen der Ammoniakgehalt in der Luft steigt. Die Einstreu wird feucht und klamm, hierdurch kann es unter anderem zu einem höheren Anteil von Schmutzeiern kommen, wenn die Legehennen mit schmutzigen Füßen in die Nester gehen. Die Einstreu muss zu jedem Zeitpunkt locker und scharrfähig sein. Sollte die Einstreu feucht und pappig werden, ist sie nach Möglichkeit durch neue zu ersetzen. Auch die Einstreu dient der Beschäftigung und dem Wohlbefinden der Legehennen. In ihr können die Legehennen Scharren, Picken und Staubbaden.

Durch die Aufstallung entsteht vor allem in diesen Haltungssystemen sehr schnell Stress, infolge dessen Federpicken und Kannibalismus auftreten kann. Durch eine abwechslungsreiche Beschäftigung und optimale Futterversorgung kann dem entgegengewirkt werden. Durch die ungewohnte Situation können die Legehennen zunehmend nervöser und schreckhafter werden. Die Versorgung der Tiere sollte entsprechend angepasst werden. Dies kann durch eine Adaption der Mineral- und Vitamingehalte im Futter erfolgen und/oder durch eine leichte Anhebung des Rohfasergehaltes. Durch die händische Gabe von vorgekeimten Getreide, welches einen sehr hohen Futterwert besitzt, können die Tiere zusätzlich versorgt und beschäftigt werden.

Auf die Beschäftigung der Legehennen sollte ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Diese sollten sich nach den Bedürfnissen der Legehennen richten und die baulichen Gegebenheiten des Mobilstalls berücksichtigen. Beschäftigungsmaterialien sollten im Scharrbereich angeboten werden, um dem arteigenen Futtersuch- und Futteraufnahmeverhalten gerecht zu werden. Die Beschäftigungsmaterialien müssen veränderbar und manipulierbar sein und den Pickreiz der Legehenne befriedigen. Zusätzlich ist es möglich den Tieren Möglichkeiten zum Sandbaden anzubieten. Dazu eignen sich z.B. flache Sandkisten (A: ~1,5 - 2,0 m², H: 20 - 30 cm) befüllt mit feinem Sand oder anderen Gesteinsmehlen.

Für Mobilställe mit Scharrbereich unterhalb der Stallfläche eignen sich zum Beispiel kleine Luzerneballen, Pickblöcke (welche nicht zu hart sind und gut angenommen werden), Schalen mit beispielsweise Futtermohrrüben oder Kartoffeln. Hier ist der Scharrbereich in der Regel zu niedrig um Beschäftigungsmaterialien aufzuhängen.

Mobilställe mit angrenzenden oder integriertem Scharrbereich können Beschäftigungsmaterialien aufgehängt und so in einer weiteren Darbietungsform angeboten werden.

Es sollte zu jedem Zeitpunkt ausreichend Beschäftigungsmaterial vorrätig sein. Bei Verbrauch ist es umgehend auszutauschen, bei Desinteresse durch die Legehennen muss ein anderes Beschäftigungsmaterial angeboten werden.

Schlussendlich bedeutet eine Aufstallungspflicht für Legehennen im Mobilstall eine Intensivierung der Tierkontrolle bei hohen Hygienestandards. Der Tierhalter /-betreuer muss seine Herde genauestens beobachten, um im Falle von z.B. Verhaltensänderungen schnell reagieren zu können.


Kontakt:
Christina Schulte
Beraterin Geflügelhaltung, EIP-Projekte
Telefon: 0441 801-247
Telefax: 0441 801-634
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Stand: 04.12.2020