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Saubere Kühe für gesunde Euter

Störungen der Eutergesundheit können für Milcherzeuger zu einem erheblichen Kostenfaktor werden. Dabei können die finanziellen Verluste je nach Grad der Erkrankung in einer Größenordnung von 200 € bis über 500 € je Kuh und Laktation liegen. Auch als Grund für ungewollte Abgänge von Kühen haben Eutererkrankungen in der Praxis eine große Bedeutung. So wurden allein in den niedersächsischen MLP-Betrieben im letzten Jahr rund 36.000 Kühe wegen Euterproblemen vorzeitig gemerzt.  

Euterentzündungen werden in erster Linie durch das Eindringen von Bakterien über den Strichkanal in das Euter verursacht. Zur Entstehung einer Mastitis müssen aber zusätzlich andere nachteilige Faktoren beim Tier selbst (z. B. reduzierte Abwehrbereitschaft, andere Erkrankungen, Genetik) oder in der Umwelt vorhanden sein, die das Auftreten einer Eutererkrankung begünstigen. Hierzu gehören insbesondere Unzulänglichkeiten in der Haltung, bei der Hygiene, der Fütterung, dem Management oder bei der Melkarbeit. Dabei stellt sich die Frage, welchen Einfluss unterschiedliche Grade der Sauberkeit bei den Kühen auf die ihre Eutergesundheit haben.     

Daten aus Praxisbetrieben

Um eine Antwort auf diese Fragestellung zu bekommen, wurden in einer Praxiserhebung der Hochschule Osnabrück auf Initiative der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in 20 Milchviehbetrieben Daten zur Sauberkeit von Deutschen Holstein-Kühen erfasst. Die mittlere Herdengröße in diesen Betrieben betrug gut 133 Kühe. Das Milchleistungsniveau lag im Jahresdurchschnitt bei 10.270 kg Milch je Kuh und Jahr mit einer durchschnittlichen Zellzahl von 186.000. Bereits das hohe Leistungsniveau deutet darauf hin, dass das Fütterungs- und Managementniveau in den ausgewählten Betrieben überdurchschnittlich gut war. Und auch der niedrige Zellzahlwert zeigt, dass die Eutergesundheit in den Herden deutlich besser war als im Durchschnitt der Milchviehbetriebe in Niedersachsen.

In einer zufälligen Stichprobe wurden in den Betrieben insgesamt 335 laktierende Kühe hinsichtlich der Sauberkeit in verschiedenen Körperpartien bewertet. Diese Bewertung erfolgte nach der „Hygiene Scoring Card“ von Cook und Reinemann (1996), wobei eine Unterteilung nach vier Sauberkeitsklassen von 1 bis 4 (sehr sauber, sauber, verschmutzt, stark verschmutzt) erfolgte. Bewertet wurde bei den Kühen jeweils die Sauberkeit des Euters, der Flanke und des Unterbeins. Als Indikator für die Eutergesundheit wurden für alle bewerteten Kühe die aktuellen Zellzahlen aus der Milchkontrolle erfasst.

Den Sauberkeitsbewertungen der Einzelkühe wurden die Zellzahlergebnisse aus der aktuellen Milchkontrolle zugeordnet und daraus Mittelwerte für die einzelnen Klassen gebildet. Anzumerken ist, dass bei der Bewertung der Sauberkeit des Euters keine stark verschmutzten Tiere (Klasse 4) angetroffen wurden. Da bei den Merkmalen Flanke und Unterbein in den Sauberkeitsklassen 1 (sehr sauber) und 4 (stark verschmutzt) nur eine relativ kleine Anzahl Tiere vertreten war, wurden die Klassen 1 + 2 sowie 3 + 4 in der Darstellung für diese beiden Merkmale zusammengefasst.

