Webcode: 01034424

Auktionsbericht Wirtschaftsrassen 2018

Erneut starkes Interesse an Ostfriesischen Milchschafen

Der Landesschafzuchtverband Weser-Ems veranstaltete Schafauktionen für Milchschafe und Fleischschafrassen in Cloppenburg und Rodenkirchen. Besonders gefragt waren in diesem Jahr Ostfriesische Milchschafe sowie gut bemuskelte Fleischschafböcke.

Insgesamt wurden mehr Böcke als im Vorjahr aufgetrieben und mehr verkauft. Interesse aus dem Ausland gab es an den Rassen Milchschaf, Texel, Suffolk, Schwarzkopf und Charollais.  Alle Verkaufstiere wurden vorab hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für Scrapie genotypisiert.  Es durften nur Böcke und weibliche Tiere mit dem Genotyp ARR/ARR (Genotypklasse 1) aufgetrieben werden.  Alle Verkaufstiere wurden als Jungbock gewogen so dass die Gewichtsentwicklung am Auktionstag bekannt ist und für die Fleischleistung bei der Zuchtwertschätzung berücksichtigt wird. Der Schafzuchtverband unterstützt seine Züchter beim Aufbau scrapieresistenter Zuchtbestände und gewährt einen Zuschuss zur Genotypisierung weiblicher Jungschafe. Damit soll erreicht werden, dass möglichst nur noch Jungschafe mit dem gewünschten Genotyp ARR/ARR für die Nachzucht berücksichtigt werden und weitere Betriebe die Anerkennung als scrapieresistenter Zuchttierbestand erreichen können. In den vergangenen Jahren wurden mehr als 60 niedersächsische Zuchtbetriebe von der LWK Niedersachsen als scrapieresistent anerkannt. Die Adressen sind im Bundesanzeiger veröffentlicht. Zuchttiere aus diesen Beständen können in andere EU-Länder verbracht werden ohne dass sie selber genotypisiert werden.

Größte niedersächsische Auktion in Cloppenburg

Die erste große Körung und Schafauktion fand in der Münsterlandhalle in Cloppenburg statt. Schon vorher zeichnete sich ab, dass ausländische Interessenten aus Israel, Slowenien, Niederlande und Polen anreisen und mitbieten wollten.  Michael Gertenbach, Schafzuchtberater der LWK, und der Züchter Dr. Helmut Melbaum standen den Interessenten beratend zur Seite.  Dabei ging es nicht nur um den Kauf, sondern auch um die Erfüllung der veterinärrechtlichen Anforderungen bis hin zur Verladung der Exporttiere.

Angemeldet waren 138 Zuchttiere (Vorjahr: 125), überwiegend Milchschafe und Texel, elf Lammböcke der französischen Fleischschafrassen Charollais und Berrichon du Cher und erstmals zwei Dorperböcke. Aufgetrieben wurden nur Tiere aus maedi-unverdächtigen Beständen. Alle Milchschafböcke und einzelne Texelböcke wurden zudem vorab auf Brucellose Ovis untersucht und mit Exportattesten ausgestattet. Der Aufwand hat sich für die Milchschafzüchter wieder gelohnt, denn es wurden insgesamt 22 Zuchtböcke an ausländische Käufer zugeschlagen und z.T. noch am Auktionstag verladen.

Bei den Milchschafen war die Nachfrage größer als das Angebot. Von 51 angebotenen Milchschaflammböcken wurden 49 zu einem Durchschnittspreis von 620 Euro verkauft (Vorjahr: 42 Böcke für 652 Euro). Lediglich zwei leichte schwarze Jungböcke fanden keinen neuen Besitzer. Den Höchstpreis von 1.400 Euro bot ein Züchter aus Ostfriesland für den mit dem Ic-Preis ausgezeichneten Jungbock aus der Zucht von Meyer-Behrends, Wittmund. Der Bock hatte zuvor bei der Körung die Höchstnote 9 für das Merkmal „Äußere Erscheinung, Exterieur“ bekommen. Diese Note wurde insgesamt nur zweimal vergeben. Der zweite Bock mit der Höchstnote im Exterieur wurde Klassensieger und Reservesieger der Veranstaltung. Sein Züchter, Winterhalter aus Großefehn wurde mit einer silbernen Medaille des Bundesverbandes ausgezeichnet.  Die höchste Auszeichnung, eine silberne Plakette des nds. Landwirtschaftsministeriums, bekam der Zuchtbetrieb Lindeburg, Großefehn für den Siegerbock. Die beiden weiteren Klassensieger kamen von Schröder aus Moordorf. Seine beiden Lammböcke wogen 86 und 71 kg, waren sehr gut bemuskelt und zählten zu den schwersten Tieren bei den Milchschafen. Bei der Auswahl der Siegertböcke entschied sich der Preisrichter Schmidt aus Berne für die etwas edleren und leichteren Tiere der Züchter Lindeburg und Winterhalter. Eine eigens aus Israel angereiste vierköpfige Delegation ersteigerte in Cloppenburg 15 weiße Zuchtböcke und 4 Jungschafe. Am Folgetag wurden 27 weitere Böcke in Ostfriesland selektiert und für den Export nach Israel vorbereitet.

