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Aus der letzten Dürre gelernt?

Im zweiten Jahr der Dürre sieht es regional sehr unterschiedlich aus. Auf leichten Standorten droht der Mais zu vertrocknen, Futterreserven aus dem letzten Jahr sind vielfach schon aufgebraucht. Ein kleiner Trost ist in diesem Jahr die Grassilage, mit 6,6 bzw. 6,2 MJ NEL/kg TM sind der erste und zweite Schnitt gut. Auch die Erntemengen waren insgesamt erfreulich. Zahlreiche Betriebe haben aus dem vergangenem Dürrejahr gelernt und Getreide-GPS geerntet. Aber zwei Trockenjahre in Folge stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen.

Was können futterknappe Rinderbetriebe tun, um ihre Winterfuttervorräte aufzufüllen?

Sie können nach der Getreideernte Zwischenfrüchte anbauen, sofern es genügend geregnet hat.

Landwirte, die keine GPS geerntet haben, können überlegen, im Herbst Getreide für die GPS-Ernte im nächsten Frühsommer anzubauen.

Inwieweit der Zukauf von Nebenprodukten wie Pressschnitzel, Pülpe oder Biertreber zur Ergänzung des Grobfutters noch möglich ist, muss regional geprüft werden, denn häufig werden diese Saftfutter nur sehr begrenzt angeboten oder fast ausschließlich an Stammkunden geliefert.

Grobfutterangebote sind auch bei der Grundfutterbörse auf der LWK-Website (www.lwk-niedersachsen.de, WC 01018338) zu finden. 

Um kolbenarme Maissilage aufzuwerten, bietet sich der Zukauf von Körnermais an. Welchen Futterwert hat kolbenarmer Mais? Ältere Untersuchungen aus Brandenburg aus dem Dürrejahr 1999 liefern Orientierungswerte.

 

Übersicht 1: Futterwert von kolbenarmem Mais (Hertwig und Pickert, 1999)

 

normal

ohne/kaum Kolben, Restpflanze überwiegend grün

ohne/kaum Kolben, Restpflanze vertrocknet

Trockensubstanz          %

34

23

47

Rohprotein     % der TS

8

11

8

Rohfaser          % der TS

20

24

30

NEL                 MJ/kg TS

6,5

5,9

5,5

Häufig weisen kolbenarme Maissilagen hohe Rohfaser- und Zuckergehalte auf und sind weniger stärkereich. In Haus Riswick wurde ein Hammeltest durchgeführt, um den Futterwert von drei kolbenarmen Maissilagen zu bestimmen.

 

Übersicht 2: Verdaulichkeitsmessungen und Nährstoffgehalte von kolbenarmer Maissilage (LWK NRW, 2018)

Maissilage Nr.

1

2

3

Verd. der org. Substanz     %

68,8

73,3

78,4

Trockenmasse            g/kg TM

383

373

355

Rohprotein                   g/kg TM

100

100

96

Rohfaser                       g/kg TM      

225

223

189

Stärke                          g/kg TM

198

185

259

Zucker                          g/kg TM

< 0,3

21

25

aNDFom                          g/kg TM

475

437

380

ADFom                            g/kg TM

279

292

248

NEL                               g/kg TM

5,85

6,26

6,93

NEL(GfE,2008)              g/kg TM

6,07

6,13

6,75

Kolbenarme Silagen können im Futterwert stark variieren und sehr unterschiedliche Verdaulichkeiten aufweisen, was den Energiegehalt stark beeinflusst.

Soll bei knappen Grobfutterreserven der Kraftfutteranteil in der Ration erhöht werden, ist das in geringem Umfang möglich. Oberstes Gebot hierbei ist, dass die Mischung wiederkäuergerecht bleibt und die Grenzwerte an Stärke und Zucker eingehalten werden.

Notfutter Stroh

Immer dann, wenn wenig Grobfutter geerntet wird, stoßen Rinderbetriebe auf der Suche nach Strukturfutter unwillkürlich auf Stroh. Vorteilhaft sind die relativ günstige Beschaffung (eigene Ernte, Zukauf aus Ackerbauregionen) und die Möglichkeit der Außenlagerung. Demgegenüber stehen Nachteile wie der geringe Futterwert (schlechte Verdaulichkeit, hoher Lignin- und Rohfasergehalt) und die hohen Nährstoffkosten. Die Stroharten unterscheiden sich nur wenig im Nährstoffgehalt, wohl aber in der Futteraufnahme. So wird das etwas weichere Hafer- und Gerstenstroh besser als Roggen- und Weizenstroh gefressen. Durch Häckseln und Melasseeinsatz wird allgemein ein etwas höherer Verzehr erreicht. Je höher der Strohanteil, desto wichtiger ist der Zusatz von Wasser, um selektives Fressen zu vermeiden.

 

Übersicht 3: Futterwert von Stroh (DLG, 1997)

 

NEL

MJ/kg

ME

MJ/kg

Rohfaser

g/kg

Rohprotein

g/kg

nXP

g/kg

Haferstroh

3,2

6,4

378

30

83

Gerstenstroh

3,2

5,8

380

34

71

Weizenstroh

3,0

5,5

369

32

65

Roggenstroh

2,8

5,2

406

32

64

In futterknappen Zeiten sollte Stroh zunächst an ältere Jungrinder und Trockensteher in der ersten Trockenstehphase verfüttert werden, wobei Mengen von 4 bis 5 kg/Tag als Obergrenze anzusehen sind. Statt Mais- oder Grassilage können Jungrinder ab ca. 400 kg auch mit Stroh, Biertrebersilage und Kraftfutter versorgt werden. Die Fütterung von Trockenstehern mit ausschließlich Stroh und Kraftfutter (4 bis 5 kg) wird schon seit längerem in der Praxis angewandt.  Im Milchviehbereich sollten nennenswerte Mengen von ca. 3 bis 4 kg nur bei Kühen mit niedrigen Leistungen eingesetzt werden. Denn 4 kg Stroh decken den Erhaltungsbedarf einer Kuh energetisch nur zu etwa einem Drittel ab. Werden die Rationen durch Stroh gestreckt, ist immer darauf zu achten, dass die Mineralstoff- und Vitaminversorgung durch die Gabe von Mineralfutter gesichert ist.

Stroh auch für Mastbullen?

Mastbullen können ggf. auch mit nennenswerten Strohmengen gefüttert werden, sofern die Ration entsprechend mit Konzentraten, z.B. Körnermais, ergänzt wird. In Kombination mit Getreide, Harnstoff und Mineralstoffen wurden in einem älteren Versuch im Mittel der Mast etwa 1,2 kg Stroh/Tag gefressen. Die zu Versuchsbeginn knapp 200 kg schweren Bullen erhielten über 203 Tage Getreide und gehäckseltes Weizenstroh ad libitum. Dabei nahmen sie je nach Getreideart 5,6 bis 6 kg Getreide/Tag auf. Um die Futteraufnahme zu verbessern, kann dem Stroh Melasse zugegeben werden. Gute Erfahrungen wurden in einer Bullenprüfstation mit einer TMR aus ca. 27 % Stroh, 19 % Melasse und 54 % Kraftfutter gemacht.

Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, der Futterengpass jedoch nicht behoben werden kann, bleibt noch der letzte Gedanke - der an den Bestandsabbau.


Kontakt:
Andrea Meyer (Geschäftsbereich Landwirtschaft, Fachbereich 3.5)
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 05.08.2019