Sauberkeit beeinflusst Zellzahl

Wegen der begrenzten Tierzahl und der ungleichmäßigen Verteilung auf die einzelnen Sauberkeitsklassen ließen sich die Differenzen zwischen den Zellzahlen in der Untersuchung statistisch nicht absichern. Dennoch zeigen die absoluten Zahlen (s. Tabelle), dass eine deutlich gerichtete Beziehung zwischen der Sauberkeit der Tiere der verschiedenen Körperpartien und der Höhe der aktuellen Zellzahlen besteht. Am deutlichsten ist dies beim Euter festzustellen, wo sich der Zellzahlwert bei den als sehr sauber (Æ 160.570 Zellen) bzw. sauber bewerteten Eutern (Ø 204.210 Zellen) sehr deutlich auf 446.100 Zellen bei Kühen mit verschmutzten Eutern erhöht. Dies entspricht einer Erhöhung der Zellzahlwerte bei den verschmutzten Kühen im Vergleich zu den beiden anderen Kuhgruppen um etwa das 2,8-fache bzw. 2,2-fache.

Auch im Bereich der Flanke erhöhen sich Zellzahlen bei den verschmutzten im Vergleich zu den sauberen Kühen deutlich und zwar im Mittel um rund 100.000. Beim Unterbein war eine Differenz in den Zellzahlen bei sauberen oder verschmutzen Tieren mit rund 28.000 Zellen feststellbar, also eher im niedrigen Bereich. Dies lässt den Schluss zu, dass das Unterbein zur Bewertung der Sauberkeit der Kühe und dessen Einfluss auf die Eutergesundheit weniger gut geeignet ist.

Ermittelt wurde auch, wie sich die Sauberkeit von Euter und Flanke auf den Anteil an Kühen mit sehr hohen Zellen ≥ 400.000 auswirkt. Die Darstellung in der Abbildung zeigt, dass es bei den Sauberkeitsklassen beim Euter und der Flanke mit zunehmender Verschmutzung jeweils fast zu einer Verdoppelung des Anteils Kühen mit sehr hohen Zellen kommt. Bei verschmutzten Kühen ist das Risiko für das Auftreten von subklinischen und sogar klinischen Euterentzündungen damit deutlich erhöht. Im Bereich des Unterbeins lag die absolute Differenz beim Anteil an Kühen mit hohen Zellzahlwerten zwischen den sauberen und verschmutzten Kühen lediglich bei 2,6 %, was die vorherige Aussage zur eher geringen Eignung dieses Merkmals noch einmal unterstreicht. Daher wurde auf eine grafische Darstellung verzichtet.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass saubere Kühe in der Milchkontrolle deutlich niedrigere Zellzahlwerte erreichen. Gleichzeitig erhöht sich mit zunehmender Verschmutzung der Anteil Kühe mit sehr hohen Zellzahlwerten deutlich. Damit steigt das Risiko, dass bei solchen Tieren akute Probleme mit der Eutergesundheit auftreten.

Wegen der vielfältigen Einflussfaktoren ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass es auch bei sauberen Kühen zu Euterentzündungen kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist bei sauberen Kühen aber deutlich verringert. Ziel muss es daher im Praxisbetrieb sein, negative Einflussfaktoren, die eine stärkere Verschmutzung der Tiere begünstigen, möglichst zu vermeiden.

