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Auktionsbericht Wirtschaftsrassen 2019

Der Landesschafzuchtverband Weser-Ems veranstaltete Schafauktionen für Milchschafe und Fleischschafrassen in Cloppenburg und Rodenkirchen.

In Rodenkirchen fand die Auktion in diesem Jahr zum letzten Mal statt und es geht eine mehr als 100-jährige Tradition zu Ende. Der Standort wird auf Beschluss des Beirats vom Landes-Schafzuchtverband aufgegeben und ab 2020 soll eine zweitägige Schafauktion unter dem Namen Schaftage Nord-West in der Münsterlandhalle in Cloppenburg veranstaltet werden. Dort findet Anfang August schon seit 1996 die Körung und Auktion von Ostfriesischen Milchschafen und später auch von Texelschafen und weiteren Fleischschafrassen aus Maedi-unverdächtigen Beständen statt. In diesem Jahr waren dort insgesamt 153 Tiere gemeldet, darunter 79 Milchschafe, 56 Texel und einige Böcke der Rassen Charollais und Rouge de l`Ouest. Damit hat sich diese Veranstaltung mit Abstand zur größten Schafauktion in Niedersachsen entwickelt.

Das Angebot an Milchschafböcken war in diesem Jahr zu groß. Zwar konnten sieben Jungböcke an Interessenten aus Luxemburg und den Niederlanden verkauft werden, aber die Kunden aus England und Israel wurden vermisst. Bei den Milchschafen ist die Auktion seit einigen Jahren bundesweit geöffnet worden. In diesem Jahr nutzten zwei Züchter aus Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen das Angebot und brachten Tiere zum Verkauf nach Cloppenburg. Alle Verkaufstiere stammen aus Maedi-unverdächtigen Beständen und haben den Srapie-Genotyp ARR/ARR (scrapieresistent).  Die 31 verkauften Lammböcke erzielten einen Durchschnittspreis von 458 Euro (Vorjahr: 49 Böcke verkauft für 620 Euro). Höchstpreise von 900 Euro erzielten der Reservesieger von Ahrends aus Eggelingen und der Ia-Bock der jüngsten Altersklasse aus der Zucht von Markus, Leezdorf.  Dieser Bock aus einer Drillingsgeburt wog beim Auftrieb 72 kg und hatte zuvor bei der Körung die Höchstnoten 8/9/8 für die Merkmale Wolle, Bemuskelung und Äußere Erscheinung, bekommen. Die höchste Auszeichnung, eine silberne Plakette des nds. Landwirtschaftsministeriums, bekam der Zuchtbetrieb Schröder, Moordorf, für den Siegerbock. Schröder zählte mit fünf Jungböcken und zwei Jungschafen zu den größten Beschickern der Auktion. Ein Jungschaf von Schröder wurde Reservesieger bei den weiblichen Tieren und konnte für 400 Euro verkauft werden. Den Spitzenpreis von 650 Euro bekam hier Melbaum, Haselünne, für das Siegerschaf. Der Züchter wurde mit der goldenen Plakette der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet. Im Schnitt erreichten die Jungschafe mit 356 Euro einen guten Durchschnittspreis.   

Insgesamt elf schwarze / gescheckte Lammböcke wurden in Zuchtwertklasse I gekört. Hier setzte sich ein schicker Bock aus der Zucht von Ahrends, Eggelingen durch. Die Züchterin erhielt eine bronzene Plakette der Landwirtschaftskammer. Sechs schwarze Böcke fanden in Cloppenburg neue Besitzer.

