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Pommes-Absatz eingebrochen - Kartoffeln jetzt an Rinder verfüttern

Wegen der Corona-Krise ist der Markt für Pommes frites zum Erliegen gekommen, die Fabriken stehen still. Regional gibt es einen großen Überhang an Kartoffeln, die nicht mehr in der Pommes-Herstellung abzusetzen sind. Und wohin nun mit diesen Partien?  Als Verwertungsmöglichkeiten kommt neben den Biogasanlagen auch die Rinderfütterung in Frage.

Kartoffeln haben einen hohen Futterwert, da sie viel Energie in Form von Stärke enthalten. Allerdings sind sie auch sehr wasserreich, der Trockenmassegehalt liegt durchschnittlich nur bei 22 %. Mit 8,4 MJ NEL/kg TM sind Kartoffeln sehr energiereich. Ihr Eiweiß-, Stärke- und Energiegehalt ähnelt dem von Körnermais. Der nXP-Gehalt liegt bei 162 g und der Rohproteinwert bei 96 g/kg TM. Die negative RNB zeigt, dass eine entsprechende Eiweißergänzung notwendig ist. Kartoffeln zählen zu den Saftfuttern und können einen Teil des Kraftfutters ersetzen. Wegen ihres sehr geringen Rohfasergehaltes ist auf eine ausreichende Strukturversorgung in der Ration zu achten. Vorteilhaft ist, dass die Kartoffelstärke langsamer als die Getreidestärke im Pansen abgebaut wird. So kann mit einer Stärkebeständigkeit von 30 % kalkuliert werden.

Futterwert roher Kartoffeln (DLG-Angabe je kg TM)

TM
%

Rohprotein
g

nXP
g

RNB
g

Stärke
g

Rohfaser
g

NEL
MJ

ME
MJ

22

96

162

-11

710

27

8,4

13,1

Die langsam abbaubare Stärke ist insbesondere für Milchkühe mit hohen Leistungen als günstig anzusehen, da die in den Dünndarm gelangende Stärke über die Umwandlung zu Glukose energetisch besser als im Pansen verwertet wird.

Eine Delikatesse für Kühe

Kartoffeln werden roh an Rinder verfüttert. Schlundverstopfungen treten selten auf, noch unwahrscheinlicher sind sie, wenn mit Futtermischwagen gefüttert wird. Kartoffeln sind sehr schmackhaft, die Kühe lecken sich quasi die Zunge danach, deshalb sollte für jede Kuh ein Fressplatz zur Verfügung stehen. In der Rationsplanung ist zu beachten, dass die Knollen auch Grobfutter verdrängen.

Es sollten nur saubere Knollen verfüttert werden. Auch sollten sie weder angefault noch grün oder stärker gekeimt (Solanin) sein.

Einsatzmengen

Allgemein werden für Milchkühe Höchstmengen von bis zu 10 kg Kartoffeln pro Tag nach ausreichender Gewöhnung empfohlen. An niedrigleistende und trockenstehende Kühe sollten nur geringe Mengen verfüttert werden, damit die gute Stärkeverwertung nicht zu Verfettungen führt. Die Tagesmenge hängt von den jeweils verwendeten Futtermitteln ab: Je maisbetonter die Ration ist, desto weniger Kartoffeln können eingesetzt werden, oder umgekehrt: Je höher der Anteil der Grassilage ist, desto mehr Kartoffeln sind vertretbar. Entscheidend ist, wieviel langsam abbaubare Stärke die Ration enthält. Milchkühe können etwa 1,2 bis   1,5 kg beständige Stärke im Dünndarm verwerten. Kartoffeln enthalten im Durchschnitt ca. 47 g beständige Stärke je kg, das sind etwa 210 g je kg TM und damit mehr als doppelt soviel wie Getreide. Für frischmelkende Kühe liegen die Versorgungsempfehlungen zwischen 30 bis 60 g beständiger Stärke je kg TM.

An Mastbullen lassen sich in Kombination mit Maissilage bis zu etwa 10 kg Kartoffeln verfüttern, während in Grassilagerationen in der Praxis durchaus über 20 kg in der Endmast eingesetzt werden. Als Orientierungswert können etwa 3,0 kg pro 100 kg LG dienen.

Solanin ein Risiko?

Beim Einsatz gekeimter Kartoffeln wird oft nach dem Risiko einer Solaninvergiftung gefragt. Solanin ist ein giftiges Alkaloid, das in Nachtschattengewächsen vorkommt, wozu auch die Kartoffel gehört. Solanin konzentriert sich insbesondere in grünen Kartoffeln und in den Keimen. So gibt es ältere Hinweise auf Solaningehalte von bis zu 50 mg/g Keime. Zum Vergleich: Bis ca. 100 mg Solanin je kg Kartoffel gelten als normal. Es ist sehr schwierig abzuschätzen, ab welcher Konzentration Schäden am Tier auftreten. Würden Untersuchungsergebnisse von Schafen auf Rinder übertragen, ergäbe sich eine Toleranz von etwa 130 g Solanin für ein 600 kg schweres Rind. Danach ist das Risiko einer Vergiftung als eher gering einzuschätzen. Zum Abtrennen der Keime sollten Kartoffeln über ein Sortierband laufen.

Was dürfen Kartoffeln kosten?

Ob sich der Einsatz roher Kartoffeln lohnt, hängt von ihrem Zukaufspreis im Vergleich zum Preis des zu ersetzenden Futtermittels ab. Für die Berechnung der Preiswürdigkeit in der Rinderfütterung werden im folgenden Beispiel Rapsschrot und Weizen gewählt. Um den tatsächlichen Zukaufspreis zu ermitteln, müssen für Lagerung, mögliche Nährstoffschwankungen, zusätzliche Arbeit etc. noch Abschläge vorgenommen werden, die jeder Landwirt selbst zu kalkulieren hat. Als Orientierungswert kann mit Risikoabschlägen zwischen 20 und 30 % gerechnet werden.

Preiswürdigkeit von Kartoffeln in der Rinderfütterung

Bei einem Preis je dt Weizen von

20 €

23 €

und einem Preis je dt Rapsschrot von

25 €

30 €

25 €

30 €

dürfen Kartoffeln für Kühe … €/dt kosten

dürfen Kartoffeln für Bullen … €/dt kosten

4,80

4,60

4,70

4,40

5,60

5,50

5,50

5,30

Wenn Rapsschrot z.B. 30 €/dt und Weizen 20 €/dt kosten, sind Kartoffeln inkl. Risikoabschlag von 30 % maximal 3,30 €/dt für Milchkühe wert. Hierbei sind mögliche Transportkosten noch nicht berücksichtigt.

Abschließend ist zu sagen, dass ein Verfüttern von Kartoffeln nur sinnvoll ist, wenn sie über längere Zeit eingesetzt werden können. Von einem Zukauf geringer Mengen zu Schnäppchenpreisen ist daher abzuraten.


Kontakt:
Andrea Meyer (Geschäftsbereich Landwirtschaft, Fachbereich 3.5)
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 30.04.2020