Insgesamt acht schwarze Lammböcke wurden in Zuchtwertklasse I gekört. Hier setzte sich ein schicker Bock aus der Zucht von Ahrends, Eggelingen durch. Die Züchterin erhielt eine Stallplakkette vom Schafzuchtverband. Sechs schwarze Böcke fanden in Cloppenburg neue Besitzer. Einige Züchter hatten gut bewertete weibliche Jungschafe zum Verkauf gemeldet. 10 Mutterlämmer konnten für durchschnittlich 390 Euro (Vorjahr: 310Euro) abgesetzt werden. Das Siegerlamm kam aus dem bekannten Stall von Schröder, Moordorf und erzielte den Höchstpreis von1.100 Euro. Auf die Nachzucht aus dem mit den Noten 7/9/9 für die Merkmale Wolle/Bemuskelung/Exterieur bewerteten Tier darf man gespannt sein.

Neben den Milchschafen wurden 52 Texelböcke (Vorjahr: 44), 7 Charollaisböcke, 2 Dorperböcke und 4 Böcke der Rasse Berrichon du Cher zum Verkauf angeboten. Der Auftrieb wurde in den letzten Jahren stark erweitert und das große Angebot lockte Interessenten aus zahlreichen Bundesländern nach Cloppenburg. Alle Jungböcke waren im Alter von 80 – 120 Lebenstagen im Rahmen einer Feldprüfung gewogen und selektiert worden. Dabei wurden per Ultraschall auch die Muskeldicke und die Fettauflage gemessen. Die gemessenen Werte fließen in eine bundesweite Zuchtwertschätzung für derzeit 25 Schafrassen ein. Kaufinteressenten konnten also gezielt züchterisch wertvolle Tiere auswählen. Die Texeljährlinge/ Lammböcke kosteten durchschnittlich 556/440 Euro. Lediglich 10 jüngere Lammböcke fanden an dem Tag keinen neuen Besitzer.  Die Lammböcke wurden in sechs Altersklassen eingeteilt und rangiert. Einige Züchter hatten insgesamt sechs Lammböcke im April geschoren. In dieser Gruppe präsentierte sich ein Jungbock von Jacobsen aus Volkensen am besten. Weitere Klassensieger stellten die Züchter Zießow aus Delmenhorst (zwei), Fettköter, Westerwalsede, Bremer aus Balge und Behrens-Heuer aus Böckelse. Zum Siegerbock erklärte der Preisrichter Fischer, Schleswig-Holstein, einen sehr harmonischen und stark bemuskelten Bock von Zießow.  Der Züchter Zießow hatte auch den besten Jährlingsbock dieser Rasse und erhielt als Auszeichnung die silberne Plakette des Landwirtschaftsministeriums und eine Plakette des Bundesverbandes. Bremer freute sich über die silberne Preismünze der LWK für den Reservesieger.  Das beste Jungschaf bei den Texeln hatte Wilke, Heeslingen. Vier verkaufte Jungschafe erzielten im Schnitt 263 Euro Die sieben aufgetriebenen Chrollais-Lammböcke kosteten durchschnittlich 536 Euro. Auch die beiden von Früchtenicht, Langwedel, vorgestellten Dorper-Jungschafe fanden einen neuen Besitzer. Zwei der vier angemeldeten Berrichon-Böcke von Düvel, Elvershauusen wurden für durchschnittlich 750 Euro zugeschlagen. Bei der Kaufentscheidung wurde bislang vor allem das Gewicht und die Bemuskelungsnote berücksichtigt. Heute schauen die Kaufinteressenten vermehrt auf die tägliche Zunahme und auch auf die bei der Ultraschallmessung festgestellten Werte zur Rückenmuskeldicke und Verfettung. Erst allmählich werden auch die für die einzelnen Merkmale errechneten Zuchtwerte, die neben den eigenen auch sämtliche Verwandteninformationen berücksichtigen, stärker beachtet.

