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2019: Kein gutes Jahr für die Kleine Hochsee- und Küstenfischerei in Niedersachsen

Zur Flotte der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei in Niedersachsen gehören 133 Fischereibetriebe. Diese teilen sich auf in 17 Betriebe der Kleinen Hochseefischerei und 116 Küstenfischereibetriebe, inklusive vier Muschelfischereibetriebe. Für die Betriebe, die von Cuxhaven bis Ditzum entlang der Küste beheimatet sind, war 2019 wirtschaftlich kein gutes Jahr.

Für die Muschelfischer haben sich die Standortbedingungen für ihre Kulturen weiter verschlechtert. Als Ursachen dafür werden die zunehmende Verschlickung aufgrund von Bagger–und Verklappungsmaßnahmen, die Ausbreitung der Pazifischen Auster, heiße Sommer, Herbststürme und milde Winter genannt. Nach mehreren Jahren mit wenig Saat- und Konsummuscheln, bei gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen, bangt diese Sparte mittlerweile ernsthaft um den Fortbestand der Betriebe.

Nachdem die letzten Jahre für die anderen Betriebe der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei wirtschaftlich gut verlaufen waren, gab es auch hier 2019 massive Einbrüche. Die Anlandemengen verringerten sich um rd. 40 %. Relativ niedrige Preise sorgten dabei gleichzeitig für ein Umsatzminus von rd. 50%.

In der Kleinen Hochseefischerei konnten die von der Wissenschaft prognostizierten Bestände von den Fischern nicht gefangen und somit die Quoten nicht voll ausgeschöpft werden. Zudem überschwemmten englische und irische Betriebe, wohl aus Unsicherheit darüber, ob/wie nach dem Brexit dort noch verkauft werden kann, den Markt, z.B. mit Kaisergranat. Dies führte zu Einbrüchen bei den Erzeugerpreisen.

Die 112 Küsten- fast ausschließlich Krabbenfischereibetriebe bekamen 2019 die Auswirkungen der übergroßen Lagerbestände aus 2018 zu spüren. Der Handel beschränkte ganzjährig die Abnahme und stellte diese zeitweise über bis zu sechs Wochen komplett ein. Muslimische Feiertage, an denen in Marokko keine Krabbenentschälung stattfindet, trugen zu dieser „Zwangspause“ für die Krabbenfischer bei. Der Preis blieb, aufgrund fehlender Nachfrage, im Jahresdurchschnitt knapp unter 3,-/kg Krabben in Schale. Damit sanken die Umsätze im Verhältnis noch stärker als die Fangmengen gegenüber dem Vorjahr. Grundsätzlich sind die Fischereibetriebe Schwankungen bei Fangmengen und Umsätzen gewohnt und sie sind ihnen, in unterschiedlichem Maße, auch gewachsen. Allerdings wurde 2019 auch deutlich, dass es einerseits Bedarf für Möglichkeiten der Diversifizierung in der Küstenfischerei gibt und dass andererseits das Entschälen der Krabben in Marokko weiterhin ein Flaschenhals ist, der die Annahme- und Absatzkapazitäten des Handels begrenzt.

Ideen, wie die Korb- oder Reusenfischerei in Windparks und neue Verfahren zur Krabbenentschälung sollten darum von Fischereivertretern, aber auch von Politik und Wirtschaft in Zukunft aktiv verfolgt werden.


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Hilke Looden
Fischerei
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Stand: 30.03.2020