Neben den Milchschafen wurden über 50 Texelböcke, 9 Charollaisböcke und zwei 2 Rouge de l´Ouest - Böcke zum Verkauf angeboten. Der Auftrieb an Fleischschafböcken wurde in den letzten Jahren stark erweitert und das große Angebot lockte Interessenten aus zahlreichen Bundesländern nach Cloppenburg. Alle Jungböcke waren im Alter von 80 – 120 Lebenstagen im Rahmen einer Feldprüfung gewogen und selektiert worden. Dabei wurden per Ultraschall auch die Muskeldicke und die Fettauflage gemessen. Die gemessenen Werte fließen in eine bundesweite Zuchtwertschätzung für derzeit 25 Schafrassen ein. Kaufinteressenten konnten also gezielt züchterisch wertvolle Tiere auswählen. Die Texeljährlinge/ Lammböcke kosteten durchschnittlich 783/473 Euro. Lediglich 4 jüngere Lammböcke fanden an dem Tag keinen neuen Besitzer. Zwei Jungböcke konnten in die Schweiz abgesetzt werden. Die Lammböcke wurden in vier Altersklassen eingeteilt und rangiert. Klassensieger stellten die Züchter Jacobsen aus Volkensen (2), Zießow aus Delmenhorst und Bremer aus Balge. Zum Siegerbock erklärte der Preisrichter Fischer, Schleswig-Holstein, einen sehr harmonischen und stark bemuskelten Bock von Bremer. Der Züchter wurde mit der silbernen Plakette des Ministeriums und einem Pokal der Stadt Cloppenburg geehrt. Bei der Versteigerung erlöste das Tier den Höchstpreis von 800 Euro. Jacobsen bekam als Auszeichnung für die beiden Klassensieger eine Medaille und eine Stallplakette des Bundesverbandes, der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, VDL. Der Züchter Zießow hatte den besten Jährlingsbock bei den Texelschafen und bekam eine Plakette des Schafzuchtverbandes. Nach einem spannenden Bieterduell wurde der Bock zum Tageshöchstpreis von 1.200 Euro zugeschlagen. Auch das beste Jungschaf bei den Texeln kam aus dem Stall von Bremer. Alle acht angebotenen Jungschafe konnten verkauft werden und erzielten im Schnitt 318 Euro (Vorjahr vier Böcke für 263 Euro). Die Charollais- Jährlingsböcke / Lammböcke kosteten durchschnittlich 650/367 Euro. Erstmalig waren in diesem Jahr zwei Lammböcke der französischen Rasse Rouge de l` Ouest aufgetrieben worden. Kennzeichnend sind der rötliche, unbewollte Kopf und die feinen, rötlichen Gliedmaßen. Die Rasse gilt als mittelgroße und sehr muskulöse Fleischschafrasse. Die beiden Ende Februar geborenen Jungböcke wirkten mit einem Gewicht von gut 50 kg noch relativ jugendlich und fanden an dem Tag leider keinen neuen Besitzer.

Bei der Kaufentscheidung für fleischbetonte Böcke wurde bislang vor allem das Gewicht und die Bemuskelungsnote berücksichtigt. Vermehrt schauen die Kaufinteressenten auf die tägliche Zunahme und auf die bei der Ultraschallmessung festgestellten Werte zur Rückenmuskeldicke und Verfettung. Allmählich werden auch die für die einzelnen Merkmale errechneten Zuchtwerte, die neben den eigenen auch sämtliche Verwandteninformationen berücksichtigen, stärker beachtet.

Letzte Schafauktion in Rodenkirchen

Der Landes-Schafzuchtverband Weser-Ems und der Stader Schafzuchtverband sind mit dem Auktionsverlauf in Rodenkirchen zufrieden. Insgesamt wurden 111 Zuchttiere angeboten und 84 Tiere verkauft. Der Auftrieb war erneut niedriger als im Vorjahr.  Die Ausstellung der prächtigen Zuchtböcke, die 13. Nordwestdeutsche Spinnmeisterschaft und das vielfältige Rahmenprogramm rund ums Schaf lockten wieder viele Besucher an und auch das Wetter spielte mit. Auch der Wollhändler war mit der Anlieferungsmenge zufrieden. Allerdings ist der Auszahlungspreis für ein kg Schweißwolle nach wie vor unbefriedigend.

