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Rindermäster on Tour

Nach mehrjähriger Pause hatten Bullenmäster aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wieder die Möglichkeit an einer durch Ernst-August Wesemann aus Hille organisierten Exkursion nach Süddeutschland teilzunehmen.

Zunächst ging es in die Nähe von Bad Hersfeld, wo auf dem Betrieb Berlet Fresseraufzucht, mit vorwiegend Braunvieh, im neuen Offenstall mit Stroheinstreu und Automatenfütterung betrieben wird. Der engagierte Betriebsleiter hat sich über viele Details Gedanken gemacht und konnte seine Philosophie gut vermitteln. Ein Teil der Bullen (Braunvieh) wird selbst gemästet. Dies erfolgt einerseits in Altgebäuden, wobei für die Bullen zusätzlich Liegefläche geschaffen wurde, indem benachbarte Buchten ohne Fressplatzzugang dazu genommen wurden. Teilweise wurde in den Altgebäuden eine Schlauchlüftung mit PVC-Rohren in Eigenbau installiert. Im neuen, hellen und luftigen Bullenstall mit Jalousien und Lichtfirst sind die Buchten auf einer Seite zu 100% mit Gummimatten ausgelegt und bei den jüngeren Bullen auf der anderen Seite zur Hälfte. Laut Betriebsleiter seien die Tiere auf der vollausgelegten Fläche weitaus aktiver, da sie keine Scheu hätten, zu fallen. Dadurch – und auch aufgrund des hier höheren Gewichtes- hätte es Probleme mit der Befestigung gegeben. Grundsätzlich sieht er die Matten positiv, favorisiert aber nur die teilweise Auslegung und die vordere Lauffläche nur auf Betonspalten. Die Tiere sahen sehr sauber aus. In den seitlichen Gittern sind wechselnd eine Schalentränke oder eine Nuckeltränke mit zwei Zapfen in unterschiedlicher Höhe angebracht. Der Betrieb hat relativ viel Dauergrünland und somit beträgt der Grassilageanteil zwischen ca. 26% (Mittelmast) bis 37 % (Endmast) in der Grundfutterration. Es wird ausschließlich Ballensilage gemacht.

Weiter ging es zum Betrieb Bacherler im Raum Regensburg mit 420 Fresseraufzuchtplätzen in zwei neuen Außenklimaställen. In Bayern werden derzeit Strohställe mit Außenklima, auch in der Fresseraufzucht, gefördert. Bei 2,8 m² Platz bis 6 Monaten lag die Förderung bei 35 %. Der einseitig konzipierte Stall mit fester Fläche am Futtertisch und tieferem hinteren Strohbereich wurde an der offenen Seite des Futtertisches doch mit Jalousien nachgerüstet, da es zeitweilig zu windig wurde und es in dieser Region im Winter sehr kalt werden kann.  Die sehr sauber aussehenden Kälber wurden an Automaten getränkt. Auch hier waren interessante Details zu sehen.

Anschließend ging es zur sehr interessanten Besichtigung eines Hopfenhofes in der Hallertau mit leckerem Hopfenvesper. Der Hopfenanbau ist harte Arbeit und die Betriebe werden weniger; die zu bewirtschaftenden Flächen pro Betrieb aber immer größer. Am nächsten Tag war zunächst die Mangfalltaler-Jungbullen-Erzeugergemeinschaft w.V. in Kirchheim bei München das Ziel. Hier werden ca. 24.000 schwere Qualitäts-Fresser (220-240kg) aus Oberbayern von den Mitgliedern erzeugt und zu je 50% über die Auktion oder die Betriebe direkt vermarktet. Der Auktionsort dient hier vor allem der Preisfindung. Von der hervorragenden Qualität der Fresser konnten wir uns noch in den Ställen überzeugen und bei Weißwurst und Hopfengetränk wurde diskutiert.

Einer der großen Fresseraufzüchter in der Erzeugergemeinschaft war der anschließend besichtigte Betrieb Hupfer bei Erding. Schon früh wurde hier auf Fresseraufzucht mit Fleckvieh in großem Stile  gesetzt. Dadurch können auch größere Mäster in einheitlichen Partien bedient werden. Wie in Bayern üblich, findet hier die Aufzucht der Fresser in Warmställen mit Unterflurlüftung statt, auf Vollspalten mit Gummimatten und mit Nuckel-Eimertränke. Ein Teil der Bullen wird selbst in einem sehr lichten und luftigen Stall auf Vollspalten gemästet. Der Betrieb mit Lohnunternehmen bestach durch seine Größe, aber auch die gesamte Ordnung und Sauberkeit.

In der Nähe von Regensburg wurde in Hemau ein weiterer Betrieb mit Fresseraufzucht im Warmstall besichtigt. Auf dem Betrieb der Familie Zillig werden ebenfalls Fresser (Fleckvieh) erzeugt, sowie Bullenmast betrieben. Der Junior und die Berater des LKV Bayern (FER Oberfranken) favorisierten klar die Aufzucht im Warmstall mit Gummimatten. Hier war eine TMR-Futtermischanlage der Firma Siemer mit Futterverteilwagen im Einsatz. Der Verkauf der Fresser erfolgt direkt an die Mäster in der Umgebung, sodass kurze Transportwege eingehalten werden.

Beeindruckt waren die Teilnehmer von den für norddeutsche Verhältnisse doch hohen Baukosten in den besichtigten Betrieben und manch einer stellte sich die Frage, wie dies ökonomisch machbar ist.

Den Abschluss der wieder sehr informativen Fahrt bildete die Besichtigung der Dörr AGRAR in Thüringen. Wenn hier auch keine Bullen zu besichtigen waren, so konnte Andreas Dörr sehr anschaulich und offen die völlig andere Betriebssituation und die Problematik eines großen Ackerbaubetriebes in Ostdeutschland, insbesondere bei Pacht- und Kaufflächen, darstellen. Hier werden heute schon modernste Technik und Precision-Farming-Systeme eingesetzt und auf der anderen Seite auch große Naturschutzflächen gepflegt.


Kontakt:
Heidi Meine-Schwenker
Rindermast, Tierschutz Rind, Tiertransporte, Leistungs- und Qualitätsprüfung Milch
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Stand: 19.07.2018