Webcode: 01037873

Vogelgrippe hat Oldenburg und Cloppenburg erreicht – vornehmlich Putenbetriebe mussten gekeult werden – die hochansteckende AI Variante wurde vom Friedrich Löffler Institut bestätigt – Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen müssen strikt umgesetzt werden

Zum Schutz des Hausgeflügels vor Vogelgrippe (Geflügelpest) ist in zahlreichen Landkreisen Niedersachsens die Aufstallung des Nutzgeflügels angeordnet worden.

Neben der Haltung des Freilandgeflügels im Stall dürfen die Tiere auch in einer Schutzvorrichtung, die gegen Wildvogelkot und das Eindringen von Wildvögeln geschützt ist, untergebracht werden. Wie die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast am 11. November 2020 erklärte, ist die Aufstallung von Freilandgeflügel eine schwierige Aufgabe. Ausnahmen von der Aufstallungspflicht sind nach der Geflügelpest-Verordnung möglich, auch Ausnahmeregelungen für einzelne Betriebe können erteilt werden.

Nach mehreren Fällen von Geflügelpest in Nutztierbeständen hat die Ministerin am 22. Dezember 2020 den Tierseuchenkrisenfall für Niedersachsen festgestellt

Die aviäre Influenza (AI), die Vogelgrippe, kommt derzeit in Niedersachsen in Wildvogelpopulationen vor, betroffen sind hauptsächlich Wassergeflügel wie Wildenten und Wildgänse, aber auch Raubvögel. Durch den Vogelzug sind in den Niederlanden und in Schleswig-Holstein mehrere Fälle von Vogelgrippe bestätigt worden, in einem Gebiet um Eindhoven sind mehrere größere Nutzgeflügelbeständen gekeult worden oder stehen unter Beobachtung. Bei dem Vogelgrippeerreger handelt es sich wie die Veterinärämter berichten, teilweise um den hochpathogenen Erregertyp H5N8 sowie um H5N5.

Insbesondere Freilandgänse können von der Stallpflicht betroffen sein oder eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Gänse reagieren sehr sensibel auf einen sich veränderten Tagesrythmus. Werden sie nicht in gewohnter Weise morgens ins Freiland gelassen bzw. sind sie während der Weidemast niemals im Stall gewesen, dann kann eine Gans sehr schnell bei Aufstallungspflicht und ungewohnter Umgebung in Panik geraten. Bestenfalls ist die Futteraufnahme gestört, was bis Weihnachten eine verminderte Brustfülle verursacht. Bricht Panik aus, Tiere laufen nur noch im Kreis und es kommt zur Haufenbildung, sind auch hohe Verluste die Folge.

Was bedeutet die Aufstallung für die Tiere?

Für Geflügel mit Auslaufhaltung ist die Aufstallung ein erheblicher Eingriff in die innere Uhr und im gewohnten Tagesablauf. Ein überwiegender Teil von Legehennen ist es gewohnt, nach dem Eierlegen vor allem nachmittags und bei diesigem Wetter den Auslauf zu nutzen. Sind die Auslauföffnungen bei der Stallpflicht geschlossen und der gewohnte Gang ins Freie versperrt, kommt es vor den Auslauföffnungen zu einem starken Andrang von Hennen und sogar zu Erdrückungsverlusten. Dadurch dass sich Hennen im Stall und im Kaltscharrraum nicht mehr aus dem Weg gehen können und auch eine wichtige Verhaltensweise der Beschäftigung nicht vollends ausgefüllt werden kann, kommt es zu Verhaltensstörungen wie Stress, Federpicken bis zum Kannibalismus. Die Geflügelforschung sagt, dass wenn Legehennen z.B. in der Aufzucht Federpicken hatten, kann dieses Verhalten in bestimmten Stresssituationen wie z.B. der Aufstallungspflicht sofort und bevorzugt wieder ausbrechen.

Stressfaktoren müssen minimiert werden!

