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Futter wird knapp

Im Norden herrscht Dürre. Insbesondere Rinderbetriebe fragen sich, wo das Winterfutter herkommen soll, zumal die Grobfutterreserven aus dem Vorjahr früher oder später aufgebraucht sein dürften. Der zweite Schnitt blieb z.T. aus, und der dritte Schnitt brachte, wenn er denn geerntet wurde, auch keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Der eventuell geplante Anbau von Zwischenfrüchten benötigt erst einmal Wasser, aber Regen ist derzeit nicht in Sicht. Silomais ähnelt stellenweise schon Tabakpflanzen, regional wurden die ersten Partien bereits gehäckselt. Welchen Futterwert hat kolbenarmer Mais? Hier können die Untersuchungen aus Brandenburg aus dem Dürrejahr 1999 Orientierungswerte bieten.

Übersicht 1: Futterwert von kolbenarmem Mais (Hertwig und Pickert, 1999)

 

normal

ohne/kaum Kolben, Restpflanze überwiegend grün

ohne/kaum Kolben, Restpflanze vertrocknet

Trockensubstanz        %

34

23

47

Rohprotein       % der TS

8

11

8

Rohfaser          % der TS

20

24

30

NEL                 MJ/kg TS

6,5

5,9

5,5

In Hessen (Weiß, 1990) wurde Maissilage mit geringem Kolbenanteil untersucht, im Schnitt wurden bei einem Gehalt von 22,8 % TS 10,1 % Rohprotein, 23,8 % Rohfaser und 6,16 MJ NEL/kg TS ermittelt.

Wird kolbenarmer Mais mit noch grüner Restpflanze geerntet, ist der hohe Zucker- und Wassergehalt zu beachten.

In der jetzigen Ausnahmesituation kommen schnell Überlegungen ins Spiel, Nebenprodukte wie Pressschnitzel, Biertreber oder Obsttrester zu kaufen. Diese Saftfutter sind zwar hochwertige Komponenten und können Grobfutter ergänzen, aber z.T. ist diese Ware schon ausverkauft. Zudem werden diese Futter häufig zuerst an langjährige Kunden geliefert. Wer also noch Nebenprodukte kaufen will, muss sich sputen. Betriebe, die frühzeitig auf die drohende Futterknappheit durch das Ernten von Getreide als Ganzpflanzensilage reagierten, haben jetzt etwas weniger Sorgen. Landwirte, die díesen Zug verpasst haben, können aber überlegen, im Herbst Getreide für die GPS-Ernte im nächsten Frühsommer anzubauen.

Soll der Kraftfutteranteil in der Ration erhöht werden, ist das in geringem Umfang möglich. Oberstes Gebot hierbei ist, dass die Mischung wiederkäuergerecht bleibt.

Notfutter Stroh

Immer dann, wenn wenig Grobfutter geerntet wird, stoßen Rinderbetriebe auf der Suche nach Strukturfutter unwillkürlich auf Stroh. Vorteilhaft sind die relativ günstige Beschaffung (eigene Ernte, Zukauf aus Ackerbauregionen) und die Möglichkeit der Außenlagerung. Demgegenüber stehen Nachteile wie der geringe Futterwert (schlechte Verdaulichkeit, hoher Lignin- und Rohfasergehalt) und die hohen Nährstoffkosten. Die Stroharten unterscheiden sich nur wenig im Nährstoffgehalt, wohl aber in der Futteraufnahme. So wird das etwas weichere Hafer- und Gerstenstroh besser als Roggen- und Weizenstroh gefressen. Durch Häckseln und Melasseeinsatz wird allgemein ein etwas höherer Verzehr erreicht.

Übersicht 2: Futterwert von Stroh (DLG, 1997)

 

NEL
MJ/kg

ME
MJ/kg

Rohfaser
g/kg

Rohprotein
g/kg

nXP
g/kg

Haferstroh

3,2

6,4

378

30

83

Gerstenstroh

3,2

5,8

380

34

71

Weizenstroh

3,0

5,5

369

32

65

Roggenstroh

2,8

5,2

406

32

64

In futterknappen Zeiten sollte Stroh zunächst an ältere Jungrinder und Trockensteher in der ersten Trockenstehphase verfüttert werden. Mengen von 4 bis 5 kg/Tag sind als Obergrenze anzusehen. Die durch den Stroheinsatz bedingte geringere Nährstoffkonzentration muss durch Kraftfutterkomponenten ausgeglichen werden. Im Milchviehbereich sollten nennenswerte Mengen von ca. 3 bis 4 kg nur bei Kühen mit niedrigen Leistungen eingesetzt werden. Denn 4 kg Stroh decken den Erhaltungsbedarf einer Kuh energetisch nur zu etwa einem Drittel ab. Werden die Rationen durch Stroh gestreckt, ist immer darauf zu achten, dass die Mineralstoff- und Vitaminversorgung durch die Gabe von Mineralfutter gesichert ist.

Stroh auch für Mastbullen?

Mastbullen können ggf. auch mit nennenswerten Strohmengen gefüttert werden, sofern die Ration entsprechend mit Konzentraten ergänzt wird. In Kombination mit Getreide, Harnstoff und Mineralstoffen wurden in einem älteren Versuch im Mittel der Mast etwa 1,2 kg Stroh/Tag gefressen. Die zu Versuchsbeginn knapp 200 kg schweren Bullen erhielten über 203 Tage Getreide und gehäckseltes Weizenstroh ad libitum. Dabei nahmen sie je nach Getreideart 5,6 bis 6 kg Getreide/Tag auf. Durch die beträchtlichen Einbußen bei der Getreideernte steigen die Getreidepreise und verteuern natürlich diese Form der Mast. Ob eine Ration aus Stroh und Getreide bzw. Rindermastfutter für den Mastbetrieb in Frage kommt, muss einzelbetrieblich entschieden werden. Um die Futteraufnahme zu verbessern, kann dem Stroh Melasse zugegeben werden. Gute Erfahrungen wurden in einer Bullenprüfstation mit einer TMR aus ca. 27 % Stroh, 19 % Melasse und 54 % Kraftfutter gemacht.

Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, der Futterengpass jedoch nicht behoben werden kann, bleibt noch der letzte Gedanke - der an den Bestandsabbau. Inzwischen sind vorzeitige Schlachtungen von Milchkühen keine Einzelfälle mehr. Es bleibt nur zu hoffen, dass es bald regnet, damit diese letzte Möglichkeit nicht zum Regelfall wird.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
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Stand: 26.07.2018