Auktion für Fleischschafrassen in Rodenkirchen

Der Landes-Schafzuchtverband Weser-Ems und der Stader Schafzuchtverband sind mit dem Auktionsverlauf in Rodenkirchen im Gegensatz zum Vorjahr zufrieden. Insgesamt wurden 123 Zuchttiere angeboten und 94 Tiere verkauft. Der Auftrieb war allerdings um 16 Tiere geringer als 2017.  Die Ausstellung der prächtigen Zuchtböcke, die nordwestdeutsche Spinnmeisterschaft und das vielfältige Rahmenprogramm rund ums Schaf lockten wieder viele Besucher an und auch das Wetter spielte mit. Aufgrund der langen Trockenheit im Sommer überwog die Freude über die kleinen Regenschauer am Vormittag. Auch der Wollhändler war mit der Anlieferungsmenge zufrieden. Allerdings war der Auszahlungspreis für ein kg Schweißwolle deutlich geringer als im Vorjahr.

Mit 537 Euro erzielten die 24 verkauften Jährlingsböcke der Rasse Suffolk den höchsten Durchschnittspreis der Auktion Rodenkirchen. Leider fanden 10 gute Jährlingsböcke dieser Rasse keinen neuen Besitzer. Offensichtlich war das Angebot hier zu groß und einige treue Kunden fehlten.  Die 34 in Zuchtwertklasse I gekörten Jährlinge wurden in 4 Altersklassen rangiert. Zwei Klassensieger kamen aus der Zucht von Dreyer, Jade und jeweils einer von Rüdebusch und Onken, beide Stadland. Siegerbock wurde schließlich das älteste und mit 137 kg auch schwerste Tier aus der Zucht von Dreyer. Ein Halbbruder von diesem korrekten und mit Höchstnoten gekörten Bock war im Frühjahr auf der Eliteauktion in Bayern sogar Bundessieger geworden. Die Züchterin wurde mit der silbernen Plakette des Landwirtschaftsministeriums geehrt.  Reservesieger wurde ein typvoller Bock von Rüdebusch. Beide Tiere erzielten mit 1.150/800Euro Höchstpreise bei der Auktion. Alle zehn angebotenen Suffolk-Lammböcke konnten im Ring zu einem guten Durchschnittspreis von 457 Euro verkauft werden. Fass aus Wilhelmshaven und Dreher aus Halsbek hatten hier die besten Tiere. Mit einem Zuschlagspreis von 770 Euro teuerster Lammbock wurde ein mit dem Id-Preis ausgezeichnete Tier von Fass. Dieser stark bemuskelte Jungbock hatte als einziger bei der Körung die Note 9 für die Ausprägung der Bemuskelung an Keule, Rücken und Brust bekommen.

Alle zehn angebotenen Böcke der französischen Fleischschafrassen Charollais und Berrichon du Cher konnten abgesetzt werden. Unter den acht Berrichon-Böcken konnte sich ein schicker und korrekter Bock von Dorstmann, Moormerland behaupten und wurde als Klassensieger zum Spitzenpreis von 1.000 Euro versteigert. Von den drei von Barth, Rüssen, aufgetriebenen Blaukopfböcken wechselte in diesem Jahr nur einer für 400 Euro den Besitzer.

 

 

Von 22 aufgetriebenen Böcken der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf (Vorjahr: 43) konnten in diesem Jahr 18 verkauft werden. Wuttge, Krummhörn und Vrielink, Nordhorn, stellten die Klassensieger bei den Jährlingen bzw. Lammböcken. Voigt aus Bene hatte den besten Altbock und das das beste Mutterlamm. Die vier angebotenen Jungschafe erlösten durchschnittlich 272 Euro. Auch die Züchter der sieben verkauften Jährlingsböcke waren mit dem Durchschnittspreis von 514 Euro zufrieden.  

 

 

Mit dem Absatz nicht ganz zufrieden waren die Weißkopfzüchter. Zwar konnten von den fünfzehn Jährlingsböcken elf für durchschnittlich 440 Euro verkauft werden. Aber von den 19 angebotenen Lammböcken fanden neun an dem Tag keinen neuen Besitzer. Heiko und Helge Schmidt, Berne, stellten die Siegerböcke bei den Jährlingen und Warnke, Butjadingen, die Sieger bei den Lammböcken. Der jeweilige züchterische Doppelerfolg der beiden Züchter wurde mit Plaketten von LWK und Ministerium belohnt.

 

 

Auch jetzt stehen noch einige gute, gekörte und leistungsgeprüfte Jungböcke zum Verkauf. Interessenten wenden sich bitte an die Geschäftsstellen der Schafzuchtverbände.

Den Preisspiegel entnehmen sie bitte anhängender Datei.


Kontakt:
Klaus Gerdes
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-611
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 14.11.2018