Stallpflicht bedeutet Stress für Hühner und verantwortungsvolle Tierhalter*innen. Tiere müssen bei Stallpflicht viel öfter beobachtet werden und kleine Abweichungen im Verhalten der Tiere sollten erkannt und behandelt werden. Insbesondere in kleineren Hobbyhaltungen oder in Mobilställen mit geringerem Raumvolumen und ggf. nicht geregelter Lüftung zeigen Hennen Stresssymptome, indem sie sehr nervös, eine höhere Geräuschkulisse produzieren und aus Panik gegen Fensterscheiben und Windschutznetzen fliegen. Stress schwächt das Immunsystem und die Gefahr, dass krankmachende Keime den Organismus angreifen können, ist recht groß. Daher ist in dieser Zeit eine konsequente und verstärkte Stallhygiene sehr zu empfehlen. Dabei sind einige Dinge wichtig:

Ausreichend Futter, bestes hygienisch einwandfreies Tränkewasser, scharrfähige Einstreu, einmal mehr das Kotband abdrehen, viel frische Luft und viel Beschäftigungsmaterial. Vielleicht trägt ein wenig „Mehr“ dazu bei, diese Ausnahmesituation gut zu überstehen.

Notfallplan, wie helfen wir den Tieren?

Bei kleineren oder mobilen Stallungen kann man den Hennen einen zusätzlichen Außenklimabereich zur Verfügung stellen. Dieser zusätzliche Wintergarten kann eine Garage, eine Scheune, ein Foliengewächshaus, ein Mannschaftszelt, ein Pavillon oder auch eine Reithalle sein. Wichtig ist der Schutz vor Wildvögeln und Wildvogelkot und wichtig ist, dass Tiere sich dort beschäftigen.

Wie beschäftigen wir die Hennen bei Aufstallungspflicht?

Das A und O neben einer scharrfähigen Einstreu sind vielschichtige Beschäftigungsmaterialien, die gewechselt werden müssen. Tiere müssen über das Beschäftigungsmaterial ihr arteigenes Pickverhalten und Nahrungssuchverhalten realisieren und abgelenkt werden. Wenn es gelingt, die Hennen über den Lichttag mit Picken zu beschäftigen, werden Stresssymptome gemildert und Verhaltensauffälligkeiten wie auch Panik reduziert. In der untenstehenden Tabelle sind einige wichtige Beschäftigungsmaterialien aufgeführt.

Tablle 1: Beschäftigungsmaterialien

Futtermöhren, rohe Kartoffeln, Rüben, Kürbis

Regelmäßig nachlegen, die ersten Kartoffeln zerdrücken, Rüben, Kürbis halbieren

Geringer Nährwert, Aufhängen in Drahtkörben

Maissilage

 10 g – 30 g je Tier und Tag, kleine Mahlzeiten, frisch verfüttern, nicht schimmeln lassen

Hafer Gerste, Sonnenblumenkerne

Werden nach Gewöhnung gerne gefressen, Gewöhnung durch Ankeimen

Keimgetreide

Powerfood, 24 h quellen lassen, Wasser abgießen und an einen warmen Ort 24 h ankeimen lassen

Altbrot: getrocknete Brotreste/Brötchen

Altbrot organisieren, muss trocken sein oder sofort frisch verfüttern, nicht sauer oder mit Schimmelbildung verfüttern

Pickschalen, Picksteine, KG-Rohr mit Löchern

sofort ersetzen, wenn verbraucht, durch die Löcher werden Körner herausgepickt

Strohballen,

kleine Hochdruckballen in den Stall/Kaltscharrraum stellen

Luzerneballen

Käuflich zu erwerben, bei Öko Bioqualität beachten, 1 Ballen je 500 Tiere, im Netz anbieten

Pflanzenmargarine

Discounter leer kaufen, Deckel aufreißen und verfüttern, wirkt schnell bei beginnendem Kannibalismus

Wassermenge erhöhen, Salz dazu geben

Die im Wintergarten befindlichen Rundtränken aktivieren, 1 g Salz je Liter Wasser vermengen, das erhöht die Wasseraufnahme, Tiere werden ruhiger

Vitamin B-Komplex

Einige B-Vitamine wirken beruhigend und stoffwechselfördernd.