Die Rasse Suffolk erzielte in diesem Jahr in allen Kategorien die höchsten Durchschnittspreise. Mit 626 Euro für 19 verkaufte Tiere lag der Durchschnittspreis bei den Jährlingsböcken um fast 100 Euro höher als im Vorjahr. Die 21 in Zuchtwertklasse I gekörten Jährlinge wurden in 3 Altersklassen rangiert. Die Klassensieger kamen aus den Zuchten von Dreher, Halsbek, Rüdebusch, Augustgroden und Dreyer, Moorhausen. Siegerbock wurde schließlich der 133 kg schwere und mit den Höchstnoten 8/9/9 ausgestattete, sehr gut bemuskelte Bock von Rüdebusch. Der züchterische Erfolg wurde mit der silbernen Plakette des Landwirtschaftsministeriums belohnt. Bei der Versteigerung konnte das Tier für 1.050 Euro verkauft werden. Den Spitzenpreis von 2.000 Euro erzielte allerdings der Reservesieger von Dreher. Dieser Bock wurde einem Züchter aus Schleswig-Holstein zugeschlagen. Wie im Vorjahr präsentierte Fass aus Wilhelmshaven den besten Suffolk-Lammbock. Das Tier war Mitte Januar geboren und überzeugte nicht nur durch seine Korrektheit und sein Exterieur, sondern auch mit seinen Zahlen aus der Leistungsprüfung (513 g tägliche Zunahme) und Zuchtwertschätzung (Zuchtwert Fleischleistung 109). Der Züchter freute sich über den Verkaufspreis von 950 Euro. Auch der Züchter Dreher war mit dem Durchschnittserlös von 343 Euro für seine vier verkauften Jungschafe zufrieden.

Alle sieben angebotenen Böcke der französischen Fleischschafrassen Charollais und Berrichon du Cher konnten abgesetzt werden. Teuerster Bock mit 670 Euro wurde hier ein Jährlingsbock aus dem Züchterstall Dorstmann, Moormerland.

Von 23 aufgetriebenen Böcken der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf konnten in diesem Jahr 16 verkauft werden. Wuttge, Krummhörn, Schiefner, Ritterhude, Heinbockel, Ebersdorf und Voigt, Berne stellten die Klassensieger bei dieser Rasse. Schiefner hatte den Sieger bei den Lammböcken und wurde mit der bronzenen Plakette der Landwirtschaftskammer geehrt. Der Züchter hat leider im laufenden Jahr die Herdbuchzucht von Schwarzkopfschafen beendet und züchtet künftig nur noch Pferde. Die niedersächsische Schafzucht verliert mit ihm einen Spitzenzüchter, der in den vergangenen Jahren immer wieder hervorragende Zuchttiere auf Landesschauen sowie regionalen und bundesweiten Auktionen stellen konnte und die hiesige Schwarzkopfzucht geprägt hat.

Nicht ganz zufrieden mit dem Verkauf waren die Weißkopfzüchter. Von den 24 Jährlingsböcken (Vorjahr: 15) konnten zweidrittel für durchschnittlich 425 Euro verkauft werden. Von den 13 angebotenen Lammböcken fanden sechs an dem Tag keinen neuen Besitzer. Allerdings lag der Durchschnittspreis hier vier Euro über dem der Jährlinge. Schmidt, Berne und Warnke, Butjadingen, stellten jeweils zwei Ia- Böcke bei den Jährlingen und Lammböcken.  Der züchterische Doppelerfolg der beiden Züchter wurde mit Plaketten der LWK belohnt. Sieger bei den Jährlingsböcken wurde in diesem Jahr ein typvolles Tier aus dem Zuchtbetrieb Kampen, Saterland. Er bekam dafür die silberne Plakette des Ministeriums. Der Bock wechselte für 500 Euro den Besitzer. Höchstpreise von jeweils 600 Euro erzielte Köhne, Nordenham für zwei Jährlingsböcke. Alle acht angebotenen Jungschafe der Rasse konnten zu einem guten Durchschnittspreis von knapp 250 Euro abgesetzt werden. Avramut-Lampe, Jade, erhielt für das Ia-Schaf eine Stallplakette vom Schafzuchtverband.

Der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes, Heiko Schmidt, bedankte sich bei der Gemeinde, der Bürger- und Touristikinformation, dem Landkreis, dem II. Oldenburger Deichband und allen Akteuren, die in den vergangenen Jahren zum Gelingen der Schafauktion und der inzwischen 13. Nordwestdeutschen Spinnmeisterschaften beigetragen haben und lud alle zu den ersten Schaftagen Nord-West am 30./31.07.2020 in Cloppenburg ein.

Auch jetzt stehen noch einige gute, geprüfte Jungböcke und Jungschafe zum Verkauf. Interessenten wenden sich bitte an die Geschäftsstellen der Schafzuchtverbände.


Kontakt:
Klaus Gerdes
Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 0441 801-611
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 09.12.2019