Empfehlungen für saubere Kühe  

Wie lässt sich nun die Sauberkeit der Kühe in der Praxis optimieren? Wichtigster Bereich, wenn es darum geht, die Kühe sauber zu halten, ist die Hygiene in der Liegebox. Hier liegen die Tiere unter günstigen Bedingungen täglich 11 - 13 Stunden und das Euter hat dabei ständigen Kon takt zur Liegefläche. Liegeboxen sollen daher generell möglichst sauber und trocken gehalten werden. So kann eine Verschmutzung des Euters und damit auch die Belastung z. B. mit pathogenen Umweltkeimen (E. Coli, Str. uberis), die Ursache für Euterentzündungen sein können, nachhaltig verringert werden. Um die Feuchtigkeit in den Liegeboxen zu binden, die zusammen mit organischer Einstreu gute Wachstumsbedingungen für alle möglichen Bakterien schafft, ist das Einstreuen der Boxen mit saugfähigen Materialien wie z. B. Häckselstroh oder trockenen Sägespänen absolut notwendig. Befindet sich genügend saubere Einstreu in den Liegeboxen, bleiben die Kühe sauber und gleichzeitig verbessert sich auch der Liegekomfort. Unabhängig von der Boxenform (Hoch- oder Tiefbox) müssen die Liegeboxen zweimal täglich gereinigt und bei Bedarf muss sauberes Einstreumaterial nachgestreut werden. 

Einen deutlichen Einfluss auf die Sauberkeit der Tiere hat auch die Größe der Liegeboxen in Länge und Breite. Gerade in älteren Ställe steht den über die Jahre deutlich größer gewordenen Kühen eher zu wenig Platz zum Liegen zur Verfügung. Wenn dann auch das Nackenrohr, die Bugschwelle oder die seitlichen Bügelhöhe nicht optimal eingestellt sind, liegen größere Tiere vermehrt schräg in der Liegebox und koten dann häufig rechts- oder linksseitig im hinteren Bereich ab. Auch wenn die Kühe z. B. durch ein zu niedrig platziertes Nackenrohr beim Abliegen oder Aufstehen behindert werden, wird vermehrt Kot im Liegebereich abgesetzt. Damit erhöht sich das Risiko einer Euterverschmutzung und damit die Gefahr einer Euterinfektion. Dennoch ist es nicht sinnvoll, dass alle Liegeboxen im Stall frei von Kothaufen sind. Denn die Kühe einer Herde sind immer unterschiedlich groß, so dass Kothaufen in etwa 15 % der Liegeboxen als normal anzusehen sind und auch toleriert werden müssen.  

Auch schlecht gereinigte Laufflächen können bei den Kühen zu stärkeren Verschmutzungen im Euter- und Flankenbereich führen. Problematisch sind dreckige Laufgänge deshalb, weil die Kühe den Liegebereich mit Kot behafteten, nassen Klauen betreten und dieser so zwangsläufig verschmutzt wird. Daher ist dringend zu empfehlen, die Laufgänge in Kuhställen regelmäßig zu reinigen. Leider wird die Reinigung per Hand in der Praxis meistens weniger konsequent durchgeführt wird oder unterbleibt auch ganz. Daher sind stationäre Abschiebeeinrichtungen auch bei Spaltenböden bzw. automatische Spaltenreiniger aus Sicht der Euter- aber auch der Klauengesundheit eine sehr sinnvolle Investition. Gleichzeitig kommt es zu einer nennenswerten Zeitersparnis für die Reinigung der Laufgänge, die nicht zu unterschätzen ist. Abgeschoben werden sollten die Laufgänge bei Spaltenböden mindesten viermal täglich, bei planbefestigten Böden durchaus auch häufiger. Die Sauberkeit der Kühe gibt dabei Hinweise darauf, ob die Abschiebefrequenz ausreicht oder noch erhöht werden muss.

Eine wichtige Hygienemaßnahme ist auch das Scheren des Euters, da es bei langen Haaren im Euterbereich deutlich häufiger zu Verschmutzungen kommt. Alternativ ist auch ein Abflammen der Euterhaare mit einer „kalten Flamme“ möglich, was sich insbesondere in größeren Milchviehbetrieben immer mehr durchsetzt. Vom Zeitaufwand dauert das Abflammen der Euterhaare pro Kuh nur wenige Sekunden, diese Arbeit muss dafür aber mehrmals pro Jahr wiederholt werden.  

 


Kontakt:
Dr. Jakob Groenewold
Fachreferent Rinderhaltung
Telefon: 0441 801-471
Telefax: 0441 801-634
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Stand: 06.02.2019