 

**Update (05.01.2021)**

Neue Geflügelpest-Allgemeinverfügung im Landkreis Cloppenburg ab 06.01.2021 in Kraft

Der Landkreis Cloppenburg, Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung gibt bekannt, dass in der Gemeinde Garrel am 30.12.2020, am 02.01.2021 und am 03.01.2021 insgesamt vier Ausbrüche der hochpathogenen aviären Influenza in Nutzgeflügelbeständen, vornehmlich Puten, amtlich festgestellt wurde. Um die Betriebe mit positivem Virusnachweis werden ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet festgelegt. Als Sperrgebiet wird das Geflügel um die Seuchenbestände mit einem Radius von mindestens 3 km festgelegt. Um den Sperrbezirk wird ein weiterer Radius von mindestens 10 km um die Seuchenbestände ein Beobachtungsgebiet festgelegt. In sämtlichen Sperrbezirken und im gesamten Beobachtungsgebiet ist die Teilausstallung von Nutzgeflügel untersagt. Das sog. Vorweggreifen von Masthühnern kann notwendig werden, um den Tieren mehr Fläche einzuräumen. Aufgrund der derzeitigen Seuchenlage ist es aber notwendig, den Zugang zu Mastbetrieben zu beschränken und die Ausbreitung des hochpathogenen Erregers somit zu verhindern. Wer Geflügel hält, hat das Geflügel gemäß § 21 Abs. 2 der Geflügelpest-Verordnung in geschlossenen Ställen oder unter einer Schutzvorrichtung zu halten. Zusätzliche Einzelheiten des aktuellen Seuchengeschehen können über die Veröffentlichung des Landkreises Cloppenburg und den Veröffentlichungen des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes abgerufen werden.  

Der Landkreis Cloppenburg teilt mit, dass es in der Gemeinde Garrel zwei neue Verdachtsfälle auf die hochpathogene Variante der Aviären Influenza des Typs H5 gibt. Betroffen ist eine Putenhaltung mit rd. 13.300 Hähnen und 13.300 Hennen, die ca. 9 Wochen alt sind sowie erstmalig eine Mastentenhaltung mit rd. 17.000 Tieren, die 35 Tage alt sind. Die Tötung der Tierbestände wurde angeordnet. Beide Geflügelhaltungen liegen in dem bestehenden Sperrbezirk, so dass sich kaum Veränderungen ergeben. Der Landkreis Cloppenburg hat dazu eine Tierseuchenbehördliche Allgemeinverfügung für die Festlegung der Restriktionsgebiete vorbereitet. Durch die betroffene Entenhaltung wird die Allgemeinverfügung für das Wiedereinstallungsverbotsgebiet in den Gemeinden Emstek, Garrel, Bösel und Friesoythe sowie für die Bereiche der Stadt Cloppenburg und Stadt Friesoythe geändert. Danach dürfen in diesem Bereich neben Puten nunmehr keine Enten eingestallt werden. Beide Allgemeinverfügungen werden am 06.01.2021 veröffentlicht und treten am 07.01.2021 um 0.00 Uhr in Kraft. 

Der Landkreis Oldenburg teilt mit, dass es in der Gemeinde Wardenburg, Ortsteil Westerburg, einen Verdachtsfall auf die hochpathogene Aviäre Influenza des Typs H5 in einer Putenhaltung gibt. Betroffen ist ein Mastputenbestand mit rd. 14.000 Hähnen, die ca. 21 Wochen alt sind. Der Betrieb liegt bereits im Anschluss-Beobachtungsgebiet zum Landkreis Cloppenburg. Die Tötung des Tierbestandes wurde angeordnet. Um die betroffene Geflügelhaltung wird ein Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens 3 km und ein Beobachtungsgebiet mit einem Radius von mindestens 10 km eingerichtet.

 

**Update (08.01.2021)**

Im Landkreis Cloppenburg, in der Gemeinde Garrel, gibt es erneut zwei weitere Verdachtsfälle der hochpathogenen Aviären Influenza in zwei Mastputenanlagen. Bei dem ersten Bestand handelt es sich um rd. 14.000 Putenhähne, die ca. 7 Wochen alt sind. Auf dem zweiten Betrieb stehen rd. 9.000 Putenhähne, die ca. 9 Wochen alt sind. Die Bestätigung des FLI über den Serotyp liegt noch nicht vor. Die Betriebe liegen innerhalb des bestehenden Garreler Sperrbezirks. Die Tötung und Räumung der Tierbestände wurde angeordnet. 

Der Landkreis Oldenburg hat gestern die Tierseuchenbehördliche Allgemeinverfügung für den HPAI H5N8-Ausbruch vom 05.01.2021 veröffentlicht, die heute um 0.00 Uhr in Kraft getreten ist. Der betroffene Putenbestand in Westerburg, Gemeinde Wardenburg, mit 14.000 Tieren wurde bereits geräumt.

**Update (12.01.2021)**

Im Landkreis Cloppenburg in der Gemeinde Lastrup wurde ein neuer Verdachtsfall der hochpathogenen aviären Influenza bestätigt. Das LVI-Landeslabor hat das AI H5-Virus in einer Mastputenhaltung bestätigt. Bei dem Bestand handelt es sich um rd. 9.200 Putenhähne, die ca. 20 Wochen alt sind. Die Bestätigung des FLI über den Serotyp liegt noch nicht vor. Der Verdachtsbetrieb liegt außerhalb der bisher bestehenden Restriktionsgebiete. Um den Verdachtsbetrieb wird ein Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens 3-km und ein Beobachtungsgebiet mit einem Radius von mindestens 10 km eingerichtet. Das neue Beobachtungsgebiet schließt sich an das bestehende Beobachtungsgebiet im Bereich der Stadt Cloppenburg und der Gemeinde Molbergen an. Die Tötung und Räumung des Tierbestandes wurde angeordnet.

Das FLI hat den AI-Ausbruch vom Samstag mit rd. 14.000 Putenhähnen bestätigt. Es handelt sich wiederum um die hochpathogene Variante des Serotyps H5N8. Daraufhin hat der Landkreis Cloppenburg heute eine Allgemeinverfügung für das Restriktionsgebiet westlich von Garrel veröffentlicht sowie die Verlängerung der Allgemeinverfügung zum Verbot der Wiedereinstallung für Puten und Enten in den Gemeinden Emstek, Garrel, Bösel sowie für die Stadt Cloppenburg und die Stadt-Gemeinden Friesoythe um weitere 30 Tage. Die Allgemeinverfügungen treten am 13.01.2021 um 0.00 Uhr in Kraft.

Ferner hat uns der Landkreis Cloppenburg mitgeteilt, dass um den neuen AI-Verdachtsbestand in der Gemeinde Lastrup das Wiedereinstallungsverbotsgebiet für Puten und Enten erweitert wird auf die Gemeinden Cappeln, Essen, Lastrup, Lindern, Molbergen und den Stadtbereich Löningen.

Der Landkreis Cloppenburg hat um den Erstausbruch in Kellerhöhe, Stadt Cloppenburg, die Aufhebungsuntersuchungen für den Sperrbezirk abgeschlossen. Alle Ergebnisse sind AI-negativ. Dadurch kann im südlichen Bereich des Sperrbezirks (südlich der Bundesstraße 213) ein Teilbereich des Sperrbezirks aufgehoben werden und geht in das bestehende Beobachtungsgebiet über.

Die Allgemeinverfügungen für die neuen Restriktionsgebiete in der Gemeinde Lastrup, die Erweiterung des Wiedereinstallungsverbotsgebiets und die Aufhebung des Sperrbezirks für den Erstausbruch in Cloppenburg-Kellerhöhe werden morgen veröffentlicht und treten am 14.01.2021 um 0.00 Uhr in Kraft.

Bitte beachten Sie die online gestellten Hinweise, Allgemeinverfügungen und Anträge der betroffenen Landkreise Cloppenburg, Oldenburg, Diepholz und den vom neuen Beobachtungsgebiet betroffenen Landkreis Emsland zur Verbringung von Geflügel. Der Landkreis Emsland wird ein Anschlussbeobachtungsgebiet zum Cloppenburger Beobachtungsgebiet einrichten. Die interaktiven Karten mit den Restriktionsgebieten in den Landkreisen Cloppenburg, Oldenburg und in Kürze Emsland werden mit jeder neuen Allgemeinverfügung aktualisiert.

 

 

 

Mehr zum Thema:

Die hochansteckende Geflügelpest hat Niedersachsen erreicht: Aufstallungspflicht in der Mobilstallhaltung

Biosicherheit wichtiger denn je im Geflügelbestand


Kontakt:
Dr. Peter Hiller
Fachreferent Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-696
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Silke Schierhold
Beraterin Geflügelhaltung
Telefon: 0441 801-695
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 12.01.2021